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Datum: 2008-12-31 Asien Kurier 6/2008 vom 1. Juni 2008 Taiwan - Trendwende 2008 ? Von Oliver Höflinger, bfai-Korrespondent in Taipei.
Nach zwei schlechten Jahren geht die taiwanische Kfz-Branche für 2008 wieder von steigenden Absatzzahlen aus. Angesichts hoher Kraftstoffpreise und einer unter Druck geratenen Mittelschicht wird preiswerten und verbrauchsarmen Pkw ein gutes Potential bescheinigt. Speziell aus deutscher Sicht gilt es positiv zu vermerken, dass darüber hinaus die Pkw-Oberklasse weiterhin gute Chancen bietet. Lokale Hersteller setzen neben der Einführung von neuen (Diesel-) Modellen auf den Ausbau ihrer Exporte sowie auf den Aufbau von Eigenmarken.
Nachdem der gesamte Pkw-Absatz in Taiwan 2007 im Vergleich zum bereits schlechten Vorjahr weiter um 2,1 Prozent auf 263.855 Einheiten zurückgegangen ist, erwartet der Branchenverband Taiwan Transportation Vehicle Manufacturers Association (TTVMA), dass 2008 die Trendwende auf dem Fahrzeugmarkt einsetzt. 2006 war der Absatz um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Zahlreiche Branchenkenner gehen 2008 von einem Anstieg von über 5 Prozent aus. Zwar werden die optimistischen Schätzungen bisher noch nicht von anziehenden Verkaufszahlen gestützt. So ging im 1. Quartal 2008 der gesamte Pkw-Absatz taiwanischer Hersteller laut Statistiken der TTVMA im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahresquartal um 9,2 Prozent auf 53.917 Einheiten zurück. Allerdings verzeichneten zahlreiche lokale Fahrzeughersteller und -händler seit den Präsidentschaftswahlen Ende März 2008 einen kräftigen Anstieg der Zahl potentieller Kunden in ihren Verkaufsräumen. Vom Amtsantritt der neuen Regierung unter Präsident Ma Ende Mai erhoffen sich Branchenkenner einen weiteren positiven Einfluss auf das Konsumklima. Dass dies nicht unbegründet ist, zeigt ein Blick auf diverse Indikatoren: Zum Beispiel stuften die Fahrzeughersteller in der monatlichen Geschäftsklimaumfrage des "Taiwan Institute of Economic Research" (TIER) den Branchentrend im März nicht nur als positiv ein, sondern gingen von einem Anhalten dieser Entwicklung bis Ende September 2008 aus. Ebenso stieg der monatlich von der National Central University erhobene Index des Konsumentenvertrauens im April auf den höchsten Wert der letzten Monate Auch bei der Frage, ob die nächsten sechs Monate gut geeignet seien für den Kauf von dauerhaften Konsumgütern, zeigten sich die Verbraucher wieder optimistischer. Insgesamt schätzt das "Directorate General of Budget, Accounting and Statistics" (DGBAS), dass sich der private Konsum 2008 im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessern und real um 2,9 Prozent zulegen wird. Angesichts der wohl weiterhin hohen Kraftstoffpreise und eines größeren Anteils kaufkraftschwächerer Verbraucher, ist auch in Taiwan die Entwicklung und Produktion eines verbrauchsarmen, preiswerten und auf die lokalen Verhältnisse zugeschnittenen Pkw chancenreich und wird nach Einschätzung der TTVMA demnächst auf die Tagesordnung rücken. Der Branchenverband geht davon aus, dass die Entwicklung eines solchen Fahrzeugs durch einheimische Hersteller erfolgt, die maßgeblichen Entscheidungen aber von einem ausländischen Partner getroffen werden, nicht zuletzt, da diese nach wie vor fortgeschrittene Technologie in die Kooperationen einbringen. Stellen derzeit Pkw mit einem Hubraum von 1.600 bis 2.000 cm3 einen Anteil von etwa 60 Prozent an den Gesamtzulassungen, so prognostiziert die TTVMA, dass künftig besonders Fahrzeuge unter 1.600 cm3 gefragt sein werden. Angesichts hoher Kraftstoffkosten bescheinigt der Branchenverband daneben Mini-Pkw sowie Diesel-Pkw gute Chancen in dem Inselstaat. Hybridfahrzeuge bieten ebenfalls Potential, allerdings sind die beiden derzeit in Taiwan verkauften Importmodelle von Toyota und Ford im Vergleich zu anderen Typen sehr teuer. Um den Marktanteil der Hybridfahrzeuge zu steigern, haben die Fahrzeughersteller eine Senkung der Steuern