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Asien Kurier  8/2011 vom 1. August 2011
China

Lukrative Geschäfte mit Medizintechnik

In 2011 Wachstum von einem Fünftel erwartet; Importe legen kräftig zu; ein Ende des Booms ist nicht abzusehen

Von Bernd Schaaf, Germany Trade & Invest in Shanghai

Der chinesische Markt für Medizintechnik sorgt für keinerlei Überraschungen. Ungeachtet aller Krisen wächst die Nachfrage jährlich um ein Fünftel, und auch 2011 wird sie sich innerhalb dieses Langzeittrends entwickeln. Beobachter gehen davon aus, dass erstmals die 20-Milliarden-US$-Grenze erreicht wird. Von dem steigenden Bedarf profitieren insbesondere auch ausländische Lieferanten. So legten die Einfuhren in den ersten vier Monaten um ein knappes Drittel zu.

Hospital in der VR China In den zentral- und westchinesischen Provinzen besteht großer Bedarf an westlicher Medizintechnik.
Foto: Li Yuan

VR Chinas Markt für Medizintechnik bleibt in einem dynamischen Aufwärtstrend. Zur Jahresmitte 2011 liegen sämtliche Indikatoren im grünen Bereich, und es wird damit gerechnet, dass der Bedarf im Vergleich zu 2010 wieder mindestens um ein Fünftel zulegen wird. So gingen die Umsätze der chinesischen Medizintechnikhersteller in den ersten vier Monaten 2011 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 24,3 Prozent auf 35,9 Milliarden Renminbi Yuan (3,85 Mrd. Euro, 1 Euro = 9,33 Renminbi, 3-Monatsmittel) nach oben, und bei den Importen wurde gar ein Zuwachs von 32,0 Prozent auf 2,0 Milliarden US$ gemeldet. Auch die Investitionen in den Gesundheitssektor insgesamt wurden um 18,4 Prozent auf 38,8 Milliarden Renminbi ausgeweitet.

Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen, da die großen Trends weiterhin intakt sind. Erstens trägt die rasche Überalterung der chinesischen Bevölkerung zur wachsenden Nachfrage bei. Und zweitens verlagert sich die Nachfrage zusehends in die Zentral- und Westprovinzen, die ausnahmslos das medizintechnische Niveau der entwickelten Ostküste im Visier haben.

Von diesen langfristigen Trends profitieren insbesondere ausländische Anbieter, die in vielen Spitzenbereichen die Nase vorn haben. Für deutsche Medizintechnikhersteller ist der chinesische Markt ein "Muss". Schon 2010 lag das Reich der Mitte als Abnehmer deutscher Technik nach den USA, Frankreich und den Niederlanden auf Rang vier. Beobachter erwarten, dass China im laufenden Jahr als Kunde die Niederlande überrundet.

Gesundheitsausgaben in der VR China Gesundheitsausgaben in der VR China
Quelle: Ministry of Health (MoH)

Die gesamten Ausgaben für den Gesundheitssektor erreichten 2010 nach Angaben des Gesundheitsministeriums 1.960 Milliarden Renminbi. Dies entsprach einem Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 21,6 Prozent. Damit wurden wiederum etwa 5 Prozent des Bruttosozialprodukts in den Healthcare-Sektor gesteckt. Seit 2006 haben sich die Gesundheitsausgaben Chinas damit exakt verdoppelt. Landesweit existierten 2010 nach MoH-Angaben 937.000 Einrichtungen zur medizinischen Versorgung - 20.000 mehr als vor Jahresfrist. 5,8 Milliarden Patientenbesuche wurden gezählt, das sind 350 Millionen mehr als im Vorjahr. Im gesamten Sektor sollen per Ende Dezember 8,2 Millionen Beschäftigte gearbeitet haben, was einem Zuwachs von 5 Prozent entspricht.

Nach einer Planung des MoH, die bis 2020 gelten soll, wird der Gesundheitssektor kontinuierlich weiter ausgebaut. Bis zum Ende der Dekade dürften dann 12,55 Millionen Menschen in diesem Bereich arbeiten. Das wären 50 Prozent mehr als noch 2010. Pro Tausend Einwohner sollen dann 2,1 Ärzte, 3,1 Krankenschwestern und 0,8 sonstiges Personal zur Verfügung stehen.

