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Klimawandel fördert ?Wasserstress?. In zwei Jahrzehnten werden rund 60 Prozent aller Menschen Probleme mit der Trinkwasserversorgung haben. Die Landwirtschaft verbraucht 70 Prozent des weltweiten Wassers, berechnete die UNO-Landwirtschaftsorganisation FAO. Speziell in urbanen Zentren Afrikas und Asiens finden die Bewohner kaum noch klares Wasser.
Indien hat aufgrund seiner hohen Bevölkerungszahl von rund 1,1 Milliarden Menschen mit zahlreichen Problemen in der Wasserver- und Abwasserentsorgung zu kämpfen. Daneben machen der anhaltende Aufschwung der verarbeitenden Industrie sowie die immer rascher fortschreitende Urbanisierung des Landes umfangreiche Investitionen nötig, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Deutschen Firmen bieten sich Chancen, die Exporte von Spitzentechnik nach Indien auszuweiten. Indien zählt zu den wasserarmen Ländern der Erde, zudem ist die Verfügbarkeit der Ressource erheblichen saisonalen Schwankungen unterworfen. Im Jahr 2005 standen offiziellen Schätzungen zufolge bei einer Bevölkerung von rund 1,1 Milliarden Menschen jedem Einwohner rund 1.700 m3 Wasser zur Verfügung, von denen allerdings nur circa 1.000 m3 als tatsächlich nutzbar klassifiziert werden. Aufgrund der hohen Geburtenrate und des rasanten Wirtschaftswachstums von durchschnittlich acht Prozent pro Jahr wird die Nachfrage aus privaten Haushalten, Landwirtschaft und Industrie nach Trink- und Nutzwasser in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Einer Prognose der ?Central Water Commission? zufolge soll der Wasserbedarf von 634 Milliarden m3 im Jahr 2000 auf 1.100 Milliarden m3 im Jahr 2025 und auf rund 1.400 Milliarden m3 im Jahr 2050 steigen. Doch nicht nur die Deckung des Wasserbedarfs, sondern auch der dringend benötigte Aufbau einer Aufbereitungs- und Entsorgungsinfrastruktur für die immer größer werdenden Abwassermengen wird in den nächsten Jahren eine der wichtigsten Herausforderungen für die indische Regierung sein. Dass in diesem Bereich der Nachholbedarf groß ist, wird deutlich, wenn man die Prioritäten beim Ausbau der Infrastruktur des Landes betrachtet. Während die Verbesserung der Transportwege, der Energieversorgung und des Telekommunikationsnetzes mit umfangreichen Förderprogrammen und Haushaltsmitteln vorangetrieben wird, ist eine vergleichbare, langfristige Strategie für den Wassersektor nicht erkennbar. Da der indische Staat nicht über ausreichende finanzielle Ressourcen zum raschen Ausbau der Wasserver- und -entsorgung verfügt, setzen die Kommunen bei ihren Projekten verstärkt auf Beteiligungen aus dem Privatsektor. Vor allem die Finanzierung von Großprojekten im Rahmen von Public Private Partnership dürfte für ausländische Anbieter von Interesse sein. Hier gibt es bereits erste Erfolge zu vermelden, beispielsweise in Mumbai oder in Chennai. Doch die von den Wirtschaftsverbänden geforderte umfassende Privatisierung der zentralstaatlichen und kommunalen Versorgungsbetriebe wird noch auf sich warten lassen. Der strategische Rahmen für die Wasserpolitik der indischen Zentralregierung wird von der ?National Water Policy? aus dem Jahr 2002 vorgegeben. Sie formuliert die Aufgaben und Zielsetzungen für eine langfristige Sicherstellung der Wasserversorgung auf dem Subkontinent. An erster Stelle steht die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung, dann die Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen, ferner die Speisung der Wasserkraftwerke und an dritter Stelle die Deckung des industriellen Nutzwasserbedarfs. Konfliktpotential bergen die erheblichen regionalen Unterschiede bei der Versorgung und die Notwendigkeit, einen Ausgleich zwischen den wasserreichen und wasserarmen Regionen zu schaffen. Neben dem Bedarf neuer Ausrüstung für die im Aufbau befindlichen ländlichen Bewässerungssysteme müssen die bestehenden Anlagen zum Teil modernisiert oder ersetzt werden. Nach Einschätzung der Asian Development Bank (ADB) sind diese oft veraltet oder defekt, so dass ein hoher Verlust bei der Bewässerung zu beobachten ist. Da sich die Regierung zum Ziel gesetzt hat, die Produktivität des Agrarsektors zu erhöhen, dürfte die Nachfrage nach effizienteren und leistungsfähigeren Anlagen zunehmen, denn der Einsatz ökonomischer Bewässerungsmethoden wie Sprinkleranlagen oder Tröpfchenbewässerung ist bislang kaum verbreitet. Die