
Japan will in der Flugzeugindustrie seine internationale Wettbewerbsfähigkeit ausbauen. Für einen neuen Regionaljet sind auch aus dem Ausland die ersten Bestellungen eingegangen. Das Flugzeug wird ab etwa 2014 in Serie produziert.
Trat das Land bislang vor allem als Zulieferer von Komponenten für ausländische Flugzeugproduzenten, allen voran Boeing und Airbus, in Erscheinung, so sollen in den kommenden Jahren Luftfahrzeuge aus eigener Produktion das Profil schärfen. Besonders gute Chancen sieht Japan bei kleinen, aber kostengünstigen Passagierjets.
Am 1.4.2008 wurde die Mitsubishi Aircraft Corporation (MJET) mit dem Ziel gegründet, Düsenflugzeuge für den Einsatz im Regionalverkehr zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen. Am Unternehmen mit einem Kapital von 100 Milliarden Yen sind unter anderem Mitsubishi Heavy Industries, Toyota Motor und die Handelshäuser Mitsubishi, Sumitomo und Mitsui beteiligt. Ferner leistet das Wirtschaftsministerium (METI) finanzielle Unterstützung.
Vom Mitsubishi Regional Jet (MRJ) sollen zwei Modelle, eines mit 70 und eines mit 90 Plätzen, gebaut werden. Seit Bekanntgabe des Vorhabens sind bei MJET 65 feste und 60 optionale Bestellungen eingegangen. Die jüngste Order über 100 Flugzeuge wurde Anfang Oktober 2009 von der US-Firma Trans States Holdings platziert; das Unternehmen betreibt in den USA zwei regionale Fluggesellschaften. Weitere 25 MRJ wurden von der japanischen ANA geordert. Die Auslieferung der ersten Regionaljets ist für Anfang 2014 vorgesehen.
Das Flugzeug soll in Mitsubishis Komaki-Minami-Fabrik in Toyoyama (Präfektur Aichi) produziert werden. Geplant ist, in den Bau eines neuen Werkes bis zu 50 Milliarden Yen (377 Mio. Euro, 1 Euro = 132,7 Yen, 3-Monatsmittel) zu investieren und zunächst monatlich zwei Maschinen herzustellen. Wie die japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" meldet, soll das Aggregat PW1000G von Pratt & Whitney als Triebwerk eingebaut werden. Dabei hätte die US-Firma zugestimmt, dass Mitsubishi selbst das Triebwerk unter Verwendung von P&W-Komponenten montiert. Sollte sich der Bericht bewahrheiten, wäre Mitsubishi Heavy das erste japanische Unternehmen, das Triebwerke für Zivilflugzeuge baut. Bisher stellen heimische Betriebe Komplettaggregate nur für Militärflugzeuge in Lizenz her.
Durch das MRJ-Projekt kann Japans Flugzeugindustrie mittelfristig ihre technologische und wirtschaftliche Grundlage beträchtlich erweitern und zumindest in Teilen auch von dem manchmal volatilen Geschäft als Lieferant für internationale Flugzeugbauer und den heimischen Verteidigungssektor unabhängiger werden.
Wie bedeutend Japans Stellung als Zulieferer geworden ist, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass mehr als ein Drittel der Strukturkomponenten der neuen Boeing 787 von dort stammen wird. Beteiligt sind an diesem Projekt unter anderem die Schwermaschinenproduzenten Mitsubishi, Kawasaki und Fuji Heavy Industries (Flügelteile, Triebwerkskomponenten), Bridgestone (Reifen) und Toray (kohlefaserverstärkte Kunststoffe).
Presseberichten zufolge haben sich allerdings die vielen Verzögerungen beim Bau der Boeing 787 auch auf die japanischen Zulieferer ausgewirkt. Eine Reihe von ihnen hat vertrauend auf den Zeitplan beträchtlich investiert, und die neuen Kapazitäten können nicht adäquat genutzt werden. Während aber die großen Unternehmen diese Probleme durch Abarbeitung anderer Aufträge offenbar zumindest teilweise ausgleichen können, dürften vor allem kleinere Sublieferanten besonders getroffen worden sein.
Legt man die veröffentlichten Statistiken zugrunde, hat Japans Flugzeugindustrie die Schwierigkeiten mit der Boeing 787 sowie die Wirtschafts- und Finanzkrise und den stark verteuerten Yen im Vergleich zu anderen Zweigen bisher recht gut verkraftet. Wie das METI ermittelte, steigerte die Branche ihren Gesamtumsatz im Fiskaljahr 2008 (1.4. bis 31.3.) gegenüber dem Vorjahr um 10,2 Prozent auf knapp 1.230 Milliarden Yen. Dies entspricht etwa 6 Prozent des Umsatzes, den die US-Flugzeugindustrie zur gleichen Zeit erwirtschaftete. Das Wachstum war in Japan allerdings nur möglich, weil der Verteidigungssektor seinen Bedarf stark aufstockte (614,5 Mrd. Yen, +38,2%). Die Umsätze im zivilen Flugzeuggeschäft und im Export gingen hingegen zurück (611,7 Mrd. Yen, -8,4%).
Auf der Grundlage einer Befragung von meist großen Unternehmen, wobei die Ergebnisse auf die Branche insgesamt hochgerechnet wurden, ermittelte die Japan Machinery Federation (JMF) für das Fiskaljahr 2008 einen Rückgang des Produktionswertes im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent auf 1.070 Milliarden Yen. Für das Fiskaljahr 2009 erwartet der Verband ein weiteres Minus von 5,1 Prozent auf knapp 1.020 Milliarden Yen. Die JMF veröffentlichte ihre jüngste Prognose Mitte November 2009.
Japans Außenhandel mit Flugzeugen und Flugzeugteilen ist stark defizitär. Die SJAC berechnete auf der Basis der Zollstatistik für das Kalenderjahr 2008 einen Importwert von 1.050 Milliarden Yen. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Rückgang von 12,0 Prozent. Triebwerke (187,5 Mrd. Yen) und Triebwerkskomponenten (265,4 Mrd. Yen) stellten den größten Teil der Einfuhren. Dabei stammten 2007 mehr als 85 Prozent der Importe aus den USA und die EU kam auf einen Anteil von 11,4 Prozent.
Die Exporte beliefen sich auf insgesamt 438,0 Milliarden Yen (-11,2%). Rotoren und Flügel oder Landeausrüstungen sowie die dazugehörigen Teile stellten über 60 Prozent der Ausfuhren, weitere 38 Prozent entfielen auf Triebwerksteile. Rund 70 Prozent der Ausfuhren waren 2007 für die USA und 14,3 Prozent für die EU bestimmt.
Adressen
The Society of Aerospace Companies (SJAC)
2. Floor, NOF Tameike Bldg.
1-1-14 Akasaka, Minato-ku
Tokyo 107-0052
Tel.: 81 3 358505 11
Fax: 81 3 358505 41
Web: www.sjac.or.jp