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Asien Kurier  8/2010 vom 1. August 2010
Thailand

Thailand will Energiematrix diversifizieren

Abhängigkeit vom Erdgas soll reduziert werden. Stromverbrauch steigt 2010 wieder deutlich an.

Von Alexander Hirschle, Germany Trade & Invest in Bangkok

Der thailändische Energieverbrauch zieht wieder stark an. In den ersten Monaten 2010 stieg der Stromkonsum zweistellig an, und auch andere makroökonomische Indikatoren zeigen nach oben. Bereits im 2. Halbjahr 2009 zeichnete sich die höhere Nachfrage nach Energie ab, die vorwiegend über Erdgas abgedeckt werden muss. Künftig will Thailand künftig seine Stromerzeugungsmatrix diversifizieren, um die einseitige Abhängigkeit von diesem Energieträger zu reduzieren.

Energiemix Thailand

Der Stromverbrauch in Thailand spiegelt die konjunkturelle Erholung in diesem südostasiatischen Land wider: Die staatliche Energiegesellschaft EGAT (Electricity Generating Authority of Thailand) korrigierte bereits im Februar 2010 ihre ursprünglichen Prognosen für den Stromverbrauch von 3 auf 4,7 Prozent für das Gesamtjahr nach oben. Noch 2009 hatte sich der Konsum auf 145.233 Millionen Kilowattstunden (Kwh) belaufen, im laufenden Jahr soll er dann die Schwelle von 150.000 Kwh überschreiten.

Die Nachfrage nach Strom im Großraum Bangkok war im 1. Quartal 2010 nach Angaben der Metropolitan Electricity Authority (MEA) um 13 Prozent im Vergleich zu derselben Vorjahresperiode angezogen, was zum einen auf die niedrige Vorjahresbasis, aber auch auf die anziehende Konjunktur zurückzuführen war. Die Nachfrage habe nach Angaben der MEA quer über alle Branchen zugenommen, insbesondere aber von Seiten privater Wohneinheiten. Noch 2009 hatte der Vergleichswert um 1,2 Prozent über das Gesamtjahr nachgegeben.

In den ersten drei Monaten 2010 schoss auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Thailands um 12 Prozent in die Höhe, allerdings gegenüber dem mit minus 7,1 Prozent sehr schwachen ersten Quartal 2009. Bereits im Januar 2010 war der thailändische Stromverbrauch um satte 21 Prozent im Vergleich zu demselben Vorjahresmonat gestiegen, was wiederum dem höchsten Wachstum für einen Einzelmonat seit Beginn der Stromaufzeichnungen entsprach. Bereits seit August 2009 hatte sich eine Trendwende beim zuvor rückläufigen Energiekonsum abgezeichnet.

Seit November 2009 erreichten die Steigerungen regelmäßig Werte im zweistelligen Bereich, die in erster Linie von der höheren Nachfrage aus dem produzierenden Gewerbe und dabei insbesondere von exportorientierten Branchen angetrieben wurden. Es ist geplant, die Gesamtkapazität der thailändischen Stromerzeugung 2010 um 1.620 MW auszuweiten, wobei allein 700 MW aus einem neuen von EGAT betriebenen Gaskraftwerk im Norden der Hauptstadt Bangkok stammen. Zusätzliche 920 MW sollen aus dem Wasserkraftwerk Nam Theun 2 in Laos importiert werden.

Mittelfristig will Thailand an seiner Politik einer stärkeren Diversifizierung der Energiematrix festhalten. Mehr als 70 Prozent der Kapazitäten werden momentan aus Erdgas gespeist, 12 Prozent aus Kohle sowie 8 Prozent aus Wasserkraft und alternativen Energien. Etwa 7 Prozent des Stroms werden importiert. Den Rest steuern kleine unabhängige Stromerzeuger, sogenannte Small Power Producers (SPP), bei. Thailand riskiert nach Einschätzung von Branchenexperten durch diese einseitige Ausrichtung eine zunehmende Gefahr von Stromausfällen, da sich die Erdgasvorräte in Thailand in den kommenden Jahrzehnten dem Ende zuneigen könnten und sich somit auch die Abhängigkeit von Stromlieferungen aus dem Ausland erhöht.