vorgeschlagen. Derzeit werden Pkw(-Importe) mit der Business Tax von 5 Prozent sowie der Commodity Tax von 25 Prozent (30 % bei mehr als 2.000 cm3 Hubraum) besteuert. Für Pkw mit Ursprung in der EU beträgt der Zollsatz im Jahr 2008 bis zur Erschöpfung des EU-Zollkontingents (475.428 Fahrzeuge) 20,3 Prozent, darüber hinaus 30 Prozent. Speziell aus deutscher Sicht positiv zu vermerken ist, dass die Pkw-Oberklasse weiterhin gute Chancen bietet. Denn im Gegensatz zu vielen Haushalten der Mittelschicht zählen die Bezieher hoher Einkommen zu den großen Profiteuren des wirtschaftlichen Wachstums der letzten Jahre und sind somit weiterhin kaufkräftig wie auch kauffreudig. Außer auf den Anstieg der Kauflust bei den taiwanischen Pkw-Käufern zu warten, haben die Fahrzeughersteller weitere Maßnahmen ins Auge gefasst beziehungsweise bereits ergriffen, um ihren Absatz anzukurbeln. So bauen derzeit zahlreiche Hersteller zusätzlich zur Einführung neuer Benziner-Modelle ihren Absatz von Diesel-Pkw in Taiwan aus. Da diese einen wirtschaftlicheren Kraftstoffverbrauch aufweisen und gleichzeitig die Kraftstoffkosten sowie die entsprechende Steuer niedriger sind, stellen Dieselmodelle eine interessante Alternative für die Pkw-Käufer dar. Die Etablierung einer eigenen Marke zählt ebenfalls zu den verkaufsfördernden Maßnahmen. Diese Strategie wird derzeit vor allem von Yulon, dem größten fahrzeugherstellenden Konglomerat Taiwans, mit Nachdruck verfolgt. 2008 soll bereits mit dem Verkauf lokal gefertigter Fahrzeuge unter eigener Marke begonnen werden. Um seine ausländischen Partner Nissan und General Motors nicht zu verärgern, wird Yulon für den Verkauf eine eigene Tochtergesellschaft etablieren. Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der neuen Modelle spielt dabei das ursprünglich auf Betreiben der Regierung zur Förderung der Fahrzeugelektronikbranche 2005 gegründete "Hua-chuang Automobile Information Technical Center" (HAITEC). Nach dem Aufkauf des staatlichen Anteils 2007 ist HAITEC nun ein Projekt von Yulon zusammen mit den sechs Partnern High Tech Computer Corp. (HTC), Coretronic Corp., Everlight Electronics Co., Delta Electronics, Taiwan Calsonic Co. und E-Ton Solar Tech. Um ihren Absatz und ihre Wettbewerbsfähigkeit trotz überwiegend sinkender beziehungsweise stagnierender Inlandsverkäufe weiter steigern zu können, haben die meisten einheimischen Hersteller darüber hinaus ihre ausländischen Partner um zusätzliche Unterstützung - meist in Form von Technologietransfer - gebeten. Das Hauptziel dabei ist, im Exportmarkt konkurrenzfähiger zu werden. Beispiele hierfür stellen Hersteller wie Kuozui oder Ford Lio Ho dar. Ersterer wird beginnend 2008 lokal gefertigte Toyotas exportieren, letzterer liefert SUVs unter anderem nach Japan, Australien und mittlerweile auch Russland. Einen weiteren Ausweg um den in letzter Zeit schwachen Inlandsabsatz auszugleichen, stellt darüber hinaus der Ausbau der Aktivitäten auf dem Festland dar. So wird Yulon auch in der VR China eine neue Firma für die Produktion und den Absatz von Fahrzeugen unter eigener Marke etablieren. Unter anderem soll in Hangzhou eine Fabrik mit einer jährlichen Kapazität von 120.000 Fahrzeugen und 200.000 Motoren entstehen. Der Partner für die neuen Aktivitäten ist die Zhejiang Zongyu Gruppe. Auch die China Motor Corp. (CMC) plant den Ausbau ihres Festlandsgeschäftes: Der dortige Partner von CMC, South East (Fujian) Motor Co., Ltd. wird neben dem Verkauf von Fahrzeugen der Marke Mitsubishi ab 2008 auch zwei lokal gefertigte Fahrzeugmodelle unter der eigenen Marke SEM anbieten. Neben einer Limousine, die im mittleren und unteren Marktsegment positioniert wird, handelt es sich Branchenkennern zufolge darüber hinaus um einen Van, der von CMC in Taiwan entworfen worden ist. Taiwan Transportation Vehicle Manufacturers Association (TTVMA) Wen Fang Hwang Tel.: 886 2 2705 1101 Fax: 886 2 2706 6440 Email: w.f.hwang@ttvma.org.tw Web: www.ttvma.org.tw | |
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