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Asien Kurier 2/2007 vom 1. August 2007
Vietnam

Goldene Zukunft

Von Jan Nöther (AHK Vietnam)

Ein Viertel der Unternehmen werden internationalem Investment zugerechnet. In den rund 2.000 Produktionsstätten, die vorwiegend in Südvietnam angesiedelt sind, haben nahezu zwei Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz gefunden. Die in hohem Maße exportorientierte Textil- und Bekleidungsindustrie zählt zu den wichtigsten Industriezweigen des Landes.

Eine große Anzahl einheimischer Unternehmen führt vorrangig in Lohnarbeit Veredlungsaufträge ausländischer Firmen durch. Niedrige Löhne, eine anforderungsgerechte Qualität, sowie eine hohe Flexibilität und Produktivität, dafür ist das Land am Südchinesischen Meer bekannt.

Vergangenes Jahr exportierten die Textil- und Bekleidungsproduzenten Waren im Wert von 5,83 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 20,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und etwa 15 Prozent der vietnamesischen Gesamtexporterlöse entspricht. Größte Abnehmerländer sind die EU (1,24 Mrd. US$), Japan (US$ 628 Millionen) und die USA (3,04 Mrd. US$). Der im Inlandsmarkt erzielte Umsatz betrug offiziellen Statistiken zufolge knapp 1,8 Milliarden US-Dollar. Rohmaterialien wurden in 2006 im Umfang von 5,65 Milliarden US-Dollar eingeführt: Materialien und Vorprodukte (58%), Stoffe (20%), Baumwolle (14%) und Anlagen und Chemikalien (5%).

Ein sehr profitables Geschäft ist es nicht: Bei einem hohen Importbedarf werden die Gewinnmargen der Textilverarbeiter als niedrig eingeschätzt.

Wichtige Exportprodukte sind vor allem Jacken, Hosen, Hemden, Unterwäsche und Trikots. Die Wertschöpfung bei der Fertigung von Jacken beträgt rund 11 Prozent, Hemden etwa 25 Prozent und bei Hosen 15 Prozent. Exporte werden überwiegend von Zulieferern abgewickelt, demzufolge haben die meisten vietnamesischen Unternehmen keinen direkten internationalen Vertriebspartner.

In den letzten Jahren wuchs die Textilbranche durchschnittlich um 13 Prozent. Der Beitrag der einheimischen Zulieferindustrie ist nach wie vor ausbaufähig. Mit einer Anbaufläche von 24.000 Hektar für Baumwollpflanzen produziert Vietnam jährlich nur 8.000 Tonnen Baumwolle und deckt damit lediglich fünf Prozent der Nachfrage.

Mit dem WTO-Beitritt sichert sich Vietnam einerseits den Status eines begünstigten Handelspartners und damit einen erleichterten Zugang zum internationalen Markt, andererseits wird das Land nun eine Reihe von Schutzzöllen und Subventionen abbauen müssen.

Neben dem Bemühen, weitere Exportmärkte zu erschliessen, sind inländische Produzenten gehalten, den einheimischen Markt nicht aus den Augen zu verlieren sowie die Produktionskosten - hier sei insbesondere auf den Produktionsfaktor Arbeit verwiesen - unter Kontrolle zu halten. Positive Tendenzen sind beispielsweise bei der Entwicklung von neuen Designs erkennbar. Ein erhebliches Potential wird im Branding oder bei der Umstellung von der Massenproduktion auf die Herstellung kleinerer Serien vermutet.

Um den wachsenden Marktanforderungen insbesondere aus China und Indien zu begegnen, sind eine beschleunigte Modernisierung der Kapazitäten und eine deutliche Anhebung des Anteils eigener Materialien gefordert. Nach Angaben von Branchenkennern beläuft sich der gegenwärtige Investitionsstau auf mehrere Milliarden US-Dollar. Internationalen Textilmaschinenherstellern bieten sich insbesondere in den Segmenten Bleichanlagen, ferner bei Spinn-, Web-, Wirk-, Färbe- und Appreturmaschinen zunehmende Marktchancen. Ob das erklärte Ziel, bis 2010 etwa 80 bis 90 Prozent der benötigten Ressourcen aus der eigenen Produktion zu beziehen (Heute: 25 bis 30%) erreicht wird, bleibt abzuwarten.

Vietnams Beitritt zum globalen Handelsclub zu Jahresbeginn eröffnet der Textilindustrie neben den manchen Herausforderungen auch neue Chancen. Positiv wirkt sich die Aufhebung der Quotenregelung für einige Exportmärkte auf die unterjährige Entwicklung der Industrie aus. Deren Exportumsatz betrug in den ersten vier Jahresmonaten 2,19 Milliarden US-Dollar, entsprechend einem Zuwachs von 31,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neben den traditionellen Absatzmärkten EU, Japan, Taiwan und den USA drängen vietnamesische Produzenten nunmehr auch zunehmend auf Märkte wie Südamerika, den Mittleren Osten oder Australien, was eine weitere Zunahme der Dynamik zur Folge haben dürfte.

Die Textilindustrie Vietnams steht vor einer goldenen Zukunft, so sich die Unternehmen zeitnah auf sich verändernde Marktbedingungen einstellen. Während man den zukünftigen Qualitäts- wie auch Quantitätsanforderungen aufgrund entsprechender Programme einigermaßen gelassen entgegenblicken kann, sind weitere Anstrengungen im Branding und Vertrieb unabdingbar, um diese Branche nachhaltig im südostasiatischen Land zu verankern.





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