
In Thailand zeigt die Kreditaktivität der lokalen Banken im 4. Quartal 2009 wieder nach oben. In den Monaten zuvor hatten die Finanzinstitute des südostasiatischen Landes ihre Finanzierungen für Unternehmens- und Personenkredite nach unten geschraubt, was die wirtschaftlichen Aktivitäten zunehmend beeinträchtigte. Die Konsumenten mussten ihre Ausgaben einschränken, während die örtlichen Firmen über mangelnden Zugang zu Krediten und Finanzierungsschwierigkeiten klagten.
Das thailändische Bankensystem gilt im internationalen Vergleich als sehr stabil, da die Kreditinstitute ihre Lehren aus der Asienkrise Ende der 1990er Jahre gezogen haben. Seither halten sich die lokalen Banken mit riskanten Operationen oder spekulativen Anlagen sehr zurück, weshalb selbst im Zuge der Finanzkrise 2009 keine thailändische Bank in ernstzunehmende Schwierigkeiten geriet. Auf der anderen Seite schnürte das konservative Geschäftsgebaren dem lokalen Mittelstand fast die Luft für geschäftliche Aktivitäten ab, wie Kritiker bemängeln.
Nach Angaben der Zentralbank Bank of Thailand (BOT) sank die Kreditsumme im lokalen Finanzmarkt bis Juli 2009 im Jahresvergleich um fast 4 Prozent. Doch seit August zeigen die Wachstumsraten bei Krediten im Vergleich zum direkten Vormonat wieder nach oben. Nach Einschätzung von BOT-Vertretern in der lokalen Presse ist mittlerweile genügend Liquidität im Markt vorhanden. Die Zentralbank hatte den Basiszinssatz bis April 2009 sukzessive auf 1,25 Prozent abgesenkt, was dem niedrigsten Wert seit fünf Jahren entsprach.
Seither wurde der Basiszins auf diesem Wert belassen und wird voraussichtlich erst wieder in den ersten Monaten 2010 nach oben korrigiert. Von der Finanzierungsseite drohe dem sich ankündigenden konjunkturellen Aufschwung demzufolge kein Engpass - so die Stimmen der obersten Währungshüter. Auf der anderen Seite sehen Unternehmensvertreter jedoch durchaus große Gefahren durch mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten für die lokale Wirtschaft.
So forderte bereits im September 2009 der Vorsitzende der Handelskammer Thai Chamber of Commerce, Dusit Nontanakorn, dass die lokalen Banken ihre strikte Kreditvergabe vor allem für kleine und mittelständische Firmen lockern müssten. Ansonsten könnten viele dieser Betriebe nicht überleben. Die meisten Unternehmen verfügen einer Umfrage des Verbandes zu Folge nur über Kapitalreserven, um sieben Monate in einem schwachen ökonomischen Umfeld zu überstehen. Ohne eine massive Ausweitung der Finanzierungsmöglichkeiten drohe daher eine neue Welle von Firmenschließungen und Arbeitsplatzverlusten.
Auch die Exportwirtschaft Thailands ist von dieser Entwicklung stark betroffen. So sei es nur noch schwer darstellbar, in der aktuellen Situation von Abnehmern Akkreditive zu erhalten. Darüber hinaus bewege sich die Ausweitung der Kredite für Exporteure "im Schneckentempo", wie ein Vertreter der thailändischen Handelskammer in der Tageszeitung "Bangkok Post" darlegte. Die Exportindustrie ist für die thailändische Wirtschaft von enormer Bedeutung, da sie für rund zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich zeichnet.
Doch auch für ausländische Lieferanten stellt die Mittelknappheit bei den thailändischen Firmen ein immer größeres Problem dar. Im Jahresverlauf 2009 häuften sich die Klagen von deutschen Firmenvertretern, dass viele Geschäfte an mangelnder Liquidität der potenziellen Abnehmer zu scheitern drohten. Die Problematik zog sich durch sämtliche Branchen, angefangen bei Lieferanten von Maschinen über Hersteller von Energieausrüstungen bis hin zu Produzenten von Kfz-Teilen. Die Finanzierungsseite stellt nach Ansicht einiger internationaler Firmen mittlerweile das größte Problem bei Liefergeschäften nach Thailand dar.
