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Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  6/2008 vom 1. Juni 2008

Hongkong - Moderne Verpackungen gefragt

Von Dr. Roland Rohde, bfai-Korrespondent in Hongkong.

Aus der an Hongkong grenzenden Guangdong-Provinz stammen rund 30 Prozent der chinesischen Warenexporte. Vielfach handelt es sich um empfindliche elektronische Produkte, aber auch um Textilien. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Verpackung.
Einheimische Hersteller können diesen nicht immer genügen. Insbesondere in den Sparten Kunststoff, Papier und Pappe gibt es Nachholbedarf. Die südchinesischen Produzenten verwenden daher oftmals Verpackungen aus dem Ausland, die sie teilweise über den Freihafen Hongkong beziehen.
Die Ausfuhren Guangdongs beliefen sich 2007 auf rund 370 Milliarden US-Dollar, für 2008 erwarten Analysten, trotz der weltweiten Konjunktureintrübungen, einen Wert von jenseits der 400 Milliarden US-Dollar. Die meisten Waren werden per Schiff transportiert; die Luftfracht gewinnt aber an Bedeutung. Vor allem teure und empfindliche Produkte wie Computerchips, Halbleiter, aber auch Textilien werden mit dem Flugzeug befördert.
Die Verpackungsmaterialien müssen daher teilweise hohen Anforderungen genügen. So kann es in einem Container unter Umständen bis zu 70o heiss werden, wissen Insider aus dem Logistiksektor zu berichten. Zudem muss die Ware vor Feuchtigkeit, Erschütterungen, und andere Widrigkeiten eines rauen Seetransports geschützt werden. Für die Beförderung per Luft sind zudem möglichst leichte Materialien zu wählen.
Zugleich steigen die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit und Wiederverwendbarkeit. Zahlreiche Stoffe, die in China noch ohne Bedenken verwendet werden, sind in der EU oder den USA längst verpönt oder bereits verboten. Zudem gibt es unterschiedliche Erwartungshaltungen. In Hongkong wird noch jede Toilettenpapierrolle einzeln verpackt; in Europa würden sich dem Konsumenten angesichts einer solchen Verschwendung die Nackenhaar sträuben.
Auch die chinesischen Produzenten haben immer höhere Ansprüche. So will sich die dortige Exportindustrie langsam, aber stetig, höher positionieren und nicht mehr ausschließlich Billigprodukte anbieten. Entsprechend muss die Verpackung ihrer Produkte hochwertiger erscheinen.
Während für eine Standardtransportverpackung für große Exportgüter wie Kühlschränke oder Waschmaschinen Pappe und Styropor "Made in China" verwendet wird, kommen für Spezialwaren wie Maschinen und empfindliche Elektrogeräte überwiegend Materialien aus dem Ausland zum Einsatz.
Einen Teil der Verpackungen beziehen die Fabriken Südchinas über den Freihafen Hongkong oder unter Einschaltung eines Hongkonger Händlers (sogenannter Offshore-Handel). Im Jahr 2007 importierte die ehemalige britische Kronkolonie nach Berchnungen des "Trade Development Council" (TDC) Branchenprodukte im Wert von 3,8 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung von 3,5 Prozent im Vorjahresvergleich. Mehr als die Hälfte der entsprechenden Einfuhren wurde anschließend nach China reexportiert.
Hongkongs Branchenhandel wächst deutlich langsamer als die Warenexporte und -importe der benachbarten Provinz Guangdong. Immer mehr Fabriken in Südchina beziehen ihre Verpackungsmaterialien lieber direkt über die deutlich günstigen Terminals in Shenzhen und Guangzhou. Zudem kaufen sie Verpackungen zunehmend auch im Inland.
Die einheimischen Hersteller bieten zunehmend qualitative und moderne Produkte an. Noch ist allerdings der Abstand insbesondere zu den etablierten Anbietern aus Japan oder den USA sehr groß. Nach Einschätzung des TDC besteht der größte Nachholbedarf in der Kunststoffsparte. Wer umweltfreundliche Plastikfolien aus modernen Materialien wie PET benötigt, muss hauptsächlich auf ausländische Zulieferungen zurückgreifen. Deutsche Unternehmen seien in dieser Branche besonders konkurrenzfähig.
Ebenso gebe es große qualitative Unterschiede zwischen einheimischen und importierten Verpackungen aus Papier und Pappe. So sei das in China vorhandene Papier von relativ niedriger Qualität und seine anschließende Weiterwertung nur bedingt möglich. Chinesische Anbieter konnten jedoch in den letzten Jahren erhebliche Qualitätsfortschritte erzielen.
Ein Großteil der benötigten Exportverpackungen stammt aus Japan, Taiwan und Südkorea. Die drei Staaten setzen 2007 Produkte im Wert von deutlich über einer Milliarde US-Dollar um, ein Plus von knapp 3 Prozent gegenüber 2006. Daeben spielen Firmen aus den USA mit Lieferungen von mehr als 280 Millionen US-Dollar (+0,5%) eine bedeutende Rolle. Deutschland lag in der Einfuhrstatistik auf Rang sechs. Insgesamt lieferten deutsche Unternehmen 2007 Verpackungsmaterialien im Wet von mehr als 140 Millionen US-Dollar (+17%) nach Hongkong. Damit konnte das Land seinen Importanteil merklich ausbauen, denn die hauotwettbewerber aus Ostasien und den USA mussten sich sich deutlich geringeren Wachstumsraten abfinden.
Deutsche Anbieter besitzen bei Hightech-Materialien sowie besonders umweltfreundlichen und recyclebaren Stoffen einen klaren Vorsprung gegenüber ihren Wettbewerbern. Ebenso können sie bei extrem dünnen und leichten Materialien punkten. Wie Marktkenner berichten, tätigen mehrere hundert Branchenfirmen aus Deutschland Geschäfte in Hongkong. Die größten von ihnen bringen es auf einen Jahresumsatz von rund einer Million US-Dollar.