Asien Kurier  2/2010 vom 1. Februar 2010
Asien / Börsen

Weltbörsen: Asiaten hängen Westen ab

Von Manuel Haglmüller, Pressetext, Wien mit Material von Ernst & Young

Europäische und US-amerikanische Top-Konzerne mussten im weltweiten Vergleich zu 2009 eine klare Schlappe gegenüber asiatischen und südamerikanischen Unternehmen einstecken. Die Erholung der Aktienmärkte fiel in den Schwellenländern merklich stärker aus als in den Industriestaaten.

Ranking Top 100

Immer mehr Firmen vorwiegend aus China ziehen daher an den westlichen Spitzenkonzernen vorbei, wie die Unternehmensberatung Ernst & Young (E&Y) aufzeigt. Die Zahl der deutschen Unternehmen unter den 100 an Marktkapitalisierung weltgrößten Betrieben hat sich in den vergangenen zwölf Monaten auf nur mehr vier halbiert.

Obwohl die meisten deutschen Top-Konzerne an Wert zulegen konnten, rutschten sie im internationalen Vergleich weiter ab. Die Bundesrepublik fiel somit im Länder-Ranking vom zweiten Platz hinter die USA, China, Großbritannien, Frankreich und Japan zurück. Gegenüber den chinesischen Mitwerbern verloren Europa und die USA an den Weltbörsen an Gewicht. Hier sind die Zahlen der bedeutendsten Konzerne auf 34 bzw. 39 weiter gesunken, während allein China mittlerweile mit elf Unternehmen in den Top-100 vertreten ist.

Top 10 – Die zehn teuersten Unternehmen

BRIC-Länder auf dem Vormarsch

Vor allem die sogenannten BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) spielen an den Weltbörsen eine immer wichtigere Rolle: Im Top-100-Ranking konnten sich zum Jahresende 18 Unternehmen - gegenüber elf im Vorjahr - aus diesen Ländern platzieren. "Die Investoren sind sich offenbar einig, dass das nächste Jahrzehnt den Schwellenländern gehören wird. Während die Industriestaaten noch lange unter den Folgen der Finanzkrise leiden werden, wächst die Bedeutung der Schwellenmärkte rasant", kommentiert Hollweg.

"Die Weltwirtschaft entwickelt sich zu einem multipolaren System mit mehreren bedeutenden Wachstumsregionen. Die aktuelle Krise hat diese Entwicklung noch verstärkt", so Hollweg weiter. "Vor allem China ist eindeutig einer der Top-Player der Zukunft. Die Bedeutung Chinas und chinesischer Unternehmen für die Weltwirtschaft wird weiter steigen. Das spiegelt sich schon heute in den Börsenkursen wider". Die chinesische Wirtschaft wächst - angetrieben von den staatlichen Konjunkturprogrammen - wieder kräftig, die Volksrepublik scheint die Krise relativ gut zu überstehen. Für 2010 wird sogar wieder mit einem zweistelligen Wirtschaftswachstum in China gerechnet.

Noch zur Jahreswende hatten der Absturz der Rohstoffpreise und die globale Rezession die Aktien von Unternehmen aus den BRIC-Staaten erheblich belastet. "Die Krise hatte kurzfristig zu einem Einbruch des Vertrauens in die Schwellenländer geführt. Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass diese die Krise besser überstehen als der Westen. China, Indien und Brasilien sind derzeit klar die Hoffnungsträger der Investoren", beobachtet Hollweg.

Gesamtmarktkapitalisierung

Wert der Top-100 steigt um 2.600 Mrd. US$

Die Finanzindustrie konnte sich nach ihrem kräftigen Dämpfer 2008 im Vorjahr deutlich erholen. Nach 16 Top-100-Kandidaten im Jahr 2008 erhöhte die Branche ihren Anteil wieder auf 24. Banken steigerten sich von zwölf auf 21 besonders deutlich. "Einige Banken konnten jüngst überraschend gute Zahlen vorlegen", meint E&Y-Geschäftsführer Hendrik Hollweg. Beobachter gingen davon aus, dass die Finanzbranche das Schlimmste überstanden habe und "einige Institute nun sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen". Mit einem Zuwachs von 92 Prozent steigerten die Top-100-Vertreter der Finanzbranche ihren Wert auf 2.730 Milliarden US$.

Trotz Wirtschaftskrise konnten E&Y zufolge auch die Betriebe der Energie- und Rohstoffbranche an Gewicht zulegen. Anziehende Energiepreise würden gerade Öl- und Gaskonzerne attraktiver machen. Die beiden weltweit höchstbewerteten Unternehmen waren Ende 2009 Petrochina mit einer Marktkapitalisierung von 353 Milliarden US$ und Exxon Mobil mit 324 Milliarden US$. Insgesamt kletterte der Wert der 100 weltgrößten Firmen im vergangenen Jahr von 9.322 auf 11.901 Milliarden US$.