Asien Kurier  9/2009 vom 1. September 2009
Indien

Maschinenbau im Umschwung

Von Boris Alex, Germany Trade & Invest in Neu Delhi

Indiens Konjunkturmotor ist im Zuge der Finanzkrise ins Stottern geraten. Die Dynamik in der verarbeitenden Industrie hat sich im 2. Halbjahr 2008 erheblich abgeschwächt. Die Unternehmen dürften daher Investitionen in die Maschinenparks auch aufgrund der Kreditklemme auf später verschieben.

Spinnmaschine

Marktentwicklung/-bedarf

Indiens Wirtschaftsdynamik hat sich infolge der Finanzkrise erheblich abgeschwächt. Für 2009 erwarten IWF und OECD lediglich noch ein reales BIP-Wachstum von 5 Prozent. In den traditionellen Abnehmerbranchen von Maschinenbauerzeugnissen blieb die Situation auch im 1. Halbjahr 2009 zum Teil angespannt. Umsatzrückgänge und Überkapazitäten bestimmten das Bild unter anderem in der Kfz- und Zulieferindustrie, der Metallerzeugung und -verarbeitung sowie der Bauindustrie und der Textilbranche.

Struktur deutscher Exporte

Doch laut einer Studie der Federation of Indian Chambers of Commerce and Industry (Ficci) hat die verarbeitende Industrie die Talsohle durchschritten. Unabhängig davon bleiben die Wachstumsprognosen für den indischen Maschinenbau auch im 2. Halbjahr 2009 verhalten. In einigen Branchen innerhalb des produzierenden Gewerbes - darunter die Kfz-Industrie und die Elektrotechnik - gab es zuletzt wieder leichte Produktionszuwächse. Doch diese reichen noch lange nicht aus, um die bestehenden Kapazitäten auszulasten. Die Verbände rechnen erst Mitte 2010 wieder mit Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen in die Maschinenparks.

Unter der Flaute in der verarbeitenden Industrie leiden in erster Linie die Anbieter von Werkzeugmaschinen. Laut Indian Machine Tool Manufacturers' Association (IMTMA) wurden im Finanzjahr 2008/09 (April bis März) fast 20 Prozent weniger Maschinen produziert als in der Vorperiode. IMTMA erwartet für 2010 sowohl bei konventionellen als auch bei CNC-gesteuerten Werkzeugmaschinen einen weiteren Nachfragerückgang. Mitte 2009 waren die Orderbücher der Hersteller nur zu 40 Prozent gefüllt.

Einfuhr von Maschinen nach Indien

Auch die indische Bauindustrie hat mit den Auswirkungen der Finanzkrise zu kämpfen. Vor allem die private Bautätigkeit hat sich aufgrund der gestiegenen Finanzierungskosten von Großprojekten erheblich abgeschwächt. Das bekommen auch die Anbieter von Baumaschinen zu spüren. Nach Angaben von Off-Highway Research verkauften die Hersteller 2008 rund 9 Prozent weniger Maschinen als im Vorjahr. Für 2009 rechnet das Marktforschungsunternehmen mit einem weiteren Umsatzrückgang um 22 Prozent auf 2 Milliarden US$. Erst ab 2010 soll die Nachfrage laut Prognosen wieder Zuwächse von 15 Prozent jährlich verbuchen.

Der Bedarf an Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen wird vor allem von der wachsenden Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln vorangetrieben. Der Weiterverarbeitungsanteil indischer Nahrungsmittel beträgt im Durchschnitt gerade einmal 20 Prozent. Bis 2015 will die indische Regierung diesen auf 40 Prozent verdoppeln. Hierzu sollen landesweit mit Unterstützung der Privatwirtschaft 100 sogenannte Food-Parks errichtet werden, jeweils mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 22 Millionen US$. Bis 2012 dürften etwa 50 Milliarden indische Rupien (**** Mrd. Euro, 1 Euro = *** Rupien, 3-Monatsmittel) in den Nahrungsmittelverarbeitungssektor fließen, so die Prognose des Ministry of Food Processing Industries.

