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"Rohstoffe und Bergbau in Asien 2012"

Asien Kurier - Report

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Asien Kurier  2/2012 vom 1. Februar 2012
China

China strebt Internationalisierung des Renminbi an

Mehr Renminbi-Geschäfte über Hongkong; Spekulationen über Freigabe des Wechselkurses. Ein Ende der jahrzehntelangen Kopplung des Hongkong-Dollars an den US$ ist zu erwarten.

Von Roland Rohde in Hongkong und Stefanie Schmitt in Bonn, beide Germany Trade & Invest

Die Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi Yuan macht kräftige Fortschritte. In den ersten drei Quartalen 2011 vervielfachte sich das in Renminbi abgewickelte Handelsvolumen gegenüber der Vorjahresperiode um das 6,9-fache. Das Ende 2011 mit Japan geschlossene Handelsabkommen wird diesen Trend weiter verstärken. Bislang läuft das Gros des Renminbi-Handels aber über Hongkong. Andere Handelszentren wie Singapur sind im Gespräch.

Die VR China will dem Renminbi (1 Euro = 8,49 Renminbi, 3-Monatsmittel) international mehr Gewicht verleihen. Letztlich geht es darum, ihn als internationale Reservewährung zu etablieren. Dabei verfolgt Beijing interessanterweise die Strategie, der Konvertierbarkeit der heimischen Währung ihre Internationalisierung voranzusetzen.

Tatsächlich ist der Renminbi nach wie vor nicht frei handelbar. Mit anderen Worten: sein Kurs wird nicht am Markt bestimmt, sondern schwankt vielmehr in einem engen Band um einen von der chinesischen Zentralbank festgesetzten Referenzkurs. Hinzu kommen strikte Kapitalverkehrskontrollen. Deren Lockerung oder gar Aufgabe dürfte den chinesischen Währungsbehörden in der gegenwärtigen Situation indessen wenig wünschenswert erscheinen, da sie mit deren Hilfe die Kontrolle über Einlagen- und Kreditzinsen, quantitative Kreditvergaberichtlinien sowie eine Rationierung des Anleihemarktes beibehalten können, analysierte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einem Bericht vom Dezember 2011.

Vor diesem Hintergrund wundert es daher nicht, dass die chinesische Währung bei internationalen Transaktionen bislang nur eine sehr unbedeutende Rolle spielt. Nach BIZ-Angaben war sie 2010 nur an 0,9 Prozent aller Devisenmarkttransaktionen beteiligt (der US$ brachte es auf 85%). Dessen ungeachtet sind sich viele Finanzexperten aber darin einig, dass die Internationalisierung der chinesischen Währung in den letzten Jahren viel schneller als erwartet vorangeschritten ist. Zwar dürften noch viele Jahre vergehen, bis der Renminbi einen Status wie der Euro oder selbst der US$ erreicht hat. Trotzdem wird er weiter rasch an Bedeutung gewinnen. So hat sich das in Renminbi abgewickelte Handelsvolumen laut chinesischer Zentralbank in den ersten drei Quartalen 2011 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um das 6,9-fache auf 1.540,98 Milliarden Renminbi gesteigert.

Dieser Trend wird sich mit dem Ende 2011 vereinbarten Währungsabkommen zwischen der VR China und Japan weiter verstärken. Danach sollen grenzüberschreitende Geschäfte künftig statt in US$ vermehrt in Yen oder in Renminbi abgewickelt werden. Angesichts des riesigen bilateralen Handelsvolumens gilt das Abkommen als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Renminbi-Internationalisierung. Allein im Jahr 2010 lieferte China den Statistiken der UN Comtrade zufolge Waren im Wert von rund 121 Milliarden US$ nach Japan und kaufte von dort Güter für circa 176 Milliarden US$, Tendenz weiter steigend.

Grundsätzlich arbeitet Beijing an mehreren "Fronten", um die Internationalisierung des Renminbi voranzutreiben. So startete die Zentralregierung im Juli 2009 ein Pilotprojekt, das 365 ausgewählten Firmen aus vier Städten in der Provinz Guangdong sowie aus Shanghai die Möglichkeit einräumte, Handelsgeschäfte mit ihren Partnern in Hongkong direkt in Renminbi abzuwickeln. Bis Ende 2010 wurde das neue Zahlungsschema auf 20 Provinzen ausgeweitet. Auf diese entfielen 95 Prozent des chinesischen Außenhandels. Gleichzeitig war die Zahl der für die Abwicklung grenzüberschreitender Renminbi-Transaktionen lizenzierten Unternehmen auf 67.400 gestiegen. Im Laufe des Jahres 2011 wurden sämtliche Provinzen und Handelsfirmen in das Schema einbezogen, sodass 100 Prozent des Außenhandels theoretisch in Renminbi abgerechnet werden können.

