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Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  7/2008 vom 1. Juli 2008

Japan - Flügge in Luft- und Raumfahrt

Von Dr. Jürgen Maurer, bfai-Korrespondent in Tokio.

Japan facht den Wettbewerb im Luft- und Raumfahrtbereich an. Bislang hauptsächlich Zulieferer,wollen sich die einheimischen Unternehmen zusätzlich als aktive Mitspieler im Markt für Regionalflugzeuge und kommerzielle Satellitenstarts positionieren. Daher ist zu erwarten, dass auch die Nachfrage nach Ausrüstung und Vorprodukten zunimmt. Denn die Unternehmen des Inselreichs werden nicht nur stärker als Lieferanten für europäische und US-amerikanische Flugzeugbauer, sondern auch durch die inländische Produktion in Anspruch genommen.
Anfang Juni 2008 dockte das japanische Forschungslabormodul namens "Kibo" (deutsch: Hoffnung) an der Internationalen Raumstation an. Im März 2008 gab Mitsubishi Heavy Industries offiziell bekannt, die Entwicklung eines Regionaljets in die Tat umzusetzen. Und im Februar startete erfolgreich die 14. Trägerrakete vom Typ H-2A, die einen japanischen Satelliten in die Erdumlaufbahn brachte.
Zudem verabschiedete im Mai das Parlament ein Gesetz, den Weltraum für militärische Verteidigungszwecke zu nutzen. Dies betrifft insbesondere die Stationierung von Überwachungssatelliten. Damit wandelt sich Japans Rolle vom Zulieferer und Partner zu einem direkteren Mitspieler in der internationalen Luft- und Raumfahrt.
Japanische Unternehmen wollen als Konkurrenten in den Märkten für kommerzielle Satellitenstarts und Regionalflugzeuge auftreten und ihre schon starke Position als Lieferanten von Komponenten, Turbinenteilen und Lizenzfertiger noch ausbauen. Umgekehrt werden sie auch als Kunden für die Anbieter von Ausrüstung, Teilen und Werkstoffen interessanter.
Im Jahr 2006 importierte Japan Ausrüstung, Maschinen und Teile für die Luft- und Raumfahrt im Wert von 1.058 Milliarden Yen. Davon entfielen 909 Milliarden Yen auf Lieferungen aus den USA, 99 Milliarden Yen auf Einfuhren aus Europa und der Rest auf Kanada. Gleichzeitig exportierte Japan insgesamt 410 Milliarden Yen an Branchenprodukten, wovon 269,4 Milliarden Yen in die USA, 73,1 Milliarden Yen nach Europa und 43 Milliarden Yen nach Kanada ausgeführt wurden, so letztverfügbare detaillierte Zahlen der Society of Japanese Aerospace Companies (SJAC).
Am Gesamtumsatz machte die Luftfahrt mit mehr als 80 Prozent den Löwenanteil aus. Im Jahr 2007 beliefen sich die Produktion und Reparaturleistungen in der japanischen Luftfahrtbranche auf 1.102 Milliarden Yen (6,86 Mrd. Euro, 1 Euro = 160,65 Yen, 3-Monatsmittel Interbankenkurs). Damit ging es der einheimischen Branche etwas schlechter als 2006, insbesondere weil die Nachfrage des Verteidigungsbereichs deutlich absackte.
Schon gegenwärtig wichtiger als die Verteidigungsnachfrage, gewinnt der zivile Luftfahrtbereich zunehmend an Bedeutung. Dazu tragen die Aufträge des US-amerikanischen Unternehmens Boeing bei, die für einen hohen Anteilan der Produktion japanischer Hersteller von Flugzeugkomponenten und Motoren stehen. Auch das europäische Airbus-Konsortium greift zur Erzeugung seiner Modellpalette zunehmend auf japanische Lieferanten zurück. Beim A380-Projekt sind es nicht weniger als 20 Firmen, die daran mitwirken. Und für den A350 will Airbus etwa 5 Prozent der Teile von Japan beziehen, was verglichen mit den 35 Prozent Teilezulieferung für die Boeing 787 bescheiden wirkt.

Angesichts steigender Kraftstoffkosten und Klimaschutzanforderungen werden umweltfreundliche Flugzeugegefragt. Bei leichten und stabilen Verbundwerkstoffen, präziser Metallverarbeitung sowie effizienten Flugzeugturbinen gehören japanische Hersteller zu den führenden Anbietern weltweit. Neben Mitsubishi Heavy Industries sind einige der Unternehmen, wie Fuji Heavy Industries, Kawasaki Heavy Industries, IHI, Bridgestone, Teijin und Toray schon gut im Geschäft.
Jedoch ist Mitsubishi Heavy Industries in Japans Luft- und Raumfahrtbranche der entscheidende Player. Das Unternehmen zeichnet sowohl für den Bau der Trägerraketen wie auch des künftigen Regionaljets verantwortlich. Etwa 2012/13 sollen die ersten Regionaljets von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) ausgeliefert werden. Anfang April 2008 erfolgte die Gründung einer eigenen Gesellschaft, der Mitsubishi Aircraft Corp., für den neuen Geschäftszweig, bei der aber auch andere japanische Partner mit im Cockpit sitzen.
Seit Ende 2002 liegt der Bau und seit Mitte 2007 auch der Start von Trägerraketen in der privatwirtschaftlichen Verantwortung von Mitsubishi Heavy Industries. Das Unternehmen erwartet 2009 den ersten kommerziellen Start eines Satelliten durchführen zu können, nachdem es die Kosten auf ein internationales Preisniveau gesenkt hat. Zusätzlich zum Satellitenträgergeschäft ist ein weitergehendes Ziel, bis 2025 eine bemannte Mondlandung zu verwirklichen.
Auch wenn sich die Privatwirtschaft stark engagiert, erhält die Luft- und Raumfahrtbranche doch von staatlicher Seite weiter finanzielle Rückendeckung, um eine tragfähige Industrie zu schaffen. So hat das Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) zugesagt, sich an den Entwicklungskosten des Regionaljets mit etwa 50 Milliarden Yen zu beteiligen.Und für das Fiskaljahr 2008 wurden bereits 6,9 Milliarden Yen für Raumfahrtprojekte, insbesondere für die Entwicklung von Satellitentechnologie, im Haushalt bereitgestellt.
Mehr als 2,8 Milliarden US-Dollar und über zwei Jahrzehnte hat Japan in die Entwicklung seines Weltraumlabors "Kibo"gesteckt, das Anfang Juni 2008 an der internationalen Raumstation angedockt wurde. Vor dem Hintergrund der Meilensteine 2008 wird Japan vom 1. bis 5. Oktober 2008 die Fachausstellung "Japan International Aerospace Exhibition" auf dem "Pacifico Yokohama"-Messegelände von Yokohama abhalten. Diese Luft- und Raumfahrtmesse findet alle vier Jahre statt.


The Society of Japanese Aerospace Companies
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