Die Nachfrage nach Textilmaschinen dürfte hingegen mittelfristig schwach bleiben. Die Exportbranche leidet nach wie vor unter dem schwachen Absatz in den traditionellen Abnehmermärkten USA und Europa. Die Auslastung der Hersteller liegt laut Ficci derzeit bei 70 bis 80 Prozent. Daher dürften die Unternehmen Investitionen in den Maschinenpark erst einmal verschieben, bis sich die Nachfragesituation verbessert. Aufgrund der schlechten Ertragslage und den hohen Finanzierungskosten rechnet die Textile Machinery Manufacturers' Association damit, dass die Hersteller bei Maschinenkäufen eher auf gebrauchte Textilmaschinen und Produkte aus dem Niedrigpreissegment zurückgreifen.

Deutsche Importe

Die Aussichten für den Anlagenbau sind trotz schwächerer Konjunktur weiter positiv. Der Bau neuer thermischer Kraftwerke mit einer Kapazität von knapp 80 GW bis Ende 2012 hinkt zwar dem ursprünglichen Fahrplan hinterher, dürfte aber dennoch mittel- bis langfristig die Auftragsbücher der indischen und ausländischen Anlagenbauer füllen. Hinzu kommen Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 100 GW, die überwiegend von privaten Investoren finanziert werden.

Um den wachsenden Stahlhunger der Industrie auch weiterhin stillen zu können, müssen die indischen Hersteller ihre Kapazitäten erheblich ausbauen. Bereits heute sind die Werke im Schnitt zu 90 Prozent ausgelastet. Laut Ministry of Steel soll sich der jährliche Output bis 2020 auf knapp 300 Millionen Tonnen verfünffachen. Den Investitionsbedarf hierfür schätzt das Ministerium auf rund 180 Milliarden US$. Im laufenden Fünfjahresplan erwartet die indische Regierung Investitionen in den Bau neuer Stahlwerke in einer Größenordnung von 56 Milliarden US$. Zwar haben die indischen Stahlproduzenten angesichts der internationalen Finanzkrise ihre Expansionspläne zum Teil auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Nach Angaben der India Brand Equity Foundation (Ibef) wurden jedoch bis Mitte 2008 knapp 200 Investitionsabsichten indischer und internationaler Stahlkonzerne über Kapazitätserweiterungen im Umfang von 240 Millionen Tonnen unterzeichnet. Das Projektvolumen beziffert Ibef auf rund 100 Milliarden US$.

Indiens Zementindustrie expandiert trotz schwächerer Bautätigkeit. Allein 2009/10 wollen die Unternehmen ihre Kapazitäten um 40 Millionen bis 45 Millionen Tonnen auf etwa 250 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen. Die hierdurch aufgebauten Überkapazitäten dürften Neuinvestitionen in den darauffolgenden ein bis zwei Jahren erst einmal unnötig machen, so die Einschätzung der Cement Manufacturers Association.

Deutsche Exporte

Produktion/Branchenstruktur

Das Produktionsvolumen des indischen Maschinen- und Anlagenbaus betrug laut dem Department of Heavy Industry im Finanzjahr 2007/08 knapp 50 Milliarden US$. Nach Angaben der Statistikbehörde CSO wuchs die Investitionsgüterindustrie im betrachteten Zeitraum um 10 Prozent. In Indien wird die gesamte Produktpalette an Maschinen hergestellt, allerdings gibt es Fertigungsschwerpunkte. Die mit Abstand größte Sparte bilden die Werkzeugmaschinen zum Bearbeiten von Metallen. Darüber hinaus werden vor allem Bau- und Textilmaschinen gefertigt.

Die lokalen Anbieter von Werkzeugmaschinen müssen derzeit erhebliche Nachfragerückgänge aus den klassischen Abnehmerbranchen wie der Kfz- und Zulieferindustrie verkraften. Das Produktionsvolumen ist binnen eines Jahres um etwa 15 Prozent zurückgegangen. Die Hersteller von Textilmaschinen sind laut Ficci nur zu 55 Prozent ausgelastet. Für den gesamten Maschinenbausektor schätzt der Verband den Auslastungsgrad der Fertigung auf 60 Prozent. Laut Ficci erwarten die meisten Sparten für den weiteren Verlauf von 2009 wieder eine lebhaftere Nachfrage und eine Ausweitung ihrer Produktion.

