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"Solar- und Windenergie in der VR China 2011"

Asien Kurier - Report

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Asien Kurier  2/2012 vom 1. Februar 2012
China

Boom bei Windkraftanlagen in der Inneren Mongolei

Chinaweit größter Standort für Strom aus Windkraft; Bedeutung der Provinz für fossile Energieträäger wächst ebenfalls

Von Corinne Abele, Germany Trade & Invest in Beijing

Die Innere Mongolei, die drittgrößte Flächenprovinz in der VR China, baut ihre Position als Energielieferant aus. Dies gilt nicht nur für Strom aus Kohle, sondern auch aus Wind und Sonne. Bis 2050 sollen die Kapazität zur Erzeugung von Windstrom rund 390 GW erreichen. Benötigt wird der Strom trotz des Aufbaus energieintensiver Industrien vor Ort vor allem in den Industriezenten im Nordosten und Südosten des Landes. In der Folge sind gewaltige Investitionen in das Stromnetz notwendig.

Vorhaben im Energiebereich in der Inneren Mongolei Vorhaben im Energiebereich in der Inneren Mongolei innerhalb des zwölften Fünfjahresprogramms 2011 bis 2015
Quelle: GTAI-Recherche

Die Innere Mongolei wird als Energielieferant nicht nur für Nordchina immer wichtiger. Sie verfügt über die landesweit zweitgrößten Kohle- und Gasvorkommen. Energie aus fossilen Rohstoffen spielt dabei in Zukunft weiter eine wichtige Rolle, gerade auch um energieintensive Industriezweige wie die Stahl-, Zement- oder auch die Glaserzeugung mit billigem Strom zu versorgen. In die Schlagzeilen gelangte die Provinz 2010 jedoch aufgrund ihrer erneuerbaren Energiequellen, allen voran der vorhandenen Kapazitäten für Windkraft. Bereits jetzt ist die Provinz Sitz von zwei der landesweit acht großen Windkraftstandorte mit jeweils einer Kapazität von über 10 GW. Diese bestehen aus mehreren, konzeptionell zusammenhängenden Windkraftparks. Darüber hinaus wird in Erdos seit Mai 2011 das größte thermische Solarkraftwerk mit einer Kapazität von 50 MW gebaut, das 2014 in Betrieb gehen soll. Gemäß dem zwölften Fünfjahresprogramm (2011 bis 2015) für die Provinz soll der Anteil nicht-fossiler Energieträger am Primärenergieverbrauch von Ende 2010 knapp 1,2 auf 5 Prozent in 2015 steigen.

Auch für die landesweit bis 2015 für den Bereich der nicht-fossilen Energien formulierten Ziele spielt die Innere Mongolei eine wichtige Rolle. Bereits Ende 2010 verfügte die Provinz über rund ein Drittel der landesweiten Erzeugungskapazitäten für Strom aus Windenergie. Im Oktober 2011 stellten die Internationale Energieagentur (IEA) und das unter der National Development and Reform Commission (NDRC) angesiedelte Energy Research Institute auf der "Wind Power China" in Beijing ihre "Technology Roadmap" vor. Danach soll die Windkrafterzeugung von rund 10 GW Ende 2010 auf 390 GW (rund 39 Prozent der landesweiten Kapazitäten) im Jahr 2050 aufgestockt werden. Davon dürften allein 300 GW im Westen der Inneren Mongolei liegen.

Management und Wartung derartig großer Windkraftparks stellen eine Herausforderung dar; entsprechendes Know-how ist im Land kaum vorhanden. Ausländische Windkraftfirmen sehen daher in diesem Bereich einen neuen Markt entstehen, in den sie ihr Fachwissen und ihre Erfahrung einbringen können. Ebenfalls könnte die allein in der Provinz selbst entstehende gewaltige Nachfrage nach Windkraftanlagen und deren Komponenten die Region als Standort auch für ausländische Komponentenhersteller für die Branche interessant machen. Vestas und Repower haben bereits in Hohhot beziehungsweise Baotou investiert.

Für ausländische Windanlagenbauer ist der Markt landesweit sowie in der Region schwierig. Denn die NDRC verfolgt bei der Vergabepraxis für die großen Windparks konsequent eine Billigpreis-Politik, die Aspekte wie Anfälligkeit, Wartungsintensität oder Lebensdauer einer Windkraftanlage weitgehend außen vor lässt. Dies hat dazu geführt, dass der Markt für ausländische Anbieter von Windkraftanlagen selbst mit Produktionsstätten vor Ort äußerst schwierig geworden ist. So plant die Firma Repower, welche im Oktober 2011 vollständig vom indischen Suzlon-Konzern übernommen worden ist, sich künftig aus dem Markt zurückzuziehen.

Die große Aufmerksamkeit, die der schnelle Ausbau der Windkraftkapazitäten in der Inneren Mongolei auf sich zieht, lenkt häufig davon ab, dass auch die Kohlekraftkapazitäten in der Provinz bis 2015 um rund 24 GW auf 96 GW steigen sollen. Die anvisierten Ziele für Energie aus Solarkraft sowie aus Biogas und Biomasse nehmen sich mit insgesamt 1 GW im Vergleich hingegen bescheiden aus. Fest steht, dass das Stromnetz mittelfristig nicht nur mit einer generell höheren Einspeisung, sondern überdies mit deutlich größeren Belastungsschwankungen fertig werden muss. Um dies zu gewährleisten, sind nicht nur enorme Investitionen in den Leitungs- und Speicherausbau notwendig, sondern auch in eine schnelle Integration der bislang regional organisierten Netze.

Strom aus der Inneren Mongolei wird bislang im Wesentlichen in das nördliche Stromnetz (Huabei Dianwang) eingespeist, das neben rund 60 Prozent der Inneren Mongolei auch die Provinzen Shanxi und Hebei sowie Beijing und Tianjin umfasst. Bislang ist unklar, wie der Ausbau der Netzkapazitäten mit den im Bau befindlichen und darüber hinaus geplanten Windkraftkapazitäten Schritt halten soll. Nach Darstellung der Zeitschrift "Windpower Monthly" konnten allein in den ersten vier Monaten 2011 rund 40 Prozent des in der Inneren Mongolei erzeugten Windstroms nicht eingespeist werden. Innerhalb des zwölften Provinz-Fünfjahresprogramms sind daher allein 22,3 Milliarden Renminbi Yuan (2,63 Mrd. Euro, 1 Euro = 8,49 Renminbi, 3-Monatsmittel) für den Ausbau des Stromnetzes vorgesehen. Dies schließt den Bau von rund 8.800 km Übertragungsleitungen ein. Lokalen Pressemeldungen zufolge plant der staatliche Netzbetreiber State Grid 2011 bis 2015 insgesamt 500 Milliarden Renminbi in Ultrahochspannungsleitungen zu investieren, darunter auch in eine Strecke von Xilin Gol Meng in der Inneren Mongolei in die Provinz Jiangsu im Osten des Landes.

Einige Industriezentren in der Inneren Mongolei versuchen, das große Potenzial an erneuerbaren Energien zu nutzen und entsprechende Zulieferer und Anlagenbauer zu etablieren. So plant beispielsweise Hohhot ein Cluster aufzubauen, das die komplette Produktionskette für die Solarindustrie - vom Silizium bis hin zur Solarzelle einschließt. Bereits 2010 wurden in der Stadt jährlich 10.000 Tonnen mono- und polykristallines Silizium produziert.





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