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Datum: 2008-12-31 Asien Kurier 7/2008 vom 1. Juli 2008 Malaysia - Erfolg mit Chemikalien Von Thomas Hundt, bfai-Korrespondent in Kuala Lumpur.
Grüne Plantagen säumen die vierspurigen Autobahnen in Malaysia. In der Forstwirtschaft des zwischen Thailand und Singapur gelegenenen Staates domiert die Palmöl-Industrie. Zu den wichtigen lokalen Rohstoffen gehören weithin Öl, Gas und Gummi. Die Einfuhren von chemischen Erzeugnissen nehmen zu. Dies betrifft auch Arzneimittel, bei denen Deutschland hohe Lieferanteile besitzt.
Marktentwicklung und -bedarf Eine tragende Säule der wirtschaftlichen Entwicklung Malaysias ist die Chemieindustrie. Die Investitionsagentur MIDA (“Malaysian Industrial Development Authority”) bezifferte den Absatz der inländischen Branchenunternehmen im Zeitraum Januar bis November 2007 auf 153 Milliarden Ringgit (30,7 Milliarden Euro; 1 Euro = 4,98 Ringgit, 3-Monatsmittel-Interbankenkurs). Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete dies eine Steigerung von knapp 8 Prozent. Die Regierung und das Staatsunternehmen Petronas, das eng mit weltweit führenden Chemieunternehmen zusammenarbeitet, bauen die Petrochemie systematisch aus. Die Verkäufe von raffinierten Erdölprodukten (Naphta, Flüssiggas, Benzin, Kerosin, Heizöl, Schmierölen, Diesel und Bitumen) machten 2007 etwa 71 Milliarden Ringgit aus (+2 Prozent gegenüber 2006). In den kommenden Jahren dürfte der Bedarf an Industriechemikalien mit dem allgemeinen Wachstum im verarbeitenden Gewerbe weiter zunehmen. Die Anbieter von Düngemitteln profitieren von der steigenden Nachfrage in der malaysischen Plantagenwirtschaft und dem Ausbau der landwirtschaftlichen Aktivitäten in anderen südostasiatischen Staaten. Malaysia verfügt über eine breit aufgestellte und wettbewerbsfähige Kunststoffindustrie. Nationale und internationale Konzerne stellen Kunststoffe in Primärformen wie Polyäthylen (PE), Polypropylen (PP), Polyvinylchlorid (PVC) und Polystyren (PS) bereit. Zunehmend nachgefragt sind technische und abbaubare Kunststoffe, wobei ein Teil der benötigten Waren im Land selbst erzeugt wird, ein anderer Teil weiterhin importiert werden muss (z. B. Polyamid und Polykarbonat). Der lokale Absatz von Kunstharzen lag 2007 bei 1,9 Millionen Tonnen. Größter Absatzbereich für den Kunststoffsektor ist das Verpackungswesen, das auf steigende Umweltansprüche reagieren muss. So setzen die Unternehmen zunehmend abbaubare und recycelbare Kunststoffe ein. Die Kunden fragen zunehmend hochwertige Kunststoffe (sogenannte “engineering plastics”) nach. Nach Ansicht der Firma Frost & Sullivan werden innovative Produktlösungen künftig noch stärker gefragt sein, während Standardwaren eher in China und Thailand gefertigt werden. Technische Kunststoffe nehmen unter anderem Hersteller von Kfz-Teilen, die Medizintechnik und Elektroindustrie ab. Fachleute erwarten, dass auch die staatlich geförderte Biotechnologiebranche einen steigenden Bedarf entwickeln wird. Ausländischen Anbietern von Körperpflegemitteln, Kosmetika oder Kunststoffartikeln für den privaten Gebrauch bietet der expandierende organisierte Einzelhandel (z. B. Hyper- und Supermärkte) neue Absatzwege. Die Zunahme des privaten Konsums übertrifft die Wachstumsrate der Gesamtwirtschaft deutlich (2007: Konsum real knapp 12 Prozent; Bruttoinlandsprodukt +6,3 Prozent. Fachleute prognostizieren aufgrund steigender Einkommen und des höheren Wohlstands der Bevölkerung eine in diesem Bereich stark wachsende Nachfrage. Malaysia bietet auch eine gute Basis, um die Märkte anderer südostasiatischer Länder zu erschließen. So erkennen die zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten inzwischen gegenseitig die Zulassungen von Kosmetika an. (Am 1.1.2008 trat das “Asean Harmonized Cosmetic Regulatory Scheme (AHCRS)” in Kraft. www.aseancosmetics.org/docdocs/agreement.pdf). Gute Wachstumsperspektiven bietet der malaysische Arzneimittelmarkt, auf dem ausländische Pharmakonzerne dominieren. Der Inlandsmarkt hatte 2007 ein Volumen von 3,4 Milliarden Ringgit. Die Zuwachsrate gegenüber dem Vorjahr betrug 13 Prozent. Arzneimitteleinfuhren bedienen etwa 65 Prozent der inländischen Nachfrage. Die wichtigsten Pharmaimportgruppen sind Herz- und Kreislaufmedikamente, neuromuskuläre Präparate, Mittel gegen Stoffwechselerkrankungen, Antibiotika sowie Impfstoffe für Menschen und Tiere. Die importierten Medikamente unterliegen überwiegend einem Markenschutz und sind patentiert. Für ausländische Unternehmen dürfte auch der Sektor der Phytopharmaka (Arzneimittel, die aus Pflanzen gewonnen werden) interessant sein, die bei Malaysiern beliebt sind. Produktion und Branchenstruktur In der Petrochemie des Landes sind 41 Unternehmen aktiv. Zu den größten Investoren zählen Petronas, DowChemicals, BP, Amoco, Shell, BASF, Eastman Chemicals, Toray, Mitsubishi, Idemitsu, Polyplastic, Kaneka, Dairen und die Titan Petchem Group. Die Weiterverarbeitung in der “Downstream-Industrie” soll nach Plänen der Regierung in den kommenden Jahren gezielt ausgebaut werden. Die fünf Raffinerien, drei von Petronas sowie von Shell und Esso, und eine GtL-Produktion (Gas-to-Liquids) von Shell verfügen insgesamt über eine Kapazität von 635.000 Barrel pro Tag. Zudem kündigte die Firma Gulf Petroleum aus Qatar im Februar 2008 an, eine weitere Raffinerie und nachgelagerte Petrochemiewerke für 4,6 Milliarden US-Dollar bauen zu wollen. Petronas nimmt Mitte 2008 ein Werk für Basisöle in Betrieb, die als Grundstoff für die Erzeugung von Kfz- und Industrieschmierölen dienen. Die Anlage wird eine Kapazität von 300.000 Jahrestonnen haben. Malaysia gehört auch zu den größten Herstellern von Palmöl, das in der Nahrungsmittel-, Kosmetikindustrie und als Biokraftstoff eingesetzt wird. Der Preis für rohes Palmöl kletterte von etwa 1.900 Ringgit Anfang 2007 auf über 4.000 Ringgit im März 2008. Für die Abnehmer ist das hohe Preisniveau allerdings problematisch. Projekte zum Bau vonBiokraftstoffanlagen müssen verschoben werden. Zwar verfügt das Land über Gummiplantagen, führt Gummi aber auch aus anderen asiatischen Ländern ein. Waren aus diesem Rohstoff vertreibt die verarbeitende Industrie weltweit. Die Geschäftsaussichten sind günstig. Durch Fusionen und Investitionen haben die Firmen im Laufe des Jahres 2007 ihre Wettbewerbsposition gestärkt. Die notwendigen Maschinen und Ausrüstungen beziehen die Unternehmen international. Malaysias Arzneimittelhersteller produzieren Generika, traditionelle Heilmittel und fertigen Produkte im Auftrag ausländischer Pharmaunternehmen. Ende 2007 waren 235 Pharmabetriebe beim Gesundheitsministerium registriert.Sie sind überwiegend klein bis mittelständisch. Davon