
Nach einem verhaltenen Start mit negativen Wachstumsraten in den ersten beiden Quartalen 2009 hat die chemische Industrie der VR China die Kehrtwende geschafft.
Gestützt durch das Konjunkturpaket der Regierung und stabile Zuwachsraten wichtiger Abnehmerindustrien legte die Produktion im 3. Quartal 2009 im Vergleich zum Durchschnitt der ersten beiden Quartale um knapp 18 Prozent zu. Die Chemieimporte gingen im Zeitraum Januar bis September zwar um 15 Prozent zurück, aber auch hier ist die Talsohle durchschritten.
Marktentwicklung/-bedarf
Im Zeitraum Januar bis September 2009 konnte bei der Produktion chemischer Erzeugnisse ein kleines Plus von 2,5 Prozent auf gut 2.800 Milliarden Renminbi (fast 280 Mrd. Euro, 1 Euro = 10,03 Renminbi, 3-Monatsmittel) erzielt werden. Insgesamt dürfte der chinesische Markt für chemische Erzeugnisse (Produktion - Export + Import) 2009 im Vergleich zum Vorjahr nach ersten Schätzungen um etwa 8 Prozent auf gut 600 Milliarden US$ zulegen.
Auch bei den Investitionen legt die Chemie ein beachtliches Wachstum vor. Nach Angaben des National Bureau of Statistics (NBS) erhöhten sich die Aufwendungen in den ersten drei Quartalen im Vergleich zur Vorperiode um 21,8 Prozent auf gut 825 Milliarden Renminbi. Während die Investitionen der Petrochemie (-2,2%) stagnierten und bei Kunststofffasern sogar ein Minus von 16,5 Prozent zu verzeichnen war, legten sie insbesondere bei Arzneimittel (+37,8%) kräftig zu. Auch die Aufwendungen der Sparten chemische Vorerzeugnisse (+28,6%), Kunststoffprodukte (+27,4%) sowie Gummierzeugnisse (+29,2%) zogen stark an.
Große Abnehmersektoren wie die Kfz-Branche oder der Immobilienbau zeigen keinerlei Schwäche und liegen weit über den Werten, die noch zu Jahresanfang prognostiziert wurden. Auch vom Einzelhandel werden überaus positive Impulse gemeldet. So stiegen die Umsätze der Sparte nach NBS-Angaben in den ersten drei Quartalen 2009 im Vergleich zur Vorperiode um 15,1 Prozent auf 1.090 Milliarden Renminbi. Von dieser Entwicklung dürfte auch die Nachfrage nach Kosmetika, Waschmitteln sowie Medikamenten profitieren.
Der chinesische Binnenmarkt für Arzneimittel erreichte 2008 einen Wert von umgerechnet 122 Milliarden US$. Auf Basis der bislang verfügbaren Daten dürften die Verkäufe 2009 um mehr als 20 Prozent auf 147 Milliarden US$ zulegen. 2010 könnte der Markt einen Wert von etwa 175 Milliarden US$ erreichen.
Während Beobachter für das 4. Quartal 2009 für die chemische Industrie also insgesamt optimistisch sind, gibt es Sektoren, die weiterhin in schwierigem Fahrwasser navigieren. Hierzu zählt in erster Linie die Düngemittelbranche, deren seit langem bestehenden Probleme weiterhin ungelöst sind. Zu der massiven Überproduktion, die seit Jahren zu einer Erzeugung auf Lager führte, kommen seit dem Ausbruch der Krise vor einem Jahr auch noch der massive Preisverfall auf dem Inlandsmarkt sowie einbrechende Exporte hinzu.
Keine einzige Düngemittelsparte konnte sich seit 2008 wieder erholen. Im Sommer 2009 zogen die Preise zwar wieder langsam an, doch im November ging es abermals abwärts. Sowohl Monoammoniumphosphat-(MAP-) als auch Diammoniumphosphat-(DAP-)Erzeugnisse ab Werk lagen um mehr als 50 Prozent unter den jeweiligen Werten des Vorjahres, und bei Urea (-32%), Compounddünger (-37%) oder Ammoniumchlorid (-44%) sieht die Situation aktuell nicht viel besser aus.
Ähnlich zeigt sich das Bild bei einigen Basischemikalien wie Ethylacetat. Die massive Ausweitung der Produktion in den vergangenen Jahren hat dazu geführt, dass sich die VR China von einem Nettoimporteur zum Exporteur gewandelt hat. Viele Hersteller nehmen beim Export dabei auch hohe Preisabschläge in Kauf. So erhöhten sich die Äthylacetat-Ausfuhren in den ersten drei Quartalen volumenmäßig um 15,7 Prozent, wertmäßig gingen die Lieferungen jedoch um 14,9 Prozent zurück. Trotz der überschüssigen Kapazitäten wird die Sparte aber weiter ausgebaut. Bis 2012 soll ein Produktionsumfang von 1,95 Millionen Jahrestonnen erreicht werden.
Beobachter kritisieren seit langem die Tatsache, dass in vielen Sparten der Chemie Überkapazitäten aufgebaut werden, deren Beseitigung extrem schwierig sein dürfte.
Produktion/Branchenstruktur
Im September 2009 lagen die Produktionssteigerungen im Vergleich zum Vorjahresmonat in vielen Segmenten im hohen zweistelligen Bereich. Ammoniumphosphat-Dünger beispielsweise legte um 52 Prozent zu, Farbstoffe um 49 Prozent, Phosphatdünger um 30 Prozent und Polyester um 34 Prozent.
