Asien Kurier  2/2010 vom 1. Februar 2010
Vietnam

Attraktives Handelspotential

Groß- und Einzelhandel im südostasiatischen Schwellenland und gute Tipps zur Handelsvertretersuche

Von Dr. Stefanie Schmitt, Germany Trade & Invest in Vietnam

Bislang stand Vietnam bei den Marketingbemühungen deutscher Firmen eher im Schatten. In der Folge sind Produkte "Made in Germany" nur wenig präsent. Die Absatzzahlen könnten in einigen Segmenten erheblich gesteigert werden, wären die Anbieter vertriebsmäßig besser aufgestellt.

Metro betreibt neun Cash & Carry-Märkte

Groß- und Einzelhandel

Vietnam gilt mit seinen 86 Millionen Einwohnern als vielversprechender Markt für Konsumgüter. Tatsächlich steht das südostasiatische Schwellenland auf dem 13. Rang unter den bevölkerungsreichsten Ländern weltweit. Hinzu kommt, dass über die Hälfte der Vietnamesen unter 30 Jahre alt ist und damit einer sehr konsum- und experimentierfreudigen Altersklasse angehört.

Auch die Wachstumszahlen sprechen für sich: Zwischen 2003 und 2007 legten die Einzelhandelsumsätze inflationsbereinigt jährlich um 18 bis 22 Prozent zu. 2008 erlebte der Einzelhandel zwar einen "Einbruch" mit gerade einmal einem Plus von 10 Prozent, doch bereits in den ersten zehn Monaten 2009 wuchs der Umsatz trotz Krise wieder um 13,5 Prozent. Mit dem erwarteten Wiederanziehen der Gesamtwirtschaft werden erneut Jahreszuwächse von 18 bis 20 Prozent kalkuliert. Die Beratungsfirma A.T. Kearney gruppierte Vietnam deshalb auch 2009 wieder unter die zehn attraktivsten Märkte in Schwellenländern. Allerdings verlor das Land auf dem "Global Retail Development Index" wegen der geringeren Exporte und des zurückgegangenen Wirtschaftswachstums seine bisherige Top-Position und rutschte auf Rang 6.

Angesichts der positiven Entwicklung sollte das Interesse ausländischer Handelsgesellschaften immens sein. Der große "Run" ist indessen bislang ausgeblieben. Die Zurückhaltung hat rechtliche und ökonomische Gründe. Zwar scheinen die Tore für ausländische Handelsfirmen so offen wie nie zu stehen, in der Praxis erweist sich die Umsetzung jedoch als zäh. Trotz der Verpflichtungen, die Vietnam bei seiner Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) am 11.1.2007 einging, werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Binnenmarkt gegenüber der ausländischen Konkurrenz weiter abzuschotten.

Grundsätzlich durften ausländische Firmen bereits vor 2006 gemeinsam mit einem lokalen Partner Handelsunternehmungen gründen, allerdings nur mit einer Minderheitsbeteiligung. Darüber hinaus gestattete das zum Jahresbeginn 2006 in Kraft getretene Handelsgesetz die Gründung eigener Handelsniederlassungen. "Handel" bedeutete in diesem Fall allerdings nur den Import von Waren, aber nicht den Vertrieb im Land. Dazu waren die Firmen nicht berechtigt. Zum WTO-Beitritt wurde folgender Fahrplan festgelegt: seit Anfang 2008 durften ausländische Firmen Vertriebsgesellschaften mit einem ausländischen Kapitalanteil bis zu 49 Prozent gründen, seit dem 1.1.2009.waren sogar 100 Prozent Anteile für ausländisch investierte Unternehmen möglich. Dabei steht ausländischen Einzelhändlern nach den WTO-Bestimmungen zunächst aber nur das Recht zu, einen Verkaufspunkt zu eröffnen. Expansionspläne unterliegen dem "Economic Needs Test" (ENT).

