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Yin ist Materie und Yang ist Energie - In der modernen, westlich geprägten Theorie der traditionellen chinesischen Medizin ist das Paar von besonderer Bedeutung. Für den Patienten werden Arzneimittel stets individuell zusammengestellt. Verabreicht wird die Arznei meist in Form von Tee. Eine zweite häufige Anwendung ist das Granulat. Hierbei werden die chinesischen Kräuter zu einem Pulver verarbeitet, welches mit heißem Wasser aufgegossen sofort getrunken werden kann.
Interessanter ist für die deutsche Pharmaindustrie das sehr gute Gesundheitssystem der ehemaligen Kronkolonie Hongkong. Die staatlichen Krankenhäuser der heutigen Sonderverwaltungsregion (SVR) bieten nahezu kostenlos Behandlungen und Medikamente an. Sie sind daher die mit Abstand größten Endnachfrager von Arzneimitteln. Eine wohlhabende, alternde Bevölkerung sorgt auch bei den Privatkliniken für regen Umsatz. Da es keine einheimischen Hersteller gibt, muss die Stadt nahezu 100 Prozent ihres Bedarfs einführen. Ein immer größer werdender Teil davon wird ins benachbarte chinesische Festland reexportiert. Hongkong importierte vergangenes Jahr Medikamente im Wert von fast einer Milliarde Euro, ein Plus von rund einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. Zwar hat die Regierung die Arzneimittelausgaben seit dem Jahr 2005 beschnitten. Die getroffenen Einsparmaßnahmen hatten jedoch nur geringfügige Auswirkungen auf den inländischen Gesamtumsatz. Eine rasch alternde Gesellschaft und steigende Pro-Kopf-Einkommen sorgen für ein lebhaftes Geschäft. Die Hongkonger Bevölkerung ist nach Japan die zweitreichste Asiens, gleichzeitig haben ihre Bewohner weltweit die höchste Lebenserwartung. Neugeborene Frauen können inzwischen damit rechnen, 85,6 Jahre (Japan: 85,5) zu leben. Bei Männern liegt der entsprechende Wert bei 79,5 (Japan: 78,6) Jahren. Zugleich gehört die Geburtenrate Hongkongs zur niedrigsten der Welt. Sie lag 2006 bei nur noch rund 0,9. Einwanderungen vom chinesischen Festland können den Geburtenausfall nur teilweise kompensieren. In Zukunft dürfte daher der Anteil der über 65-jährigen an der Gesamtbevölkerung kräftig steigen. Der sprunghafte Anstieg des Medikamentenhandels Hongkongs beruht zudem auf der lebhaften Nachfrage aus der benachbarten südchinesischen Provinz Guangdong. Dort stiegen die Einkommen und insbesondere die Löhne für Arbeiter 2005 und 2006 kräftig an. Immer mehr Menschen können sich daher teure Importwaren leisten. In Hongkong selbst gibt es keine Pharmahersteller, es finden allenfalls Umpack- oder Etikettierungsaktivitäten statt. Der gesamte Bedarf muss daher importiert werden. In China produzierte Präparate haben in der Stadt allerdings vielfach noch keine Zulassungen, sie werden lediglich über den Freihafen der Stadt reexportiert, zumeist in andere Entwicklungsländer. Arzneimittel aus den USA, Japan, Deutschland, der Schweiz, Singapur und Großbritannien decken daher nahezu drei Viertel des inländischen Bedarfs ab. Die Bevölkerung Hongkongs kann sich nahezu kostenlos in den staatlichen Krankenhäusern nicht nur stationär, sondern auch ambulant behandeln lassen. Dort erhalten sie zudem Medikamente für drei Tage. Wer es sich leisten kann, sucht wegen der deutlich geringeren Wartezeiten eine Privatpraxis auf. Die meisten Arbeitgeber haben für ihre Angestellten Versicherungen abgeschlossen. Dabei handelt es sich zumeist um preisgünstige Gruppenverträge, die eine Behandlung ausschließlich bei Vertragsärzten garantieren und über einen teilweise sehr beschränkten Leistungskatalog verfügen. Wie eine Umfrage der South China Morning Post ergab, erhalten Kassenärzte teilweise derart niedrige Honorare, dass sie damit nicht einmal die Kosten des Praxisbetriebs decken können. Daher finanzieren sie sich zu bis zu 50 Prozent mithilfe der Ausgabe von Medikamenten, die sie mit einem saftigen Preisaufschlag an ihre Patienten verkaufen. Das Ausstellen von Rezepten und die anschließende Beschaffung der Arzneien in Apotheken sind in Hongkong weitgehend unüblich. So existieren lediglich einige kleinere Pharmazien mit einer sehr geringen Auswahl. Zudem verfügen größere Filialen der dominierenden Drogeriemarktketten Watsons und Mannings über eine Abteilung für Medikamente. Deren Anzahl wurde jedoch in den letzten Jahren merklich reduziert. Stattdessen konzentrieren sich die beiden Anbieter auf den Verkauf von rezeptfreien Arzneien sowie auf den Handel mit Vitaminen und ähnlichen Gesundheitsprodukten. Die öffentlichen Krankenhäuser - dort werden über 90 Prozent aller Patienten behandelt, der Rest entfällt auf Privatkliniken, die vor allem von Ausländern und reichen Hongkongern aufgesucht werden - sind daher die mit Abstand bedeutendsten Kunden. Sie müssen ab einem bestimmten Auftragswert öffentlich ausschreiben. Sämtliche Informationen werden auf die Website des zentralen Beschaffungsamtes gestellt. Darüber hinaus spielen die Spezialhändler eine gewichtige Rolle. Sie versorgen die privaten Arztpraxen mit Medikamenten. Das System ist nach Angaben von Branchenkennern fair und offen. Kopfschmerzen bereite den Pharmakonzernen allerdings der unzureichende Patentschutz. Besonders eklatant sei die Situation bei Parallelimporten, die zwar illegal seien, aber nur unzureichend von den Behörden unterbunden werden. Gefälschte Waren stellen ein weiteres Problem dar. Im Jahre 2005 handelte es sich bei knapp 10 Prozent der in Hongkong umgesetzten Medikamente um Plagiate. Insgesamt betrachtet sei Hongkong aber ein sehr lukrativer, da relativ einfach zu bearbeitender Markt. Der Zeit und Kostenaufwand des Vertriebs sei insbesondere im Vergleich zu China gering.