
Die indonesische Regierung verfolgt umfangreiche Pläne zur Modernisierung der Zuckerindustrie. Mit der Erneuerung der staatlichen Raffinerien und dem Bau von neuen Fabriken durch private Investoren soll das hohe Defizit in der Zuckerversorgung bis 2014 behoben werden. Dabei muss auch der Anbau von Rohrzucker ausgeweitet werden: etwa die Hälfte des Bedarfs, der jährlich um 5 Prozent zunimmt, wird durch Importe gedeckt. Mehrere Firmen zeigen Interesse an Investitionen.
Die südostasiatische Inselrepublik verfolgt ehrgeizige Pläne zur Modernisierung der "maroden" Zuckererzeugung in dem südostasiatischen Land. Ein Großteil der Ausrüstungen in den staatlichen Zuckerraffinerien ist mindestens 20 Jahre alt und muss dringend erneuert werden. Mit einer höheren Produktivität und Produktion will die Regierung in Jakarta das hohe Defizit in der lokalen Versorgung mittelfristig ausgleichen und die Selbstversorgung des Inselstaates bei Zucker sichern.
Die nach letzten Schätzungen 238 Millionen Einwohner zählende Bevölkerung wächst jährlich um circa 1,4 Prozent. Die Nachfrage nach Rohzucker nimmt jedoch im Durchschnitt um 5 Prozent pro Jahr zu. Der Ausbau der lokalen Erzeugung zielt auch auf die Reduzierung der hohen Devisenausgaben ab, die durch die umfangreichen Importe von Rohzucker und raffiniertem Zucker entstehen. Nach Indonesien eingeführter Zucker stammt zu etwa 85 Prozent aus Thailand.
Nach den Vorstellungen der Regierung soll die lokale Produktion von rund 2,7 Millionen Tonnen 2009 auf 5,7 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2014 um mehr als Doppelte steigen. Der derzeitige jährliche Verbrauch beträgt 4,7 Millionen Tonnen; davon entfallen knapp 2,2 Millionen Tonnen auf die direkte Nachfrage der Haushalte und 2,5 Millionen Tonnen auf den Verbrauch der Nahrungsmittelindustrie. Bis 2014 soll der Gesamtverbrauch von Haushalten und Industrie auf 5,7 Millionen Tonnen steigen. Die direkte Nachfrage der Haushalte soll dann 2,9 Millionen Tonnen betragen.
Für den Anbau von Rohrzucker werden nach Angaben des Industrieministeriums zusätzliche landwirtschaftliche Flächen in Nordost-Sulawesi, Lampung, Süd-Sumatra, Papua und West-Nusa Tenggara von einer Größe bis zu 500.000 Hektar bereitgestellt. Die Zuteilung der neuen Anbauflächen erfolge durch eine gemeinsam vom Landwirtschafts-und Forstministerium koordinierte Aktion. Acht bestehende Zuckerunternehmen hätten bereits die Genehmigungen für die Anlage neuer Zuckerrohrplantagen erhalten. Genannt werden in diesem Zusammenhang die Firmen PT Angel Product, PT Jawamanis Rafinasi, PT Sentra Usaha Tama Jaya, PT Pemata Dunia Sukses Utama, PT Dharmapala Usaha Sukses, PT Sugar Labinta, PT Makassar Tene und PT Duta Sugar Internasional.
Nach einem "Revitalisierungsplan" der Regierung für den Sektor sollen ferner mindestens zwölf neue Zuckermühlen errichtet und bestehende alte Anlagen erneuert werden. Dieser Plan erfordert nach vorläufigen Schätzungen Investitionen von insgesamt 2,7 Milliarden US$. Derzeit arbeiten landesweit 61 Zuckerfabriken, wovon zehn vom Privatsektor betrieben werden.
In die finanzielle Unterstützung der Ausbaupläne für die Zuckerindustrie hat die Regierung Staatsbanken eingeschaltet. Die in den kommenden Jahren anstehenden Projekte sollen unter anderem durch Kredite von mehr als eine Milliarde US$ der vier großen öffentlichen Kreditinstitute mitfinanziert werden, ist von der PT Bank Rakyat Indonesia (BRI) zu hören, die von der Regierung mit der Koordinierung der Finanzierungsfragen in diesem Bereich beauftragt wurde. Allein 2010 soll mit dem Ausbau und der Erneuerung von sieben staatlichen Zuckerfabriken begonnen werden.
Wie verlautet, haben inzwischen insgesamt 32 Firmen, darunter einige chinesische Investoren, ihr Interesse an einem Engagement in Zuckerprojekte bekundet. So will die PT Wilmar Nabati Indonesia, eine Tochtergesellschaft der Wilmar International Ltd., im Rahmen eines Großprojekts in den kommenden fünf Jahren im Gebiet von Merauke (Provinz Papua) mit Investitionen von insgesamt 2 Milliarden US$ neue Zuckerrohrplantagen auf einem Gebiet von 200.000 Hektar anbauen und eine Raffinerie errichten. Mit dem Projekt könnte nach der für Ende 2010 vorgesehenen Fertigstellung der laufenden Feasibility Study im Jahr 2011 begonnen werden.
Für die Realisierung dieses ehrgeizigen Vorhabens muss jedoch zunächst eine geeignete Infrastruktur bereitgestellt werden. Die dafür notwendigen Arbeiten will die PT Wilmar Nabati Indonesia, die in Sumatra sowie West- und Zentral-Kalimantan auf einer Fläche von 235.000 Hektar auch Ölpalmplantagen betreibt, übernehmen unter der Bedingung, dass die Regierung zumindest in der Aufbauphase des Projekts Steuerbefreiungen und Zinssubventionen gewährt. Verhandlungen hierüber mit dem Finanzministerium wurden offensichtlich noch nicht abgeschlossen.
Größter lokaler Zuckerhersteller ist die Sugar Group, die unter dem Markennamen "Gulaku" verpackten Zucker für den Einzelhandel produziert. Das Unternehmenskonglomerat mit mehreren Tochterfirmen, wie PT Gula Putih Mataram, PT Sweet Indo Lampung und PT Indo Lampung Perkas, will die Produktion für den einheimischen Markt in Lampung weiter ausbauen und erwartet für die kommenden Jahre zweistellige Umsatzzuwächse.
Inwieweit die von der Regierung verfolgten ehrgeizigen Expansionspläne für die Zuckerindustrie im vorgegebenen Zeitrahmen tatsächlich realisiert werden können, bleibt unsicher, zumal viele Fragen der Finanzierung und Landzuteilung noch einer endgültigen Klärung bedürfen. So zeigt sich auch der Präsident der Indonesian Refined Sugar Association (AGRI), Melvin Korompis, skeptisch, ob bis 2014 eine Steigerung der jährlichen Produktion um rund 2 Millionen Tonnen erreicht werden kann. Hierfür sei der Aufbau von mindestens 15 neuen Fabriken erforderlich. Für die Errichtung einer neuen Zuckerfabrik würden Investitionen von rund 150 Millionen US$ und eine Anbaufläche für Zuckerrohr von mindestens 20.000 Hektar benötigt. Insbesondere bei der Landzuteilung befürchtet Korompis erhebliche Probleme.
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