Außenhandel Deutschland - Vietnam

Die Eröffnung jedes zusätzlichen Geschäfts muss danach neu beantragt werden, eine Genehmigung erfolgt nach Einzelfallprüfung. Geprüft werden die Zahl der bestehenden Geschäfte, die Stabilität des Marktes, die Bevölkerungsdichte und die Frage, ob das Projekt in die Planungen der jeweiligen Provinz passt. Nach den Erfahrungen von Oliver Massmann, Kanzlei Duane Morris LLC in Hanoi, hat bislang erst ein verschwindend geringer Teil der Firmen, welche eine Vertriebslizenz beantragt haben, eine solche auch erhalten. Die Erteilung dauert selbst in den nicht-sensitiven Bereichen unkalkulierbar lange. Eine Ursache sei, so ist zu hören, erfolgreicher Lobbyismus der lokalen Anbieter bei den Genehmigungsbehörden.

Aus ökonomischer Sicht ist die vietnamesische Kaufkraft trotz beeindruckender Wachstumsraten in absoluten Werten meist eher überschaubar. Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes setzte der Einzelhandel 2008 umgerechnet rund 48 Milliarden US$ ab, 2009 dürften es 57 Milliarden US$ werden. Die Marktforschungsfirma RNCOS geht davon aus, dass bis 2012 ein Wert von 85 Milliarden US$ überstiegen wird. Pro Person waren dies 2009 gerade einmal 662 US$.

Bislang im Markt sind die französische Groupe Casino mit mittlerweile sieben "Big C"-Einkaufszentren und die deutsche Metro-Gruppe mit neun Märkten. Weitere ausländische Anbieter in Vietnam sind Parkson (Malaysia), Seiyu (Japan) und Dairy Farm (Hongkong).

Insgesamt konzentriert sich die Kaufkraft auf die vietnamesischen Städte. Hier gibt sich der einkommensstärker werdende und zahlenmäßig wachsende Mittelstand zunehmend aufgeklärter und qualitätsbewusster. Dies gilt insbesondere für die Wirtschaftsmetropole Ho Chi Minh City im Süden - während der Norden dieser Entwicklung noch hinterherhinkt - und tendenziell eher für die jüngeren Leute. An modernen Supermärkten schätzen sie besonders die Sauberkeit und die festen Preise.

In der Folge durchlebt Vietnam eine kleine Handelsrevolution. Neben den traditionellen Märkten, den kleinen Familienläden und den unzähligen Straßenhändlern entstehen immer mehr Supermärkte und Shoppingmalls.

Gab es 1995 nur zehn Supermärkte und zwei Einkaufsmärkte in ganz Vietnam, so waren es 2009 nach einer Zeitungsmeldung der "Vietnam News" neben 8300 traditionellen Märkten über 400 Super- und Hypermärkte, 23 Einkaufszentren und 165 Großhandelsmärkte. Knapp eine weitere Million Quadratmeter an Einzelhandelsflächen befänden sich im Bau. Darunter befinden sich Großprojekte wie der fünfstöckige, 70.000 m2 fassende Einzelhandelskomplex innerhalb des 500 Millionen US$ teuren Stadtentwicklungsvorhabens Sun Rise City in Ho Chi Min City (Fertigstellung 2012). Auf moderne Vertriebskanäle entfallen etwa 20 Prozent des Einzelhandelsumsatzes. Nach einer Einschätzung von Nielsen sollte sich der Anteil moderner Vertriebskanäle 2010 auf 24 Prozent erhöhen.

