Asien Kurier  3/2010 vom 1. März 2010
Hongkong

Energieeffizienz kommt nur langsam in Mode

Von Dr. Roland Rohde, Germany Trade & Invest in Hongkong

Das Thema Energieeffizienz ist seit der gescheiterten Kopenhagen-Konferenz auch in Hongkong angekommen. Der Nachholbedarf der Sonderverwaltungsregion ist in allen Bereichen enorm. Die Gebäude sind kaum isoliert, Fenster schließen nicht richtig, energiesparende Klimaanlagen und Haushaltselektrogeräte sind weitgehend unbekannt. Doch langsam entwickelt sich ein Markt. Allen voran will die Regierung ein gutes Beispiel setzen und modernisiert bis 2012 sämtliche elektrische Verkehrszeichen.

Verkehrsampel in Hongkong

Hongkong ist ein Paradebeispiel für Energieverschwendung. Wer zum ersten mal in die ehemalige Kronkolonie kommt, ist in der Regel rasch erkältet, weil die Klimaanlagen in Hotels und Restaurant selbst bei moderaten Temperaturen auf Hochtouren laufen. Hinzu kommen undichte Fenster ohne Isolierverglasung sowie eine kaum vorhandene Wärmedämmung von Wohn- und Bürogebäuden. Selbst im 40. oder 50. Stockwerk stellen Doppelscheiben eine absolute Ausnahmeerscheinung dar.

Nur wenig ist in den letzten Jahren geschehen, um die Situation zu verbessern. Immerhin hat die Berichterstattung im Vorfeld und während der Klimakonferenz zu einem gewissen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung und Regierung geführt. Die ersten öffentlich finanzierten bzw. subventionierten Projekte in Sachen Energieeffizienz sind ins Laufen gekommen.

Im Rahmen des sogenannten Buildings Energy Efficiency Funding Schemes erhalten Hausbesitzer, die ihre alten Gebäude entsprechend den Vorgaben beispielsweise mit energiesparenden Klimaanlagen, Aufzügen oder Beleuchtungssystemen ausstatten, Zuschüsse. Bei Investitionen bis rund 50.000 Euro können Antragsteller 50 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen. Wärmedämmung spielt innerhalb des Programmes allerdings keinerlei Rolle. Bis Ende Dezember 2009 gab es nach offiziellen Angaben die Zustimmung für 132 Projekte.

Das ist angesichts einer Bevölkerung von 7 Millionen recht wenig, beklagen Umweltschützer. Der Markt für energiesparende Technik bleibt daher auch nach dem Inkrafttreten des neuen Programms sehr klein. Doch immerhin tut sich etwas. Ein Sprecher von EGL, einem Hersteller von Beleuchtungstechnik aus Singapur, bezeichnete Hongkong in einem Interview mit der South China Morning Post Anfang 2010 als vielversprechend. Allerdings müsse man einen langen Atem haben und mit relativ niedrigen Umsätzen kalkulieren.

Zudem müsse man ständig auf der Ausschau nach lohnenden Projekten sein und die öffentlichen Ausschreibungen aufmerksam verfolgen. So modernisiert beispielsweise das Transport Department die rund 1.900 Ampeln und elektrischen Verkehrszeichen der Stadt. Sie erhalten zwischen Anfang 2010 und Ende 2012 sukzessiv Leuchtdioden, die laut Angaben des Ministeriums zehn mal länger halten als die herkömmlichen Lampen und zudem noch 60 bis 70 Prozent sparsamer sind. Doch solche Maßnahmen stellen nach der Ansicht von Umweltschützern nur einen Tropfen auf den heißen Stein dar.

Zudem werde Geld oftmals für Vorzeigeprojekte verschwendet, kritisieren Vertreter der einflussreichen Gruppe Friends of the Earth. So plane beispielsweise einer der beiden einheimischen Energieversorger, CLP, den Bau eines seegestützten Windparks mit einem Investitionsvolumen von bis zu einer Milliarden US$. Die Anlage könnte rund 1 Prozent des gesamten Hongkonger Strombedarfs decken. Mit den gleichen finanziellen Mitteln ließe sich aber der Stromverbrauch mit Hilfe von Energiesparmaßnahmen um eine merklich höhere Quote senken, kritisiert der Direktor der Gruppe.