Einfuhr entsprechender Umwelttechnik wird mit niedrigen Zollsätzen zusätzlich gefördert. Der Markt für Ausrüstungen zur Wasserversorgung und Abwasserbehandlung ist unter technischen Gesichtspunkten relativ weit entwickelt. Vor allem Unternehmen, die Joint Venture mit ausländischen Anbietern eingegangen sind, konnten sich aufgrund des Technologietransfers eine gute Marktposition erarbeiten. Nach Angaben der Associated Chambers of Commerce and Industry of India sollen etwa 500 Kooperationen zwischen indischen und ausländischen Unternehmen in diesem Sektor existieren. Viele Bereiche der Wasserversorgung werden durch lokale Fertigung abgedeckt. Hierzu zählen beispielsweise die manuellen und mechanischen Handpumpen, die vor allem in den ländlichen Gebieten zum Einsatz kommen. Hier bieten sich aufgrund der staatlichen Subventionen für heimische Erzeugnisse kaum Absatzchancen für ausländische Lieferanten. Anders sieht es bei der Abwasserentsorgung aus. Das Marktvolumen für entsprechende Technik und Ausrüstung schätzt die Confederation of Indian Industries (CII) für 2006 auf etwa 500 Millionen Euro. Es macht damit einen großen Teil des geschätzten Gesamtvolumens von Wassertechnik im Umfang von rund 3,6 Milliarden Euro aus. In einem schnell wachsenden Entwicklungsland wie Indien bietet der steigende Trinkwasserbedarf - insbesondere in den Ballungszentren - ein interessantes Wachstumspotential für die Abwasserentsorgungs- und -aufbereitungstechnik. Die Nachfrage nach entsprechender Ausrüstung wird zur Hälfte vom öffentlichen Sektor abgedeckt. Der Markt wächst nach Einschätzung der CII mit einer jährlichen Rate zwischen 15 und 20 Prozent. Zudem fließen immer mehr Gelder von multilateralen Geberorganisationen wie Weltbank, Asian Development Bank oder Kreditanstalt für Wiederaufbau in entsprechende Projekte. Der Markt für Chemikalien zur Abwasserbehandlung ist zwar gemessen an der Bevölkerungszahl bislang vom Volumen her noch klein, dürfte allerdings nach Einschätzung des Ministry of Water Resources in den nächsten Jahren mit Raten zwischen 10 und 15 Prozent jährlich wachsen. Die größte Nachfrage wird neben den kommunalen Versorgungsbetrieben, die neue Kläranlagen errichten beziehungsweise bestehende modernisieren und erweitern müssen, von den Betreibern thermischer Kraftwerke sowie der verarbeitenden Industrie ausgehen. Wichtigste ausländische Lieferanten sind USA, Frankreich und Deutschland. Die Importe dürften dennoch in den nächsten Jahren im gleichen Umfang wie der Markt - also jährlich zwischen 10 und 15 Prozent - zulegen. Vertraut man den offiziellen Angaben, dass lediglich 15 bis 20 Prozent der gesamten industriellen Abwässer in irgendeiner Form geklärt werden, die Anforderungen hinsichtlich Standards und deren Kontrolle für die Unternehmen allerdings immer strenger werden, dürfte die Nachfrage nach chemischen Einsatzstoffen zur Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung weiter steigen. Das Konzept der Meerwasserentsalzung zur Bekämpfung der zunehmenden Wasserknappheit hat sich inzwischen auch bei indischen Politikern durchgesetzt. Doch bislang sind nur wenige Anlagen geplant - darunter in Lakshadweep und Awania - zur Aufbereitung von Brackwasser. Grund für die bislang geringe Verbreitung von Entsalzungsanlagen sind die im Vergleich zu anderen Methoden der Trinkwassergewinnung höheren Investitionskosten. Durch die zunehmende Wasserknappheit dürften entsprechende Projekte sowohl unter dem Gesichtspunkt der Schließung von Versorgungslücken als auch der Finanzierbarkeit künftig häufiger realisiert werden. Die Kommunalverwaltungen mehrerer indischer Metropolen sehen die Meerwasserentsalzung als Alternative zur Abwasseraufbereitung sowohl für den industriellen Nutzwasser, als auch den privaten Trinkwasserbedarf. Der Subkontinent steht wie in vielen anderen Bereichen des Infrastruktursektors auch bei der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung mit seinen Privatisierungsbemühungen noch ganz am Anfang und kann Modernisierung und Ausbau nicht allein aus Haushaltsmitteln finanzieren. Daher ist die Zentralregierung bestrebt, auch die Wasser- und Abwassersysteme schrittweise für den privaten Sektor zu öffnen. Dazu zählt zum einen die Überführung der öffentlichen Wasserwerke und Kläranlagen in private Unternehmen und zum anderen die Öffnung des Sektors für private Investoren - auch aus dem Ausland.