Landesweit werden die Einzelhandelsflächen auf rund 360.000 m2 beziffert (ohne die unzähligen Miniläden, die von keiner Statistik erfasst sind). Hiervon entfallen etwa 100.000 m2 auf Hanoi und 250.000 m2 auf Ho Chi Minh City. Angesichts der zahlreichen im Bau befindlichen Objekte dürften es nach Einschätzung des Immobilienverbands bis 2015 zwischen 600.000 und 700.000 m2 sein. In Hanoi gibt es gegenwärtig zehn Einkaufszentren beziehungsweise Malls, Warenhäuser und Hypermärkte sowie 78 Supermärkte und Elektronikfachhändler, zwei Großhandelsmärkte und 12 Einzelhandels-Kaufhäuser. 2010 sollten weitere rund 82.000 m2 hinzukommen, darunter insbesondere das Grand-Plaza-Warenhaus mit 27.000 m2. Gerade mit dem Bau begonnen wurde für den Savico Plaza (50.000 m2). Dies erscheint zunächst viel, ist aber angesichts der Tatsache, dass Hanoi 6 Millionen Einwohner zählt, doch wieder wenig. Tatsächlich liegt die Leerstandsquote bei gerade einmal 3,8 Prozent, so eine Information von CB Richard Ellis Vietnam (CBRE).

Das nach wie vor relativ niedrige Flächenangebot hat die Mietpreise in die Höhe schnellen lassen. Nach CBRE-Informationen liegen die Mieten für Einzelhandelsflächen in Hanoi im Durchschnitt bei 54 US$ (Stand: November 2009). In Ho Chi Minh City ist es sogar noch teurer. Dort stiegen sie von 63 US$ pro m2 im Jahr 2007 über 65 bis 83 US$ 2008 auf 80 bis 100 US$ in den ersten neun Monaten 2009. Die Leerstandsrate bewegte sich bei 5 Prozent. Sicherlich bleibt noch sehr viel Raum für einen kontinuierlichen Ausbau.

Global Retail Development Index 2009

Handelsvertreter und Vertragshändler

Nur wenige Anbieter aus Deutschland sind mit Blick auf ihren Vertrieb vor Ort gut "aufgestellt". Ein nachhaltiger Absatzerfolg in Vietnam erfordert mehr, als sich alle ein oder zwei Jahre auf einer Messe zu zeigen. Aus vielen Befragungen von Abnehmern verschiedener Branchen geht klar hervor, dass eine Vertretung in Singapur oder Bangkok nicht genügt, von einer Bearbeitung des vietnamesischen Marktes von Deutschland aus ganz zu schweigen. Das Ergebnis sind zumeist nur wenige, zufällige oder auf im Einzelfall vorhandene persönliche Beziehungen zurückzuführende Verkaufserfolge.

Tatsächlich ist eine dauerhafte Präsenz von größter Bedeutung. Zur laufenden Marktbeobachtung und gezielten Kundenpflege empfiehlt sich die Einschaltung eines lokalen Vertreters oder die Einrichtung eines Repräsentationsbüros in Hanoi und/oder in Ho Chi Minh City. Zwar besitzt eine Repräsentanz keine eigenständige Rechtspersönlichkeit und darf selbst keine Geschäfte mit Gewinnerzielungsabsicht tätigen oder als Vertreterin anderer Firmen auftreten. Sie kann aber die Möglichkeiten für den An- und Verkauf von Gütern sowie von kommerziellen Dienstleistungen erkunden und fördern, etwa indem sie zu maßgeblichen Stellen und Personen Kontakte pflegt. Auch kann sie die Gründung ausländischer Investitionsvorhaben unterstützen und die Realisierung von Projekten bewirken und überwachen.

Dies alles können Fimen von ihrem Handelsvertreter im Idealfall ebenfalls erwarten. Im Gegensatz zur Repräsentanz darf ein Handelsvertreter darüber hinaus wirtschaftlich aktiv werden, mit anderen Worten: Liefergeschäfte abwickeln und den After-Sales-Service organisieren.

Für viele Firmen ist der Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes angesichts der zu geringen Marktgröße indessen zu teuer, zu risikobehaftet oder aus rechtlicher Sicht gar nicht möglich. Als Alternative zu einem eigenen Handelsvertreter bietet sich die Einschaltung eines der etablierten Handelshäuser an. Zu den führenden deutschen zählen die Firmen Rieckermann und C. Melchers, die beide schon seit vielen Jahren erfolgreich vor Ort tätig sind.

