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Im Irak konzentrieren sich die Telekom-Ausrüster auf den Ausbau der Mobilfunknetze. Der Sektor ist im regionalen Vergleich quantitativ und technologisch noch wenig entwickelt. Die Telekomfirmen dehnen ihre Dienste nun verstärkt in bisher nicht bediente Landesteile aus. Hohe Glasfaser-Investitionen sollen mehr Breitbanddienste ermöglichen. Ausländische Investoren finden einen liberalen Markt vor. Hinderlich sind die schlechte Sicherheitslage, hohe Kosten durch ein Festnetzmonopol sowie manche administrative Rahmenbedingungen.
Telekom-Indikatoren vom IrakGespannt beobachtet Iraks Telekomsektor das Hin und Her um die Vergabe einer weiteren Mobilfunk-Lizenz. Das Kommunikationsministerium (MoC) hatte im April 2011 eine Auktion noch vor Ende des Jahres angekündigt. Über den aktuellen Stand herrscht Unklarheit, die Behörden meldeten Interesse von 15 Unternehmen. Davon unberührt dehnen die Mobilfunkfirmen ihre Netze aus. Sie expandieren in bisher nicht abgedeckte Landesteile, der Anbieter Zain etwa ist seit Oktober 2010 auch in der autonomen Kurdenregion aktiv. Der Branchenführer (53% der Kunden, Juni 2011) kündigte im August 2010 an, während der kommenden drei Jahre jeweils knapp ein Fünftel seines Umsatzes in den Netzausbau zu investieren. Der Irak-Ableger von Zain Kuwait hatte 2010 rund 1,5 Milliarden US$ eingenommen, doppelt so viel wie noch zwei Jahre zuvor. Mit dem Ausrüster Ericsson schloss Zain im November 2011 einen Vertrag über 650 Millionen US$ ab.
Der Branchendritte Korek (8% der Kunden) aus der Kurdenregion wiederum baut seinen Service nun auch in Iraks anderen Landesteilen auf. Partner ist nach einem Vertrag vom September 2011 auch hier Ericsson. Korek plant sein Netz daneben auf Mobilfunk-Technologien der dritten und vierten Generation (3G, 4G/LTE) vorzubereiten, was teilweise auch Zain tut. AsiaCell als zweitgrößter Anbieter (36% der Kunden, Teileigner: Qtel/Katar) schloss Ende 2010 ebenfalls mit Ericsson sowie Nokia Siemens Networks einen Vertrag zum Netzausbau. Moderat wachsen wird nach Branchenprognosen der kleinste Anbieter. Über SanaTel (3% der Kunden) gibt es wenige und widersprüchliche Informationen. Die Firma ist seit 2003 in der Kurdenregion tätig und besitzt seit 2004 eine landesweite Lizenz.
Iraks Mobilfunksektor hat noch viel Raum zum Wachsen. Mit gut 80 Handys auf 100 Einwohner ist das Land Schlusslicht in der Region. Die Einkommen der 32 Millionen Iraker steigen, wobei das BIP pro Kopf 2011 rund 4.900 US$ erreicht und damit deutlich höher ist als etwa in Ägypten. Der Branche winken zudem gute Gewinne: Obwohl in praktisch allen Handys Prepaidkarten stecken, setzten die Anbieter 2010 monatlich im Schnitt knapp 15 US$ pro Kunde um - weniger als im reichen Saudi-Arabien (18 US$), aber erheblich mehr als in Pakistan (2,40 US$).
Die Carrier verlieren mit der Gebiets-Expansion ihrer Konkurrenten allerdings ihre faktischen Gebietsmonopole und müssen sich auf sinkende Umsätze pro Kunde einstellen. Dagegen stemmen sie sich mit Investitionen - was die Ausrüster freut. Die Netze basieren bisher fast ausschließlich auf 2G-Technik, während in Saudi-Arabien oder den VAE bereits 4G installiert wird. Dabei herrscht noch keine Klarheit, ob die erwartete neue Mobilfunklizenz zumindest ein 3G-Spektrum umfassen wird. Einstweilen versuchen deshalb einige Firmen, lukrative Datendienste (VAS), die üblicherweise (3G-) Breitband benötigen, auf 2G-Basis anzubieten, so der Marktforscher Business Monitor International. Führend in Iraks kleinem VAS-Markt sei AsiaCell.
Mobilfunkmarkt nach Anbieter und TechnologieInvestitionskapital erwartet die Branche nicht nur aus den hohen Öleinnahmen Iraks oder möglicherweise aus ausländischen Wiederaufbaufonds, sondern auch in Form von Direktinvestitionen. So hatte Invest AD aus den VAE im April 2011 verlauten lassen, nach dem langen Krieg sei Iraks Telekom-Sektor reif für Investitionen. Ausländer dürfen 100 Prozent der Firmenanteile halten; zuletzt übernahmen France Télécom und Agility aus Kuwait im März 2011 gemeinsam 44 Prozent am drittgrößten Mobilfunkbetreiber Korek.
