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Den japanischen Schiffbauern steht das Wasser im positiven Sinne bis zum Hals. Für die nächsten drei bis vier Jahre sind die Werften mit Aufträgen voll ausgelastet. Um mit der hohen Nachfrage mitzuhalten, investieren sie in Modernisierung und Kapazitätserweiterung. Dabei können sie vom internationalen Transportboom bei Rohöl, Flüssigerdgas und anderer Massenfracht profitieren. In- und ausländische Reedereien haben einen hohen Bedarf an Wasserfahrzeugen, die den neuen Anforderungen der internationalen Schifffahrt genügen.
Japans Werften produzierten im Fiskaljahr 2006 (1.4.06 bis 31.3.07) soviele Schiffe wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt wurden Schiffe mit 18,1 Millionen Bruttoregistertonnen gebaut und mehr Orders gesichert als derzeit Produktionskapazitäten bestehen. Verbesserungen in der Produktivität, international steigende Schiffspreise und ein schwacher Yen haben die Branche wieder auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gebracht. Da die bestehenden Kapazitäten an ihre Grenzen gestoßen sind, wollen die Werften und Zulieferer ihre Erzeugung anpassen. Jedoch soll dies nur moderat geschehen, um ein Überangebot zu vermeiden. Die fünf größten Schiffbauer - ?Ishikawajima-Harima Heavy Industries?, ?Kawasaki Heavy Industries?, ?Mitsubishi Heavy Industries?, ?Mitsui Engineering & Shipbuilding? und ?Sumitomo Heavy Industries? - beabsichtigen, im Fiskaljahr 2007 insgesamt 27 Milliarden Yen (etwa 162 Mio. Euro; 1 Euro = etwa 167 Yen) zu investieren. Ishikawajima-Harima Heavy Industries (IHI) wird eine seit mehr als zehn Jahren stillgelegte Dockanlage in der Präfektur Aichi reaktivieren, um dort Schiffe für den Transport von Eisenerzen und anderem Massengut zu bauen. Ab Herbst 2007 soll in der wieder eröffneten Anlage die Produktion aufgenommen und in den nächsten drei Jahren insgesamt 3 Milliarden Yen in die Modernisierung investiert werden. In zwei anderen ihrer Werften - Kure Shipyard (Präfektur Hiroshima) und Yokohama Shipyard - will IHI mit Investitionen von 2,5 Milliarden Yen ebenfalls die Anlagen erneuern, wie unter anderem die Verarbeitung von Stahlplatten erweitern und verschiebbare Dächer mit Deckenkränen anbringen. Hier sollen hauptsächlich LNG (Flüssiggas)-Tanker gebaut werden. Mitsubishi Heavy Industries (MHI) wird bis zum Jahr 2010 seine Werften in der Präfektur Nagasaki und in der Präfektur Hyogo mit Investitionen von 40 Milliarden Yen ausbauen. Dadurch soll die Produktionskapazität gegenüber 2006, als die Gesamterzeugung 1,56 Millionen. Bruttotonnen erreichte, um 10 Prozent erhöht werden. Das Unternehmen plant, jährlich sieben LNG-Tanker bauen zu können statt bisher fünf solcher Schiffe. In den nächsten beiden Jahren will Kawasaki Shipbuilding etwa 10 Milliarden Yen investieren, um in der Präfektur Kagawa die Produktion von LNG-Transportern zu erhöhen. Zudem planen auch die Zulieferer, auf die Nachfrage zu reagieren. So hat ?Mitsui Engineering & Shipbuilding? angekündigt, seine Produktionskapazitäten für Schiffsmotoren im Fiskaljahr 2007 um 20 Prozent ausbauen. Auch MHI plant, mehr Dieselaggregate für Schiffe zu erzeugen. Bis 2010 soll die Zahl auf 200 Einheiten pro Jahr etwa verdoppelt werden, allerdings hauptsächlich durch Lizenzvergabe an Unternehmen in Vietnam und der VR China. Im Wettbewerb um Aufträge versuchen sich Japans Schiffbauer gegenüber den südkoreanischen und chinesischen Konkurrenten auch durch qualitative Verbesserungen abzusetzen. Sie arbeiten daran, die Sicherheit und die Umweltfreundlichkeit von Wasserfahrzeugen zu erhöhen. Zur Stabilität der bei der Ladekapazität immer größer werdenden Containerschiffe sollen härtere Stahlplatten beitragen, die IHI zusammen mit JFE Steel und Kobe Steel entwickelt hat. Auch MHI hat entsprechenden - gemeinsam mit Nippon Steel entwickelten - stärkeren Stahl im Angebot. Um die Umweltfreundlichkeit zu erhöhen, hat Mitsui Engineering & Shipbuilding ein Wasserbehandlungssystem entwickelt, mit dem das Ballastwasser gefiltert und gesäubert werden kann. Dadurch soll verhindert werden, dass Meeresorganismen, die in einem Teil der Welt aufgenommen werden, nicht in einem anderen, artfremden freigesetzt werden und auf das dortige Ökosystem schädliche Auswirkungen haben. Hitachi Plant Technologies und JFE Engineering arbeiten ebenfalls an solchen Systemen. Denn die International Maritime Organization verlangt, dass neue Schiffe ab 2009 so ausgerüstet sind, dass Ballastwasser gereinigt werden muss. Mit diesen Regeln, wie auch mit der Bestimmung, dass Tanker in Europa und in den USA nur noch mit doppelwandigem Rumpf andocken dürfen, dürften die Schiffbauer und Ausrüster auch weiterhin mit hohem Ordereingang rechnen. Für den Schiffbauboom Japans ist in hohem Maße der Transport von Massengütern von und nach Asien verantwortlich. Beispielsweise importiert China jährlich rund 400 Millionen Tonnen Eisenerz aus Australien und Brasilien, die verschifft werden müssen. Hinzu kommt Rohöl aus dem Mittleren Osten. Japan benötigt ebenfalls Erdöl und Flüssigerdgas. Im weltweiten Transportgeschäft spielen die japanischen Reedereien eine bedeutende Rolle und sind die Hauptkundschaft der Werften. Aufgrund des hohen Bedarfs und langfristiger Lieferverträge weitet die ?NYK Line? die Investitionen in ihre Flotte von ursprünglich 630 Milliarden Yen auf 1.090 Milliarden Yen für den Zeitraum von April 2008 bis März 2011 aus. Im Jahr 2011 wird die NYK Line dann über 932 Schiffe verfügen. ?Mitsui O.S.K. Line? hat angekündigt, ihre Flotte von 805 Schiffen Ende März 2007 in den nächsten drei Jahren auf 1.000 Einheiten zu erhöhen und bis Ende März 2013 auf 1.200 Schiffe auszuweiten. Aus dem Ausland stiegen die Auftragseingänge im Fiskaljahr 2006 gegenüber dem Vorjahr um 18,2 Prozent. Ende März 2007 standen 1.102 Orders mit einer Gesamtbruttotonnage von 54,3 Millionen Tonnen in den Büchern japanischer Werften. Davon sollen zwischen 2007 und 2009 jeweils 277 Schiffe geliefert werden, für 2009 sinkt die Zahl auf 169 Schiffe, so Angaben der Japan Ship Exporters´ Association.