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Datum: 2008-12-31 Asien Kurier 7/2008 vom 1. Juli 2008 China - Bauzulieferer profitieren von starker Binnennachfrage Von Corinne Abele, bfai-Korrespondentin in Beijing.
Chinas Bauzulieferindustrie profitiert weiterhin von der gewaltigen Binnennachfrage.Experten erwarten auch 2008 deutlich zweistellige Zuwachsraten - trotz regionaler Abschwächung des Immobilienmarktes. Am Markt tätige deutsche Firmen berichten von einer tendenziell steigenden Nachfrage nach höherwertiger Ausstattung. Für mehr Wohnkomfort seien vor allem Privatkunden zunehmend bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Gesichtspunkte der Ökologie oder Energieeffizienz seien für die Investitionsentscheidungen eher zweitrangig.
Im Jahr 2007 stieg nach Angaben der "China Building Materials Daily" (Zhongguo Jiancai Bao) die industrielle Wertschöpfung der Bauzulieferbranche in China um 26,5 Prozent auf 398 Milliarden Renminbi Yuan (RMB; rund 36,3 Milliarden Euro; 1 Euro = 10,92 RMB, 3-Monatsmitel-Interbankenkurs). Dabei legte der Umsatz in verschiedenen Sparten aufgrund von Preisauftrieben stärker zu als das Produktionsvolumen. Der Export erhöhte sich um 19 Prozent. Auch 2008 wird mit deutlich zweistelligen Zuwachszahlen gerechnet. Die nach dem Erdbeben vom 12. Mai 2008 - dem stärksten in China seit über 50 Jahren - massiv einsetzenden Wiederaufbauarbeiten in der Provinz Sichuan werden die Nachfrage nach Baumaterialien und Bauzulieferungen weiter erhöhen. Den stärksten daraus resultierenden Bedarf sieht die Deutsche Bank in den Segmenten Zement, Flachglas und Baumaschinen. Heizungsbau Chinas ambitionierte Pläne nehmen langsam Gestalt an. Seit dem 1. April 2008 ist das überarbeitete Energieeinsparungsgesetz in Kraft, das im Paragraph 38 die Installation von Zentralheizungen, Thermostaten und verbrauchsabhängiger Heizkostenabrechnung festschreibt. Branchenkenner gehen vonneuen Impulsen für den Markt aus. Einige internationale Firmen vor Ort berichten von einer Zunahme dezentraler Heizsysteme im Markt, getragen durch eine steigende Nachfrage der Endkunden nach Komfort (konstante Raumtemperatur, selbstregulierbare Heizsysteme). Auch werden Wohnbauprojekte in den Stadtrandlagen in Nordchina häufig nicht mehr an Fern- und Nahwärmesysteme angeschlossen. Zwar ist der Einzelhandel für dezentrale Heizsysteme noch klein, er entwickelt sich jedoch deutlich. Gleichzeitig gewinnt der Energieeffizienzaspekt beim Aufbau neuer Nahwärmesysteme an Bedeutung, was Raum schafft für internationale Anbieter. Energiesparende Fassadensysteme sind bislang jedoch nach wie vor auf wenige Vorzeigeprojekte beschränkt, die jedoch Branchenkennern zufolge zunehmen. Auch im Bereich Erdwärme steigt die Zahl der Projekte. Gemäß der "China Trade News" (Zhongguo Jianshe Bao) existierten im September 2007 allein in Beijing 479 Projekte, die Erdwärme-Pumpen (GSHP - Ground Source Heat Pumps) einsetzten. Insgesamt wurden damit 10,52 Millionen m2 beheizt - ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 150 Prozent. GSHP-Projekte finden sich auch in anderen Provinzen außer in Qinghai, Yunnan und Guizhou. Einige Städte bezuschussen den Bau derartiger Erdwärme-Heizsysteme; in Beijing werden 50 RMB pro Quadratmeter beheizter Fläche gezahlt. Die "China Trade News" sieht den Markt für Erdwärmepumpen jährlich um 20 Prozent wachsen. Einige ausländische Hersteller von Erdwärme-Pumpen haben in China bereits Joint Ventures oder vollständige Tochterunternehmen gegründet. Auch einige lokale Unternehmen sind auf diesem Gebiet tätig.Mangelnde Belastbarkeit sowie Abstimmung der verschiedenen Systemkomponenten inländischer Anbieter führen Insidern zufolge jedoch noch häufig zu Betriebseinbußen beziehungsweise -ausfällen. Sanitärkeramik Der boomende Bausektor sorgt weiterhin für steigenden Bedarf an Sanitärkeramik. Dieser wird zu einem Großteil durch