Asien Kurier - Wirtschaft und Politik in Asien
⇒  Zur Homepage vom Asien Kurier
⇒  Zur Einzelartikelliste vom Asien Kurier
⇒  Das PDF-Magazin kostenfrei bestellen.


Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  vom 1. Oktober 2008

China - Telekommunikationssektor wird restrukturiert

Von Achim Haug, bfai-Redakteur in Köln.

Eine Konsolidierung der großen Netzbetreiber haben die politischen Herren der Volksrepublik China beschlossen, um den Wettbewerb zu beleben. Aus ehemals sechs werden drei große Telekommunikationsanbieter geschmiedet. China Unicom und China Telecom gehen gestärkt hervor, China Mobile dürfte der Verlierer der Reform sein.
Im Mai 2008 wurde eine Reform der chinesischen Telekommunikationsanbieter bekannt gegeben, nach der die drei großen - China Mobile, China Telecom, China Unicom - übrig bleiben sollen. Der Ausbau des Mobilfunkstandards für schnelle drahtlose Dienste der dritten Generation, kurz "3G", soll parallel vorangetrieben werden. Gemäß der "Mitteilung über die Vertiefung der Reform des Telekommunikationssektors" vom 24. Mai 2008 sollen nach Abschluss der Reorganisation die 3G-Lizenzen ausgegeben werden. Experten sehen Ausrüstungsanbieter als die großen Gewinner der Lizenzvergabe. Neben den speziell für den chinesischen Standard entwickelten Geräten kann bei Einführung der internationalen Standards auch solche Technologie abgesetzt werden.
China Mobile, weltweit nach Marktkapitalisierung und Nutzerzahl der größte Mobilfunkanbieter, wird sein 3G-Netz auf dem in China entwickelten Standard TD-SCDMA aufbauen. Die innerchinesischen
Konkurrenten werden voraussichtlich den europäischen WCDMA- oder den amerikanischen CDMA2000-Standard nutzen. Anfang September 2008 wurden Stimmen aus dem Management von China Mobile laut, die den china-eigenen Standard als überholt bezeichneten. Nun werden Spekulationen angestellt, das Unternehmen könne auf verschiedene Standards parallel zurückgreifen.
Das Eingeständnis der Schwächen von TD-SCDMA ist nicht neu, kommt aber zu einem Zeitpunkt, an dem die Umstrukturierung in der chinesischen Industrie in vollem Gang ist und die Konkurrenten China Unicomund China Telecom die Vormachtstellung des Marktführers angreifen.
Vor allem China Unicom erhofft sich von den Veränderungen einen Vorteil. Im Zuge der Reform wird der Mobilfunkbetreiber den Festnetzanbieter China Netcom durch einen Share-Swap übernehmen. Das neue Unternehmen wird insgesamt 260 Millionen Kunden haben, davon mehr als 100 Millionen CDMA-Mobilnutzer sowie rund 100 Millionen Festanschluss- und 20 Millionen Breitbandkunden. Gemeinsam würden chinaweit 18.000 Verkaufsstellen betrieben. Der Vollzug der Fusion ist auf Ende 2008 anvisiert, ein Jahr später soll die Integration der Unternehmen abgeschlossen sein.
Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins "Caijing" wird das neue Unternehmen voraussichtlich nach Abschluss der Fusion eine Lizenz für die Nutzung von WCDMA für seinen 3G-Drahtlosservice erhalten. Mit dem international gängigsten Standard hätte das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber China Mobile errungen. China Unicom geht davon aus, dass künftig rund ein Drittel seines Kundenvolumens aus 3G-Anschlüssen bestehen dürfte und beansprucht einen Spitzenplatz in der Sparte. Zwischen 2008 und 2010 sollen über 100 Milliarden Renminbi Yuan (ca. 9,5 Mrd. Euro, 1 Euro = 10,47 Renminbi Yuan, 3-Monatsmittelkurs) in die weitere Entwicklung der Dienste fließen. Trotzdem gehen Analysten davon aus, dass China Mobile seine Vormachtstellung in den nächsten Jahren behalten dürfte. Derzeit kontrolliert das Unternehmen rund 70 Prozent des Mobilmarktes in der Volksrepublik. Aufgrund von Steigerungen unter anderem im Value-added-services Geschäft und bei Sprachdiensten sowie einer wachsenden Kundenzahl konnte im 1. Halbjahr 2008 der Gewinn um 45 Prozent gesteigert werden.
