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Asien Kurier  7/2011 vom 1. Juli 2011
Indonesien

Elektrizitätssektor setzt auf moderne Energietechnik

Mehr Investitionen in alternative Potenziale; viele Liefer- und Kooperationschancen

Von Necip C. Bagoglu, Germany Trade & Invest in Jakarta

Indonesien will sein Defizit in der Stromversorgung durch umfangreiche Investitionen abbauen: Neue Kraftwerke, Energietransportleitungen und örtliche Verteilungsnetze befinden sich in der Planung und Errichtung. In der aktuellen Energiepolitik mit stärkerer Berücksichtigung von Umweltaspekten gewinnt die Nutzung erneuerbarer Energien an Bedeutung. Dabei steht der Einsatz der Erdwärme im Vordergrund.

Projektionen zur Entwicklung des Energiebedarfs in Indonesien Projektionen zur Entwicklung des Energiebedarfs in Indonesien
Quelle: PLN

Für internationale Hersteller von energietechnischen Anlagen und Ausrüstungen werden sich in Indonesien umfangreiche Liefer- und Kooperationschancen ergeben. Der Elektrizitätsbedarf des Inselstaates wächst im Durchschnitt um 9,5 Prozent beziehungsweise 7.800 MW pro Jahr. Im Zuge der sich verbessernden Lebensverhältnisse und des zunehmenden Einsatzes von elektrischen Geräten und elektrotechnischen Vorrichtungen steigt die Stromnachfrage stetig. Nach Prognosen der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft PT Perusahaan Listrik Negara (PT PLN) wird die benötigte Kapazität in den Spitzenverbrauchszeiten von 27.830 MW im Jahr 2010 auf 57.887 MW im Jahr 2018 zunehmen.

Die Regierung will bis 2029 eine vollständige Elektrifizierung aller Regionen erreichen. Zunächst wird bis 2019 eine Rate von 91,5 Prozent angestrebt. Die durchschnittliche Elektrifizierungsrate beträgt zurzeit circa 67 Prozent. Knapp 39 Millionen Haushalte haben Zugang zum öffentlichen Stromnetz, das zügig ausgebaut werden soll. Nach Angaben von Emy Perdanahari, Generaldirektorin für Elektrizität im Ministerium für Energie und Mineralressourcen, müssen bis 2029 insgesamt umgerechnet etwa 227 Milliarden USUS$ investiert werden, um das Ziel der vollen Elektrifizierung zu erreichen. Von dieser Summe könnten nur circa 20 Prozent von der PT PLN aufgebracht werden, so dass die verstärkte Einbeziehung des Privatsektors in die Projekttätigkeit notwendig sei.

Von den veranschlagten gesamten Investitionen bis 2029 entfallen etwa 201 Milliarden US$ auf den Kraftwerksbau, 15 Milliarden US$ auf den Energietransport (Hochspannungsleitungen) und 11 Milliarden US$ auf örtliche Verteilungsnetze. Bis 2016 will die PT PLN mindestens elf neue Energieübertragungssysteme auf Java, Sumatra und Kalimantan aufbauen. Neben dem Ausbau von Energieproduktion und -distribution soll durch verbesserte Überwachungssysteme und Kontrollen auch die illegale Stromentnahme unterbunden werden. Nach Schätzungen der Statistikbehörde BPS verschaffen sich etwa 5 Millionen Haushalte illegal Zugang zum Stromnetz.

Zum Ausbau der Elektrizitätserzeugung laufen zwei große "Fast-Track"-Programme der PT PLN, womit Kapazitäten von jeweils circa 10.000 MW bereitgestellt werden sollen. Der Abschluss wird nach Verzögerungen bis 2014/15 erwartet. Das 2007 begonnene erste Programm sieht hauptsächlich den Bau von Kohlekraftwerken vor. In diesem Rahmen wurden im Frühjahr 2011 sieben weitere Kraftwerke ausgeschrieben. Zuschlag für Bau und Betrieb des seit langem geplanten großen Kohlekraftwerks Pemalang in Zentral-Java (2 x 1.000 MW) nach dem BOT-Betreibermodell (Build, Operate, Transfer) mit Kosten von 3,2 Milliarden US$ gingen im Mai 2011 an ein japanisch-indonesisches Konsortium aus der Bergbaugesellschaft Adaro Energy, dem Handelshaus Itochu Corporation und dem Elektrizitätsunternehmen Electric Power Development Company (J-Power). Dieses erhält über den Infrastrukturfonds PII (Penjaminan Infrastruktur Indonesia) eine Staatsgarantie.

Das 2010 gestartete zweite Fast-Track-Programm der PT PLN enthält im Sinne der Neuorientierung der Energiepolitik mehrere Projekte zur Entwicklung erneuerbarer Energien, wobei vor allem eine Nutzung der Erdwärme beabsichtigt ist. Etwa 40 Prozent des weltweiten Potenzials an geothermischer Energie befinden sich im Inselstaat. Das gesamte Potenzial wird vom Energieministerium mit 28.543 MW angegeben. Hiervon wurden bisher nur weniger als 4 Prozent tatsächlich genutzt. Die Regierung will den Verbrauch von fossilen Energien senken und zum Schutz der Umwelt mit massiven Investitionen den Ausbau der alternativen Energie vorantreiben. Damit soll auch das von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono vorgegebene Ziel, bis 2020 die Kohlendioxid-Emissionen um 26 Prozent zu senken, leichter erreicht werden.

