StartseiteArchivChinabuch-SpecialBücherAnzeigenAbo, Kontakt
Über uns Asiatische Webseiten Leser-Umfrage Wirtschaftstermine Dokumente Jobs
Asien Kurier  1/2011 vom 1. Januar 2011
Thailand

Einzelhandel steht vor Neustrukturierung

Big C übernimmt Carrefour. Lieferanten sehen Chancen und Risiken.

Von Alexander Hirschle, Germany Trade & Invest in Bangkok

Der thailändische Einzelhandel wartete zum Jahresende 2010 mit einem Paukenschlag auf: Die französische Kette Carrefour verkaufte ihre 42 Geschäfte in Thailand an das Unternehmen Big C. Die Einheiten sollen im Verlauf des kommenden Jahres in Big-C-Formate umgewandelt werden. Lokale Zulieferer befürchten erschwerte Geschäftsbedingungen durch die höhere Marktkonzentration. Deutsche Hersteller hingegen könnten von der Neuordnung in der Einzelhandelssparte profitieren.

Französiche Einzelhandelskette Carrefour in Bangkok
Foto: Jan van Deelen

Im November 2010 veräußerte Carrefour seine 34 Hyper- und acht Supermärkte in Thailand an den Konkurrenten Big C. Die Tochterfirma der französischen Gruppe Casino Guichard-Perrachon SA erwarb die Geschäfte für einen Preis von 35,5 Mrd. Baht (circa 860 Mio. Euro, 1 Euro = 41,24 Baht, 3-Monatsmittel). Branchenexperten interpretieren den Kauf als eine Bestätigung des anhaltend hohen Vertrauens, das Big C in den thailändischen Markt setzt. Das Unternehmen wird damit die Anzahl seiner Hypermärkte auf 103 in die Höhe schrauben und so den bisherigen Branchenführer in diesem Marktsegment, Tesco Lotus, mit seinen 87 Geschäften überflügeln. Carrefour war seit 1996 in Thailand vertreten und plant nun, sämtliche Beteiligungen in Südostasien zu veräußern. Das Unternehmen will sich künftig auf Märkte konzentrieren, wo es eine Chance auf die Marktführerschaft besitzt. Die Transaktion soll im 1. Quartal 2011 vollständig abgeschlossen sein.

Von Seiten der thailändischen Wettbewerbsschützer droht vorläufig kein Ungemach, da der Marktanteil von Big C am 1.400 Milliarden Baht schweren Einzelhandelssektor des Landes auch im kommenden Jahr 50 Prozent nicht überschreiten dürfte. Dies wäre gemäß der Definition des thailändischen "Trade Competition Act" der Schwellenwert für eine Marktdominanz. Im vergangenen Geschäftsjahr verfügte Teso Lotus über einen Anteil von 41 Prozent im Segment Hypermärkte, gefolgt von Big C mit 24 Prozent und Carrefour mit 6 Prozent.

Big C wird durch den Kauf nicht nur eine größere Marktmacht erlangen, sondern auch weitreichendere Skaleneffekte erzielen können. Darüber hinaus kann auf einen Schlag eine Expansion in zahlreichen "Prime-Locations" realisiert werden. Diese waren vor allem in Bangkok in der Vergangenheit zunehmend rar geworden. Die Erschließung neuer Standorte gestaltet sich in der thailändischen Hauptstadt mittlerweile sehr kostspielig und bürokratisch aufwendig.

Thailändische Importe von Nahrungsmitteln
Quelle: National Food Institute Thailand

Die 42 Geschäfte unter Carrefour-Flagge umfassen eine Gesamtfläche von 279.000 m2, 30 Einheiten befinden sich im Großraum Bangkok. Big C Supercenter wird seine Umsätze 2011 allein mittels der Transaktion um 2 bis 5 Prozent auf bis zu 100 Milliarden Baht steigern können. Inwiefern das Unternehmen Investitionen in den Um- beziehungsweise den Ausbau der neu erworbenen und bestehenden Einheiten tätigen will, wurde bisher noch nicht bekannt gegeben. Allerdings dürfte sich der finanzielle Spielraum durch den Erwerb von Carrefour verringert haben, da der Preis von Aktienexperten als relativ hoch eingestuft wurde.

Obwohl Tesco selbst im Vorfeld als potenzieller Käufer der thailändischen Carrefour-Anteile gehandelt wurde, reagierte der große Konkurrent zumindest in den offiziellen Verlautbarungen gelassen auf die Übernahme. Tesco erwartet demzufolge keine allzu großen Auswirkungen auf die eigene Geschäftstätigkeit. Das Unternehmen verfügt nach Einschätzung von Einzelhandelsexperten über eingespielte Marketingmechanismen und gilt in der Branche als strategisch gut aufgestellt.

Wie Firmenchef Chris Bush in der Tageszeitung "Bangkok Post" verlauten ließ, will Tesco an seinen Investitionsplänen in Thailand weiter festhalten. Seit Markteintritt im Jahr 1998 hat das Unternehmen bereits rund 100 Milliarden Baht in den Ausbau seiner Aktivitäten investiert und gibt allein 2010 weitere 7 Milliarden Baht für die Eröffnung neuer Geschäfte und die Modernisierung bereits bestehender Einheiten aus. Darüber hinaus ist die Einstellung von Personal, die Erweiterung der Dienstleistungspalette und die Einführung eines Online-Shops anvisiert.

