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Asien Kurier  1/2010 vom 1. Januar 2010
Buchbesprechung

Rita Menge: "Praxisführer Japan"

Erfolgreich in Japan

Von Daniel Müller in Berlin

Nicht zuletzt aufgrund des chinesischen Aufstieges hat sich in den letzten Jahren das Interesse an den mentalen und kulturellen Eigenheiten der Japaner merklich abgeschwächt. Zu Unrecht. Denn trotz einer lang anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation ist der Austausch mit der Nippon Inc. nach wie vor eine zentrale Achse der Weltwirtschaft.

Buchtitel "Praxisführer Japan"

Gleichwohl hat es den Anschein, als sei man irgendwie froh, sich nicht mehr mit den vielgestaltigen Besonderheiten des Landes befassen zu müssen: Zu exotisch, zu verwirrend und zu unverständlich scheinen all die Regeln, Gebote und Konventionen, die das dortige Zusammenleben und den Geschäftsalltag strukturieren. Und in der Tat ist die japanische Gesellschaft wesentlich stärker formalisiert und durch Hierarchien gekennzeichnet als etwa die chinesische. Dies kann jedoch sowohl aus prinzipiellen wie aus merkantilen Erwägungen kein Grund sein, einen Bogen um den Inselstaat zu machen.

Denn eine eingehende Beschäftigung mit Japan lohnt sich in jeden Fall: Hat man erst einmal einen groben Überblick gewonnen, eröffnet sich eine ebenso überraschende wie faszinierende Welt. Voraussetzung hierfür ist indes eine instruktive und verständliche Einführung. Eine ebensolche hat die interkulturelle Trainerin Rita Menge vorgelegt. Einem Trainingsprogramm für Geschäftsleute nachempfunden, stellt das Buch eine lockere und gut geschriebene Sammlung von Erklärungen und Verhaltensratschlägen dar. Als didaktisch klug erweist sich dabei der Ansatz, jeweils die deutsche und die japanische Sichtweise gegenüberzustellen, werden doch auf diese Weise die kulturellen Differenzen auf den Punkt gebracht.

Als schwierigste Hürde beim Erwerb interkultureller Kompetenzen erweist sich laut Menge erfahrungsgemäß der notorische Überlegenheitskomplex, den speziell viele Westler gegenüber anderen Kulturkreisen besitzen. Erst wenn hier substanzielle Lernprozesse stattgefunden haben, wird der Weg frei zum Erkennen von Spezifika - etwa bei den Aspekten Entscheidungsfindung, Kommunikation und Meinungsäußerung. Im Falle Japans gilt es für Menge zu verstehen, dass die Insellage einen wesentlichen Beitrag zur Introvertiertheit der Japaner geleistet hat, die sich vor allem in einer unbedingten Gruppenorientierung äußert. Daneben sei zu berücksichtigen, dass die vergleichsweise ungünstigen Umweltbedingungen eine starke Affinität zur Unsicherheitsvermeidung bewirkt haben. Aus diesem Bedürfnis resultiert ein Gutteil der Werte wie absolute Loyalität, die strikte Wahrung von Rangebenen oder das penible Vorbereiten von Entscheidungen. Um trotz dieser Widrigkeiten zum Ziel zu kommen, ist es für den Außenstehenden entscheidend, insbesondere die informellen Interaktionsformen (Ausflüge, Kneipentouren, Besuche) zu kennen und zu nutzen. Insgesamt muss das Ziel darin liegen, langfristige Beziehungen zu den Geschäftspartnern aufzubauen, wofür aber viel Zeit und noch mehr Geduld erforderlich sind.

Angenehm ist die Lektüre des Praxisführers nicht zuletzt deshalb, weil die Autorin nicht dazu tendiert, ihren Gegenstand dogmatisch zu überhöhen. Denn selbst wenn man die feinsten kulturellen Nuancen verinnerlicht hat, heißt dies noch lange nicht, dass ein Engagement auch Profit abwirft. Allerdings kann sehr wohl gelten, dass ohne eine intime Kenntnis der japanischen Gepflogenheiten ein Erfolg ziemlich unwahrscheinlich ist.

Rita Menge: "Praxisführer Japan" - Fettnäpfchen gekonnt vermeiden. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, 187 Seiten, 19,80 Euro, ISBN 978-3-8260-4158-7

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