produzieren 175 traditionelle Medikamente und 60 “moderne” Präparate. Einige internationale Pharmakonzerne produzieren vor Ort, unter anderem Y.S.P. Industries aus Taiwan, Glaxo SmithKline (Großbritannien) und Ranbaxy aus Indien. Die Verkäufe der lokalen Hersteller einschließlich ihrer Exporte beliefen sich 2007 auf etwa 1,3 Milliarden Ringgit (+15 % gegenüber dem Vorjahr). Die inländischen Firmen investieren in ihre Fabriken, um den Richtlinien “Good Manufacturing Practice (GMP)” der EU und der Asean zugenügen. Die Produktion von Basischemikalien verzeichnete im 1. Halbjahr 2007 eine Zunahme von 12 Prozent gegenüber derVorjahresperiode. Am stärksten trug die Erzeugung von Industriegasen dazu bei. Deren Abnehmer im verarbeitenden Gewerbe wie die Stahlverarbeitung, Lebensmittelindustrie, Feinchemie oder Kunden, die Abwasser behandeln, expandieren. Darüber hinaus gibt es 164 Unternehmen, die eine breite Skala unterschiedlichster chemischer Erzeugnisse produzieren (Dünge- und Pflanzenschutzmittel, anorganische Chemikalien etc.). Im Bereich Kunststofferzeugnisse konnte die heimische Industrie 2007 einen Umsatz von 16 Milliarden Ringgit (+3 % gegenüber 2006) erzielen.Wachstumsträger waren steigende Exporte von Plastiktaschen in die EU und die expandierende lokale Nachfrage nach Kunststoffverpackungen. In der Branche waren Anfang 2008 etwa 1.550, meist kleinere und mittelständische Unternehmen mit insgesamt 99.100 Mitarbeitern aktiv. Außenhandel Die Importe von chemischen Erzeugnissen beliefen sich 2007 auf 38,9 Milliarden Ringgit (+11 % gegenüber 2006) Die Chemieindustrie importierte im gleichen Jahr Waren im Wert von 33,2 Milliarden Ringgit aus (2006: 29,1 Milliarden MYR). Die Einfuhren von Kunststofferzeugnissen betrugen im Zeitraum Januar bis November 2007 etwa 5,5 Milliarden Ringgit. ImVorjahreszeitraum hatte Malaysia noch Kunststoffprodukte für 6,5 Milliarden Ringgit aus dem Ausland bezogen. Die Importe in dieser Kategorie stammen vorwiegend aus Japan, der Volksrepublik China, Singapur und den USA. Die Importe von Chemikalien aus Deutschland hatten im Zeitraum Januar bis Oktober 2007 einen Wert von 1,3 Milliarden Ringgit, wobei über das Gesamtjahr betrachtet die 1,5 Milliarden Ringgit teuren Einfuhren aus 2006 noch übertroffen werden dürften. Geschäftspraxis Die Zulassung von pharmazeutischen Produkten ist umfassend geregelt. Wichtigste Regulierungsbehörde ist die "Drug Control Authority" (DCA), die dem Gesundheitsministerium untersteht. Die praktische Überwachung der gesetzlichen Vorschriften nach dem "Sales of Drugs Act" von 1953 (novelliert 1989) und die Kontrolle der Einhaltung des "Standards Good Manufacturing Practice" (GMP) obliegen der Regulierungsbehörde "National Pharmaceutical Control Bureau" (NPCB; www.bpfk.gov.my). Deutsche Institutionen Deutsche Botschaft Kuala Lumpur 26. Stock, Menara Tan & Tan (Building) 207 Jalan Tun Razak 50400 Kuala Lumpur / Malaysia Tel.: 60 3 2170 9666 Fax: 60 3 2161 9800 Email: contact@german-embassy.org.my Web: www.kuala-lumpur.diplo.de Malaysian German Chamber of Commerce (MGCC) Suite 47.01, Level 47 Menara AMBank Geschäftsführer Alexander Stedtfeld 8 Jalan Yap Kwan Seng 50450 Kuala Lumpur / Malaysia Tel.: 60 3 9235 1800 Fax: 60 3 2072 1198 Email: mgcc@mgcc.com.my Web: www.mgcc.com.my | |
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