
Südkorea ist bereits jetzt ein wichtiger Importeur von Agrargütern und Nahrungsmitteln. Ein relativ hohes Einkommen, die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und die zunehmende Verwestlichung der Essgewohnheiten sind Faktoren, die deutschen Anbietern entgegenkommen. Seit Ende Januar 2010 sind die Einfuhren von Schweinefleisch aus Deutschland wieder erlaubt. Darüber hinaus wollen die EU und Südkorea ein Freihandelsabkommen abschließen. Dieses sieht einen massiven Zollabbau für Nahrungsmittel und Agrarerzeugnisse vor.
Südkorea führt einen Großteil seiner Lebensmittel ein und gab hierfür 2009 nach Angaben der Zollstatistik etwas mehr als 13,4 Milliarden US$ aus. Damit ist Südkorea weltweit nach Japan, Russland, Kanada, der VR China und auch den USA einer der wichtigsten Importeure außerhalb der Europäischen Union. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2010 wurden bereits 6,6 Milliarden US$ importiert, wobei in diesen Zeitraum die USA (3,6 Mrd. US$), die VR China (2,1 Mrd. US$) und Australien (1,4 Mrd. US$) die größten Lieferländer waren. Deutsche Produkte sind bisher jedoch nur wenig vertreten, auch im Vergleich zu anderen europäischen Wettbewerbern.
Der Nahrungsmittelmarkt soll 2010 nach Prognosen des Marktführers CJ Cheil Jedang um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 40.200 Milliarden Won (26,9 Mrd. Euro, 1 Euro = 1495 Won, 3-Monatsmittel) wachsen. Dabei soll der Verbrauch von Brot, Fleisch und Milcherzeugnissen im laufenden Jahr zunehmen, während der Konsum von Getreide und -produkten (dazu zählen vor allem Reis und Erzeugnisse daraus) weiter zurückgehen soll. Grund ist die fortschreitende Verwestlichung der Essgewohnheiten und das zunehmende Interesse an einer gesunden Ernährung.
In Seoul gibt es mittlerweile zahlreiche Bäckereien. Käse ist vielfach erhältlich, auch wenn das Angebot noch beschränkt ist. Stammte der Käse zunächst ausschließlich aus dem Ausland, haben schon seit Längerem auch koreanische Unternehmen die Herstellung aufgenommen. In der Vermarktung zielen sie - auch bei Sorten die nicht zu 100 Prozent aus Naturkäse bestehen - oft auf Eltern, die ihren Kindern etwas Gutes tun wollen. Ähnliches gilt für andere Milchprodukte.
Bei Getränken gehen Branchenkenner davon aus, dass wie bereits im Jahr zuvor die Nachfrage nach Wasser und Makgeolli (eine Art gegorener Reiswein) 2010 steigen wird. Für Soju und Bier wird ein mehr oder weniger konstantes Ergebnis erwartet. Die Verkäufe alkoholischer Getränke betrugen nach Angaben des National Tax Service 2009 rund 20 Millionen Hektoliter Bier, 9,3 Millionen Hektoliter Soju und 2,6 Millionen Hektoliter Makgeolli. Importiert wurden 410.000 Hektoliter Bier, 230.000 Hektoliter Wein sowie 210.000 Hektoliter Whisky.
Der in anderen entwickelten Ländern verbreitete sogenannte Well-being-Trend ist auch in Südkorea stark zu spüren. Verbraucher, die ohnehin natürliche, frische Ware bevorzugen, fragen zunehmend "umweltfreundliche" Lebensmittel nach. Hierunter werden vor allem Agrarprodukte aus organischem Anbau verstanden oder solche, bei deren Erzeugung keine oder im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Gütern geringere Mengen an Agrarchemikalien eingesetzt werden. So schätzt CJ Cheil Jedang, dass der Bedarf an Premium-Gebäck ohne chemische Zusatzstoffe oder an Joghurts ohne Farb- und Duftstoffe zunehmen wird. Auch die Lebensmittelsicherheit bleibt ein wichtiges Thema.
