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Asien Kurier  2/2012 vom 1. Februar 2012
Hongkong

Lukrativer Medizintechnikmarkt am Perlflussdelta

Den lukrativen Markt für Hightech-Geräte teilen sich Hersteller aus Deutschland, Japan und den USA auf; der größte Teil der Brancheneinfuhren ist für das Festland China bestimmt

Von Dr. Roland Rohde, Germany Trade & Invest in Hongkong

Hochwertige Medizintechnik aus den USA, Japan und Deutschland erfreut sich in Hongkong großer Beliebtheit. Die staatlichen Krankenhäuser - sie bilden den Eckpfeiler des Gesundheitssystems - sind die wichtigsten Nachfrager. Das Geschäft mit Privatkliniken gewinnt jedoch an Bedeutung. Der Bedarf an Medizintechnik steigt stetig. Die Bevölkerung altert schnell, sie gehört bereits zur langlebigsten der Welt. Zudem will die Regierung die Ausstattung der öffentlichen Hospitäler modernisieren.

Hongkong gesehen vom Peak
Foto: Christopher Reason

Marktentwicklung und -bedarf
Hongkong ist ein kleiner, aber feiner Absatzmarkt für Medizintechnik. Die ehemalige britische Kronkolonie hat zwar nur rund 7 Millionen Einwohner. Dafür verfügt die Bevölkerung aber nach Japan und Singapur über das höchste Pro-Kopf-Einkommen Asiens. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben sind gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gering. An der Ausstattung der Kliniken wird jedoch nicht gespart. Den ausländischen Anbietern von Medizintechnik kommt zudem zugute, dass es nur sehr wenige einheimische Konkurrenten gibt. Hongkong hängt zu fast 100 Prozent von Importen ab.

Hongkongs Gesundheitssystem ähnelt stark dem britischen. Die staatlichen Kliniken garantieren der Bevölkerung eine nahezu kostenlose ambulante wie auch stationäre Behandlung. Allerdings sind die Wartezeiten bei nicht akuten Standardeingriffen lang. Private Arztpraxen spielen eine eher untergeordnete Rolle. Hingegen haben in den letzten Jahren Privatkliniken an Bedeutung gewonnen.

Insgesamt ist die Anzahl der stationären Patienten - bei sinkender Bettenzahl - zwischen 2005 und 2009 um 24 Prozent auf 1,7 Millionen gestiegen. Einen Großteil des Wachstums mussten die privaten Hospitäler abfedern. Sie registrierten im vorliegenden Zeitraum einen Zunahme von fast 50 Prozent auf knapp 400.000 Patienten. Damit wurden nur noch 78 Prozent aller eingelieferten Kranken in einer öffentlichen Klinik behandelt. Zehn Jahre zuvor lag die entsprechende Quote noch bei fast 90 Prozent.

Der rasante Anstieg der Anzahl der stationären Privatpatienten ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass immer mehr Festlandchinesen zur medizinischen Behandlung und insbesondere zur Entbindung nach Hongkong kommen. Laut offiziellen Angaben entfielen auf diese Gruppe im Jahr 2009 rund die Hälfte aller Geburten. Von den insgesamt knapp 130.000 Entbindungen fanden laut Hospital Authority über 40 Prozent in Privatkliniken statt.

Zu den renommierten Privatkliniken in der Stadt am Perlriver Delta zählen das Hong Kong Sanatorium & Hospital (www.hksh.com), das kleinere Hong Kong Adventist Hospital (www.hkah.org.hk) und das Hong Kong Baptist Hospital (www.hkbh.org.hk).

Markt für Medizintechnik in Hongkong
Quellen: Census and Statistics Department, Marktforschungsunternehmen Espicom Business Intelligence

Die privaten Krankenhausbetreiber sollen nach dem Willen der Regierung in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Sie will für rund 500.000 Menschen Zuschüsse zu einer Krankenversicherung zahlen. Dadurch sollen die öffentlichen Hospitäler entlastet und zugleich die Wartezeiten für Operationen reduziert werden. Die Bettenzahl der Privatkliniken ist jedoch 2008 sowie 2009 lediglich um jeweils 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Damit konnten sie den entsprechenden Abbau auf staatlicher Seite nur teilweise kompensieren.

