Asien Kurier  1/2010 vom 1. Januar 2010
Thailand

Zu hohe Logistikkosten

Regierung will Transportsektor modernisieren

Von Alexander Hirschle, Germany Trade & Invest in Bangkok

Thailand muss dringend sein Transportsystem modernisieren, um künftig Waren und Güter effizienter innerhalb der Landesgrenzen bewegen zu können. Unternehmer und Branchenexperten sind sich einig, dass auch die Ausfuhren nur dann wieder überdurchschnittlich wachsen können, wenn das Straßen- und Eisenbahnnetz des südostasiatischen Landes ausgebaut wird. Die Exportindustrie ist von enormer Bedeutung für die thailändische Wirtschaft, da sie fast zwei Drittel zur Entstehung des Bruttoinlandsprodukts beiträgt.

Nahverkehrsmittel Skytrain

Derzeit belaufen sich die Logistikkosten in Thailand auf 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), während dieser Prozentsatz in den meisten Industrienationen nur im einstelligen Bereich rangiert. Auch in den Nachbarländern Singapur und Malaysia liegen die Logistikkosten bei 7 Prozent beziehungsweise 14 Prozent des BIP und damit unterhalb des thailändischen Niveaus. Nach Schätzungen von Fachleuten ist Thailands Logistiksektor 2009 um etwa 25 Prozent geschrumpft, der Gesamtumsatz der Branche erreichte 2008 einen Wert in der Größenordnung von rund 700 Milliarden Baht (14,1 Mrd. Euro, 1 Euro = 49,60 Baht, 3-Monatsmittel).

Doch schon 2010 dürfte sich eine kräftige Erholung einstellen, da die Ex- und Importe desLandes nach hohen Einbrüchen 2009 wieder zweistellig zulegen sollen. Darüber hinaus profitiert Thailand weiterhin von seiner regional günstigen Lage und seiner Rolle als regionaler Handelsdrehscheibe. Diese dürfte im Zuge des stärkeren Zusammenwachsens der Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN (Association of Southeast Asian Nations), die bis 2015 die Verwirklichung eines einheitlichen Binnenmarktes anstrebt, weiter an Bedeutung gewinnen.

Um diese Stellung verteidigen zu können und die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Firmen zu erhöhen, fordern Branchenvertreter eine schnelle Beseitigung der noch immer bestehenden Mängel im Logistiksektor des Königreichs sowie einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Derzeit werden noch 86 Prozent des Warentransports in Thailand über die Straße, etwa 12 Prozent über Schifffahrtswege, 2 Prozent über die Schiene und knapp 1 Prozent per Luftfracht abgewickelt.

Thailand verfügte offiziellen Angaben zufolge 2008 über 61.747 km an Überlandstraßen ("National Highways") und 450 km Schnellstraßen ("Motorways, Expressways"), für die im Regelfall Mautgebühren entrichtet werden müssen. Darüber hinaus gab es rund 150.000 km Landstraßen ("Rural Roads"). An Wasserwegen bietet das Land 2.614 km entlang seiner Küsten und 2.583 km an Verbindungen für die Binnenschifffahrt. Die Eisenbahnlinien umfassten 2008 ein Netz von 3.978 km, wovon jedoch 3.698 km auf eingleisige Verbindungen entfielen. In Thailand befinden sich darüber hinaus sechs internationale und 31 regionale Flughäfen.

Die Zielsetzung der Regierung für die kommenden Jahre weist in drei Richtungen. Erstens soll die einseitige Abhängigkeit vom Straßentransport reduziert und der Anteil der Beförderung per Schiene am Gesamtaufkommen auf 10 Prozent erhöht werden. Zweitens ist geplant, den modalen Transport auszubauen und somit einen flexibleren Wechsel zwischen den einzelnen Verkehrsnetzen zu ermöglichen. Und drittens sollen die Transportwege übergreifend erweitert werden, um den Anteil der Logistikkosten am BIP auf 13 Prozent zu senken.

Wichtige Impulse soll dabei das zweite Konjunkturpaket der Regierung liefern, das bis 2012 Investitionen in einem Gesamtumfang von umgerechnet etwa 30 Milliarden Euro vorsieht. Als Ergebnis dieser Bemühungen wird angestrebt, die Rolle Thailands als regionales Logistikzentrum weiter zu festigen. Allerdings hat das Land schon seit geraumer Zeit den Ausbau der Infrastruktur über sogenannte "Mega-Projekte" auf der Agenda. Doch die Verwirklichung kam nur in wenigen Fällen über das Planungsstadium hinaus, da die häufigen Regierungswechsel in den vergangenen Jahren ein kontinuierliches Arbeiten in diese Richtung verhinderten.

Darüber hinaus torpedierten die politischen Querelen, die Ende 2008 in der tagelangen Sperrung der Flughäfen von Bangkok mündeten, die Bemühungen um die Stärkung der Position als "Regional Logistic Hub" innerhalb Südostasiens. Sollten sich solche Vorfälle noch einmal wiederholen, müsste Thailand auf geraume Zeit Abschied von dieser Wunschvorstellung nehmen und damit rechnen, dass sich internationale Unternehmen nach alternativen "Drehscheiben" umsehen.

Bei anhaltender Stabilität der Rahmenbedingungen dürften sich im Zuge des Ausbaus der Verkehrswege in den kommenden Jahren zahlreiche Geschäftschancen für internationale Firmen ergeben. Neben Consulting- und Architekturdienstleistungen, der Lieferung von Baumaschinen für die Errichtung von Straßen, Tunnels und Brücken sowie allen dazugehörenden Materialien und Komponenten bieten sich Möglichkeiten in Bereichen wie Signal- und Beleuchtungstechnik und auch bei neuen Technologien zur effizienteren Organisation der Transportnetze, wie etwa Monitoring- und EDV-basierten Verkehrsleitsystemen.

Nach Meldungen der Tageszeitung "Bangkok Post" hat sich beispielsweise das französische Institut Inrets (French National Institute for Transport and Safety Research) mit der thailändischen Förderbehörde Sipa (Software Industry Promotion Agency) zusammengeschlossen, um einen Technologietransfer im Bereich Verkehrsmanagement voranzutreiben. Beim Bau des "Sky Trains" spielte in der Vergangenheit der deutsche Siemens-Konzern eine entscheidende Rolle ebenso wie bei der 28 km langen Verbindungsstrecke zum Flughafen ("Airport Link"), die im April 2010 offiziell eröffnet und von der DB International GmbH betrieben wird.

Die Regierung sollte diese Verbindung ebenso wie den "Sky Train" weiter ausbauen, wie Unternehmensvertreter in der lokalen Presse fordern. Auf diese Weise könnten außerhalb des Ballungsraums Bangkok lebende Beschäftigte leichter zu ihren Arbeitsplätzen gelangen und das völlig überlastete Straßennetz der Metropole entlastet werden. Aber nicht nur im öffentlichen Nahverkehr, sondern auch im Schiffbau werden sich künftig Liefermöglichkeiten ergeben. So kündigte beispielsweise die Logistikfirma Precious Shipping Plc, Thailand zweitgrößter Beförderer von Massengut, im November 2009 in der lokalen Presse an, ihre Flotte deutlich zu verjüngen.