Die indischen Maschinenbauer bedienen in der Regel das Niedrig- bis Mittelpreissegment. Vor allem Unternehmen aus den Exportbranchen wie die Kfz-Industrie sowie High-Value-Produzenten im Textilsektor setzen bei der Fertigung auf importierte Maschinen. Der technische Rückstand gegenüber Produkten aus Deutschland, Japan und den USA schätzen Branchenvertreter beispielsweise bei den Werkzeugmaschinen auf zehn Jahre. Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand ist in indischen Betrieben traditionell gering und macht im Werkzeugmaschinenbau etwa 2 Prozent des Umsatzes aus. Entsprechend groß ist das Interesse auf indischer Seite an Kooperationen mit ausländischen Anbietern.

Außenhandel

Indien importierte im Finanzjahr 2007/08 Maschinen und Anlagen im Wert von 419 Milliarden Rupien. Dies entspricht einer Steigerung von 28 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Die höchsten prozentualen Zuwächse verzeichneten die Sparten Bau- und Bergbaumaschinen (+118%), Pumpen und Kompressoren (+64%), Druck- und Papiermaschinen (+50%) sowie Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung (+40%).

Die Exporte der deutschen Hersteller nach Indien blieben mit einem Volumen von 72 Milliarden Rupien nahezu konstant. Die höchsten Wachstumsraten erzielten die Lieferungen von Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung mit einem Plus von 57 Prozent sowie Bau- und Bergbaumaschinen mit 51 Prozent. Die Bezüge von Kunststoff- und Gummimaschinen sowie Textilmaschinen aus Deutschland gingen im betrachteten Zeitraum allerdings um 42 beziehungsweise 28 Prozent zurück. Deutschland zählt mit Japan, den USA und der VR China zu den wichtigsten Lieferländern.

Geschäftspraxis

Für Maschinen und Anlagen gilt ein Regel-Einfuhrzoll in Höhe von 7,5 Prozent (5%). Maschinen für bestimmte Verwendungszwecke werden gemäß Notification 21-Customs von 2002 Zollbegünstigungen gewährt. Im Rahmen des Export Promotion Capital Goods Scheme (EPCG) können Unternehmen bei Einhaltung eines vorgeschriebenen Exportanteils an der Produktion Maschinen zu dem begünstigten Zollsatz von 3 Prozent einführen. Darüber hinaus können Maschinen zollfrei sowohl in die Sonderwirtschaftszonen (SEZ) als auch in die exportorientierten Zonen (EOU) verbracht werden.

Gebrauchtmaschinen ("used capital goods") können grundsätzlich ohne Altersbeschränkung eingeführt werden, allerdings ist ein Tauglichkeits- und Wertnachweis durch ein "Chartered Engineer Certificate (CEC)" von einem im Exportland akkreditierten Prüfunternehmen vorzulegen. Zuständig für Zoll- und Einfuhrverfahren ist die indische Zollverwaltung (Central Board of Excise and Customs, www.cbec.gov.in). Änderungen im Außenwirtschaftsrecht werden regelmäßig vom Directorate General of Foreign Trade (DGFT, www.dgft.delhi.nic.in) bekannt gegeben.

Behörden

Ministry of Commerce and Industry
Udyog Bhawan
New Delhi 110 001
Tel.: 91 11 2306 1008
Fax: 91 11 2306 2223
Email: commerce@hub.nic.in
Web: www.commerce.nic.in

Ministry of Heavy Industry and Public Enterprises
Udyog Bhavan
New Delhi 110 001
Tel.: 91 11 2306 3633
Fax: 91 11 2306 2633
Web: www.dhi.nic.in

Ministry of Science and Technology
Technology Bhavan
New Mehrauli Road
New Delhi 110 016
Tel.: 91 11 2656 7373, 2696 2819
Fax: 91 11 2686 4570, 2686 2418
Email: dstinfo@nic.in
Web: www.dst.gov.in

Branchenverbände

Indian Machine Tool Manufacturers Association
10th Mile, Tumkur Road
Madavara Post
Bangalore 562 123
Tel.: 91 80 6624 6600
Fax: 91 80 6624 6661
Email: imtma@imtma.in
Web: www.imtma.org

