
Zum Jahresbeginn 2010 entsteht in Ostasien eine neue Freihandelszone - die "China ASEAN Free Trade Area" (CAFTA). Die Zölle für 7.000 Warengruppen sollen wegfallen. Insbesondere die Provinzen in Chinas Südwesten hoffen, von den neuen Regelungen zu profitieren. Alleine Guangxi pumpt im Laufe des Jahres 2009 rund 80 Milliarden Renminbi in neue Infrastrukturprojekte, um die Anbindung der Provinz an die Freihandelszone zu verbessern. Gebaut wird an Straßen, Häfen, Flughäfen sowie Eisenbahnstrecken.
Die regionale ökonomische Integration zwischen China und Südostasien schreitet weiter voran. Zum 1. Januar 2010 entsteht die - gemessen an der Bevölkerungszahl - größte Freihandelszone der Welt: die "China - ASEAN Free Trade Area" (CAFTA). Sie umfasst die zehn Staaten der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) mit 575 Millionen Einwohnern und die VR China mit 1.330 Millionen Einwohnern. Die CAFTA ist damit deutlich größer als die Europäische Union und das NAFTA-Gebiet (North-American Free Trade Agreement). Der kombinierte Außenhandel der ASEAN und Chinas belief sich 2008 nach chinesischen Angaben auf 4.500 Milliarden US$ bei einem kumulierten Bruttoinlandsprodukt von 6.000 Milliarden US$.
Die neue Freihandelszone CAFTA umfasst Malaysia, Thailand, Singapur, Indonesien, Philippinen, Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar und Brunei plus die VR China. Als erster Schritt für eine bessere ökonomische Integration fallen zum Jahresanfang 2010 die Zölle für mehr als 7.000 Handelsgüter ( rund 90 Prozent der Zolltarifpositionen) weg. Allerdings betrifft dies nicht alle Teilnehmerstaaten gleichzeitig. So haben etwa Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam bis 2015 Zeit, die Zölle auf Null zurückzuführen. Der chinesische Zoll hat zum 1. Oktober 2009 eine Liste der 7.000 Warengruppen veröffentlicht ( http://china-customs.com/html/bulletin/2-1.html).
Dass sich die VR China intensiv um die Zusammenarbeit mit Südostasien bemüht, wurde in den vergangenen Jahren immer deutlicher. Das Land beteiligt sich federführend bei "Currency-Swap-Arrangements", die der Stabilisierung des asiatischen Finanzsystems dienen. Im Mai 2009 wurde ein Notfallfonds eingerichtet, um notleidenden asiatischen Ökonomien bei Finanzkrisen unter die Arme zu greifen. Dabei stellen Japan und China je 38,4 Milliarden US$ bereit, Südkorea steuert 19,2 Milliarden US$ bei und die ASEAN-Staaten sind mit 24,0 Milliarden US$ beteiligt. Insgesamt umfasst das Arrangement ein Volumen von 120 Milliarden US$.
Um die bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen zu fördern, hat China im Rahmen des "China-ASEAN Fund on Investment Corporation" 10 Milliarden US$ bereitgestellt. Der Fond fördert Projekte aus den Bereichen Transport, Versorgung, Telekommunikation, Energie und Ressourcen. Zum Jahresende 2009 soll eine erste Tranche von 1 Milliarden US$ in Infrastrukurvorhaben fließen. Beijing hofft, dass sich auch die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) sowie die Weltbank (WB) an den Projekten beteiligen. Ferner will China in den nächsten drei bis fünf Jahren an die ASEAN-Staaten Kredite im Volumen von 15 Milliarden US$ vergeben, um die regionale Integration zu stärken.
Schon in den vergangenen Jahren hatte sich der Handel zwischen China und der ASEAN sprunghaft ausgeweitet und lag 2008 nach Zollangaben bei 231 Milliarden US$ (+13,8% im Vergleich zum Vorjahr). Die ASEAN lag war damit Chinas viertgrößter Handelspartner nach der EU (426 Mrd. US$), den USA (334 Mrd. US$) sowie Japan (267 Mrd. US$). Allerdings litt der Handel mit der Region 2009 und verringerte sich in den ersten acht Monaten um mehr als ein Fünftel auf gut 125 Milliarden US$.