Die nach eigenen Angaben 87 Hypermärkte sind nur ein Teil des Firmenkonzepts; Tesco verfügt insgesamt über mehr als 700 Verkaufseinheiten in den verschiedensten Formaten - die meisten davon sind Convenience Stores und kleine Supermärkte. In diesen Segmenten erwarten Branchenexperten relativ geringe Auswirkungen der Transaktion. Von den ehemals drei großen Konkurrenten im Bereich Hypermärkte gilt Tesco als derjenige, der am stärksten auf die Konsumenten am unteren Ende des Massenmarktes abzielt, Big C fokussiert sich auf die Verbraucherschicht mit mittleren Einkommen und Carrefour auf das Premiumsegment.

Französiche Einzelhandelskette Carrefour in Bangkok
Foto: Jan van Deelen

Sollte diese Aufteilung auch künftig beibehalten werden, dürfte sich im Großen und Ganzen an der Wettbewerbssituation und auch für die Zulieferfirmen nicht allzu viel ändern. Allerdings befürchten einige Zulieferer des Einzelhandels künftig erschwerte Geschäftsbedingungen durch die Marktkonzentration und die damit einhergehende stärkere Verhandlungsmacht der großen Abnehmer. Vertreter der Vertriebsfirma DKSH (Thailand) ließen in der lokalen Presse verlauten, dass es nun schwieriger werde, attraktive Preise beim Verkauf an Hypermärkte zu erzielen.

Aus Sicht deutscher Unternehmen hingegen stellte sich die Entwicklung im thailändischen Einzelhandel bereits in den vergangenen Jahren positiv dar. Die Lieferungen stiegen nach Aussage von Branchenvertretern kontinuierlich an, da immer mehr Erzeugnisse "Made in Germany" im thailändischen Markt angeboten wurden. Insbesondere Süßwaren, Marmeladen, Wurst, Mineralwasser und Bier aus Deutschland erfreuten sich demzufolge einer hohen Nachfrage. Zwar lag Deutschland im thailändischen Importranking 2009 bei Nahrungsmitteln nur an 22. Stelle und erreichte einen Lieferanteil von lediglich 1,3 Prozent. Doch bereits in den ersten neun Monaten 2010 konnte die Platzierung aufgrund eines Lieferzuwachses von knapp 12 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode um zwei Positionen verbessert werden.

Im Zuge der Neuordnung der Einzelhandelssparte durch die Carrefour-Übernahme zeichnen sich neue Absatzchancen ab. Nach Aussage deutscher Lieferanten sei zwar noch nicht absehbar, ob Big C an der bisherigen Carrefour-Strategie mit einem hohen Anteil importierter Erzeugnisse festhalte. Eine Abkehr sei jedoch eher unwahrscheinlich, da das bisherige Geschäftsmodell der Kette erfolgreich gewesen sei und einige der Hypermärkte sehr nah beieinander lägen. Bei einer Anpassung der Produktpalette könnte es somit zu Kannibalisierungstendenzen kommen. Auf jeden Fall scheint Tesco Lotus als Reaktion auf die neue Situation sein Angebot an Premiumprodukten ausweiten zu wollen, um künftig im Wettbewerb mit dem neuen Giganten Big C auf Augenhöhe bleiben zu können.

Auf der anderen Seite befürchten einige Konsumenten, dass der Endkunde letztlich zur Kasse gebeten werden könnte. Marktanalysten sehen die Gefahr, dass die Konkurrenz sich mit lediglich zwei dominanten Gesellschaften verringert und daher günstige Angebote und Rabatte nur noch selten offeriert würden. Ebenso könnten Dienstleistungen und Rückgabemöglichkeiten leiden, so die kritischen Stimmen.

Auch die Möglichkeit für lokale Unternehmen, in den Markt einzudringen, verringere sich durch die neue Situation. Die besten Standorte seien schon jetzt durch die beiden großen Ketten belegt. Gleichzeitig sei es aufgrund strenger Bestimmungen der Stadtverwaltungen kaum möglich, neue Hypermärkte an attraktiven Plätzen zu eröffnen. Daher fordern Branchenvertreter bereits Sonderregelungen für 100 Prozentig in thailändischem Besitz befindliche Handelsketten, die Geschäfte in speziell dafür ausgewiesenen Zonen aufbauen wollen. Ohne starke lokale Basis sei die angestrebte Expansion thailändischer Unternehmen im Ausland kaum zu realisieren.





Copyright 2007 bis 2011 Asien Kurier. All rights are reserved
Unsere Webseiten sind für den Firefox-Browser und eine Auflösung von 1280 x 1024 pixel optimiert.
Opera und Safari-Browser sind gerne gesehen; auf Microsoft / IE können wir verzichten.

Bangkok
Roger Willemsen, Ralf Tooten:
Bangkok Noir
Bei buch.de bestellen
Klicken Sie hier
Ko Samui
Ariane Martin:
Ko Samui, Bangkok
Das komplette Reisehandbuch. Mit offenen Augen durch die Welt.
Bei buch.de bestellen
Klicken Sie hier
Thailand
Philip Cornwel-Smith:
Typisch Thai
Alltagskultur in Thailand
Bei buch.de bestellen
Klicken Sie hier
Mekong-River
Jochen Voigt:
Zeit für den Mekong
31 Traumziele an einem mystischen Fluss
Bei buch.de bestellen
Klicken Sie hier