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"Rohstoffe und Bergbau in Asien 2012"

Asien Kurier - Report

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Asien Kurier  2/2012 vom 1. Februar 2012
Vietnam

Vietnams Papierindustrie schreibt nicht nur Erfolgsgeschichten

Viele veraltete Anlagen machen Investitionen dringlich; auch Gebrauchtmaschinen gesucht

Von Stefanie Schmitt in Bonn und Thomas Hundt in Hanoi, beide Germany Trade & Invest

Vietnams Nachholbedarf an Papiererzeugnissen bleibt enorm. Investitionen in neue Anlagen sind geplant, 2011 kämpften die Betriebe jedoch mit schwierigen Finanzierungsbedingungen und steigenden Kosten. Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit werden effizientere Maschinen und bessere Abwassersysteme benötigt. Deutsche und andere europäische Marken stehen dabei hoch im Kurs, sind aber oft zu teuer.

Herstellung von Reispapier Ganz "unprofessionell" wird hier Reispapier hergestellt.
Foto: Kees van Bijlen

Die vietnamesische Papierindustrie befindet sich in einer Aufbauphase mit hohen Zuwachsraten. Das Statistikamt meldet, dass die Fertigung von Papier zwischen 2005 und 2010 von 900.000 Tonnen auf 1,9 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt wurde. Produktion und Importe wuchsen bisher im Gleichschritt. Im Zeitraum Januar bis November 2011 wurden rund 932.000 Tonnen an Papiererzeugnissen (+1,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum) im Wert von umgerechnet rund 950 Millionen US$ eingeführt.

Die heimische Industrie soll gemäß einem nationalen Entwicklungsplan bis 2020 weiter wachsen. Dafür müssten Rohstoffversorgung und Produktionstechnologien erheblich verbessert werden, meinen Fachleute. Die Vietnam Paper and Pulp Association (VPPA) kalkuliert, dass zwischen 2006 und 2020 circa 4,6 Milliarden US$ an Investitionen notwendig seien. Die bisherigen Neuinvestitionen konnten die Differenz zwischen steigender Nachfrage und Ausbau der Kapazitäten nicht schließen. Besonders groß sind die Engpässe bei Verpackungsmaterialien, die die Exportbetriebe für den Transport ihrer Massenware benötigen.

Das Ministerium für Industrie und Handel schätzt die Zahl der Branchenunternehmen auf rund 500, die über Kapazitäten von 2,1 Millionen Jahrestonnen Papier und 438.000 jährlich Tonnen Zellstoff verfügen sollen. Das Statistikamt zählte Ende 2009 sogar 1.700 Hersteller von Papier und Papierprodukten, die einen Umsatz von umgerechnet 2,4 Milliarden US$ auswiesen. Die meist mittelständischen Betriebe beschäftigten 86.160 Mitarbeiter. Ihre Papier- und Pappeerzeugung wuchs im Zeitraum Januar bis November 2011 um 3,5 Prozent auf 1,8 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das nachlassende Wirtschaftswachstum von geschätzten 5,8 Prozent (2011) und die Konkurrenz durch Importe setzten den Herstellern zu.

Die VPPA beklagt, dass viele Unternehmen zu klein und nicht wettbewerbsfähig seien, und erwartet eine Bereinigung in der Branche. Einige Hersteller arbeiteten mit veralteten Maschinen, die Qualität ihrer Erzeugnisse sei nicht marktfähig und ihr Wasserverbrauch zu hoch. Experten berichten, dass die Werke für die Herstellung einer Tonne Papier 30 bis 100 m3 Wasser einsetzen. Moderne Anlagen benötigten dagegen 7 bis 15 m3 je Tonne.

Einige Unternehmen, die Umweltauflagen nicht erfüllen, dürften geschlossen werden. Allerdings drücken die Behörden manchmal noch beide Augen zu, heißt es. Andere werden angesichts der steigenden Strom-, Arbeits- und Rohstoffkosten aufgeben müssen. Die Importabhängigkeit bei Zellstoff beträgt rund 40 Prozent, daher fordern Branchenvertreter den Anbau von Plantagenwäldern sowie verstärkte Investitionen in Werke zur Zellstoffverarbeitung. Die Nutzung von Altpapier könnte eine unmittelbare Entlastung bringen. Die Recyclingquote in Vietnam bewegt sich laut VPPA aber nur bei 25 Prozent. Die Hälfte des verarbeiteten Altpapiervolumens wird daher eingeführt.

Es gibt aber einige Fortschritte. Seit 2007 haben Unternehmen Produktionslinien ausgetauscht und erweitert. Sie kaufen die meisten Papiermaschinen in der VR China. Europäische Firmen, die bislang nach Vietnam geliefert haben, sind unter anderem Voith (Deutschland), Andritz aus Österreich und Metso aus Finnland. "Die Zukunft ist europäisch", meint der Geschäftsführer der VPPA, Vu Ngoc Bao, denn die Unternehmen streben langfristig modernere und effizientere Produktionsprozesse an.

Die Branche verfüge inzwischen immerhin über 13 Langsiebpapiermaschinen ("Fourdrinier-Maschinen") mit Kapazitäten von 45.000 bis 220.000 Jahrestonnen, erläutert der Verbandsgeschäftsführer. Davon stammten sieben Maschinen aus Deutschland. Insgesamt betrage die Kapazität der "Fourdrinier-Maschinen" etwa 840.000 Jahrestonnen.