Tipps zur Handelsvertretersuche

Gerade für die zahlungskräftigeren Kunden gibt das Vorhandensein einer kompetenten Anlaufstelle oft den Ausschlag. Immer wieder zeigt sich, dass viele lokale Firmen hierzu nur unzureichend in der Lage sind. Das Gros kennt einzelne Artikel, aber nicht die gesamte für den Kunden in Frage kommende Produktpalette. In der Folge fehlt das Auge dafür, wie die Bedürfnisse der Kunden optimal erfüllt werden könnten. Auch der After-Sales-Service ist oft dürftig. Fragen zu komplexen Anwendungen oder zur Suche von Schwachstellen in der Produktion bleiben unbeantwortet. Bei notwendigen Reparaturen gibt es keine Ingenieure vor Ort, um rasch und kostengünstig Abhilfe zu schaffen. Es geht indessen auch anders, wie einige Beispiele erfolgreicher Handelsvertretungen zeigen. Deshalb ist es umso wichtiger, bei der Auswahl von Partnern sehr viel Sorgfalt aufzuwenden und diese im Anschluss durch fortwährende Schulungen oder Kontrollen zu unterstützen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Vertreter oder einer Vertretungsfirma bietet sich als erste Anlaufstelle das Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft (German Industry and Commerce Vietnam) an. Mit nützlichen, praxisnahen und aktuellen Erfahrungen helfen können außerdem Vertreter von bereits im Markt etablierten deutschen Firmen. Hierfür empfiehlt sich beispielsweise die Teilnahme an einem der Deutschen-Stammtische oder an einem Meeting der German Business Association (GBA). Wer internationaler vorgehen möchte, dehnt seine Erkundigungen auf die EuroCham-Vertretung aus. Darüber hinaus kann ein Gang zur Vietnam Chamber of Commerce and Industry (VCCI) hilfreich sein. Gleiches gilt für den Besuch einer internationalen Fachmesse in HCMC oder in Hanoi. Eine weitere Möglichkeit ist die Inanspruchnahme von professionellen Firmen wie beispielsweise den Personalvermittler HR Solution oder die Beratungsgesellschaft Hanoi IEC.

Big C-Einkaufszentren

Lokale Besonderheiten

Vietnams Märkte gelten als stark segmentiert. Bedingt durch die geographische Gestalt und die unterschiedliche Geschichte empfiehlt es sich, zumindest den Norden mit der Hauptstadt Hanoi und den Süden um die Wirtschaftsmetropole Ho Chi Minh City mit getrennten Vertretern zu bearbeiten. Darüber hinaus "tickt" Zentralvietnam gänzlich anders als die beiden Zentren im Norden und im Süden, ist aber gemessen an der Kaufkraft nur für bestimmte Branchen von Interesse. Grundsätzlich sollte ein Vertreter in "seinem" Gebiet gut vernetzt sein.

Handelsvertreter auswählen

Es empfiehlt sich zunächst, möglichst viele Informationen über die potentiellen Geschäftspartner einzuholen. Dabei sind neben Kontakten/Bekanntheitsgrad der Firma in der Branche ihre Finanzlage und personelle Ausgestaltung von Bedeutung. Hanoi IEC rät dazu, sich den Auszug des Firmenregisters vorlegen zu lassen. Dieser gibt Auskunft über das registrierte Kapital. Auch sollte man sich schriftlich die Umsätze der letzten zwei bis drei Jahre bestätigen lassen (auch wenn letztere frisiert sein können). Die fachliche Kompetenz prüft man am besten über Referenzprojekte. Auch ein Lebenslauf des Geschäftsführers wäre von Interesse. Ein weiterer wichtiger Qualitätsgesichtspunkt ist sprachliche Kompetenz als grundlegende Voraussetzung für eine effiziente Kommunikation.

