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Datum: 2008-12-31

Asien Kurier  vom 1. Oktober 2008

VAE - Müllprofis gesucht

Von Martin Böll, bfai-Redakteur in Dubai.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben ein Müllproblem. Wurde bisher der Abfall vor allem in der Wüste entsorgt, fürchtet die Regierung nun toxische Stoffe, die in das Grundwasser sickern oder vom Wind über das Land verweht werden könnten.
Alleine vor der VAE-Hauptstadt Abu Dhabi liegen sechs sich lang hinstreckende Mülldeponien, in die seit Jahren unkontrolliert Chemie-, Haushalts- und Industrieabfälle sowie Bauschutt und landwirtschaftliche Pestizide abgeladen werden. In einer Müllhalde lagert sogar militärischer Schrott. Zuverlässige Aufzeichnungen über den Inhalt der Deponien gibt es dem Vernehmen nach nicht. Ebenso gab es bislang keine Bemühungen, die Deponien vor auslaufenden Chemikalien zu schützen.
Zuerst ist das Umweltschutzamt an einer Ist-Analyse beziehungsweise Bestandsaufnahme interessiert, so Majid alMansouri, Generalsekretär der Behörde von Abu Dhabi, der die Aufgabe hat, die städtischen Deponien zu sanieren. Als erstes wird er nun Beraterunternehmen beauftragen, die das Ausmaß der Verschmutzung in und um die Deponien herum feststellen. "Wenn wir genau wissen, mit welchem Müll wir es zu tun haben, können wir spezialisierte Unternehmen beauftragen, die Halden zu sanieren," sagt Dr. Bader al Harahsheh, Chef des Abu Dhabi Waste Management Centre, der zuständigen Stadtbehörde.
Alleine die Lösung der Müllprobleme von Abu Dhabi werde eine Aufgabe von außergewöhnlichen Ausmaßen, sagen Beobachter, und potenziell ein Millionen-Dollar-Geschäft für ausländische Spezialfirmen. Dabei ist nicht nur die Zusammensetzung des Mülls ein Riesenproblem, sondern auch die schiere Menge. Die größte Deponie, Al Dharfa, ist schon ein Vierteljahrhundert in Betrieb und dürfte, schreibt die Tageszeitung "The National", die sechsfache Größe der City von London erreicht haben. Jeden Tag kämen mindestens weitere 20.000 Tonnen Abfall hinzu, schreibt das Blatt. Schätzungen der Umweltschutzbehörde zufolge produziert jeder Einwohner von Abu Dhabi täglich 2,3 kg Müll. Zum Vergleich: Im Freiburg waren es 2006 nur 376 Gramm - und selbst Deutschlands Spitzenreiter Köln fabrizierte nur ein Kilogramm.
Führender Müllproduzent in den VAE ist die Bauwirtschaft. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Emirates Business" zufolge fielen 2007 alleine in Dubai etwa 28 Millionen Tonnen Bauabfälle und -schutt an, im Durchschnitt 76.000 Tonnen/Tag. Im Jahr zuvor waren es "nur" 10,5 Millionen Tonnen Nur ein geringer Teil des Bauschutts wird wiederverwertet. So wurde 2007 ein öffentlich-privates Joint-Venture unter Beteiligung der Al Rostamani-Gruppe initiiert, das in Al Lusaily Bauschutt recyceln will. Hintergrund des hohen Schuttaufkommens ist die rasante Bautätigkeit und die bislang geringe Lebenserwartung eines Gebäudes, das meist schon nach 25Jahren wieder abgerissen wird.
Als Hauptproduzent von gefährlichem Müll gilt die Ölindustrie: Ölhaltiges Bohrklein und Bohrschmand (bei der Ölbohrung entstehender Abfall), Altöl, Katalysatoren, Korrosionsschutzmittel und Laborchemikalien wandern auch gerne auf die Kippe. Die Landwirtschaft, die mit großen Mengen Dünger und Pestiziden arbeitet, trägt ihren Teil zum Gefahrenmüll bei.
Und dann ist da noch der Hausmüll, der zwar geringere Schadstoffmengen liefert, aber dennoch nicht zu unterschätzen ist: So werden in den VAE weiterhin Batterien, Medikamente, Computer und Handys einfach in die Mülltonne geworfen. Zwar gibt es gelegentlich Initiativen, in deren Rahmen propagiert wird, alte Handys in einer Tankstelle oder obsolete Computer bei einer städtischen Annahmestelle abzugeben, effektiv sind diese Aktionen bislang aber nicht. Wer begibt sich schon freiwillig in den ständigen Verkehrsstau, wenn er seinen Elektronikschrott ganz legal in seinem Müllcontainer entsorgen kann.
