Asien Kurier  11/2009 vom 1. November 2009
Malaysia

Halbleiter aus Penang

Immer mehr Werke fahren Produktion hoch. Fertigungsprozesse sollen vertieft werden

Von Thomas Hundt, Germany Trade & Invest in Malaysia

Malaysias Halbleiterindustrie spürt eine Trendumkehr bei der Nachfrage nach ihren Produkten. Unternehmensvertreter aus dem nordwestlichen Bundesstaat Penang - neben Singapur ein "Silicon Island" Südostasiens - berichten, dass Auftragseingänge zunehmen und sich die Kapazitätsauslastungen erholen. Im 1. Halbjahr 2009 war die Fertigung noch um etwa ein Drittel zurückgegangen.

Wafer

Die Durststrecke der Anbieter von Maschinen und Automatisierungstechnik für die Halbleiterindustrie, von der Betriebe in Malaysia berichten, dürfte im kommenden Jahr beendet sein. Die Hersteller von Halbleiterbauelementen erzeugten 2008 etwa 20,5 Milliarden Halbleiter, 31,3 Milliarden Transistoren und 30,8 Milliarden integrierte Schaltungen (Integrated Circuits, IC). Im Zeitraum Januar bis Juli 2009 sackten die Produktionsmengen jeweils um circa ein Drittel im Vergleich zur Vorjahresperiode ab. Den Produktionswert konnten die Hersteller allerdings leicht erhöhen. Sie erzeugten in den ersten sieben Monaten 2009 Halbleiterbauelemente im Wert von 24,8 Milliarden Ringgit nach 24,2 Milliarden Ringgit im Vorjahreszeitraum.

Das südostasiatische Schwellenland zählt zu den größten Exporteuren dieser Produkte. Die Ausfuhren von Kathoden, Dioden, ICs und Transistoren hatten 2008 einen Wert von 90 Milliarden Ringgit (-5% gegenüber dem Vorjahr) und machten knapp 20 Prozent der gesamten Warenausfuhren des Landes aus. Die Umsätze der exportorientierten Betriebe folgen der weltweiten Nachfrage, die spätestens 2010 auf breiter Front wieder anziehen soll.

Die Marktforschungsfirmen Gartner und iSuppli erwarten 2009 noch einen Rückgang des globalen Halbleitermarktes um ungefähr 17 Prozent. Er hatte 2008 ein Volumen von 259 Milliarden US$. Zumindest verbesserten die Analysten im September ihre Einschätzungen gegenüber dem Frühjahr, als sie noch von einer Schrumpfung von 22 Prozent ausgingen. Für das Jahr 2010 sagt iSuppli ein Marktwachstum in Höhe von 14 Prozent voraus.

Der lokale Halbleitermarkt dürfte ausländischen Anbietern trotz des inländischen Angebotes ebenfalls wieder Absatzchancen bieten, denn die Einfuhren in dieser Produktgruppe übertreffen die Ausfuhren deutlich. Die Elektronik- und Elektrotechnikindustrie importierte 2008 Halbleiterbauelemente im Wert von 101 Milliarden Ringgit (-10% gegenüber 2007). Im Zeitraum Januar bis Juli 2009 brachen die Bezüge von Halbleitern um 31 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode ein.

Zu den großen lokalen Abnehmern zählen Hersteller von Radios (Ausstoß 2008: 61,5 Mio. Geräte), Fernsehern (5,7 Mio.) sowie Computern und Peripheriegeräten (Produktionswert: 57,8 Mrd. Ringgit). Sie haben seit Frühjahr 2009 ihren Output wieder erhöht und bestellen neue Zulieferteile. Allerdings erreichte ihr Monatsausstoß im Juni und Juli noch nicht das Vorjahresniveau.

Die Hersteller von Ausrüstungen spüren in der Regel mit einer Verzögerung von ungefähr sechs Monaten Konjunkturumschwünge der Halbleiterbranche. Die Analysten der Organisation Semiconductor Equipment and Materials International (SEMI) rechnen 2009 weltweit mit Schließungen von 31 Wafer-Fabriken, die Kapazitäten fallen damit um 2 bis 3 Prozent. Für das Jahr 2010 prognostiziert SEMI einen Ausbau der Fertigungen um 4 bis 5 Prozent auf 21,5 Millionen Wafer pro Monat (umgerechnet in 200-mm-Äquivalenten).