Grundsätzlich sollten alle Angaben, soweit möglich, gründlich nachkontrolliert werden. Nach den Erfahrungen von HR Solutions (Anschrift am Ende vom Text) gibt es viele vietnamesische Unternehmen, die aus kurzfristigen Profitgründen die Partnerschaft mit einem ausländischen Unternehmen suchen, aber de facto weder in der Lage noch willens sind, ihre Versprechungen einzuhalten.

Exklusivität - oder nicht ?

Die Beantwortung dieser Frage ist abhängig vom Produkt und der Marktgröße. Zumeist streben vietnamesische Firmen Exklusivverträge an, sprich, dass sie die einzigen sind, über die das Produkt in Vietnam oder zumindest in einer bestimmten Region vertrieben werden darf. Unter solchen Bedingungen begibt sich der Hersteller in eine unter Umständen fatale Abhängigkeit, insbesondere dann, wenn sich der Verkauf deutlich schleppender entwickelt als erwartet. Deshalb empfiehlt sich dringend, darauf zu bestehen, dass zumindest bisher genutzte Absatzkanäle weitergeführt werden können. Überdies gibt es manchmal die Möglichkeit, zunächst mehrere Firmen gegeneinander antreten zu lassen mit der Perspektive, dass der beste nach zwei oder drei Jahren einen Exklusivvertrag erhält.

Wenn die Handelsvertretungsfirma mehrere ausländische Firmen vertritt, muss darüber hinaus geklärt werden, dass es sich bei diesen nicht um unmittelbare Konkurrenten handelt. Auch sollten vorab gewisse Zielvorgaben gemacht werden, um sicherzustellen, dass der Händler die eigene Marke nicht nur zur "Arrondierung des Produktportfolios nach oben hin" benutzt, aber im Tagesgeschäft eher den Vertrieb der anderen Produkte forciert.

Bei der Vertragsformulierung ist professionelle juristische Hilfe stark anzuraten, um möglichst viele, später vielleicht kritische Punkte im Vorfeld wenigstens formal abzuklären. Dies gilt insbesondere für die Frage, unter welchen Bedingungen ein Vertretervertrag wieder gelöst werden kann.

Überblick über die wichtigsten Handelsketten

Handelsvertreter managen

Entscheidend für eine gute Zusammenarbeit mit dem Vertreter ist die persönliche Kontaktpflege. Ein gutes Vertrauensverhältnis bildet "das A und O". Dessen ungeachtet sollte der Handelsvertretervertrag eine genaue Leistungsbeschreibung sowie eindeutige Regelungen über Rechte und Pflichten der Vertragspartner enthalten. Dies betrifft insbesondere Mindestabnahmemengen beziehungsweise Mindestumsatz sowie möglicherweise darüber hinaus deren jährliche Anpassung durch Anbindung an bestimmte Indizes (Branchenwachstum). Als Konsequenz bei der Nichterfüllung des Umsatzsolls sollte die Möglichkeit zur Vertragsauflösung bestehen. Inwieweit sich der potentielle Partner auf solche Vorgaben einlässt, hängt weitgehend vom Verhandlungsgeschick des ausländischen Unternehmens und seinem Bekanntheitsgrad ab.

Ferner sollten gewisse Maßgaben zur Preisstrategie gemacht werden. Angesichts der geringen Kaufkraft ist es in vielen Segmenten sinnvoll, auf hohe Gewinne zu verzichten und stattdessen zunächst mit niedrigen Preisen einzusteigen. Genau definiert werden sollten ferner die Zahlungsmodalitäten. Wegen des hohen Aufwands unbeliebt sind Akkreditive. Als Anreiz zur Vorauszahlung gilt ein Discount von 2 bis 3 Prozent als üblich. Da die Zahlungsmoral nicht gerade vorbildlich ist, wird von Vereinbarungen wie 50 Prozent Vorauskasse, 50 Prozent nach Lieferung, zumindest bei unbekannten Bestellern, unbedingt abgeraten.