China liefert schwerpunktmäßig Maschinen, Fahrzeuge und Elektronik in die ASEAN-Staaten. Größter Einzelposten waren 2008 Elektronische Erzeugnisse mit einem Anteil von etwa 25 Prozent an den gesamten chinesischen Lieferungen, gefolgt von Halbwaren (20%; im wesentlichen Stahl und Textilien), Maschinen (11%) sowie Chemischen Erzeugnissen (10%). Einfuhrseitig ist die Dominanz von Elektronischen Erzeugnissen noch gravierender. 2008 entfiel fast die Hälfte der chinesischen Importe aus den ASEAN-Staaten auf diesen Sektor, davon waren fast zwei Drittel Elektronische Bauelemente. Rohstoffe, Mineralische Brennstoffe sowie Chemische Erzeugnisse stellten jeweils rund 10 Prozent der Einfuhren. 2009 kam vor allem der Handel mit den Philippinen unter die Räder. 90 Prozent der gesamten chinesischen Bezüge von dort entfallen auf Elektronische Bauelemente, so dass die Einbrüche in diesem Sektor besonders schmerzhaft waren.
Der Südwesten Chinas - vor allem die Provinzen Yunnan und Guangxi - setzen große Hoffnungen auf den Handel mit den ASEAN-Staaten - es herrscht eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Die Region liegt bei allen Entwicklungsindikatoren bislang weit hinter den Ostprovinzen zurück. Zum großen Teil liegt dies an der mangelhaften Anbindung dieser Gebiete an den regionalen sowie internationalen Handel. So verfügt beispielsweise Yunnan über keinen eigenen Zugang zum Meer, und auch Guangxi ist bislang eher unterversorgt. Ein Handicap ist ferner, dass zwei der drei angrenzenden ASEAN-Staaten (Myanmar und Laos) zu den am wenigsten entwickelten Ländern Südostasiens zählen. Davon ist insbesondere Yunnan betroffen.
Um die Region besser in den Welthandel zu integrieren, wurde daher schon 2006 das "Pan-Beibu Gulf Economic Cooperation"-Programm von den Provinzen Guangdong, Yunnan und Guangxi ins Leben gerufen. Die Kooperationsregion mit den vier Städten Nanning, Beihai, Qinzhou und Fangchenggang liegt zwischen der Insel Hainan und der Küste Guangxis, in unmittelbarer Nähe zur vietnamesischen Metropole Haiphong und damit mit Zugang zur Hauptstadt Hanoi.
Mit 12,6 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 42.500 km2 ist sie die größte Kooperationsregion Chinas. Die Häfen von Beihai, Qinzhou und Fangchenggang werden derzeit modernisiert und sollen bis zum Jahresende 2009 eine Umschlagskapazität von 100 Millionen Tonnen sowie von 1,4 Millionen Containern erreichen. Dabei will das Gebiet in erster Linie mit Kostenvorteilen punkten. Sowohl Arbeit, als auch Wasser- und Stromkosten lägen um 20 Prozent unter denen in Ostchina.
Der Ausbau des Beibu-Golfs nimmt in erster Linie die Wasserwege ins Visier, aber auch andere Bereiche der Transportinfrastruktur sollen verbessert werden. Alleine für 2009 plant Guangxi Investitionen im Umfang von 80 Milliarden Renminbi. Dies umfasst Straßen, Häfen, Flughäfen sowie die Eisenbahn. Die Provinz hat das ehrgeizige Ziel, zum Transport-Hub für den Handel mit den ASEAN-Staaten zu avancieren.
Bis zum Jahresende sollen 2.300 km Autobahn fertiggestellt werden. Zu den überregionalen Großprojekten zählt insbesondere die direkte Landverbindung der Provinzhauptstadt Nanning mit Singapur. Der 3.900 km lange Korridor, der Autobahnen und Eisenbahnen miteinander verknüpft, soll durch Vietnam (Hanoi und Ho Chi Minh City), Kambodscha, Thailand und Malaysia führen.