Der Schwerpunkt der malaysischen Halbleiterindustrie liegt im Bundesstaat Penang. Bereits in den 1970er Jahren hatten sich multinationale Konzerne in dessen Freihandelszonen niedergelassen. Die Fördergesellschaft "Invest in Penang" wirbt inzwischen insbesondere um Unternehmen aus den Wachstumsbranchen Solar und Fertigung von Leuchtdioden (LED). Gemäß einer Analyse der Bank Credit Suisse soll der LED-Weltmarkt ausgehend von 5,1 Milliarden US$ im Jahr 2008 bis 2011 ein Volumen von 6,5 Milliarden US$ erreichen. LED bauen in Penang die Firmen Osram, Philips Lumileds und Avago. Wobei die Siemenstochter Osram nach Nichia (Japan) weltweit als der zweigrößte Anbieter gilt. Osram produziert 95 Prozent seiner LED in Malaysia und hat die Produktion jüngst erweitert.

Auch das Wirtschaftsministerium in Kuala Lumpur möchte die Wertschöpfung der Halbleiterindustrie vertiefen und fördert Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E). Einige Unternehmen kooperieren bereits mit Hochschulen, um mehr Fachkräfte ausbilden zu können. Lokale Facharbeiter seien aber oft schwer zu finden, beklagte der Verband Malaysian American Electronics Industry (MAEI) Ende September 2009. Ihm gehören 17 führende multinationale Elektronikkonzerne mit Betriebsstätten in Malaysia an, die ungefähr 55.000 Mitarbeiter im Lande beschäftigen.

Nach Überwindung der Krise wollen zahlreiche Betriebe neue Arbeiter einstellen. Die Personalabteilungen könnten aber nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter finden, bedauert der MAEI. Dem knappen Angebot an heimischen Arbeitern wollen die Firmen durch Einstellung von Ausländern begegnen. Daher fordert der MAEI eine Lockerung der Einreiserestriktionen für Gastarbeiter, die Malaysia Anfang des Jahres eingeführt hatte. Das Einstellungsverbot von Ausländern sollte Jobs für die erwerbssuchenden Malaysier schaffen.

Trotz dieser Schwierigkeiten halten die meisten multinationalen Konzerne am Standort Malaysia fest. Die Mitglieder des MAEI wollen gemäß eine Verbandsumfrage, die im Juli 2009 vorgestellt wurde, im laufenden Jahr 1,6 Milliarden Ringgit in neue Produkte sowie Erweiterungen der Anlagen investieren. Im Vorjahr gaben sie dafür noch 2,5 Milliarden Ringgit aus.

Der größte Halbleiterhersteller des Landes, Intel, beschäftigt etwa 8.500 Mitarbeiter und kündigte Anfang 2009 an, dass er Teile der Chipmontage und -tests von Penang nach Kulim (Malaysia) und Vietnam verlagern werde. Die F&E-Aktivitäten will der Konzern in Penang dagegen ausbauen. Insgesamt erzeugen 64 Unternehmen in Malaysia Halbleiter. Darunter betreiben neben Intel internationale Konzerne wie AMD, Freescale, Avago, Infineon, Toshiba, STM, Texas Instruments, STATS, Spansion, Fairchild, Renesas und NEC mehrere Werke. Weitere 28 Unternehmen sind im sogenannten "Packaging" (Einbringen der ICs in Gehäuse) tätig.

Auch heimische Anbieter haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zu international agierenden Akteuren entwickelt. So zählen unter den lokalen Halbleiterfirmen die Aktiengesellschaften Unisem und Malaysian Pacific Industries mit Umsätzen von über 1 Milliarden Ringgit und mehreren Werken weltweit zu den größeren Auftragsfertigern. Die inländischen Unternehmen führen hauptsächlich "Backend"-Prozesse, wie Verpackung und Funktionstests von integrierten Schaltungen, durch und möchten künftig weitere Fertigungsschritte beherrschen.

Adressen

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5-B Jalan Gelugor, Off Jalan Kenanga
55200 Kuala Lumpur
Tel.: 60 3 9221 4417, 9221 20 91
Fax: 60 3 9221 82 12
Email: teeam@po.jaring.my, teeam@streamyx.com
Web: www.teeam.com

Malaysian American Electronics Industry (MAEI)
Amcham Malaysia
11.03-11.05 Level 11, AMODA Building
22 Jalan Imbi
55100 Kuala Lumpur
Tel.: 60 3 2148 24 07
Fax: 60 3 2142 8540
Email: info@amcham.com.my
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