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Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  9/2008 vom 1. September 2008

Asien - Business und Entwicklungshilfe - ein Widerspruch ?

Von Horst Rudolf in Bonn.

Nach fast einem halben Jahrhundert deutscher Entwicklungshilfe hat sich einiges verändert, glücklicherweise zum Besseren. Dass man heute garnicht mehr von Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungs-Zusammenarbeit (EZ) spricht, ist mehr als ein Wortspiel. Denn längst haben auch die sogenannten Geberländer festgestellt, dass das Verteilen von Geschenken keine langfristige Lösung ist, sondern dass die Entwicklung, bei der man ärmeren Ländern hilft, durchaus eine rentable Kapitalanlage sein kann.
Schon Willy Brandt hatte im Lauf seines entwicklungspolitischen Engagements erkannt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen kurzfristiger Nothilfe bei Naturkatastrophen, Hungersnöten oder Epidemien und den langfristigen entwicklungspolitischen Aktivitäten in einem Land geben muss. Doch vergingen weitere Jahrzehnte, bis erneut ein SPD-Kanzler, Gerhard Schröder, den Rubikon überschritt und es wagte, den Chinesen beim Bau einer Magnetschwebebahn engagiert zur Seite zu stehen - und zwar mit Finanzspritzen aus dem BMZ.
Natürlich war das kein Modellfall und schon gar keine entwicklungspolitische Weichenstellung. Nur war Kanzler Schröder damals über die Tatsache gestolpert, dass das deutsche Haushaltsrecht dem eigentlich zuständigen Wirtschaftsministerium kein entsprechendes Budget beziehungsweise Instrumentarium für die Wirtschafts- und Handelsförderung in Ländern der Dritten Welt bereitstellte. Daran hat sich leider bis heute wenig geändert, doch mit der schockierenden Zerschlagung dieses Gordischen Knotens hatte der Kanzler zumindest klargestellt, wo ein Handlungsbedarf bestand - und deutsche Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Inzwischen hat sich die Aufregung über diesen "Sündenfall" im Auge der Entwicklungspuristen längst gelegt, und der offizielle Name des BMZ - "Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" - entspricht weitgehend der Realität. Ein Beispiel: erst vor wenigen Wochen bedauert nicht der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, sondern die Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul als erste den Abbruch der WTO-Gespräche in Genf.
Zitat: "Es ist eine Schande, dass sieben Jahre nach Beginn der laufenden Welthandelsrunde immer noch kein Ergebnis erzielt werden konnte. Nach Weltbankschätzungen könnten die Entwicklungsländer durch einen erfolgreichen Abschluss Einkommenszuwächse von bis zu 200 Milliarden US-Dollar erzielen. Diese Chance muss die Weltgemeinschaft nutzen".
Keine Rede mehr von Almosen, sondern die klare Erkenntnis, dass Wirtschaft, Handel und Entwicklung längst zusammengehören, allerdings mit der Klarstellung, dass man nur dann von wirksamer Entwicklungs-Zusammenarbeit sprechen sollte, wenn eine Reihe sinnvoller Kriterien wie Langfristigkeit, Umwelt-Verträglichkeit und Nachhaltigkeit erfüllt werden - unter dem weltweiten Druck zur Globalisierung kann man sich schlicht keine Entwicklungsruinen mehr leisten.
Ausserdem sind es nicht mehr allein die sog. reichen Länder der nördlichen Hemisphäre, die den armen auf der Südhalbkugel helfen. Das "Entwicklungsland" China ist inzwischen der größte Bauherr in Afrika, aus kameltreibenden Beduinen sind perfekt Englisch sprechende Investoren geworden, deren "Southern-Wealth-Funds" zusammen mit den erfolgreichen Asiaten nun die Welt vor einer massiven Wirtschaftskrise bewahren.
'Trotzdem hat die längst modernisierte deutsche "Entwicklungshife" bei vielen Unternehmern und Investoren noch immer ein vergleichsweise veraltertes Imageproblem - und die wenigsten wissen, das der Aufbau einer Existens oder die Gründung von Unternehmen im Ausland längst auch mit Mitteln der deutschen EZ gefördert wird.
Und im Gegensatz zur landesüblichen Meinung gibt es keineswegs nur Kapitalbeteiligungen bei risikoreichen Engagements in der Dritten Welt. Vielmehr hat man inzwischen nicht nur erkannt, sondern auch die Erkenntnis praktisch umgesetzt, dass Wirtschaft und Entwicklung keine Gegensätze, sondern natürliche Verbündete beziehungsweise zwei Seiten einer Münze sind, wenn man es richtig anfasst.
Ein besonders attraktives Beispiel ist die "SEQUA", von der viele von Ihnen, werte Leser, vielleicht wenig oder nichts wissen. Trotzdem weist der Geschäftsführer der "SEQUA" gGmbH mit Sitz in Bonn, Gebhard Weiss, jedes Ansinnen, mit massiver Öffentlichkeitsarbeit den Bekanntheitsgrad dieser Institution zu verbreitern, weit von sich - inzwischen kann man sich die Kunden zumeist aussuchen.