inländische Produzenten gedeckt, die sich vor allem in der Provinz Guangdong konzentrieren. Nach Angaben der "China Building Materials Daily" stieg die Produktion von Sanitärkeramik in den ersten elf Monaten 2007 im Vergleich zum Vorjahr um fast 22 Prozent. Um preislich für einheimische Kunden attraktiv zu bleiben, produzieren internationale Anbieter inzwischen vor Ort. Gemäß "Asian Ceramics" soll rund ein Drittel der inländisch verkauften Sanitärkeramik aus ihren Fabriken stammen. Die Stärke internationaler Anbieter liegt bislang im Design. Allerdings holen einheimische Konkurrenten in diesem Bereich schnell auf. Auch die Produktion von Keramikplatten legte deutlich zu. So wurden gemäß der "China Building Materials Federation" in den ersten elf Monaten 2007 mit 5,08 Milliarden m2 Fliesen rund 20 Prozent mehr hergestellt als im Vorjahreszeitraum. Fensterbau In China setzen sich verstärkt Kunststofffenster durch. Nach Einschätzung der "China Construction Metal Structure Association" (CCMSA) dürften 2007 rund 250 m2 Kunststofffenster und -türen produziert worden sein. Das wäre ein Anstieg um über 40 Prozent im Vergleich zu 2006. Laut CCMSA soll sich der Marktanteil von Kunststofffenstern mittlerweile auf rund 60 Prozent belaufen. Neue Impulse dürften dabei vom überarbeiteten Energieeinspargesetz und der weiteren Etablierung und Umsetzung von Energieeinsparstandards in Gebäuden ausgehen. Während internationale Anbieter der lokalen Konkurrenz steigende Qualität bei der Herstellung von beispielsweise Metallprofilen oder Scharnieren bescheinigen, mangelt es ihrer Ansicht nach bei der Fensterproduktion häufig noch an Passgenauigkeit und präziser Abstimmung der einzelnen Komponenten aufeinander. Einige deutsche Hersteller produzieren daher bereits vor Ort. Ihre Produkte werden aufgrund des deutlichen Preisunterschieds in der Regel in Luxusapartment- und Villenprojekten eingesetzt. Nach Angaben der "China Building Materials Daily" könnte sich Chinas Markt für Fenster und Türen bei einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 11 Prozent pro Jahr bis 2011 auf rund 195 Milliarden RMB belaufen. Die Nachfrage des privaten Wohnungsbaus könnte demnach 2011 etwa 77 Milliarden RMB erreichen. Etwa drei Fünftel der Nachfrage dürfte auf den Nicht-Wohnungsbau entfallen. Nach Darstellung der "Consumption Daily" (Xiaofei Ribao) soll sich der Bedarf an Fenstern und Türen in den nächsten zehn Jahren pro Jahr mengenmäßig auf etwa 500 bis 600 Millionen m2 belaufen. Insgesamt schätzt der CCMSA den Markt für im Baubereich eingesetzte Metallprodukte (Fensterrahmen, Scharniere,Verbindungen, Profile usw.) auf jährlich rund 10 Milliarden RMB, wobei etwa 70 Prozent auf inländische Produkte entfallen dürften. Glas Das Bestreben, die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, führt auch zur Renovierung alter Glasfassaden. So beabsichtigt nach einem Bericht der "China Construction News" (Zhongguo Jianshe Bao) vom November 2007 Shanghai, die Einfachglasfassaden von 545 Gebäuden zu renovieren. Insgesamt müssen laut Einschätzung der Stadtregierung etwa 2.200 Gebäude mit Glasfassaden, die vor 2004 gebaut wurden, renoviert werden. Für die Renovierung empfehlen einige Bauexperten, die bestehenden Glasfassaden zu beschichten, um bessere Energieeffizienzwerte zu erzielen und nicht die gesamten Fassaden abzureißen. Insgesamt nehmen in der Glasproduktion Überkapazitäten zu. Allein 2007 gingen nach Darstellung der "China Building Material Daily" rund 10 Flachglasproduktionslinien in Betrieb, weitere 30 befinden sichd erzeit in Planung oder Bau. Etwa 15 Prozent der Produktion gehen bislang in den Export. Nach Einschätzung des Fachblatts dürfte Chinas Bauindustrie 2007 über 50 Millionen m2 transparentes Isolierglas und rund 6 Millionen m2 beschichtetes Niedrigenergieglas eingesetzt haben. | |
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