Die Regierung des Königreichs hat bereits auf den Missstand reagiert und Mitte des Jahres die in öffentlicher Hand befindlichen Banken angewiesen, ihre Kreditaktivitäten auszuweiten. Von Unternehmensseite waren im Vorfeld Klagen aufgekommen, dass sich die Bearbeitungszeit für die Kreditaufnahme bei staatlichen Finanzierungsinstituten zu sehr in die Länge ziehen würde. Im August 2009 wurde von Finanzminister Korn Chatikavanij ein sogenanntes "Fast-Track-Verfahren" implementiert, das Bearbeitungszeiten für Kreditanträge von maximal 21 Tagen und im Idealfall nur drei Tagen garantieren soll.
Das Kreditziel für die sechs staatlichen Institute Government Savings Bank, Bank for Agriculture and Agricultural Co-operatives, Government Housing Bank, SME Bank, Islamic Bank und Export-Import-Bank wurde für das laufende Jahr 2009 von zuvor 625 Milliarden Baht auf 927 Milliarden Baht um fast 50 Prozent nach oben korrigiert. Im 1. Halbjahr waren Kredite in einer Größenordnung von 300 Milliarden Baht bewilligt und sogar nur rund 100 Milliarden Baht ausgezahlt worden. Über die neu implementierten Maßnahmen der staatlichen Banken erhofft sich die Regierung, ein zusätzliches Wachstum in einer Größenordnung von 0,5 bis 0,9 Prozentpunkten des BIP generieren zu können.
Gegen Ende des Jahres 2009 scheinen sich auch die privaten Banken Thailands dem allgemeinen Trend anzuschließen und wollen ihre Kreditaktivitäten 2010 ausweiten. So peilt Kasikornbank für das kommende Jahr einen Zuwachs des Kreditvolumens um 7 bis 9 Prozent an, wobei eine Steigerungsrate des BIP von 3 bis 3,5 Prozent als Basis für diese Schätzung zugrunde gelegt wurde. Einige Bankenvertreter gehen sogar davon aus, selbst 2009 noch einen Zuwachs bei der Kreditvergabe im niedrigen einstelligen Bereich realisieren zu können.
Bereits im Oktober 2009 konnten die thailändischen Banken wieder bessere Quartalszahlen für den Zeitraum Juli bis September vorlegen. Auch die Konditionen für Darlehen an Privatpersonen wurden seither wieder gelockert, nachdem die Aktivitäten im 1. Halbjahr aufgrund der eingetretenen Rezession deutlich nach unten geschraubt worden waren. Auch die Ausgabe von Kreditkarten soll wieder forciert werden. So erhöhte sich die Zahl der Kreditkarten beim Branchenführer Krung Thai Card (KTC) Plc. in den ersten neun Monaten 2009 um 130.000 Stück mit einem Umsatzwachstum von 5 Prozent je Karte. Aufgrund saisonaler Effekte im 4. Quartal und des sich verbessernden Konsumklimas in Thailand rechnet KTC für das Gesamtjahr 2009 sogar mit einem Umsatzzuwachs von 10 bis 15 Prozent.
In die gleiche Richtung zielen Bemühungen der Zentralbank, die explizit die Zahlungsströme über E-Payment fördern will. Auf diese Weise sollen die Ausgabenstrukturen der lokalen Kreditinstitute entlastet sowie die beim Druck von Bargeld entstehenden Kosten weiter reduziert werden. Insbesondere die Nutzung von Debitkarten erfuhr zuletzt einen starken Aufschwung mit einem Wachstum von 40 Prozent seit 2007. Allerdings werden die Karten in erster Linie zur Abhebung von Bargeld und noch zu wenig zum Kauf von Gütern oder Dienstleistungen genutzt, wie Vertreter der Zentralbank bemängeln.
Um die Effizienz des thailändischen Bankensystems zu steigern, verabschiedete die Regierung 2009 den zweiten Teil des sogenannten "Financial Sector Master Plans (FSMP Phase II)" für den Zeitraum 2010 bis 2014. Der erste Abschnitt dieses Programms betraf die Jahre 2004 und 2008. Nun sollen weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Wettbewerb innerhalb des Sektors zu erhöhen, die Betriebskosten des Bankensystems zu reduzieren und die finanziellen Strukuren Thailands weiter zu festigen. In diesem Zusammenhang ist unter anderem geplant, neue Dienstleister zuzulassen und die Geschäftsfelder der bereits im Markt aktiven Institute auszuweiten. Die genauen Inhalte des Plans können unter der Internetadresse des thailändischen Finanzministeriums (www2.mof.go.th) abgerufen werden.