Denn die SEQUA ist zwar ein guter Tip für Unternehmer, die sich in Entwicklungs- oder Schwellenländern engagieren, aber unter Fachleuten längst kein geheimer mehr. Vor allem mit dem Schwerpunktprogramm unter dem Kürzel PPP hat man einen "Renner" als Angelpunkt der Aktivitäten.
Im Gegensatz zu den "verlängerten Armen des BMZ", der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die zwar auch ihre "privatwirtschaftlichen Fenster" haben, jedoch überwiegend politikgesteuert sind, liegt die Basis der SEQUA im privatwirtschaftlichen Sektor.
Früher, als der Name kein Markenzeichen, sondern tatsächlich eine Abkürzung war, stand - qua für berufliche Qualifikation. Doch dies ist heute nur ein Teilbereich der Aktivitäten, wenn auch ein wichtiger. Träger der SEQUA sind die Organisation bzw. Verbände der deutschen Wirtschaft wie der DIHT, der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), sowie BDA und BDI - bestimmt keine Almosen-Spender. Wo liegt also der entwicklungspolitische Ansatz? Gebhard Weiss fasst dies kurz und prägnant zusammen: "wenn ein deutsches Unternehmen ins Ausland geht und dort ein Projekt auf die Beine stellt, das auch der Entwicklung im Land dient, können wir ihn fördern".
Mit inzwischen 500 weltweit durchgeführten Projekten in 90 Ländern hat man nicht nur eine massive Aufbauleistung an unterschiedlichsten Orten vollbracht, sondern inzwischen auch ganz geballte Drittwelt-Projekterfahrung im Haus aufgebaut. Trotzdem, meint der Geschäftsführer "wir ersetzen nicht das Fachwissen des Unternehmers", und dieser muss auch relativ klare Vorstellungen und natürlich eine Gewinnerzielungsabsicht haben.
Eher sieht sich die SEQUA als "Sparrings-Partner" für einen risikofreudigen aber überlegten Unternehmer. "Dabei stehen die Elemente Bildung und Ausbildung häufig im Vordergrund, jedoch nicht ausschließlich." Sehen wir uns ganz praktisch ein typisches aktuelles Projekt der SEQUA an - beispielsweise in Indien.
In enger Zusammenarbeit mit Unternehmen im Raum Bangalore und der dortigen deutsch-indischen Handelskammer bauen die Experten der SEQUA - die in diesem Fall im Rahmen eines PPP-Projektes, das vom BMZ kofinanziert wird, das "Indo-German Training Center" auf. Der Label "PPP" hat sich inzwischen weltweit herumgesprochen und steht für "Private-Public-Partnership", das Organisations-Verfahren für ein entspanntes Zusammenleben von öffentlicher und privater Projekte.
Später werden die SEQUA-Experten das vermitteln, was inzwischen als deutscher Export-Schlager gehandelt wird und weltweit einen guten Ruf genießt: die Kombination von berufsbezogener Praxis und theoretischem Lehrstoff, bei uns weitgehend unter dem Begriff duale Ausbildung bekannt. In Bangalore sollen sich dann junge indische Fachkräfte aus den Bereichen Industrie und Dienstleistungen in "Unternehmerischer Betriebsführung" fortbilden und qualifizieren.
Mit dem Projektaufbau endet das Engagement jedoch keineswegs - wie häufig bei der SEQUA. Die ehrgeizige deutsch-indische Handelskammer möchte das Vorhaben anschließend modellhaft in der Region Bangalore einführen. In späteren Ausbaustufen und über die gut ausgebaute Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) soll das Modellprojekt dann im südlichen Indien "multipliziert" werden.
Wie schon einige Vorgänger hat auch dieses Vorhaben hohe Erfolgsaussichten, denn in Indien - und nicht nur dort - kommen die jungen zukünftigen Fachleute zwar mit Diplomen, viel Motivation, mathematischen Formeln und Theorien im Kopf auf den Arbeitsmarkt, aber "sie haben einfach keine Vorstellung davon, was es heißt, dieses Wissen im Unternehmensalltag in die Praxis umzusetzen".
Gebhard Weiss und seine Mitarbeiter in Bonn kennen inzwischen die spezifischen Unterschiede und Ansätze auf den meisten Kontinenten. Doch besonders stolz ist man - neben der Tatsache, dass SEQUA natürlich noch ein weit umfassenderes Instrumentarium als das obige Beipiel bereithält - dass die Kunden nicht irgendwelche Staatsbeamte, sondern Unternehmer in der beinharten Realität der Drittwelt-Investitionen sind - und die verlangen greif- und rechenbare Erfolge.
Denn bei der jüngsten Befragung der Auftraggeber gab es nicht nur einen hohen Anteil von Rückmeldungen - sondern vor allem waren fast 90 Prozent der Antworter der Überzeugung, "sie würden ähnliche Projekte wieder mit SEQUA machen". Nicht nur der Bundesrechnungshof, sondern auch das BMZ können aufatmen, denn so gut hat die Zusammenarbeit zwischen Business und Entwicklungshilfe schon lange nicht funktioniert.

SEQUA gGmbh
Geschäftsführer Gebhard Weiss
Alexanderstr. 10
53111 Bonn
Tel.: 49 228 98230 0
Email: gebhard.weiss@sequa.de
Web: www.sequa.de