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Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  vom 1. Oktober 2008

Japan - Unternehmen intensivieren mobilen eCommerce

Von Dr. Jürgen Maurer, bfai-Korrespondent in Tokio.

Wenn Unternehmen in Japan verkaufen wollen, kommen sie um ein gutes Online-Angebot kaum noch herum, denn ein zunehmender Teil der Shopping-Aktivitäten von Konsumenten findet über das Internet statt. Und hier wiederum gewinnt das Einkaufen über Mobiltelefone eine zunehmende Bedeutung, da diese Geräte für Japaner eine zentrale Rolle im Alltag spielen. Darauf müssen sich die Unternehmen einstellen und entwickeln neue Technologien, Anwendungen und Dienste, die das Mobiltelefon als Allzweckinstrument einsetzbar machen.
Machte das Einkaufen über Mobiltelefone 2007 rund 6 Prozent des gesamten Online-Shopping-Umsatzes aus, so soll sich dieser Anteil bis 2012 auf etwa 20 Prozent mehr als verdreifachen, so die Prognose des Nomura Research Institute. Nach einer Untersuchung des Forschungsinstituts hat das Einkaufen über Mobiltelefone 2007 um 37,2 Prozent auf rund 715 Milliarden Yen (circa 4,3 Mrd. Euro, 1 Euro = 164,7 Yen, 3-Monatsmittelkurs) zugelegt.
Wie eine vom Ministry of Economy, Trade and Industry (Meti) jährlich durchgeführte Befragung ergab,
erreichte der Online-Umsatz im Business-to-Consumer-Bereich 2007 rund 5.300 Milliarden Yen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies einen Zuwachs von 21,7 Prozent. An der Befragung des Meti nahmen 1.136 Personen über Telefon und Internet teil.
Das mobile Shopping stieg deutlich stärker als die Internetkäufe über Heimcomputer, die um 20 Prozent
expandierten - eine Tendenz, die sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen soll. Die rasche Entwicklung der Mobiltelefone haben die technischen Rahmenbedingungen für das mobile Einkaufen verbessert. So sind diese mittlerweile zu leistungsfähigen Minicomputern geworden und können Bilddaten mit hoher Geschwindigkeit empfangen.
In Japan lag die Zahl der Nutzer von Mobilkommunikationsdiensten Ende Juni 2008 bei circa 103,6 Millionen Kunden, so Angaben der Telecommunications Carrier Association (TCA). Dabei sind gegenwärtig etwa 90 Prozent der Mobiltelefone internetfähige Geräte, 75 Prozent können digitales Fernsehen empfangen. Gleichzeitig haben vergleichsweise günstige Einheitstarife für die Übertragung dazu beigetragen, dass die Nutzungshürden relativ niedrig sind.
Bei Rakuten, der größten virtuellen Shopping-Mall, hat sich der Anteil der Verkäufe über Mobiltelefone 2007 gegenüber dem Vorjahr auf 15 Prozent nahezu verdoppelt. Um den Kunden das Online-Einkaufen noch weiter zu erleichtern, ist Rakuten Anfang August 2008 eine Kapital- und Geschäftsallianz mit der Internetbank eBank eingegangen. Damit offeriert das Portal nun eine ganze Palette finanzieller Dienste, wie Konsumkreditvermittlung und Maklergeschäfte.
Zu den relativ neuen Angeboten gehören auch eCommerce-Dienste, die über das mobile Fernsehen verbreitet werden. In diesem Segment ist Rakuten mit dem TV-Portal Service Corp., einem Gemeinschaftsunternehmen von Sony, Panasonic und drei anderen Herstellern, Ende 2007 eine Partnerschaft eingegangen. Ziel ist, dass Kunden während Werbeeinstrahlungen direkt über ihr Mobiltelefonbestellen können.
Um an der starken Expansion des mobilen Einkaufens teilzuhaben, sind auch die anderen großen virtuellen Shop-Anbieter, wie Yahoo Japan und Amazon Japan dabei, ihre Eintrittsportale für Mobiltelefonenutzer freundlicher zu machen. Dabei kann sich Yahoo Japan auf den Mobilkommunikationsanbieter Softbank stützen, der Großaktionär des Suchdienstes ist und Partner mit starken Ambitionen.
Allianzen zwischen Internet- und Suchmaschinenanbietern, Telekommunikationsunternehmen und Elektronikherstellern werden zunehmen. Zusammen mit den Erzeugern von Inhalten, Werbefirmen, Bankenund den Güterherstellern bauen sie den mobilen eCommerce in Japan massiv aus.
Der Gesamtumsatz für Online-Mobiltelefon-Dienste hat 2007, gemäß Zahlen des Ministry of Internal Affairsand Communications, die 1.000-Milliarden-Yen-Marke übertroffen. Darin enthalten sind mobiler eCommerce und Inhalte-orientierte Dienste, wie das Herunterladen von Musik, Spielen und Bildern. Das Überschreiten der 2.000-Milliarden-Yen-Marke dürfte nicht lange auf sich warten lassen.


Ministry of Economy, Trade and Industry (Meti)
Commerce and Information Policy Bureau
Information Economy Division
1-3-1, Kasumigaseki, Chiyoda-ku
Tokyo 100-8901, Japan
Tel.: 81 3 3501 0397
Web: www.meti.go.jp/english