Das Programm sieht die Errichtung von geothermischen Kraftwerken mit einer Gesamtleistung von 4.733 MW vor. Bis 2025 sollen Geothermie-Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 9.500 MW entstehen. Damit will Indonesien weltweit zum größten Produzenten von geothermischem Strom aufsteigen und die USA vom ersten Platz verdrängen. Für die Durchführung von Projekten in diesem Bereich stellen auch Partnerländer und internationale Organisationen, wie die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank, ADB), Finanzierungen bereit.

Für Projekte im Geothermie-Sektor werden indes auch umfangreiche private Investitionen benötigt. Nach Angaben des PLN-Abteilungsleiters für Planung und Technologie, Nasri Sebayang, wurden bisher durch die PT PLN, die Staatsgesellschaft PT Pertamina Geothermal Energy sowie die Privatunternehmen PT Star Energy und Chevron geothermische Projekte von zusammen 2.125 MW angegangen. Davon befinden sich einige Anlagen im Bau, so dass die tatsächliche Kapazität erst circa 1.200 MW beträgt. Bis 2014 sollen weitere 3.900 MW bereitgestellt werden. Die PT PLN arbeitet an Projekten in Sungaipenuh (Jambi), Tulehu (Molukken), Hululais (Bengkulu), zwei in Kotomobagu (Nord-Sulawesi) und Sembalun (West-Nusa-Tenggara). Weitere 37 Projekte sollen durch Privatfirmen als IPP-Vorhaben (Independent Power Producers) verwirklicht werden. Allerdings behindern rechtliche und bürokratische Probleme sowie fehlende Staatsgarantien für risikoreiche Vorhaben eine zügige Realisierung.

Verstärkte Aufmerksamkeit gewannen in jüngster Vergangenheit Projekte zur Nutzung der Sonnenenergie. Die PT PLN will in den östlichen Landesteilen bei insgesamt 340.000 Stromkunden Solartafeln installieren. Die notwendigen Investitionen für diese Maßnahme werden auf umgerechnet rund 100 Millionen Euro veranschlagt. In den Provinzen Ost-Nusa-Tenggara und West-Nusa-Tenggara sollen jeweils 120.000 Kunden mit Solartafeln (einschließlich Rohre, Kabel und Lampen) ausgestattet werden. Die restlichen 100.000 Kunden befinden sich mehrheitlich in Zentral-Kalimantan und Papua. Über die Solartafeln soll Strom vor allem für die Beleuchtung gewonnen werden. Nach PLN-Angaben beträgt die Elektrifizierungsrate in Ost-Indonesien durchschnittlich 56 Prozent. In einigen Gebieten liege sie sogar bei nur 30 Prozent.

Die PT PLN plant außerdem, bis Ende 2011 auf insgesamt 106 kleinen Inseln in abgelegenen Gebieten kommunale Solarkraftanlagen zu errichten. Sie will mit der auf diese Weise entstehenden zusätzlichen Kapazität von 376 MW in den bisher wenig entwickelten Regionen 1,1 Millionen neue Stromkunden gewinnen. Nach 2011 sollen auf weiteren Inseln Solarkraftanlagen entstehen.

Obwohl Indonesien mit einer durchschnittlichen Sonneneinstrahlung pro Tag von 4,8 kWh/m² allgemein gute Voraussetzungen und ein hohes Potenzial für die Nutzung der Sonnenenergie bietet, wurde in diesem Bereich bislang vergleichsweise wenig erreicht. Die in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten von den Regierungen initiierten und geförderten Solarenergieprogramme zur Gewinnung von elektrischer Energie über Photovoltaik-Anlagen durch den Bau von sogenannten Solar Home Systems (SHS) hatten trotz der Unterstützung durch einige internationale Finanzorganisationen nur begrenzten Erfolg.

Fachleute rechnen mit verstärkten Aktivitäten im Bereich der Solarenergieentwicklung, da wegen der noch relativ niedrigen Elektrifizierungsrate, insbesondere in den wirtschaftlich weniger entwickelten östlichen Landesteilen, ein immenser Nachholbedarf besteht. Mehrere Unternehmen haben Interesse an der Herstellung von Anlagen bekundet, so dass in diesem Bereich mittelfristig steigende Investitionen zu erwarten sind. Das koreanische Unternehmen Samsung C&T Corporation, Samsung-Gruppe plant zum Beispiel den Bau eines Solarkraftwerkes mit einer Kapazität von 50 MW. Die Kosten des Projektes werden auf 150 Millionen bis 200 Millionen US$ veranschlagt. Zunächst sollen dazu Feasibility Studies durchgeführt werden.

Adressen

Ministry of Energy and Mineral Resources
Jalan Merdeka Selatan
18 ESDM Building
Jakarta Pusat 10110
Tel.: 62 21 3804242
Fax: 62 21 3810848
Email: setjen@esdm.go.id
Web: www.esdm.go.id

PT PLN - Perusahaan Listrik Negara
(Staatliche Elektrizitätsgesellschaft)
Jalan Trunojoyo Blok M I/135
Jakarta 12160





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