
Das Gerben von Leder gilt als schmutziges Geschäft, weil der Energie- und Wasserbedarf hoch ist. Doch das muss nicht zwangsläufig so sein: Der deutsch-chinesische Hersteller "ISA Tan Tec" zeigt in seinen beiden Produktionsstätten in Guangzhou, VR China und Ho Chi Minh City, Vietnam, wie sich Leder mit minimalen Ressourceneinsatz herstellen lässt. ISA Tan Tec beschäftigt fast 1.000 Mitarbeiter und beliefert namhafte Schuhhersteller wie Timberland, New Balance, Keen oder Patagonia.
Asien Kurier: Herr Schneider, Sie wollen die Lederindustrie grüner machen. Warum?
Thomas Schneider: Ganz einfach: Weil es hier unglaublich viel zu tun gibt! In vielen Gerbereien sieht es fast noch so aus wie vor hundert Jahren. Schmutzige Schwerölkessel mit hoffnungslos veralterter Brennertechnologie, Abwärme, die ungenutzt aus dem Schornstein geheizt wird - die Liste ist lang. Wir von ISA Tan Tec wollen vorbildhaft zeigen, dass das Gerben eine saubere Sache sein kann, indem wir eine Fabrik gebaut haben, die schon heute die Umweltstandards von 2030 erfüllt.
Asien Kurier: Wie denn?
Thomas Schneider: Zum Beispiel indem wir die weltweit erste steuerbare Pflanzenkläranlage gebaut haben, deren Leistung sich exakt an die Abwassermengen und den Verschmutzungsgrad anpassen lässt. Das gibt es in keiner anderen Gerberei und meines Wissens auch in keiner anderen Branche. Oder indem wir Energie und Wasser wiederverwerten. Beispielsweise nutzen wir das beim Trocknen der Leder anfallende Kondenswasser für die Fußbodenreinigung. Außerdem setzen wir konsequent erneuerbare Energien ein. So erhitzen wir in unserem neuen Werk in Vietnam unser Prozesswasser mit einer Solarthermieanlage. Wir haben dort auch ein eigenes Windrad installiert, mit dem wir Regenwasser in den Produktionskreislauf pumpen. Dazu kommen zahlreiche kleinere Maßnahmen: Etwa indem wir viel Tageslicht in die Gerberei lassen, so dass wir tagsüber fast vollständig auf künstliche Beleuchtung verzichten können. Oder indem wir die natürliche Luftzirkulation zur Gebäudekühlung nutzen.
Asien Kurier: Öko gilt als teuer. Lohnen sich diese Investitionen denn?
Thomas Schneider: Auf jeden Fall - Nachhaltigkeit zahlt sich aus! Nicht nur, weil unsere Energie- und Wasserrechnungen deutlich sinken. Sondern auch, weil die Schuhhersteller erkannt haben, dass sie sich mit ökologisch produziertem Leder ein echtes Differenzierungsmerkmal verschaffen. Deshalb ist die Nachfrage nach unseren Produkten sehr hoch.
Asien Kurier: Viele Unternehmen behaupten, umweltfreundlich zu produzieren. Wie belegen Sie Ihren Anspruch?
Thomas Schneider: Indem wir den Ressourcenverbrauch und die CO2-Emissionen für jedes einzelne unserer Produkte detailliert und nachprüfbar ausweisen. Das können wir, weil wir bei jedem einzelnen Produktionsschritt den Energie- und Wasserverbrauch lückenlos messen. Unseren Kunden gegenüber dokumentieren wir dies mit unserem "LITE"-Label - Low Impact to Environment -, das den ökologischen Fußabdruck der Produkte exakt abbildet.
Asien Kurier: Sie haben von Nachhaltigkeit gesprochen. Der Begriff meint aber nicht nur Umweltengagement.
Thomas Schneider: Das ist richtig. Deshalb nehmen wir unsere soziale Verantwortung genauso ernst wie unsere ökologische. Das heißt zum Beispiel, dass wir alles dafür tun, um ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen. Oft machen Kleinigkeiten den Unterschied: Unseren Löschwasserteich zum Beispiel haben wir so gestaltet, dass ihn die Mitarbeiter als Pool nutzen können. Oder wir haben einen Bambushain gepflanzt, in dem die Mitarbeiter Hängematten für den Mittagsschlaf aufhängen können.
Adressen
ISA Tan Tec
CEO Thomas Schneider
3rd Road Wanggang Industrial Area
Jiahe, Baiyun District
510440 Guangzhou, VR China
Tel.: 86 20 86091999
Email: tom@tantec1.com
Web: www.liteleather.com