Asien Kurier  3/2010 vom 1. März 2010
Thailand

Messemarkt arbeitet sich aus der Talsohle

Hongkong, Singapur und Malaysia bieten als Mitbewerber zu Bangkok attraktive Messestandorte

Von Alexander Hirschle, Germany Trade & Invest in Bangkok

Die wirtschaftlichen und hausgemachten politischen Krisen haben die Messelandschaft Thailands in 2009 stark beeinträchtigt. Doch 2010 sollen die Besucherzahlen wieder nach oben zeigen. Vor allem Interessenten aus Asien dürften dabei das Geschäft beleben und die Vorzüge Thailands als Austragungsort von Veranstaltungen und Kongressen nutzen. Doch trotz niedriger Preise und einer günstigen Lage machen sich die Messebetreiber angesichts aufstrebender Konkurrenz Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Renewable Energy Messe 2008

Die Veranstalter von Konferenzen, Messen und Ausstellungen erwarten für 2010 einen Anstieg der Besucher um 10 Prozent auf knapp 692.000 Gäste. Der Umsatz der sogenannten MICE-Industrie (Meeting, Incentive, Convention and Exhibition) soll sich nach Angaben des Fachverbandes TICA (Thailand Incentive and Convention Association) somit auf 46,9 Milliarden Baht (973 Mio. Euro, 1 Euro = 48,20 Baht, 3-Monatsmittel)belaufen. Die Prognosen sind jedoch noch relativ konservativ. Andere Branchenvertreter wie das staatliche "Thailand Convention & Exhibition Bureau" (TCEB) schwärmen sogar von einem Wachstum des Sektors um satte 25 Prozent.

Die Voraussagen der Betreiber von Messe- und Kongresszentren lassen allerdings eher auf eine niedrigere Zuwachsrate schließen. So rechnet das Queen Sirikit National Convention Centre für 2010 mit einer Steigerung des Umsatzes von 5 Prozent. Bereits im Krisenjahr 2009 belief sich das Wachstum des Ausstellungszentrums auf rund 5 Prozent. Als wichtige Antriebsfeder für höhere Einnahmen im laufenden Jahr sollen öffentliche Veranstaltungen fungieren, die vom 30 Milliarden Euro schweren und bis 2012 laufenden Konjunkturpaket der thailändischen Regierung profitieren. Der Plenarsaal des Zentrums war dadurch bereits im Dezember 2009 zu 80 Prozent für 2010 ausgebucht.

Nach Einschätzung von Branchenvertretern drücken aber weiterhin die wirtschaftliche Lage und die anhaltenden politischen Unsicherheiten auf die Stimmung im Sektor. Vor allem Kongresse und Messen dürften darunter leiden, da die Erinnerungen an die Besetzung und tagelange Blockade der beiden Flughäfen in Bangkok Ende 2008 noch nicht ganz aus dem Gedächtnis der Unternehmen verdrängt sind. Der Verband TICA geht davon aus, dass sich das Engagement der Marktteilnehmer aus Europa erst Ende 2010 wieder vollständig erholt haben wird, während Besucher aus asiatischen Ländern wie Singapur und Malaysia bereits 2009 nach Thailand drängten. Darüber hinaus sollen Kunden aus Osteuropa stärker ins Visier der Marketingstrategen thailändischer Messeveranstalter rücken.

Nach Angaben der Tageszeitung "Bangkok Post" dürfte der Trend 2010 zu kleineren Besuchergruppen gehen. Des Weiteren sollen die Schwerpunkte der Aktivitäten im laufenden Jahr auf kleinere und mittlere Veranstaltungen sowie auf umweltbezogene Events gelegt werden. Letztere sollen insbesondere Veranstalter aus Europa anziehen, wo das Thema Klimawandel von hoher Bedeutung sei. Diese Ausrichtung auf den ökologischen Bereich solle Thailand langfristig einen Imagevorteil vor den Konkurrenten in Asien bescheren, so die Hoffnungen.

Allerdings waren die Zahlen 2009 und 2008 im Zuge von Weltwirtschaftskrise und interner politischer Friktionen auch dramatisch eingebrochen. So ging die Zahl der internationalen Messen 2008 um fast 7 Prozent und die der Aussteller um 2 Prozent zurück. Die Besucherzahlen brachen sogar um 55 Prozent im Vergleich zu 2007 ein. Für 2009 liegen noch keine endgültigen Statistiken und nur in einigen Segmenten Zahlen auf Monatsbasis vor. Doch auch diese lassen erahnen, dass 2009 kein gutes Jahr für den thailändischen Messesektor war. Schätzungen zufolge zeigten Besucherzahlen wie auch der Umsatz um jeweils rund 15 Prozent nach unten.