Egco-Kraftwerk an der thailändischen Ostküste in Rayong

Der im März 2010 vom Energieministerium vorgestellte Entwurf für den neuen 20-Jahresplan Power Development Plan (PDP) sieht in diesem Zusammenhang eine Reduzierung des Erdgases an der gesamten thailändischen Stromerzeugung in Höhe von 42 Prozent vor. Auf der anderen Seite soll der Anteil von Kohle an der Energiematrix auf 17 Prozent und der von importiertem Strom auf 18 Prozent erhöht werden. Ebenso ist der Einstieg in die Nuklearenergie anvisiert, die bis 2010 für 8 Prozent der Energieversorgung in Thailand verantwortlich zeichnen soll.

Übergreifend ist geplant, im Zuge des PDP die Erzeugungskapazitäten von 29.212 Ende 2009 bis 2030 auf mehr als 65.000 MW auszuweiten. Zu diesem Zweck sollen in Thailand über die nächsten zwei Dekaden 4.200 Milliarden Baht (etwa 102 Mrd. Euro, 1 Euro = 41,00 Baht, 3-Monatsmittel) investiert werden, was auch den Ausbau der Transmissionsleitungen im Wert von knapp 750 Milliarden Baht umfasst. So sollen im Rahmen des Energieplans bis 2030 insgesamt 13 Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 20.000 MW und 20 Gaskraftwerke mit Kapazitäten von 15.800 MW aufgebaut werden. Fünf Kernkraftwerke sollen 5.000 MW zur Stromerzeugung in Thailand beitragen.

Innerhalb der kommenden fünf Jahre will die Gesellschaft Egco Group Plc 1 Milliarde US$ in die Ausweitung ihrer Kapazitäten um 20 Prozent auf 5.000 MW in Thailand und Südostasien investieren. Der Schwerpunkt der Engagements soll Presseangaben zu Folge im Ausland liegen, da der Binnenmarkt derzeit noch für 90 Prozent der Egco-Umsätze verantwortlich zeichnet und das Unternehmen seine Aktivitäten regional diversifizieren möchte. Der Energieriese Ptt Plc plant, bis 2014 sogar 80 Milliarden Baht in die Ausweitung seiner internationalen Aktivitäten zu investieren.

In Bangkok ist in den kommenden Jahren die unterirdische Verlegung von Stromkabeln in einigen Stadtbezirken wie unter anderem Sukhumvit und Silom geplant. Auf diese Weise soll die Sicherheit der Stromversorgung erhöht und auch die Ästhetik des Stadtbildes verbessert werden. Die Arbeiten sollen 2022 abgeschlossen sein und die Investitionen sollen sich dabei auf rund 70 Milliarden Baht belaufen. Im Zuge dieser Engagements können sich Lieferchancen für deutsche Produkte für Isolatoren und Lichtwellenleiter ergeben, die über einen relativ hohen Importanteil verfügen. Darüber hinaus sehen Branchenexperten gute Absatzmöglichkeiten für Armaturen, Flugwarnsysteme, Transformatoren und Schalter.

Eine immer größere Bedeutung erfahren die Themen alternative Energien und Energieeffizienz. Der Anteil erneuerbarer Energien soll gemäß des PDP bis 2030 von derzeit 3 auf 8 Prozent ausgebaut werden. Der relativ niedrig anvisierte Anteil zog bei Vorstellung des Entwurfs bereits Kritik auf sich. Andere Planungen wie das 2009 von der thailändischen Regierung verabschiedete Programm Alternative Energy Development Plan (AEDP) sehen vor, den Anteil alternativer Energien an der gesamten Kapazität bis 2022 auf 20 Prozent zu erhöhen. Lieferchancen für deutsche Firmen dürften sich nach Aussage von Branchenkennern dabei im Bereich Windkraft sowie vor allem bei Biogas- und -massekraftwerken ergeben.

Im Bereich Energieeffizienz hinkt Thailand den internationalen Entwicklungen noch hinterher. So beläuft sich der Energieverbrauch auf rund 15 Prozent des BIP, während er in einigen Industrieländern nur etwa 8 Prozent erreicht. Die staatliche Stromgesellschaft EGAT plant, eine neues Programm in diesem Bereich zu lancieren, über das der Energieverbrauch bis 2014 um rund 1.500 MW reduziert werden soll. Für das Programm sind 4 Milliarden Baht vorgesehen. Die Einsparungen sollen unter anderem durch den Einsatz von energieeffizienten Glühbirnen, Kühlschränken und Klimaanlagen erzielt werden.


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