Bislang hat China Mobile 15 Milliarden Renminbi für Testläufe von TD-SCDMA ausgegeben und etwa 15.000 Basisstationen errichtet. Das Unternehmen plant weitere Investitionen, um bis Juni 2009 in 38 chinesischen Städten den Standard anbieten zu können.
Die Übernahme des Festnetzbetreibers China Tietong wird keinen wesentlichen Einfluss auf China Mobile haben, da nur rund ein Viertel zusätzliche Kunden warten. China Telecom hat während dessen für die für 110 Millionen Renminbi zu übernehmende CDMA-Sparte von China Unicom eine eigene Tochter, Tianyi, gegründet. Aus den derzeit 43 Millionen CDMA-Kunden von China Telecom sollen in drei Jahren 100 Millionen werden, wird ein Unternehmenssprecher zitiert. Für den neuen Bereich wurden nach Pressemeldungen bereits 5 Millionen CDMA-fähige Mobiltelefone der Anbieter Samsung, ZTE, Hisense, Amoi und Huawei eingekauft. WeitereAusschreibungen stehen an.
Stark ist China Telecom dagegen im Festnetzgeschäft mit 215 Millionen Kunden und rund 40 Millionen Nutzern von Breitbandanschlüssen. Da in der Volksrepublik das Geschäft mit Festanschlüssen seit einiger Zeitbeständig nach unten zeigt, braucht der Anbieter dringend neue Impulse. Im 1. Halbjahr 2008 fielen der Nettogewinn um 8 Prozent auf 12,6 Milliarden Renminbi. China Telecom erhofft sich bis 2010 einen Anteil von 15 Prozent am 3G-Markt.
Der chinesische Standard TD-SCDMA wurde seit 2001 von den Firmen Alcatel Shanghai Bell und Datang Mobile in Zusammenarbeit mit Siemens entwickelt. Um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern, erhielt das Projekt großzügige staatliche Unterstützung. Ausländische Anbieter haben indessen auf den eigenen Standard reagiert. So hat Ericsson in Kooperation mit dem chinesischen ZTE eine eigene TD-SCDMA Base Station im August 2008 eingeführt. Wesentlich früher trat TD Tec, ein Joint-Venture von Siemens und Huawei, mit einer Basisstation auf den Plan.
Im April 2008 wurde mit Testläufen in acht ausgewählten Städten begonnen. Bislang war die Reaktion auf die offizielle Präsentation während der Olympischen Spiele verhalten. China Mobile denkt derzeit über einen Mietservice für 3G-Geräte nach. Hisense hat unterdessen die größte Produktionslinie für TD-SCDMA Mobilgeräte mit einer Kapazität von jährlich 500.000 Einheiten eröffnet.
Eine grundsätzliche Neuordnung der Industrielenkung wurde verpasst, weiterhin bleibt die State Administration for Radio, Film and Television (SARFT) zuständig. Ein möglicher Zuschlag der Kompetenz für Medien zu dem neuen Superministerium für Industrie und Information (MII) wurde regierungsintern verworfen. Neben der Umstrukturierung werden auch regulatorische Änderungen zur Stärkung des Wettbewerbs erwogen. So könnte die freie Rufnummernmitnahme zukünftig gesetzlich verordnet werden. Durch diese Beschränkung kann sich China Mobile bislang seiner Nutzerbasis relativ sicher sein.


TD-SCDMA Industry Alliance
Lixiang International Building 918
58 Beisihuan West Road
10080 Beijing, VR China
Tel.: 86 10 826074 90
Fax: 86 10 826074 98
Web: www.tdscdma-alliance.org/english