Messewesen in Thailand

Die Zahl der internationalen Messen in Thailand belief sich 2008 (letzte verfügbare Zahlen) auf 96, im Jahr zuvor auf 103. Das südostasiatiosche Land belegt damit nach Angaben der UFI (Global Association of the Exhibition Industry) den ersten Rang innerhalb der Staaten der Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) und den sechsten Rang innerhalb Asiens. Der Gesamtumsatz des MICE-Sektors erreichte 2008 rund 52,7 Milliarden Baht, was einem Rückgang um 24,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprach. Insgesamt 727.723 Besucher fanden sich zu den Veranstaltungen, Konferenzen und Ausstellungen ein.

Thailands Vorzüge als Messe- und Veranstaltungsstandort liegen in einem äußert günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis, in der regional zentralen Lage als Brückenkopf zu Südostasien, in der relativ gut ausgebauten Infrastruktur und sowie in einem bemerkenswerten Freizeitwert des Landes mit attraktiven Reisezielen in der Region. Relativ günstige Standpreise, gut geschultes Fachpersonal sowie reichlich vorhandene Ausstellungsfläche mit entsprechender Infrastruktur machen insbesondere Bangkok zu einem sehr interessanten und gut frequentierten Messestandort in Südostasien. Zudem bietet eine Vielzahl von Luxushotels eine sehr gute Basis für die Durchführung von Symposien und Fachveranstaltungen.

Die größten Ausstellungsgelände finden sich in Bangkok, so etwa das Bangkok International Trade and Exhibition Centre (BITEC) mit rund 50.000 m2 Veranstaltungsfläche, das Impact Exhibition Centre (140.000 m2) sowie das Queen Sirikit National Convention Centre (QSNCC, 5.000 m2) und das Bangkok Convention Centre (BCC) mit 3.640 m2. Darüber hinaus bieten die modernen Einkaufszentren Central World und Siam Paragon Ausstellungsflächen in einer Größenordnung von 10.000 m2 und 12.000 m2. Auch deutsche Messeveranstalter betonen die gute Infrastruktur und die Wichtigkeit des Veranstaltungsstandorts Bangkok im regionalen Kontext. Sollte sich die politische Lage nicht erheblich verschlechtern, dürfte sich daran in Zukunft auch nichts ändern - so die Stimmen.

Die traditionellen Hauptkonkurrenten Thailands im Wettbewerb um internationale Aussteller in der Region sind seit Jahren Hongkong, Singapur und Malaysia. Doch mittlerweile drängen neue Standorte auf den Markt, die ebenfalls um die Gunst von Messeveranstaltern buhlen. Nach Angaben von Branchenkennern spielen in diesem Zusammenhang Macau, VR China und Südkorea eine immer stärkere Rolle und bieten dabei interessante neue Angebote.

Thailand müsse daher ebenfalls sein Angebot attraktiver gestalten, um im regionalen Wettstreit vor allem um Besucher aus Asien und Australien nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Konkurrenz habe im Zuge der internationalen Krise deutlich zugenommen, und in Thailand hängen zahlreiche Wirtschaftsbereiche wie etwa das Hotelgewerbe in einem nicht unbedeutenden Maße vom MICE-Sektor ab.

Branchenkenner gehen davon aus, dass sich die bisher sehr stark auf Bangkok ausgerichtete Messelandschaft künftig regional diversifizieren sollte. Presseberichten zu Folge könnte der langgehegte Plan eines internationalen Convention Centre auf der Ferieninsel Ko Samui als nächstes angegangen werden. Allerdings stehen bisher weder ein Zeitpunkt, noch ein Budget oder ein Ablaufplan bisher fest. In Chiang Mai in Nordthailand ist ein 1,9 Milliarden Baht schweres Veranstaltungszentrum im Bau und für ein noch größeres Projekt auf der Insel Phuket soll eine Machbarkeitsstudie angefertigt werden.

Ebenso war in den lokalen Gazetten zu lesen, dass Thailand die World Expo 2020 ausrichten werde. Der Verband TCEB schätzt die hierfür nötige Investitionssumme auf rund 100 Milliarden Baht und will bei den Bemühungen um die Vergabe eine Mittlerrolle zwischen Regierungsinstitutionen und dem Privatsektor einnehmen. Kritiker des Vorhabens bezweifeln jedoch, dass die Veranstaltung für Thailand einen erheblichen Mehrwert bringen würde und die lokalen Kapazitäten zur Umsetzung einer Weltausstellung überhaupt ausreichend seien.