Die Umsätze der rund 1.200 chinesischen Hersteller von Medizintechnik beliefen sich 2010 nach Angaben der NDRC auf 114,3 Milliarden Renminbi. Davon entfielen knapp 15 Prozent auf die fünf größten Firmen, die ausnahmslos im Nordosten des Landes angesiedelt sind. Platzhirsch mit Erlösen von mehr als 10 Milliarden Renminbi ist die in Weihai in der Provinz Shandong ansässige Weigao-Gruppe. Alle anderen Player stellen weniger als 1 Prozent der gesamten Branchenumsätze.

Markt für Medizintechnik in China Markt für Medizintechnik in China
Quellen: NDRC; Chinesische Zollstatistik, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Der chinesische Import von Medizintechnik ging relativ unbeschadet durch die Krise und legte auch 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 28,1 Prozent auf 5,7 Milliarden US$ zu. Damit lag das Reich der Mitte ungefähr gleichauf mit Frankreich. Auf Basis der Entwicklung in den ersten vier Monaten 2011 rechnen Beobachter damit, dass die Einfuhren im Gesamtjahr um mindestens 20 Prozent auf 6,7 Milliarden US$ steigen werden.

Unterdessen wird China als Abnehmer deutscher Medizintechnik immer wichtiger. Schon 2010 waren die chinesischen Branchenimporte aus Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 30,1 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden US$ gewachsen. Und 2011 wird mit einer weiteren Steigerung um ein Viertel auf dann 1,5 Milliarden US$ gerechnet. Aktuell liegt Deutschland als Lieferant für den chinesischen Markt auf Rang zwei hinter den USA und stellt etwa ein Fünftel der Gesamtbezüge.

Knapp 40 Prozent der chinesischen Importe entfielen 2010 auf Strahlenmedizin. In diesem Segment lag China mit Importen im Umfang von 2,1 Milliarden US$ weltweit auf Rang zwei nach den USA (3,6 Mrd. US$). Deutsche Anbieter stellten einen Anteil von 26,4 Prozent und verteidigten dabei ihre Spitzenposition.

Dennoch ist auch in China nicht alles Gold, was glänzt. Einerseits ist China selbst zwischenzeitlich zu einem großen Medizintechnikproduzenten herangewachsen. Als Exporteur lag das Reich der Mitte 2010 im weltweiten Maßstab gesehen noch vor Japan auf Rang vier nach den USA, Deutschland und den Niederlanden mit Ausfuhren im Wert von 6,1 Milliarden US$. In der Folge wird der heimische Bedarf im unteren und mittleren Segment zusehends von chinesischen oder Joint-Venture-Anbietern gedeckt.

Auf der anderen Seite herrscht im Spitzensegment ein harter (Preis-)Wettbewerb. Sehr stark sind US-Anbieter, die 2010 gut 31 Prozent der chinesischen Importe stellten und auch Japan ist als Lieferant mit Anteilen von 19 Prozent gut vertreten. Zumindest im Bereich Elektromedizin spielen auch die Niederlande und Frankreich als Anbieter eine gewisse Rolle.

Adressen

Ministry of Health (MoH)
1 Xizhimenwai Nanlu, Xicheng District
100044 Beijing
Tel.: 86 10 6879 2114
Email: manage@moh.gov.cn
Web: www.moh.gov.cn

Center for Medical Device Evaluation (SFDA)
3-5. Floor, Tower B-3, Building 5
9 Chegongzhuang Street, Xicheng District
100044 Beijing
Tel.: 86 10 6839 0605
Fax: 86 10 6839 0705
Email: office@cmde.org.cn
Web: www.cmde.org.cn

China Association for Medical Devices Industry (CAMDI)
C-603, Chengming Tower
2 Xizhimen South Street
100035 Beijing
Tel: 86 10 5190 5376
Fax: 86 10 5190 5377
Email: camdi@cmic.com.cn
Web: www.camdi.org

Zhongguo Yiliao Qixie Zhaobiaowang
(Netz für Ausschreibungen der Chinesischen Medizintechnik)
90 Beiwa Road, Haidian District
100037 Beijing
Tel.: 86 10 8682 0386
Fax: 86 10 6843 8353
Email: ezhaobiao@163.com
Web: www.ezhaobiao.com





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