Die öffentlichen Krankenhäuser Hongkongs bieten so gut wie keinen Komfort. Schlafsäle mit mehr als 30 Patienten sind keine Seltenheit. Dafür sind sie in der Regel mit sehr modernen Geräten ausgestattet. Die privaten Hospitäler versuchen, der staatlichen Konkurrenz um einen Schritt voraus zu sein. Sie locken ihre Patienten mit technischer Ausstattung wie lasergesteuerten Operationsrobotern oder der Kapselendoskopie.

Die einheimische Nachfrage nach Medizintechnik dürfte sich in den nächsten Jahren lebhaft entwickeln. Die Aufsichtsbehörde Hospital Authority will die Anzahl der in den staatlichen Krankenhäusern installierten CT/MRT-Scanner, Ultraschallgeräte und anderer Apparate drastisch erhöhen. Bis 2013 sollen zudem sämtlich Röntgengeräte nur noch digitale Bilder erstellen. In Zukunft soll keine Technik mehr eingesetzt werden, die älter als zehn Jahre ist. Die Regierung hat das Budget für die Erneuerung der technischen Ausstattung der staatlichen Kliniken im Jahr 2010 um 20 Prozent auf jährlich knapp 80 Prozent US$ erhöht. Verglichen mit dem Wert von 2006 kommt das sogar einer Verdreifachung gleich.

Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Hongkong (2010)
Quellen: Hong Kong Census and Statistics Department, Hong Kong Department of Health, Hong Kong Hospital Authority

Produktion und Branchenstruktur
In Hongkong existiert nur eine Handvoll Medizintechnikhersteller. Doch viele Firmen, die in der Stadt lediglich als Händler registriert sind, besitzen Fabriken in der benachbarten VR China. Dort stellen sie - ebenso wie die einheimischen Konkurrenten - vor allem einfache elektronische Mess- und Diagnosegeräte wie Feinwaagen oder Blutdruckmessgeräte her. Daneben produzieren sie Verbrauchsmaterialien wie Kanülen, Spritzen und Verbände, aber auch Erzeugnisse wie Rollstühle oder Krankenhausbetten.

Direkte Konkurrenten für Anbieter aus Industrieländern sind in der Regel weder die chinesischen noch die Hongkonger Unternehmen. Den lukrativen Markt für Hightech-Geräte teilen sich im Prinzip Hersteller aus den USA, Japan, Deutschland und - mit einem gewissen Abstand - den Niederlanden untereinander auf. Man kennt sich nicht nur gegenseitig. Auch die Hospital Authority - sie bestimmt über die Ausstattung der staatlichen Krankenhäuser - weiß tendenziell genau, wer welche Produkte und Technologien anbietet. Sie ist daher der wichtigste Ansprech- und Verhandlungspartner.

Außenhandel
Im Jahr 2010 importierte Hongkong Medizintechnik im Wert von knapp 1,8 Milliarden US$. Das entsprach einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Angesichts des Erneuerungsprogramms der Regierung für die staatlichen Hospitäler dürften die Branchenimporte mittelfristig weiter kräftig steigen. Für 2011 zeichnet sich laut Hochrechnungen ein Wert von fast 2 Milliarden US$ ab.

Von den gesamten Brancheneinfuhren ist nur rund ein Viertel für den einheimischen Bedarf bestimmt. Der Rest wird reexportiert. Einerseits versorgen die Händler in Hongkong die Kliniken in der benachbarten VR China mit der benötigten Technologie aus dem Ausland. Die entsprechenden Wiederausfuhren in die Volksrepublik beliefen sich 2010 auf knapp 900 Millionen US$, eine Steigerung von über 50 Prozent im Vergleich zu 2007.