Bislang laufen schätzungsweise 80 Prozent der Transaktionen über Hongkong, nicht zuletzt deshalb, weil mit Ausnahme von Macau und einigen ASEAN-Ländern noch keine Renminbi-Konten im Ausland eröffnet werden dürfen. Daher müssen Renminbi in Hongkong in entsprechende Auslandswährungen umgetauscht werden. Hierfür sind neben der dominierenden Bank of China (BOC) erst einige Finanzinstitute autorisiert. Allerdings bietet die BOC günstigere Raten.

Der Wert der via Hongkong abgewickelten Renminbi-Handelstransaktionen ist in der Folge rasant gestiegen, und auch der Wert der auf Hongkonger Konten liegenden Renminbi hat sich drastisch erhöht. Bereits seit 2004 ist es zwar möglich, dort ein Renminbi-Konto zu eröffnen. Doch bis 2009 tat sich relativ wenig. Ende 2009 beliefen sich die gesamten Einlagen laut Angaben der Monetary Authority auf gut 60 Milliarden Renminbi. Allein innerhalb des Jahres 2010 haben sie sich auf über 300 Milliarden Renminbi verfünffacht.

Ausländische Unternehmen, die ihre Handelsgeschäfte mit ihren chinesischen Partnern in Renminbi abwickeln wollen, sollten zunächst ein Renminbi-Konto in Hongkong eröffnen. Dabei können ihnen auch die Niederlassungen ihrer Hausbanken helfen. Wie André Merz, Vice President der Commerzbank Hong Kong, berichtet, drehten sich inzwischen 90 Prozent aller Kundengespräche um dieses Thema. Er rät allen Unternehmen, sich rechtzeitig mit dem neuen Zahlungsschema auseinanderzusetzen. Zudem zeichnet er ihnen auch wirtschaftliche Vorteile auf. In einem Fall konnte ein Kunde von seinem chinesischen Lieferanten einen Preisnachlass von 10 Prozent erwirken, weil er sich bereit erklärt hatte, das Geschäft in Renminbi abzuwickeln.

Noch laufen die meisten Renminbi-Transaktionen über Hongkong, doch schon bald könnten andere wichtige Handelspartner Chinas einen ähnlichen Status wie die Stadt am Perlflussdelta erhalten. Im Gespräch soll nach Aussagen von Branchenkennern vor allem Singapur sein. Mittelfristig dürfte der Renminbi aber - da sind sich alle Finanzexperten einig - frei konvertierbar werden. Gestritten wird im Prinzip nur noch über das genaue Datum.

Die Zentralbank Chinas gab Anfang 2011 einen Zeitrahmen von fünf Jahren vor. Gleichzeitig räumte sie ein, dass es auch schneller gehen könne. Commerzbank-Repräsentanten rechnen sogar schon für Ende 2012/Anfang 2013 mit einer Freigabe des Renminbi-Wechselkurses. Die ausländischen Währungsreserven Chinas hätten inzwischen einen derart hohen Wert erreicht, dass die Kosten zu deren Neutralisierung langsam untragbar würden.

Für Hongkong hätte die Freigabe der Wechselkurses weitreichende Folgen. Die Monetary Authority hat bereits klar gemacht, dass in diesem Falle die jahrzehntelange Kopplung des Hongkong-Dollars (HK$) an die schwache US-Währung fallen würde. Analysten erwarten, dass der Wechselkurs zunächst ebenfalls freigegeben wird. Später käme gegebenenfalls eine Bindung des HK$ an den Renminbi in Betracht.

Insgesamt dürfte die zu erwartende Entwicklung den Finanzstandort Hongkong dauerhaft stärken. Die Banken gewinnen derzeit viel Erfahrung im Geschäft mit dem Renminbi und investieren zugleich in ihre Software. Zum Zeitpunkt der Freigabe des Renminbi-Kurses werden sie somit über einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten in anderen Ländern verfügen.





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