Beim Abschluss eines Handelsvertretervertrages ist außerdem darauf zu achten, dass der Vertreter den After-Sales-Service übernimmt und sich dazu verpflichtet, ausreichende Lagerbestände zu halten, um Lieferaufträge ohne Zeitverlust bedienen zu können. Ferner kann eine Verpflichtung des Vertreters zu Werbemaßnahmen oder zur Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen in den Vertrag aufgenommen werden.

Es ist üblich, dass die ausländische Firma einen gewissen Sockelbetrag zur Verfügung stellt plus einer leistungsabhängigen Provision. Während des Marktaufbaus sollte der Sockelbetrag etwas höher sein und später zurückgefahren werden. Als gängige Verkaufsprovision gelten maximal 10 Prozent (auch wenn mancher potentielle Partner 20 Prozent und mehr fordert). Gegebenenfalls empfiehlt es sich festzulegen, dass von diesen 10 Prozent 1 bis 2 Prozent für Bewirtungskosten, 1 bis 2 Prozent für weitere Marketingmaßnahmen zu veranschlagen sind, sodass dem Händler letztlich 6 bis 8 Prozent verbleiben.

Als weitere Unterstützung sind Schulungen vor Ort oder in Deutschland sowie die vorübergende Entsendung fachkundiger deutscher Mitarbeiter sinnvoll. Dies betrifft sowohl den technischen Bereich als auch die gemeinsame Ausarbeitung eines schlüssigen Marketing-Konzepts. Da die Englisch-Kenntnisse in der Regel rudimentär sind, sollten alle relevanten Prospekte in die vietnamesische Sprache übersetzt werden. Des Weiteren ist die Einrichtung einer Webseite auf Vietnamesisch sinnvoll (Kosten: 300 bis 500 Euro). Wert gelegt werden muss auf qualitativ hochwertige Verpackungen. Sie vermitteln dem Kunden die Sicherheit, dass er tatsächlich ein deutsches Produkt erwirbt und keine minderwertige Fälschung. Ein weiterer Schritt ist die regelmäßige Lancierung von Berichten in den relevanten Fachzeitschriften.

Bei eventuellen Streitigkeiten sollte unbedingt zunächst versucht werden, den Konflikt durch interne Verhandlungen friedlich und ohne Einschaltung eines Gerichts zu lösen. Die Chancen, Kosten und die Dauer eines Rechtsstreits sind kaum abzuschätzen, auch urteilen lokale Gerichte unabhängig von der Rechtslage eher für die lokale Partei.

Franchising

Franchising ist für Vietnam eine neue Vetriebsform. Die gesetzlichen Grundlagen bilden das zu Beginn des Jahres 2006 in Kraft getretene neue Handelsgesetz (Art. 284 bis 291), der Regierungserlass Nr. 35/2006/ND-CP vom 31.3.2006 und das Rundschreiben Nr. 09/2006/TT-BTM des Handelsministeriums sowie ferner der Regierungserlass 23/2007/ND-CP, der die Gründung und die Aktivitäten von Handelsunternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung regelt.

Einer Meldung der "Vietnam News" zufolge soll der Umsatz des Franchise-Sektors 2010 auf umgerechnet 36 Millionen US$ wachsen. Während es 2008 gerade einmal 890 Franchise-Verkaufsniederlassungen gab, könnte die Zahl 2010 über 1.300 liegen. Die Zeitung beruft sich dabei auf die Einschätzung der Vietnam Business and Franchise Association. Da es diesen Verband aber noch gar nicht gibt (beim zuständigen Ministry of Industry and Trade liegt nicht einmal ein Antrag auf Gründung vor), ist fraglich, ob diese Zahlen belastbar sind.