Insbesondere die Petrochemie will ihre Milliarden-Investitionen weiter vorantreiben. Zu den größten Vorhaben zählt ein Joint Venture zwischen dem Chemieriesen Sinopec und der Kuwait Petroleum Corp. Das Megaprojekt soll für 53 Milliarden Renminbi im südchinesischen Zhanjiang entstehen und eine Jahreskapazität von 15 Millionen Tonnen erreichen. Die integrierte Raffinerieanlage wird unter anderem eine Million Tonnen Äthylen pro Jahr herstellen sowie ein breites Spektrum anderer Downstream-Erzeugnisse.
Ein weiteres Großvorhaben des Ölriesen betrifft den Ausbau der bestehenden Raffinerie in Wuhan (Provinz Hubei). Gemeinsam mit der südkoreanischen SK Chemical sollen die dortigen Kapazitäten von 4,5 auf 8 Millionen Jahrestonnen erweitert werden. Das Investitionsvolumen wird mit 18 Milliarden Renminbi angegeben.
Unterdessen wurde jüngst ein weiteres Sinopec-Projekt in Betrieb genommen. Das Joint Venture mit der Saudi Basic Industry Corp. (SABIC) im nordchinesischen Tianjin verfügt über eine Jahreskapazität von 3,2 Millionen Tonnen zur Rohölverarbeitung. Hergestellt werden Downstream-Erzeugnisse wie PE, PP oder Butadien. Die Investitionskosten betragen 18,3 Milliarden Renminbi.
Außenhandel
Die chinesischen Auslandsbezüge chemischer Erzeugnisse haben sich in den vergangenen Monaten nachhaltig erholt. Nach gewaltigen Einbrüchen im 1. Quartal 2009, als sich die Importe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24,8 Prozent verringerten, wird für das 3. Quartal ein Rückgang von nur noch 0,9 Prozent gemeldet. Für die ersten neun Monate insgesamt bleibt allerdings noch ein Minus von 14,7 Prozent.
Im September waren die Einfuhren nach China mit einem Zuwachs von 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erstmals wieder im positiven Bereich. Abgesehen von anorganischen Chemikalien (-46,5%) sowie Dünger (-73,4%) wiesen in diesem Monat alle anderen Sparten wieder ein Plus auf. Insbesondere Arzneimittel (+41,9%) sowie Kunststoffe (Halbwaren) (+14,1%) waren stark gefragt, aber auch Kunststoffe in Primärform (+13,4%) sowie Waschmittel und Kosmetika (+13,4%) konnten wieder Boden gutmachen.
Für das Gesamtjahr rechnen Beobachter daher damit, dass sich die Einfuhren im Vergleich zu 2008 nur noch um höchstens 7 Prozent auf 115 Milliarden US$ verringern.
Deutsche Lieferanten stellten 2008 nur 5,4 Prozent (6.435 Mio. US$) der chinesischen Gesamtbezüge chemischer Erzeugnisse. Damit lagen sie weit hinter den Konkurrenten Südkorea (Anteil an den Importen 2008: 16,5%), Japan (16,5%), Taiwan (14,5%) sowie den USA (10,9%) auf Platz fünf.
Beim größten Importposten "Organische Chemikalien" bezog das Reich der Mitte nur 2,6 Prozent (1,0 Mrd. US$) aus Deutschland. Besser stellt sich der Bereich "Anorganische Chemikalien" dar mit einem Anteil von 11,7 Prozent (870 Mio. US$). Auch bei Farben und Lacken (9,7%), Waschmittel und Kosmetika (7,7%), Dünger (3,1%) Kunststoffen in Primärform (3,7%) und anderen Kunststoffen (Halbwaren) (5,4%) liegen die Anteile deutscher Lieferanten teilweise deutlich unter 10 Prozent.
Einzig bei Arzneimitteln haben deutsche Anbieter die Nase vorn. 2008 stellten sie mit einem Wert von 905 Millionen US$ rund 16,3 Prozent der chinesischen Importe in diesem Segment und lagen damit vor den USA (12,8%), Frankreich (9,4%) und der Schweiz (8,4%) auf Rang eins. In dieser Sparte konnten auch in den ersten drei Quartalen 2009 Erfolge erzielt werden. Laut der chinesischen Zollstatistik erhöhten sich die Importe aus Deutschland um 31,7 Prozent auf 802 Millionen US$ - weit mehr als die durchschnittlichen 20,4 Prozent für den gesamten Sektor.
In den ersten drei Quartalen 2009 verringerten sich die chinesischen Chemieausfuhren im Vergleich zur Vorperiode um 28,4 Prozent auf 44,7 Milliarden US$. Im September allerdings hellte sich die Situation beträchtlich auf. Für das Gesamtjahr rechnen Analysten daher nur noch um einen Rückgang der Exporte von maximal 20 Prozent auf etwa 63 Milliarden US$.
Geschäftspraxis
Eine zentrale "Zulassungsbehörde", bei der alle Fäden zusammenlaufen, gibt es nicht. Stattdessen ist eine Vielzahl unterschiedlicher Behörden involviert von der State Food and Drug Administration (Guojia Shipin Yaopin Jiandu Guanliju; Web: www.sda.gov.cn), der General Administration of Quality Supervision, Inspection and Quarantine (Guojia Zhiliang Jiandu Jianyan Jianyi Zongju; Web: www.aqsiq.gov.cn), dem China Inspection and Quarantine Service (Zhongguo Jianyan Jianyi Fuwuwang; Web: www.ciqcid.com) bis hin zur State Administration of Work Safety (Guojia Anquan Shengchan Jiandu Guanli Zongju; Web: www.chinasafety.gov.cn).
Grundsätzlich ist es unbedingt erforderlich, sich produkt- beziehungsweise einzelfallabhängig über die gerade gültigen Regelungen zu informieren. Auch ist genügend Zeit einzuplanen, dies gilt speziell für den Pharmabereich.