
Quo Vadis Vietnam ? Wenn diese Fragestellung auf einen Wirtschaftszweig in Vietnam zutrifft, so auf die Automobilindustrie. Generell genießt dieser mit etwa 600.000 zugelassenen Fahrzeugen noch junge Markt positive Zukunftsaussichten.
Hierfür sprechen eine Reihe von Faktoren, wie etwa das hohe Wirtschaftswachstum und die damit verbundene steigende Kaufkraft der vietnamesichen Bevölkerung oder die zunehmenden Auslandsinvestitionen, welche einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Verkaufszahlen ausüben sollten. Allerdings steht die vietnamesische Administration vor einigen Herausforderungen, wie etwa der Entwicklung des Verkehrswegenetzes oder dem weiteren Abbau von Handelshemmnissen, um der noch geringen Nachfrage von jährlich rund 40.000 Fahrzeugen zu begegnen. Die nachhaltige Entwicklung des Automobilstandorts Vietnam sollte auch vom Verhalten der internationalen Zulieferindustrie maßgeblich beeinflusst werden. Dessen Vertreter zeigen im Zuge des Beitritts Vietnams zur Welthandelsorganisation (WTO) ein zwar zunehmendes Interesse, allerdings sind signifikante Engagements noch nicht zu verzeichnen. Schließlich und angesichts der geringen Marktgröße bleibt die Entwicklung des Handels mit Gebrauchtfahrzeugen abzuwarten. Seit dem 1. Mai 2006 dürfen Second Hand-Fahrzeuge mit gewissen Einschränkungen importiert werden, der Vertrieb bleibt vietnamesischen Unternehmen bzw. Joint Ventures vorbehalten.Im Zuge der Erneuerungspolitik ?Doi Moi? kamen auch die Automobilisten. Insbesondere die prognostizierten hervorragenden Zukunftsaussichten schürten Erwartungen, welche bislang nur bedingt erfüllt wurden. Zunächst hinterließ die Asienkrise vor zehn Jahren aufgrund insgesamt rückläufiger Auslandsinvestitionen auch innerhalb der Automobilindustrie Vietnams ihre Spuren. Und danach sorgten hohe Einfuhrzölle für Fahrzeugkits für eine Missstimmung unter den Herstellern. Sie führte zu deutlich höheren Preisen und damit erwartungsgemäß zu einem Nachfragerückgang. Zwar begegnete die Industrie der Entwicklung mit einer Anpassung von Produktionskapazitäten, doch sei die Bemerkung erlaubt, dass die Verkaufszahlen auch zuvor und im Vergleich zu in Vietnam bis dahin vorgehaltenen Produktionskapazitäten (etwa 150.000 Fahrzeuge p.a.) relativ niedrig waren. Trotz aller Unkenrufe nahmen die Verkäufe im ersten Quartal 2007 wieder leicht zu und es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend stabilisiert.Vor einigen Jahren wurde die 18 in- und ausländische Produzenten starke ?Vietnam Automobile Manufacturers Association? (VAMA) gegründet. Bei den Mitgliedern dominieren Joint Ventures (13), welche für internationale Hersteller nach wie vor bindend sind. Daneben sind drei staatliche und zwei private lokale Unternehmen in der VAMA organisiert. Ausserhalb der VAMA gibt es zahlreiche kleinere Hersteller von Bussen oder kleinen LKWs für den einheimischen Markt. Versteht sich VAMA als Verband zur Wahrung von Herstellerinteressen, so gibt es mit der ?Vietnam Quality Appraisal Agency? (VQAA) eine Einrichtung, welche über die Qualitätsstandards wachen soll. Bislang verfügen 16 der über 50 Montagewerke über das seitens des Industrieministeriums eingeführte Qualitätszertifikat, die noch nicht zertifizierten Betriebe müssen in Kürze folgen, um nicht Gefahr zu laufen, ihre Lizenzen zu verwirken.Der vietnamesische Fahrzeugmarkt ist überwiegend von ausländischen Anbietern geprägt. Während Toyota mit einem Marktanteil von etwa 45 Prozent der unangefochtene Marktführer ist, geniessen die deutschen Hersteller wie Mercedes-Benz und BMW ein herausragendes Ansehen im Luxussegment.Im letzten Jahr verkauften die VAMA-Mitglieder 41.133 Fahrzeuge, was einem vierprozentigen Anstieg gegenüber dem Vorjahresergebnis entspricht. Auffallend ist ein gegenläufiger Trend, nachdem die Verkaufszahlen von Nutzfahrzeugen und jene von Mehrzweckfahrzeugen aufgrund des beschleunigten Ausbaus des öffentlichen Transportnetzes und der notwendigen Erneuerung des Fahrzeugbestandes von Verkehrsbetrieben um 20,5 Prozent bzw. um 19,8 Prozent zunahmen, während der Verkauf von Pkw um 34,4 Prozent rückläufig war. Ursächlich für den Einbruch am Pkw-Markt ist der letztjährige Verbrauchssteueranstieg. Stark zunehmenden Neu- und Gebrauchtfahrzeugimporte beeinträchtigen die das Geschäft zusätzlich.Obwohl die Regierung die Zulieferindustrie mit einer nachhaltigen Förderpolitik ausbauen möchte, ist bislang keine wesentliche Erhöhung der inländischen Wertschöpfung festzustellen. Der Automobilmarkt Vietnams gilt nach wie vor als zu klein für eine rentable Teilefertigung, daher ist dieses Segment bislang überwiegend durch Direktimporte gekennzeichnet. Wie auch in anderen Emerging Markets wird ein auf die vietnamesischen Bedürfnisse ausgerichtetes Fahrzeug konzipiert, welches unter einem Verkaufspreis von 10.000 US$ liegen soll. Die Abkehr vom Moped hin zum Pkw sollte einen sich beschleunigenden Trend erfahren, die Zulieferindustrie könnte hiervon profitieren. Im Zuge zunehmender Verkaufszahlen, wie auch der Etablierung eines Aftersalesmarkts, sollte die Zahl lokaler Teilehersteller wachsen.Erleichterungen für den Import und den Handel mit Neu- und Gebrauchtfahrzeugen vergrößern die ohnehin schon bestehenden Sorgenfalten lokaler Hersteller. Sofern die gegenwärtig gültigen Rahmen-bedingungen nicht angepasst werden, ist davon auszugehen, dass große Teile der Automobilindustrie von Importfahrzeugen dominiert werden.Negative Entwicklungen, wie etwa unzureichende Serviceleistungen mangels eines nicht vorhandenen Werkstättennetzes oder Umweltaspekte (Abgasnormen) wären unvermeidbar. Abschliessend sei auf das Eingangsstatement verwiesen: Quo Vadis Automobilindustrie Vietnam? Die Zukunft wird einen hoffentlich für alle Parteien zufriedenstellenden Weg aufzeigen, die Strasse dahin bleibt allerdings holprig.