Tatsächlich tauchen in der Presse immer wieder Berichte von Franchising-Unternehmen auf. Nachfragen beim Unternehmen selbst ergeben in der Regel, dass es sich um Falschmeldungen handelt. Dies gilt zum Beispiel für den lokalen Kaffeeröster und Café-Betreiber Highlands Coffee, die vietnamesische Textilkette Ninomax, aber auch die deutsche Metro-Gruppe, die immer wieder als Beispiele für erfolgreiches Franchising in Vietnam genannt werden. Alle Niederlassungen befinden sich im Besitz der jeweiligen Firmen.

Unter den lokalen Franchising-Firmen sind die bisherigen Erfahrungen ambivalent. So vergab der größte private Kaffeeröster und Café-Betreiber Trung Nguyen Coffee seit 1998 (neben dem Betrieb eigener Läden) Franchise-Lizenzen, hat diese Praxis aber im Juli 2009 gestoppt. Nach Firmenangaben wolle man künftig keine Franchising-Läden mehr lizenzieren, sondern potentiellen Partnern andere Kooperationen anbieten. Gründe wurden nicht genannt.

Weiter nach dem Franchising-Modell aktiv ist die lokale Nudelshop-Kette Pho 24. Sie betreibt sechs Jahre nach der Eröffnung der ersten Nudelküche mittlerweile 70 Läden, davon 15 nach dem Franchising-Konzept. Pho 24 hätte durchaus Interesse, ihr Geschäftsmodell per Franchising weiterzuverbreiten. Allerdings gibt es offensichtlich nicht genügend Interessenten, zumal einige Franchise-Nehmer der Kette in der Vergangenheit Schiffbruch erleiden mussten.

Offensichtlich ist das Franchising-Konzept noch nicht wirklich in Vietnam "angekommen". Zwar gelten die Gastronomiebranche und der Tourismus als besonders wachstumsintensiv. In der Realität stehen der andernorts erfolgreichen Idee jedoch zahlreiche Hindernisse entgegen. Selbst im Franchising erfahrene ausländische Unternehmen wie Yum! (Kentucky Fried Chicken, Pizza Hut) aus den USA oder Lotteria aus Südkorea befinden sich trotz jahrelanger Präsenz vor Ort eher noch in der Pilotphase. Offensichtlich gibt es deutlich mehr Unternehmen, die Franchising-Verträge vergeben wollen als geeignete Interessenten. Insbesondere die Qualitätsbeständigkeit der Produkte und Servicedienste bilden ein großes Problem. Die Franchising-Lizenz für Pizza Hut wurde daher nur an einen einzigen Partner vergeben.

Insgesamt hält sich auch das Interesse der "klassischen" ausländischen Franchise-Geber in Grenzen. Für sie ein Haupthemmnis ist der mangelhafte Rechtsrahmen, urteilt Oliver Massmann von der Anwaltskanzlei Duane Morris LLC. in Hanoi. Obwohl im Zusammenhang mit der Aufnahme Vietnams in die Welthandelsorganisation (WTO) im Januar 2007 zahlreiche neue Bestimmungen erlassen wurden, bleiben bis heute viele Fragen offen. Dies betrifft insbesondere die Wahrung gewerblicher Schutzrechte. Verletzungen dürfte auf dem Rechtsweg vor Ort kaum beizukommen sein.

Adressen

HR Solutions Vietnam
Andreas Dernbach
20, Lane 535/2 Kim Ma Street
Hanoi, Vietnam
Tel.: 84 4 37711559
Fax: 84 4 37711551
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Web: www.hrsolutions-vietnam.com

GBA Vietnam
5. Floor Somerset Chancellor Court
21-23 Nguyen Thi Minh Khai Street
District 1
Ho Chi Minh City, Vietnam
Tel.: 84 8 38239 772
Fax: 84 8 38238 909
Email: info@gba-vietnam.org
Web: www. gba-vietnam.org

AHK Vietnam
Kammergeschäftsführer Jan Nöther
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Ho Chi Minh City Office
5. Floor Somerset Chancellor Court
21-23 Nguyen Thi Minh Khai Street
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Web: www.vietnam.ahk.de