Die Branche stellten 2011 hohe Zinsen und eine rigide Kreditvergabe vor Herausforderungen bei Investitionen. Die Banken sind hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der eingereichten Projektvorschläge skeptisch. Die Firmen konnten bisher nur zwei von zehn im Jahr 2010 vorgeschlagenen Großprojekten umsetzen.

Gemäß dem VPPA gibt es in Vietnam drei große Papiermühlen mit einer Kapazität von über 100.000 Tonnen jährlich. Die größte und modernste Anlage betreibt Vina Kraft im südlichen Binh Duong mit 220.000 Jahrestonnen Kraftpapier und anderen Papiererzeugnissen. Das Gemeinschaftsunternehmen gehört zu 70 Prozent der thailändischen Siam Cement Group (SCG) und zu 30 Prozent der Rengo Group aus Japan. Rengo betreibt weitere Betriebe in Vietnam, die Wellpappe produzieren, und prognostiziert ein Wachstum des Marktes an Verpackungsmaterialien aus Pappe von 11 Prozent jährlich. Auch die SCG kündigte im März 2011 weitere Investitionen in Vietnam an.

Vina Kraft beliefert überwiegend die exportierende Nahrungsmittel-, Bekleidungs-, Schuh- und Elektronikindustrie. Eine Anlage "Made in Germany" wurde Anfang 2010 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht und war nach Firmenangaben 2011 zu rund 90 Prozent ausgelastet. Als weiterer wichtiger Anbieter von Kraftpapier mit einem Marktanteil von 10 Prozent gilt die Firma Cheng Yang, die dem chinesischen Konzern Nine Dragons gehört.

Zweitgrößter Papierhersteller und einziger Zeitungspapierproduzent des Landes ist die staatliche Tan Mai Paper Group mit einer Kapazität von 150.000 Jahrestonnen. Tan Mai hält bei Zeitungspapier einen Marktanteil von 50 Prozent, den Rest importieren die Zeitungsverlage. Anfang 2010 startete die Gruppe den Bau zweier weiterer Zellstoff- und Papierfabriken - eine im zentralvietnamesischen Kon Tum, die andere in Dong Nai im Süden (150.000 Tonnen Zeitungspapier). Im Juli 2011 begannen die Bauarbeiten an einer rund 110 Millionen US$ teuren Zellstoff- und Papiermühle in Quang Ngai, die 2012 mit einer Kapazität von etwa 130.000 Tonnen Zellstoff den Betrieb aufnehmen wird, und 2015 soll ein Papierwerk mit einer Kapazität von 200.000 Tonnen folgen.

Die Projekte der staatlichen Vietnam National Paper Corporation (Vinapaco) verlaufen schleppend. Der einstige "Branchenprimus" ist auf den dritten Rang unter den Papierherstellern abgerutscht (Kapazität 130.000 Tonnen; Marktanteil bei Druck- und Schreibpapier 30 Prozent). Der Konzern kündigte 2003 eine neue Papier- und Zellstofffabrik (100.000 Tonnen Zellstoff, 100.000 bis 130.000 Tonnen Papier) in Thanh-Hoa an, die aber noch nicht fertiggestellt wurde. Die zweite Ausbaustufe der Bai-Bang-Papierfabrik in Phu Tho im Norden (Erweiterung auf 250.000 Tonnen Zellstoff), die im Jahr 2006 vorgeschlagen wurde, stoppte der Premierminister im September 2011 aufgrund von Formfehlern beim Investitionsantrag.

Neben den drei Markführern gibt es fünf mittelgroße Firmen mit einer Jahreskapazität von 50.000 bis 100.000 Tonnen. Diese sind Saigon Paper (80.000 Tonnen), An Binh Paper Mill (75.000 Tonnen), Viet Tri Paper Mill (80.000 Tonnen), Dong Hai Paper Mill (60.000 Tonnen) und My Huong Paper Mill (50.000 Tonnen). Saigon Paper will nach dem Einstieg von Daio Paper und der Development Bank aus Japan noch 2011 eine zweite Fabrik im Industriepark My Xuan errichten, die über eine Kapazität von 200.000 Tonnen an Papier und Verpackungsmaterialien verfügen wird.

Eine Neuinvestition der Gesellschaft Lee and Man aus Hongkong, die bereits 2007 die Genehmigung erhielt, soll 2013 nach Angaben des Investors den Betrieb aufnehmen. Die Provinzregierung von Hau Giang südlich von Ho Chi Minh City drohte 2011, aufgrund der Verzögerungen das Investitionszertifikat aufzuheben. Der Projektvorschlag sieht eine 420.000-Tonnen-Papieranlage (Kraftlinerpappe) für 280 Millionen US$ und ein Zellstoffwerk (330.000 Tonnen) für 348 Millionen US$ vor.

Im April 2011 meldete die lokale Aktiengesellschaft VNT 19 Papers-Pulp, dass sie die Genehmigung zum Bau einer Zellstofffabrik in der Wirtschaftszone Dung Quat (Provinz Quang Ngai) erhalten hat. Die 250.000-Tonnen-Anlage zur Fertigung von gebleichtem Zellstoff soll 7.900 Milliarden Dong (fast 280 Mio. Euro, 1 Euro = 28.260 Dong, 3-Monatsmittel).

Adressen

Vietnam Pulp and Paper Association (VPPA)
18 C Pham Dinh Ho
Hai Ba Trung District
Hanoi
Tel.: +84 4 8210455
Fax: +84 4 9718684
Email: vietnampaper@hn.vnn.vn





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