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Datum: 2008-12-31 Asien Kurier 7/2008 vom 1. Juli 2008 China - Die Subprime-Krise - Segen und Fluch für China ? Von Corinne Abele, bfai-Korrespondentin in Beijing.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, erlebt China die Währungs- und Finanzmarkturbulenzen im Gefolge derImmobilienkrise in den USA nicht nur als Alptraum. Zwar bleibt das Land von den Auswirkungen nicht verschont,doch der Bankensektor ist relativ gering betroffen. Für die seit fünf Jahren ununterbrochen zweistellig wachsendeVolkswirtschaft haben die Folgen der Immobilienkrise in den USA zwar negative, aber auch positive Seiten.
Zu den negativen zählt zweifellos der gewaltige Zufluss spekulativer Gelder. Angesichts des Werteverlusts des US-Dollars - seit 1. Januar 2007 hat er bis zum 1. Mai 2008 gegenüber dem Euro 15,3 Prozent und gegenüber dem Renminbi (RMB) knapp 10,5 Prozent verloren - betrachten einige Anleger das Reich der Mitte als relativ sicheren Hafen. Doch nach wie vor sind die Finanzmärkte wenig flexibel, zahlreiche Finanzmarktprodukte nicht verfügbar und der Zugang zu Krediten eingeschränkt. Außerdem fehlt die Integration in die internationalen Kapitalmärkte. Dennoch erreichten laut dem "State Information Center" allein im 1. Quartal 2008 doppelt soviel Spekulationsgelder die Volksrepublik (85 Mrd. US$)wie im 1. Quartal 2007. Damit erhöht sich der Druck auf die seit dem vergangenen Jahr steigende Inflationsrate. Im 1. Quartal 2008 lag sie bei rund 8 Prozent und erreichte im Februar den bisherigen Höchststand von 8,7 Prozent. Bislang waren vor allem Nahrungsmittel Preistreiber. Doch Experten befürchten angesichts steigender Rohstoffpreise und wachsender Liquidität im Markt eine Ausweitung auf andere Sektoren. Um Liquidität aus dem Markt zu nehmen, hatte China 2007 insgesamt sechs Mal die Leitzinsen erhöht. Im laufenden Jahr blieb dies bislang aus. Ein Grund dafür könnte sein, einen weiteren Anstieg der Spekulationsgelder zu verhindern. Dafür wurde der Mindestreservesatz der Banken zum 20. Mai 2008 auf den Spitzenwert von 16,5 Prozent erhöht. Die Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten infolge der Subprime-Krise haben auch chinesische Anleger getroffen. Der Shanghai Composite Index sank von seinem Hoch im Oktober 2007 von über 6.124 Punkten auf rund 3.500 Mitte Mai 2008. So sehr vor allem Kleinanleger unter der Entwicklung leiden, begreifen dies Finanzanalysten eher als dringend notwendige Marktbereinigung. Damit habe sich die Gefahr des Platzens einer Blase an ChinasAktienmärkten verringert. Eher positiv werten Kenner auch die Auswirkungen auf den Außenhandel. Bereits seit Jahren haben die USA als Absatzmarkt für chinesische Exporteure an Bedeutung verloren. Der Anteil der USA sank von 21,1 Prozent (2003) auf 19,1 Prozent (2007). Im 1. Quartal 2008 ging er weiter auf 17,4 Prozent zurück. Seit Anfang 2007 sinkt der quartalsweise Zuwachs chinesischer Exporte in die USA kontinuierlich. Verstärkt wird dies durch den Währungseffekt. Gleichzeitig fördert der schwächere Dollar die US-Exporte nach China und trägt damit zur Verringerung des großen Überschusses im Handel mit den Vereinigten Staaten bei. Diese Entwicklung wird von inländischen Handelsexperten begrüßt. Zum einen kommt China damit etwas aus der Schusslinie vor allem US-amerikanischer Stimmen, den Renminbi deutlich aufzuwerten. Zum anderen hilft es dem Land, seine Exportstruktur zu diversifizieren. Den geringen Zuwachs der Exporte in die USA im ersten Quartal in Höhe von 5,4 Prozent, haben Exportsteigerungen nach Südkorea (+33,4 %), nach Deutschland (+23,7 %), Indien (+48,1 %) oder Russland (+51,6 %) mehr als wett gemacht. Insgesamt legten die chinesischen Ausfuhren im ersten Quartal 2008 um 21,4 Prozent zu. Die "Chinese Academy of Social Sciences" (CASS) rechnet für das Gesamtjahr 2008 mit einem Anstieg von 19 Prozent. Die jüngste Prognose des chinesischen Handelsministeriums, die den Exportanstieg 2008 auf lediglich 10 Prozent bezifferte, dürfte dagegen zuniedrig sein. Der schwache Dollar sorgt nicht nur für eine Diversifizierung der länderspezifischen Exporte. Er verändert auch die Produktstruktur der Ausfuhr. Zum einen sind gerade die USA ein großer Absatzmarkt für Chinas häufig in Auftragsarbeit gefertigte Billigexporte, der nun kleiner wird. Zu ihnen zählen zum Beispiel Schuhe, Billigtextilien und teilweise Elektrogeräte. Zum anderen frisst der gegenüber dem US-Dollar erstarkende Renminbi die ohnehin niedrigen Gewinnmargen der Billighersteller auf. Ihnen machen bereits steigende Rohstoff- und Arbeitskosten zu schaffen. So legte die Ausfuhr von Schuhen im ersten Quartal 2008 wertmäßig zwar noch um 9,5 Prozent zu, das Volumen fiel jedoch um 5,3 Prozent. Auch die Zunahme von Kleidung und Accessoires fiel in den ersten drei Monaten 2008 mit 14,7 Prozent deutlich geringer aus als im Gesamtjahr 2007 (+20,9 %). Noch scheint es verfrüht, aus der Exportentwicklung des ersten Quartals eine Trendaussage für das gesamte Jahr 2008 abzuleiten. Das erste Quartal war durch Sonderereignisse (Schneestürme im exportorientierten Südchina und ein außergewöhnlich hoher Exportzuwachs im Februar 2007, der die Ergebnisse verzerrt) geprägt. Vom großen Erdbeben am 12. Mai 2008 in der Provinz Sichuan sind hingegen weniger Auswirkungen auf die Exporte im zweiten Quartal 2008 zu erwarten. Dennoch weist eine währungsbereinigte Betrachtung der Entwicklung in den ersten drei Monaten auf einen Rückgang des Exportwachstums hin. Dieser könnte sich im zweiten Halbjahr 2008 fortsetzen, sollte sich die konjunkturelle Abschwächung in den USA verstärken und sich weiter auf andere Volkswirtschaften ausdehnen. Eine schwächere Entwicklung der Exporte allein in die USA dürfte China jedoch durch stärkere Ausfuhren nach Europa und Asien weitgehend ausgleichen können. | |
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