Iraks Festnetz ist klein, teuer und in der Hand eines Monopolisten, der staatlichen Iraqi Telecommunications and Posts Company (ITPC). Es gibt lediglich 1,6 Millionen Anschlüsse, von denen laut dem Ministerium MoC überdies die Hälfte außer Betrieb ist. Daneben existieren gerade einmal 130.000 Breitbandanschlüsse; Internetzugänge sind weniger verbreitet als in den Nachbarländern und basieren oft noch auf dem Einwählverfahren. Es fehlt ein leistungsfähiges und preiswerte (Glasfaser-) Hauptnetz, um Breitbandanschlüsse überhaupt einrichten zu können, sei es leitungsgebunden oder etwa mit Hilfe der drahtlosen WiMax-Technik. In diesem Mangel an einem (Glasfaser-) "Rückgrat" sieht die staatliche Communications and Media Commission (CMC) einen Grund, warum die Mobilfunkbranche bisher keine 3G- oder 4G-Netze errichtet hat, die mobiles Breitband ermöglichen.
Das MoC plant nun das nationale Festnetz und die Internetinfrastruktur massiv auszubauen. Einer Ankündigung vom April 2011 zufolge will das Ministerium in den kommenden fünf Jahren dafür 3 Milliarden US$ ausgeben. Zu den Zielen gehört die Verlegung von 8 Millionen Glasfaserleitungen bis in die Haushalte (FTTH), 1,8 Millionen davon bereits bis Ende 2012. Finanzieren will das Ministerium seinen Plan zum Teil aus Erlösen der erhofften Mobilfunklizenz-Auktion, weiteres Geld soll aus Japan kommen. Daneben möchte Mobilfunk-Marktführer Zain laut Marktberichten zwecks Kapazitätserhöhung ein eigenes Glasfasernetz legen. Auch AsiaCell zeigte Interesse an solchen Investitionen. Eine bessere internationale Anbindung bekommt Irak schon Ende 2011, wenn das neue Unterseekabel der Firma Gulf Bridge International voll in Betrieb geht. Das Kabel verbindet Irak, Iran und die Arabische Halbinsel in Richtung Osten und Westen.
Kräftig wachsende Konkurrenz im Festnetz sowie bei Breitband- und Internetzugängen gibt es seit einiger Zeit durch Wireless Local Loop (WLL). Die Technik schließt den Kunden auf der letzten Meile drahtlos an die Telekominfrastruktur an. Marktführer dürfte Kalimat sein, eine Firma mit kuwaitischem Kapital. Sie besitzt seit 2006 eine WLL-Lizenz, hatte nach eigenem Angaben vom April 2011 rund 300.000 Kunden und hoffte diese Zahl bis Ende 2012 zu verzehnfachen. Geplant waren für 2011 Investitionen von 250 Millionen US$ und für 2012 der Gang an die Börse. Daneben arbeitet Festnetz-Monopolist ITPC an einem landesweiten WLL-Netz, wobei IraqTel und andere Firmen als Auftragnehmer den Service in jeweils abgegrenzten Gebieten aufbauen. Die WiMax-Technik, die wie WLL und das satellitenbasierte VSAT auch Breitbanddienste ermöglicht, konzentriert sich bisher vorwiegend auf die Kurdenregion. AsiaCell gab nach einer Meldung vom August 2011 dem Ausrüster Altobridge den Auftrag, in bisher unversorgten Gebieten bei Sulaimaniya in Nordirak einen satelliten- und solarenergiegestützten Mobilfunkdienst aufzubauen.
Allerdings bleibt Irak ein schwieriger Markt, auch für Telekomfirmen und -ausrüster. Selbst wenn die USA den Irakkrieg nun offiziell für beendet erklärt haben - die Sicherheitslage ist nach wie vor schlecht und erhöht die Kosten. Dies hat dem Vernehmen nach beispielsweise den ägyptischen Telekomriesen Orascom mit aus dem Land getrieben. Ständige Stromausfälle zwingen die Unternehmen zur teuren Installation von dezentralen Windrädern und Solarpanels. Kostentreibend ist auch die schwache Basisinfrastruktur und das Festnetz-Monopol: Die ITPC berechnete den Mobilfunkfirmen für die Nutzung ihrer Glasfasernetze etwa zehnmal höhere Tarife als in Europa üblich, so eine Klage von 2009. ADSL ist unter neunzehn arabischen Staaten in Irak und Libanon am teuersten, ergab eine Studie der Arab Advisors Group von 2010.
Als problematisch gilt zudem die schwache Verwaltung. Regulierer ist statt der eigentlich zuständigen CMC de facto eher das MoC, das als Eigner der staatlicher Telekomfirmen kaum neutral ist. Die Branche stört sich außerdem an Rangeleien zwischen der CMC und der ITPC. Einfacher scheint das Geschäft nach Angaben von Beobachtern in der Kurdenregion zu sein. Eine Privatisierung der ITPC ist seit längerem im Gespräch, scheint aber nicht unmittelbar bevorzustehen. Abschreckend für Investoren könnten Strafzahlungen sein, die den Mobilfunkbetreibern für minderwertigen Service auferlegt wurden. Wenig attraktiv erscheint auch der hohe Umsatzanteil (35%), den der Gewinner der zu vergebenden Mobilfunklizenz an die Behörden abführen muss.
Die drei führenden Mobilfunkfirmen konnten bisher jedenfalls kein Kapital an der Börse einsammeln. Sie müssen eigentlich ein Viertel ihrer Anteile am - unterkapitalisierten - Iraqi Stock Exchange listen, ließen die Frist Ende August 2011 aber ergebnislos verstreichen. Die Börsengänge sind in den Lizenzen vorgeschrieben und sollen nun 2012 stattfinden. Einen Mangel an großen Vorhaben lässt sich möglicherweise bei MEED ableiten. Der auf Nahost spezialisierte Informationsdienstleister führt in seiner Projektdatenbank zu Irak kein einziges laufendes oder geplantes Telekom-Vorhaben.