
Der indische Bausektor hat sich nach einer sechsmonatigen Schwächephase inzwischen wieder stabilisiert. Zuletzt verzeichnete die Branche ein Plus von 7 Prozent. Wachstumsmotor ist der Infrastrukturbau mit einem Investitionsbedarf von rund 450 Milliarden US$ bis 2012. Die Nachfrage nach gewerblichen Immobilien soll 2010 wieder anziehen. Beim Wohnungsbau setzen die Unternehmen verstärkt auf das Niedrigpreissegment. Allein in den Ballungszentren fehlen hier rund 25 Millionen Wohneinheiten.
Marktentwicklung/-bedarf
Der Construction Industry Development Council (CIDC) hält an seiner Prognose fest, dass der Bausektor im laufenden Fünfjahresplan (2007 bis 2012) um durchschnittlich 10 Prozent per annum wachsen wird. Im Finanzjahr 2007/08 stiegen die Bauinvestitionen laut CIDC real um 12,1 Prozent auf 4.300 Milliarden Indische Rupien (61,5 Mrd. Euro, 1 Euro = 69,89 Rupien, 3-Monatsmittel). Damit legten sie stärker zu als das Bruttoinlandsprodukt, das im gleichen Zeitraum um 9,0 Prozent wuchs.
Rund zwei Drittel der Bauinvestitionen tätigt der öffentliche Sektor. Allerdings nahmen die privaten Investitionen im Finanzjahr 2007/08 mit knapp 17 Prozent (1.400 Mrd. Rupien) stärker zu als die staatlichen Ausgaben mit rund 10 Prozent (2.800 Mrd. Rupien). Der Bauverband geht davon aus, dass sich in den kommenden Jahren das Verhältnis weiter zugunsten des Privatsektors verschieben wird, da die indische Regierung insbesondere bei großen Infrastrukturvorhaben zunehmend auf Public Private Partnerships (PPP) setzt.
Im Finanzjahr 2007/08 entfielen mit 2.300 Milliarden. Rupien etwa die Hälfte aller Bauinvestitionen auf den Infrastruktursektor. Insgesamt sollen im laufenden Fünfjahresplan rund 450 Milliarden US$ in den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes, die Verbesserung der Energie- und Wasserversorgung sowie den Bau neuer See- und Flughäfen fließen.
Der Ausbau des Verkehrsnetzes genießt bei der indischen Regierung absolute Priorität. Allein 2009/10 sind rund 17 Milliarden US$ für Straßen, Brücken und Tunnel vorgesehen. Das Investitionsvolumen für den Zeitraum 2007 bis 2012 beziffert das Ministry of Road Transport and Highways auf knapp 100 Milliarden US$. Dabei sollen die Projekte nun schneller vorankommen: Bis 2012 plant der Staat jährlich 7.000 km an vier- bis sechsspurigen Schnellstraßen fertigzustellen, statt wie bisher nur 3.500 km. Hinzu kommen rund 50.000 km an ein- und zweispurigen Landstraßen. Im laufenden Finanzjahr dürften etwa 200 Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 1.200 Milliarden Rupien ausgeschrieben werden.
Bis 2015 sollen rund 1.300 Milliarden Rupien in den Bau und Ausbau von indischen Flughäfen fließen. Die neuen internationalen Terminals in New Delhi und Mumbai dürften 2010 und 2011 öffnen. Zudem werden die Flughäfen von Chennai und Kolkata für knapp 40 Milliarden Rupien erweitert. Darüber hinaus hat die indische Regierung den Bau von insgesamt zwölf Greenfield-Airports - darunter in Navi Mumbai, Gwalior und Kannur - genehmigt. Für weitere neun Neubauprojekte wurden Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben.
Mit dem Hafenbauprogramm will der Staat bis 2012 Modernisierungs- und Erweiterungsprojekte mit einem Volumen von rund 940 Milliarden Rupien umsetzen. Allein 2009/10 dürften 23 Vorhaben als PPP ausgeschrieben werden. Allerdings liegen bisher erst für elf Vorhaben Machbarkeitsstudien vor. Für diese sollen in den nächsten Monaten laut dem Ministry of Shipping die internationalen Tender-Verfahren im Wert von insgesamt 130 Milliarden Rupien auf den Weg gebracht werden.
Zudem muss Indien seine Energieproduktion erheblich hochfahren und das veraltete Übertragungsnetz erneuern und ausbauen. Bis zum Ende des laufenden Fünfjahresplans soll mit Mitteln in Höhe von 1.000 Milliarden Rupien die Erzeugungskapazität von heute 150 auf 220 GW erhöht werden. Darüber hinaus wollen unabhängige Energieproduzenten bis 2012 eine Erzeugungsleistung von 100 GW aufbauen. Sie dürften in den kommenden vier Jahren rund 4.000 Milliarden Rupien in den Bau vorwiegend thermischer Kraftwerke mit Leistungen zwischen 1 und 4 GW pumpen.
Der Wirtschaftsbau wird von expandierenden Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes vorangetrieben - insbesondere in der Kfz- und Zulieferindustrie, dem Chemie- und Maschinenbausektor sowie der Baustoffindustrie.
Nach Einschätzung der Immobilienfirma Cushman & Wakefield stagniert derzeit die Nachfrage nach Büroraum. Für 2009 rechnet das Unternehmen mit einem landesweiten Bedarf von knapp 2,8 Millionen m2. Das ist weniger als die in diesem Jahr fertiggestellte Fläche von voraussichtlich 4,2 Millionen m2. Ab 2010 soll sich die Nachfrage allerdings wieder erholen und dann mit jährlichen Raten von 19 Prozent wachsen. Den größten Bedarf erwartet Cushman & Wakefield in Bangalore mit 3,2 Millionen m2 bis 2013, gefolgt von Chennai und Mumbai mit jeweils 2,4 Millionen m2.