Andererseits exportieren chinesische Medizintechnikhersteller ihre Produkte über den Freihafen Hongkongs in den Rest der Welt. Dabei handelt es sich zumeist um einfache Erzeugnisse sowie Verbrauchsmaterialien. Die nichtchinesischen Brancheneinfuhren Hongkongs bestehen hingegen vorwiegend aus Hightechgeräten und Spezialanfertigungen. Auf die USA, Japan und Deutschland entfielen 2010 etwa die Hälfte der Medizintechnikeinfuhren. Deutschland erzielte ein Liefervolumen von mehr als 200 Millionen US$, was einen Zuwachs von 13 Prozent gegenüber 2009 darstellte.

Geschäftspraxis
Die Hospital Authority ist für die Ausstattung der öffentlichen Krankenhäuser in Hongkong verantwortlich. Sämtliche Aufträge ab einem bestimmten Schwellenwert müssen öffentlich ausgeschrieben werden. Die Beschaffung wird über das zentrale Verwaltungsamt der Stadt abgewickelt, das Government Logistics Department. Bei Standardbestellungen für Verbrauchsmaterialien, die regelmäßig ersetzt werden, informiert die Behörde lediglich die einschlägig bekannten Lieferanten. Das Verfahren wird von Teilnehmern als fair und offen bezeichnet. Die privaten Krankenhäuser gehen ähnlich vor.

Hongkong ist traditionell ein Freihafen. Es werden daher - mit ganz wenigen Ausnahmen - keinerlei Zölle oder Einfuhrabgaben erhoben. Von weiterer Bedeutung für Preisverhandlungen ist zudem, dass keine Mehrwertsteuer existiert. Verträge werden - auch wenn die Endkunden in der VR China sitzen - in der Regel in Hongkong-Dollar (HK$) abgeschlossen. Er ist bislang zu einem Kurs von 1:7,8 (mit sehr geringen Schwankungsbreiten) an die US-Währung gekoppelt und frei konvertierbar. Ein Ende der Bindung an den US$ ist jedoch abzusehen.

Spezielle Normen für den Import oder den Verkauf von Medizintechnik bestehen in Hongkong nicht. Die Hospital Authority veröffentlicht besondere Anforderung im Rahmen ihrer Ausschreibungen. Hongkong stellt zwar innerhalb Asiens einen der bedeutendsten Messe- und Veranstaltungsorte dar, doch ist die entsprechende Fachmesse der Medizintechnikbranche sehr klein. Die großen internationalen Hersteller sind nicht vertreten. Sie verfügen bereits über Kontakte zu den lokalen Behörden und privaten Krankenhäusern.

Adressen

AHK Hongkong
German Industry & Commerce Ltd. (GIC)
3601 Tower One, Lippo Centre
89 Queensway Admiralty
Hong Kong
Tel: +852 25265481
Fax: +852 28106093
Email: info@hongkong.ahk.de
Web: http://hongkong.ahk.de

Medical Council Hong Kong (Ärztekammer)
The Medical Council Secretariat
4. Floor, Hong Kong Academy of Medicine Jockey Club Building
99 Wong Chuk Hang Road
Aberdeen, Hong Kong
Tel.: +852 28735131
Fax: +852 25540577
Email: mchk@dh.gov.hk
Web: www.mchk.org.hk

Department of Health
Tel.: +852 29618989 / 29618991 (allgemeine Auskünfte)
Web: www.dh.gov.hk
Aufsichtsbehörde der öffentlichen; Krankenhäuser (teilweise auch f?r Privatkliniken zuständig)
Hospital Authority Hong Kong
www.ha.org.hk

Verband der privaten Krankenhäuser
Hong Kong Private Hospital Association
www.privatehospitals.org.hk
Fachverband für das Gesundheitswesen
The Hong Kong Medical Association
www.hkma.org





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