Gleichzeitig gewinnt Functional Food gegen Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck weiter an Marktanteilen. Nach Zahlen der Korea Food & Drug Administration wuchs der Umsatz mit Gesundheitsnahrungsmitteln 2009 um rund 20 Prozent auf knapp 1.000 Milliarden Won. Auch wenn fast die Hälfte davon auf Ginsengprodukte entfällt, bestehen auch gute Chancen unter anderem bei bei Vitaminen und Mineralien (+43% auf 76 Mrd. Won), Omega-3-Fettsäuren (+25% auf 33 Mrd. Won) oder Probiotika (+33% auf 25 Mrd. Won).
Daneben ist ein weiterer langfristiger Trend zu beobachten. Mit der Zunahme von Doppelverdiener-Ehepaaren und Alleinstehenden nimmt auch der Anteil verarbeiteter Lebensmittel zu. Nach Angaben des "Biotechnology Special Zine" von Anfang 2009 ist deren Anteil am Nahrungsmittelverbrauch auf 40 Prozent gestiegen. Hier geht es vor allem um Bequemlichkeit und Schnelligkeit in der Zubereitung.
Bei einigen wenigen Produkten wie Kartoffelstärke, Gemüsesäften oder Hopfen haben deutsche Erzeugnisse hohe Importmarktanteile. Weitere Produkte mit nennenswerten deutschen Lieferungen waren 2009 Schokolade und andere Süßwaren, Milchprodukte, Aromen, Wein, Bier, Malz und Kaffee. Dennoch bleibt Potenzial. Dies gilt nicht nur für die Importvolumina Südkoreas, sondern auch für die Anteile deutscher Lieferungen. Deutscher Wein hatte 2009 lediglich einen Anteil von 2,3 Prozent an den gesamten Einfuhren.
Neue Marktchancen könnte der geplante Abschluss des Freihandelsabkommens (FHA) zwischen Südkorea und der EU eröffnen, das frühestens zum Jahresende 2010 (vorläufig) in Kraft treten könnte. Gerade im Bereich der Agrargüter und Nahrungsmittel hat Südkorea noch hohe Zölle, die für die meisten Produkte vollständig wegfallen sollen. Sofort mit dem Inkrafttreten des FHA gilt dies beispielsweise für Wein und Hopfen. Bei vielen anderen Waren erfolgt der Abbau schrittweise. So soll es bei Bier sieben und bei Gemüsesäften fünf Jahre dauern, bis die Einfuhr zollfrei erfolgen kann.
Für Käse und Quark, Molke, Fleisch, Wurstwaren, Fleischzubereitungen und Tierfutter gelten Zollfreikontingente, die in jährlichen Schritten ansteigen. Im 15. Jahr nach dem Inkrafttreten des Abkommens gilt für diese Erzeugnisse die volle Zollfreiheit.
Nur bei wenigen Waren ist kein vollständiger Zollabbau vorgesehen. Ein Beispiel sind Milch und Rahm (betroffen ist vor allem Milchpulver). Hier gelten zwar ebenfalls Zollfreikontingente, die in 15 Jahresschritten ansteigen, danach bleibt es jedoch bei dem dann erreichten Zollfreikontingent (Milchpulver 1.512 Tonnen). Einfuhren, die die jährliche Kontingentsmenge überschreiten, werden mit dem normalen WTO-Zollsatz verzollt. Reis ist von dem Abkommen ganz ausgeschlossen.
Ende Januar 2010 wurde nach langjährigen Verhandlungen die Einfuhr von Schweinefleisch deutscher Herkunft genehmigt und Deutschland aus den Importverbotsregionen für Schweinefleisch ausgenommen. Der Import von Schweinefleisch von Südkorea stieg von 122.000 Tonnent im Jahr 2003 auf 339.000 Tonnent im Jahr 2007. Das Volumen fiel 2009 auf 295.000 Tonnent. Wegen der Konsumgewohnheiten kann in Südkorea vor allem Schweinebauch teuer verkauft werden.
Die EU-Kommission hat den Text des Freihandelsabkommens unter folgender URL veröffentlicht: http://trade.ec.europa.eu/doclib/press/index.cfm?id=443
Wichtigste Messe für die Präsentation von Nahrungsmitteln und Getränken ist die "Seoul Food & Hotel". Sie fand vom 12.5. bis 15.5.10 als Teil der "International Food Industry Exhibition, Seoul" (IFIES) im Korea International Exhibition Center (KINTEX) in Goyang nahe Seoul statt. Die nächste Auflage wird vom 26.4. bis 29.4.11 wieder im KINTEX abgehalten.