Abu Dhabi will zunächst in Al Darfra eine sichere Deponie bauen, von der nichts mehr ins Grundwasser gelangen kann. In einer Recyclinganlage für Haushaltsmüll, die in Al Mafraq eingerichtet wird, sollen wiederverwertbare Stoffe aussortiert werden. Die Anlage ist auf 2.500 Tagestonnen ausgelegt und wird im dritten Quartal 2009 ihren Betrieb aufnehmen. Die Investitionskosten werden mit etwa 330 Millionen US-Dollar angegeben.
Die Nachbarstadt Dubai, mit 40.000 Tonnen Müll am Tag ein Spitzenproduzent, ist nach eigenen Angaben schon weiter und hat mit verschiedenen privaten Betrieben Gemeinschaftsunternehmen auf BOOT-Basis (build, own, operate, transfer) gegründet. Dazu zählen die Tadweer, die Zenath-Gruppe (gehört zur ETAStar-Gruppe) und die Al Serkal-Gruppe, die Hausmüll, medizinische Abfälle und verbrauchtes Speisefett fachgerecht entsorgen. Tadweer hat bereits im März 2006 eine 136 Millionen US-Dollar teure Anlage für dieEntsorgung von 4.000 Tagestonnen Hausmüll in Betrieb genommen. Zenath baut an einer Verbrennungsanlage für medizinischen Abfall, die Ende 2009 ihren Betrieb aufnehmen und 20 Tonnen am Tag entsorgen soll.
Das Müllproblem der VAE ist ein Problem in den gesamten Golfstaaten. Alle haben es quasi über Nacht zu unermesslichem Reichtum gebracht und geben das Geld mit vollen Händen aus. Konsum wird großgeschrieben, Ausbildung hingegen noch klein. Ein Umweltbewusstsein oder ein gesunder Respekt vorden natürlichen Ressourcen des Landes sind erst wenig ausgeprägt. Die Vorstellung, Hausmüll zu sortieren, ein Pfandsystem für Flaschen einzuführen, auf Plastiktüten zu verzichten, erscheint den meisten Einwohnern der Golfstaaten absurd.
Mit genau dem Gedanken aber sollen sich die Einwohner der VAE nun langsam anfreunden. An einigen Bushaltestellen von Dubai finden sich seit kurzem Abfallbehälter, die nach Papier, Flaschen und Restmüll unterscheiden. Auch wenn sie, so ist zu hören, bislang noch nicht angenommen werden - es ist immerhin ein erster bescheidener Schritt, mit dem die Stadtverwaltung ein Zeichen setzen will. Auch das schwedische Möbelhaus IKEA will einen Beitrag liefern und hat in seinem Parkhaus Sammelbehälter für alte Zeitungen aufgestellt, die anschließend dafür benutzt werden, gekaufte Kleinteile einzuwickeln. Erste Supermärkte haben angefangen, ihre Kunden zur Verwendung von Stofftaschen zu ermuntern.
Mutiger ist die Oasenstadt Al Ain, die ein Pilotprojekt angekündigt hat, in dessen Rahmen Haushaltsmüll vorsortiert werden soll. In einer ersten Phase will sie ihren Bewohnern zumuten, "feuchten" von "trockenem" Müll zu trennen. Zu letzterem zählen Glas, Papier und Dosen, die dann in einer neuen Recyclinganlage der Stadt sortiert werden sollen. Der Restmüll, der auf ein Viertel des Gesamtmülls veranschlagt wird, kommt auf eine neue, nach internationalen Standards isolierte Deponie, die auf eine Nutzung von 20 Jahren ausgelegt ist. Al Ain hatte schon 2007 für Schlagzeilen gesorgt, weil es ein Privatunternehmen damit beauftragt hatte, Häusergraffiti zu beseitigen und die Wüste von Picknickresten zu säubern. Letztere sind der Grund dafür, das der Kamelbestand der VAE in Gefahr ist. In verendeten Tieren finden sich häufig größere Mengen unverdaulicher Kunststoffabfälle.


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Email: info@tadweer.com
Web: www.tadweer.com

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Tel.: 971 4 286 9559
Fax: 971 4 286 5228
Email: info@serkalgroup.com
Web: www.serkalgroup.com