Die Liberalisierung des indischen Einzelhandels dürfte die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien weiter ankurbeln. Bis 2010 werden knapp 20 Millionen m2 zusätzliche Verkaufsfläche im organisierten Einzelhandel benötigt. Diese wird vor allem in Form von Super- und Hypermärkten entstehen. Beim Angebot von Einkaufzentren zeichnet sich allerdings eine Sättigung ab. Ursprünglich sollte sich die Anzahl der Malls bis 2010 von heute etwa 400 auf 500 erhöhen. Allerdings wurden 2008 nur knapp 0,92 Millionen m2 an Einzelhandelsfläche in Einkaufszentren fertiggestellt und damit 54 Prozent weniger als erwartet.
Nach Angaben der Federation of Indian Chambers of Commerce and Industry (Ficci) müssen in den kommenden zehn bis 15 Jahren circa 80 bis 90 Millionen neue Wohneinheiten errichtet werden. Derzeit fehlen allein in den indischen Ballungsgebieten rund 25 Millionen Wohnungen, der Großteil davon im Niedrigpreissegment. Angesichts eines sinkenden Absatzes von Luxuswohnungen bauen auch die privaten Immobiliengesellschaften inzwischen verstärkt Wohnungen für Kunden mit niedrigem Einkommen. Die Nachfrage nach Apartments mit Preisen zwischen 500.000 und 1 Million Rupien soll 2010 um rund 25 Prozent zulegen.
Auch die Umwandlung von Armenvierteln in Wohn- und Geschäftsgebiete dürfte für eine weitere Belebung der Bauaktivitäten sorgen. In Mumbai soll der zentral gelegene Stadtteil Dharavi - der mit geschätzten 600.000 Bewohnern größte Slum Asiens - Apartment- und Bürohäusern weichen. Indische und ausländische Immobiliengesellschaften errichten immer öfter komplette Siedlungen, die Wohnraum für mehrere 10.000 Menschen bieten und über eigene Wasser- und Stromversorgung, Krankenhäuser, Schulen sowie andere öffentliche Einrichtungen verfügen. Die Investitionen in die Siedlungsprojekte belaufen sich bis 2012 auf ungefähr 5.000 Milliarden Rupien.
Produktion/Branchenstruktur
Die gesamten Bauinvestitionen beliefen sich nach CIDC-Angaben im Finanzjahr 2007/08 auf rund 4.300 Milliarden Rupien (+12%). Im organisierten Sektor gibt es circa 26.000 Firmen, von denen 250 mehr als 500 Mitarbeiter haben. Der nichtorganisierten Baubranche gehören ungefähr 120.000 Klein- und Kleinstunternehmen an. Der Verband schätzt die Anzahl der Beschäftigten für 2007/08 auf rund 33 Millionen Menschen, von denen allerdings nur rund ein Fünftel ausgebildet ist. Der Maschinisierungsgrad in der indischen Bauindustrie beträgt gerade einmal 20 Prozent.
Die indischen Baufirmen haben eine Markt beherrschende Stellung. Doch auch zahlreiche ausländische Branchenunternehmen sind bereits im Land aktiv. Zu den größten zählen Bechtel Corp. (USA), Daelim Industries, LG Engineering (Südkorea) sowie JCG Corp., Toyo Engineering und Mitsui (Japan). Deutsche Gesellschaften sind meist als Consultants (Lahmeyer International, Dorsch Consult) tätig.
Geschäftspraxis
Im Infrastrukturbau sowie beim Siedlungsbau sind ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 100 Prozent erlaubt. Die Beteiligungen werden auf dem Wege der "Automatic Route" genehmigt, das heißt innerhalb von 30 Tagen nach dem Transfer muss die Reserve Bank of India (RBI) benachrichtigt werden. Alle Behörden und Staatsbetriebe sind verpflichtet, Ausschreibungen im "Indian Trade Journal" sowie auf ihren Homepages bekannt zu geben.
Ausländische Unternehmen bemängeln, dass das Ausschreibungsverfahren in Indien oft langwierig und intransparent ist. Bei großen Infrastrukturprojekten kann sich der Prozess über Jahre hinziehen. Nicht selten werden technische Anforderungen nachträglich geändert. Hinzu kommt, dass die Vorschriften regional verschieden sind.
Kontakte zu potentiellen Geschäftspartnern und Projektträgern im Infrastruktursektor lassen sich auf den Konferenzen der Branchenverbände knüpfen. Zudem gibt es eine Reihe von Fachmessen.
Adressen
Ministry of Urban Development
Nirman Bhawan
Maulana Azad Road
New Delhi 110 001
Tel.: 91 11 2306 3495
Web: www.urbanindia.nic.in
Central Public Works Department
101-A, Nirman Bhavan
New Delhi 110 001
Tel.: 91 11 2306 2556
Fax: 91 11 2306 1884
Web: www.cpwd.nic.in
Builders Association of India
G-1/G-20 Commerce Center
J. Dadajee Road, Tardeo
Mumbai 400 034
Tel.: 91 22 2351 4134
Fax: 91 22 2352 0507
Email: bai@vsnl.com
Web: www.bainet.org
Construction Federation of India
12-A Vandhna Building
11 Tolstoy Marg
New Delhi 110 001
Tel.: 91 11 2331 2922
Fax: 91 11 4152 2892
Email: cfidel@vsnl.net
Web: www.confedindia.com
Confederation of Indian Industry
CII Mantosh Sondhi Centre
23 Institutional Area, Lodhi Road
New Delhi 110 003
Tel.: 91 11 2462 9994
Fax: 91 11 2462 6149
Email: ciico@ciionline.org
Web: www.ciionline.org