Indian Electrical and Electronics Manufacturers' Association
501, Kakad Chambers
132 Dr. Annie Besant Road, Worli
Mumbai 400 018
Tel.: 91 22 2493 0532, 2493 6528-29
Fax: 91 22 2493 2705
Email: mumbai@ieema.org
Web: www.ieema.org

Indian Pump Manufacturers Association
105 Kakad Chambers, 1. Floor
132 Dr. Annie Besant Rd, Worli
Mumbai 400 018
Tel.: 91 22 2493 1790
Fax: 91 22 2493 9463
Web: www.indianpumps.org

All India Food Processors' Association (AIFPA)
206, Aurobindo Place
Hauz Khas
New Delhi 110 016
Tel.: 91 11 2651 0860
Fax: 91 11 2651 0860
Web: www.aifpa.net

Branchenunternehmen

Elgi Equipments Limited
Elgi Industrial Complex
Trichy Road, Singanallur
Coimbatore 641 005
Tel.: 91 422 2589555
Fax: 91 422 2573697
Email: enquiry@elgi.com
Web: www.elgi.com

Kirloskar Brothers Limited
Udyog Bhavan, Tilak Road
Pune 411 022
Tel.: 91 20 2444 0770
Fax: 91 20 2444 0824
Email: kblin@kbl.co.in
Web: www.kbl.co.in

Larsen & Toubro (L&T)
Vice President's Office
6 Bahadur Shah Zafar Marg
New Delhi 110 002
Tel.: 91 11 4150 8888, 4150 9696
Fax: 91 11 4150 9979
Email: Paltakr@larsentoubro.com
Web: www.larsentoubro.com

KEC International
1st Floor, CEAT Mahal
463 Dr. Annie Besant Road, Worli
Mumbai 400 030
Tel.: 91 22 6667 0200
Email: kecindia@kecrpg.com
Web: www.kecrpg.com

Bharat Heavy Electricals Ltd. (BHEL)
BHEL House, Siri Fort
New Delhi 110 049
Tel.: 91 11 6633 7000
Fax: 91 11 2649 3021, 2649 2534
Email: query@bhel.com
Web: www.bhel.com

TRF Limited (Tata Group)
11 Station Road, Burmamines
Jamshedpur 831 007
Tel.: 91 657 2271286
Fax: 91 657 2271075
Email: co@jsr.trfltd.com
Web: www.trfltd.com

Crompton Greaves Limited
CG House, 6. Floor
Dr. Annie Besant Road, Worli
Mumbai 400 030
Tel.: 91 22 2423 7777
Fax: 91 22 2423 7788
Web: www.cglonline.com

Bharat Earth Movers Limited
BEML Soudha, 23/1, 4. Main, S.R.Nagar
Bangalore 560 027
Tel.: 91 80 2296 3240, 2296 3250
Fax: 91 80 2296 3278/516
Email: office@pr.beml.co.in
Web: bemlindia.com

Hindustan Machines Tools Limited (HMT)
59 Bellary Road
Bangalore 560 032
Tel.: 91 80 2333 2568
Fax: 91 80 2333 9111
Email: cmd@hmtindia.com
Web: www.hmtindia.com

Thermax Limited
Dhanraj Mahal, 2. Floor
Chatrapati Shivaji Maharaj Marg
Mumbai 400 039
Tel.: 91 22 6754 2222
Fax: 91 22 2204 0859
Email: info@thermaxindia.com
Web: www.thermaxindia.com

Fachzeitschriften

"The Machinist"
Netscribes India Pvt. Ltd.
Office#1, 5. Floor, Trade Star, A Wing
Sir M V Road, Andheri (East)
Mumbai 400 059
Fax: 91 22 6697 0535
Email: timesb2b@netscribes.com
Web: www.etmachinist.com

"Precitech"
Indian Machine Tool Manufacturers Association
10. Mile, Tumkur Road
Madavara Post
Bangalore 562 123
Tel.: 91 80 6624 6600
Fax: 91 80 6624 6661
Email: imtma@imtma.in
Web: www.imtma.org

"IPMA Journal"
Indian Pump Manufacturers Association
105 Kakad Chambers, 1. Floor
132 Dr. Annie Besant Road, Worli
Mumbai 400 018
Tel.: 91 22 2493 1790
Fax: 91 22 2493 9463
Web: www.indianpumps.org

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Web: www.india-machinery.com