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Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  7/2008 vom 1. Juli 2008

Vietnam - Steigflug bei Personen und Fracht

Von Bernd Schaaf, bfai-Korrespondent in Shanghai.

Parallel zur stürmischen Entwicklung der vietnamesischen Volkswirtschaft expandiert auch der Luftverkehr erheblich. Dies gilt sowohl für den Passagier- als auch für den Frachtsektor. Das Land ist daher gezwungen, in den kommenden Jahren erheblich in den Ausbau seiner Luftfahrt-Infrastruktur sowie seiner Flugzeugflotte zu investieren, will es mit der Dynamik in dieser Branche mithalten.
Seit Jahren legt der vietnamesische Luftfahrtsektor zweistellige Zuwachsraten vor, und Branchenbeobachter schätzen, dass dies auch in Zukunft so sein wird, auch wenn sich die Steigerungsraten leicht abflachen dürften.Unter Druck gelangt die Branche aufgrund der stark steigenden Zahl der Touristenankünfte. Hanoi will dem durchhöhere Investitionen einerseits sowie eine deutliche Deregulierung der Branche andererseits entgegenwirken.
Im Jahr 2007 wurden von vietnamesischen Fluggesellschaften 8,7 Millionen Passagiere befördert, was einem Zuwachs imVergleich zum Vorjahr um 18,9 Prozent entsprach. Mit dieser hohen Steigerungsrate konnte die Luftfrachtsparte nicht mithalten: sie erhöhte ihr Volumen im Vergleich zur Vorperiode um 9,2 Prozent auf 130.000 Tonnen. Wird die Entwicklung im 1. Quartal 2008 zu Grunde gelegt, so dürften die Zuwächse auch im laufenden Jahr im zweistelligen Bereich liegen.
Kamen im Jahr 2000 etwa 2,1 Millionen Auslandstouristen ins Land, so erhöhte sich diese Zahl nach Angaben des "General Statistics Office" bis 2007 auf 4,3 Millionen (+18,0% im Vergleich zum Vorjahr). Mit einem ähnlichen Zuwachs wird auch für 2008 gerechnet, so dass die Fünf-Millionen-Marke erreicht werden könnte.
Dabei nimmt die Luftfahrt in dem südostasiatischen Land - gemessen an der gesamten Beförderung von Personen und Gütern - bislang einen bescheidenen Rang ein. Von den 1,5 Milliarden Passagieren, die 2007 insgesamt landesweit transportiert wurden, entfielen nur rund 0,6 Prozent auf den Luftverkehr. Noch geringer ist der Anteil der Fracht, die per Flugzeug befördert wird. Nur 130.000 Tonnen von den insgesamt knapp 380 Millionen Tonnen, die 2007 transportiert wurden, entfielen auf den Luftverkehr (Anteil: 0,03 Prozent).
Vietnam verfügt über 22 Flughäfen, darunter fünf, die für internationale Flüge ausgelegt sind (Hanoi, Ho Chi Minh City, Danang, Can Tho und Pho Bai). Nach Angaben der "Vietnam Economic Times" ist vorgesehen, in den kommenden Jahren insgesamt 14,2 Milliarden US-Dollar in den Auf- und Ausbau der Flughafeninfrastruktur zu investieren. Geplant sind sowohl die Erweiterung und Modernisierung der vorhandenen Anlagen als auch der Neubau von vier Flughäfen. Vorgesehen ist beispielsweise der Bau eines zweiten Passagierterminals für den internationalen Flughafen Hanoi im Wert von 420 Millionen US-Dollar, während weitere 750 Millionen für den Ausbau des Chu-Lai-Airports in der zentralvietnamesischen Provinz Quang Nam geplant sind. Weitere 250 Millionen US-Dollar sollen zudem in den nahegelegenen Flughafen von Danang fließen.
Die Investitionssummen dürften wohl überwiegend aus dem Lande selbst kommen, auch wenn Vietnam Gelder von der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) erhofft. Hanoi bemühte sich in der Vergangenheit mehrfach, über BOT-Projekte ("Build-Operate-Transfer") an ausländische Investitionen im Luftfahrtsektor zu kommen. Bislang jedoch ohne Erfolg, da man sich über die Modalitäten beim laufenden Betrieb der Airports nicht einigen konnte. Dies gilt zum Beispiel für Fluggebühren, deren Höhe weiterhin vom Ministry of Finance und nicht vom Betreiber selbst festgesetzt werden sollen.
Nun scheint Bewegung in die Szene gekommen zu sein. Presseberichten zufolge wurde jüngst ein Memorandum of Understanding (Absichtserklärung) zwischen dem singapurischen Betreiber "Changi Airports International" (CAI) und der "Middle Airports Authority of Vietnam" (MAA) unterzeichnet. Geplant ist der BOT-Betrieb eines der fünf internationalen Flughäfen des Landes in Phu Bai in der Provinz Thua Thien Hue. Weder die Investitionssumme noch andere Modalitäten des Geschäfts wurden bislang bekannt.
Vietnams Luftfahrt operiert mit drei Fluggesellschaften, die entweder staatlich sind (Vietnam Airlines - VA - sowie der Cargo Carrier Vasco) oder halbstaatlich wie die börsennotierte Pacific Airlines. Diese Unternehmen müssen dringend modernisiert werden. Dies gilt nicht nur für die Flotte (VA will bis 2015 mehr als 20 neue Flugzeuge kaufen), sondern umfasst auch das gesamte Know-how für Dienstleistungen, Buchungssysteme, Wartung und Marketing.
In diesem Bereich will nun Japan Airlines (JAL) in die Bresche springen und den Vietnamesen unter die Arme greifen. JAL erhofft sich von der Unterstützung den Beitritt von Vietnam Airlines in die von ihr dominierte "Oneworld Alliance". Zudem will VA sich inder Region internationalisieren und hat mit der australischen Virgin Blue ein Abkommen unterzeichnet, das den Flugverkehr zwischen den beiden Ländern erleichtern soll.
Pacific Airlines ist unterdessen in Jetstar Pacific Airlines umbenannt worden. Der Schritt erfolgte, nachdem ein Abkommen mit dem "Low-cost"-Ableger der australischen Quantas-Gruppe Jetstar geschlossen wurde. Das Projekt sieht vor, dass Jetstar über ein "Business Service Agreement" der Jetstar Pacific in allen Geschäftsbereichen Know-how transferiert. Quantas, die derzeit 18 Prozent der Anteile von Jetstar Pacific hält, will bis 2010 weitere 12 Prozent erwerben.
Bewegung ist nicht nur bei den bisherigen vietnamesischen Fluggesellschaften zu spüren. Der Wettbewerb wird erheblich zunehmen, wenn, wie geplant, vier weitere private Carrier am Markt auftreten. Einer davon, die Vietjet Air, ist das erste private Flugunternehmen, das jüngst offiziell die Lizenz zum Fliegen erhalten hat. Weitere drei "Player" befinden sich "in der Warteschlange". Air Speed Up will dem Vernehmen nach schon im Oktober 2008 die ersten Flüge anbieten. Auch Phu Quoc Air sowie Saigon Airlines machen sich Hoffnungen, die begehrte Lizenz noch in diesem Jahr in Händen zu halten.