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Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  8/2008 vom 1. August 2008

Singapur - Wasserwirtschaft verfolgt ehrgeizige Ziele

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Singapur möchte mittelfristig zu einem regionalen Zentrum für Wasserwirtschaft werden. In dem Stadtstaat sollen sich Firmen ansiedeln, die aktiv Forschung und Entwicklung von wasserrelevanten Themen betreiben.
Im Rahmen der "Singapore International Water Week" vom 23. bis 27. Juni 2008 fand neben hochkarätig besetzten Forumveranstaltungen auch erstmalig die Messe "Water Expo" statt. Auf ihr wurden 5.000 Besucher erwartet, die das Angebot von 350 Firmen aus mehr als 20 Ländern in Augenschein nahmen. Präsentiert wurde die gesamte Bandbreite branchenrelevanter Produkte, Technologien und neuer Errungenschaften, von Wassergewinnung über Abwasseraufbereitung und Wasserentsalzung bis zur Verteilung. Deutsche Aussteller waren unter anderem auf einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Gemeinschaftsstand vertreten.
Begünstigt durch die außergewöhnliche Ausgangslage Singapurs als Stadtstaat mit sehr begrenzten eigenen Frischwasservorkommen, hat sich dort eine sehr effiziente Wasserwirtschaft entwickelt. Die Wasserversorgung ist dabei zu großen Teilen von den Lieferungen des Nachbarlandes Malaysia abhängig. Um von dieser Abhängigkeit schrittweise loszukommen, hat sich der Staat einiges vorgenommen. Notwendig ist es, neueste technische Entwicklungen anzuwenden, um neue "Wasserquellen" zu erschließen, die Möglichkeiten der Wasserspeicherung durch vernünftiges Management der Reservoirs und Auffangbecken zu erweitern und die Wasserverschwendung einzuschränken.
Der Stadtstaat ist bereits ein "Hub" für regionale Niederlassungen multinationaler Firmen. Jetzt möchte man auch ein sogenannter "Hydrohub" werden, also ein internationales Zentrum für die Wasserwirtschaft. Die Ausrichtung der "International Water Week" sollte dazu beitragen, diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen und die relevanten Entscheidungsträger auf sich aufmerksam zu machen. Firmen sollen zur Ansiedelung bewegt werden, die zu wasserrelevanten Themen Forschung und Entwicklung betreiben. Außerdem möchte man sich als Veranstaltungsort für Messen, Seminare, Symposien und dergleichen aus den entsprechenden Bereichen etablieren.
"Wenn die Welt an Wasser denkt, soll sie automatisch an Singapur denken", wird Tan Gee Paw, der Vorsitzende der staatlichen Wasserbehörde Public Utilities Board (PUB) in örtlichen Medien zitiert. Der Umsatz der Unternehmen der Wasserwirtschaft soll 2015 1,7 Milliarden Singapur-Dollar (S$; fast 800 Mio. Euro; 1 Euro = 2,1333 S$, 3-Monatsmittelkurs) erreichen. Das entspräche einem Anteil von 0,6 Prozent am BIP. Gleichzeitig sollen dann 11.000 Menschen in dem Sektor Beschäftigung finden.
Bis zum Jahr 2011 wird die Regierung mittels der 2006 geschaffenen National Research Foundation umwelt- und wassertechnologisch interessante Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit 330 Millionen S$ unterstützen. Weitere 10 Millionen S$ stehen im gleichen Zeitraum zur Förderung von Start-Up-Firmen des Sektors bereit. In einem sogenannten "Fast-Tech"-Programm stehen diesen jungen Unternehmen, neben der finanziellen Unterstützung, auch etablierte Konzerne als Mentoren zur Seite.
Das Vorhaben, Firmen des Umwelt- und Wassersegments zur Niederlassung in Singapur zu bewegen, scheint von Erfolg gekrönt. Allein 2007 haben sich unter anderem "Schwergewichte" wie Delft Hydraulics, CH2M Hill, GE Water, Black & Veatch und Siemens Water Technologies entweder neu angesiedelt oder zumindest ihr Engagement ausgebaut.
Wie am 23. Juni 2008 bekannt gegeben wurde, hat Siemens Water Technologies einen Wettbewerb zur Entwicklung energiesparenderer Desalinierungsmethoden gewonnen. Ausgeschrieben wurde er vom Environment and Water Industry Development Council (EWI) und ist mit Fördergeldern in Höhe von 4 Millionen S$ dotiert. Die zu entwickelnde Technologie soll Trinkwasser produzieren, das den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entspricht und dabei nicht mehr Strom als 1,5 kWh pro erzeugtem Kubikmeter Trinkwasser verbrauchen. Dies entspricht in etwa der Hälfte der aktuell dafür notwendigen Energie.
Eine der weltweit größten Desalinierungsanlagen steht bereits in Singapur und produziert genügend Trinkwasser, um etwa 10 Prozent des täglichen Wasserbedarfs der Stadt zu decken. Weitere rund 10 Prozent werden durch Brauchwasseraufbereitung abgedeckt. Durch aufwändige Verfahren mittels Membrantechnologie unter Einsatz von Nanofiltration kann seit Anfang der 90er Jahre aus Abwässern reines Trinkwasser erzeugt werden. Es wird hauptsächlich für die industrielle Fertigung genutzt, da die Verbraucher dem sogenannten NEWater noch eher skeptisch begegnen. Ein Problem ist zum Beispiel der veränderte Geschmack, weil bei der Herstellung auch sämtliche Mineralien herausgefiltert werden.
Bis 2011 soll bereits etwa ein Drittel des gesamten Wasserbedarfs durch Wasser aus Entsalzungs- und Wiederaufbereitungsanlagen gedeckt werden können. Außerdem sollen bis dahin knapp zwei Drittel der Landfläche als Regenauffanggebiete zur Verfügung stehen. Allein durch den derzeit im Bau befindlichen Stausee im Rahmen des Marina-Barrage-Projekts können knapp 10 Prozent des Trinkwasserbedarfs abgedeckt werden. Zur Errichtung des Stausees wird durch einen etwa 350 Meter langen Damm der Singapore River von seiner Mündung ins Südchinesische Meer abgeschnitten. Die Bauarbeiten des Projekts sollen bis 2010 abgeschlossen sein. Die ganze Marina-Bay rund um den neuen See von der Größe des Wannsees in Berlin wird in eine riesige Freizeitanlage mit Wassersportmöglichkeiten, Casinos, Hotels weiter ausgebaut.
Abgesehen von diesem "Mega"-Projekt befinden sich noch weitere rund 30 Vorhaben in diversen Planungsstadien, so zum Beispiel der Aufbau eines Wasser-Austausch-Systems, bei dem Wasser aus dem Marina-Bay-Reservoir in ein anderes Reservoir gepumpt wird, um dann als Fließwasser zurück zu gelangen. Eine Liste der geplanten Vorhaben findet sich auf der Homepage von PUB (www.pub.gov.sg/tenders).


Singapore Public Utilities Board
111 Somerset Road #15-01
Singapur 238164

Tel.: 65 6235 8888
Fax: 65 6731 3020
Email: pub_pr@pub.gov.sg
Web: www.pub.gov.sg