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Von den anhaltenden Wachstumserfolgen in etlichen asiatischen Staaten geht zweifellos ein erheblicher Veränderungsdruck für die Welt aus ? und zwar im Positiven wie im Negativen. Während zu den vorteilhaften Folgen etwa die Befreiung vieler Menschen aus Rückständigkeit und Armut zählt, gehört zu den kritischen Entwicklungen eindeutig die Verschärfung der Umwelt- und Ressourcenfrage. Hier kommt Asien aufgrund seiner hohen Bevölkerungsdichte sogar eine Schlüsselrolle zu.
Von den 9 Milliarden Erdenbewohnern, die man für das Jahr 2050 prognostiziert, werden die meisten Asiaten sein. Umso bedenklicher ist es, dass man sich in den aufstrebenden asiatischen Ökonomien einer weitgehend unreflektierten Nachahmung des westlichen Konsumkapitalismus verschrieben hat, der sich an den natürlichen Grundlagen und Beschränkungen des Wirtschaftens betont uninteressiert zeigt. Dieses chronische Desinteresse ist schon im westlichen Rahmen als äußerst problematisch zu werten. Eine fortgesetzte Befolgung dieser Wirtschaftsdoktrin in Asien droht schon in den nächsten beiden Dekaden katastrophale Konsequenzen zu haben.
Diese Sorge ist für den malaysischen Unternehmer und Umweltaktivisten Chandran Nair der Ausgangspunkt, eine genuin asiatische Haltung zu dieser Menschheitsherausforderung anzumahnen. Zwar konstatiert er eine zunehmende Offenheit für Umweltfragen, andererseits macht er aber speziell bei asiatischen Führungskräften fundamentale Denkblockaden aus, wenn es darum geht, die alten Management-Weisheiten zu hinterfragen. Dies ist für Nair nicht verwunderlich, denn diese Personen haben ja unter den etablierten Bedingungen ihren Aufstieg realisiert, den man nicht gern infrage gestellt sehen will. Nichtsdestotrotz sei eine Abkehr vom dominierenden konsumorientierten Wachstumsmodell dringend erforderlich, da dessen Auswirkungen bereits jetzt für den Kontinent mehr Schaden als Nutzen stiften.
Geschickterweise vermeidet Nair eine wohlfeile Kritik des Westens wie des Kapitalismus, die nur dazu einladen würde, ihn des Querulantentums zu bezichtigen. Stattdessen plädiert er dafür, die erstaunliche Flexibilität des Kapitalismus zur Entwicklung innovativer Lösungen zu nutzen. Gleichzeitig bestreitet er das alte Dogma, wonach Wachstum zu Wohlstand und dann zu besseren Umweltbedingungen führen würde.
Der einzige Weg, den drohenden Problemen entgegenzusteuern, besteht für Nair vielmehr in einer echten Konsumbeschränkung. Dabei geht er realistischerweise davon aus, dass ein solches Umsteuern vielen aktuellen Profiteuren nicht schmecken dürfte. Deshalb sei es zur Gewinnung einer breiten Akzeptanz nötig, Strategien zu erarbeiten, die sowohl ökologisch vertretbar als auch sozial gerecht sind. Dann müsse ein starker Staat mit hohem Regulierungsanspruch dafür sorgen, dass die tatsächlichen Kosten der Umweltbelastung in die Produktpreise eingespeist werden. Parallel brauche es zudem strenge Obergrenzen bei Energie- und Rohstoffverbrauch und müsse den Gemeingütern ein höherer Wert gegenüber Statusobjekten eingeräumt werden.
Insgesamt fordert Nair nicht weniger als ein grundsätzliches Nachdenken darüber, wie man künftig in Asien arbeiten und leben will. Das ist eine gute Nachricht, denn viel zu lange hat man die offenkundigen Risiken schlicht verdrängt oder sich für nicht zuständig erklärt. Gleichwohl bleibt sein Buch doch stark im Ungefähren. Hier hätte man sich etwas mehr Präzision im Detail gewünscht.
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