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Umweltschutz ist in China in aller Munde. Dass mehr geschehen muss als bisher, ist der Regierung längst klar. Von dieser neuen Aufmerksamkeit versuchen auch Messeveranstalter zu profitieren. Mit jährlich über 20 Ausstellungen landesweit ist die Landschaft relativ unübersichtlich.
So ist eine Leitmesse offensichtlich erst noch im Entstehen. Deutsche Organisationen versuchen gemeinsam mit lokalen Partnern eine stärker Fokussierung einzelner Veranstaltungen zu erreichen. Aktiv sind die Messe München, die Leipziger und die Nürnberger Messe. Ohne Zweifel steckt im chinesischen Markt für Umwelttechnik viel Potential. Der Bedarf ist gewaltig, die Versäumnisse sind es ebenfalls. Immer wieder macht die Regierung in letzter Zeit darauf aufmerksam. Die Kontrollen werden strenger, die Auflagen höher, die Strafandrohungen schärfer. Deutsche, häufig mittelständische (Spezial-)Anbieter interessieren sich daher zunehmend für den Markt. Doch bislang ist die Messelandschaft für die Branche relativ unübersichtlich. Landesweit werden nach Recherchen der ?Bundesagentur für Aussenwirtschaft? in Köln (bfai) zufolge jährlich über 20 Umweltmessen veranstaltet. Die meisten davon in Beijing, gefolgt von Shanghai. Weitere finden regelmäßig in Guangzhou, Tianjin oder Chengdu statt. Die Zahl ist hoch angesichts der Tatsache, dass der Industriezweig Umwelttechnik in China erst im Entstehen begriffen ist. Offizielle Statistiken gehen nach Angaben der ?China International Environmental Protection Exhibition and Conference" (CIEPEC) von etwa 35.000 Unternehmen und Institutionen mit rund drei Millionen Angestellten im Bereich Umweltschutz in China aus. Ihr Jahresumsatz wird auf etwa 60 Milliarden Euro beziffert. Durch die unterschiedliche Abgrenzung sind die Zahlen allerdings nur eingeschränkt international vergleichbar. So tragen Umweltschutzprodukte etwa fünf Milliarden Euro und Dienstleistungen in diesem Bereich weitere vier Milliarden Euro bei. Der weitaus größte Teil entfällt auf umweltschonende Ressourcennutzung, sogenanntes Ressourcen-Sharing (Ziyuan Zonghe Liyong) mit rund 36 Milliarden Euro. Dahinter verbirgt sich die Nutzung von Abfallprodukten, aber auch Fernwärmesysteme, Müllverbrennung und ähnliches. Andere Produkte tragen weitere 15 Milliarden Euro zum Branchenumsatz bei. Zum Vergleich: In Deutschland erwirtschaftete der Umweltschutzsektor nach jüngsten Zahlen des deutschen Umwelttechnologie-Atlas ?Green Tech made in Germany? 2005 rund vier Prozent des industriellen Gesamtumsatzes. Bis 2030 soll sich der Anteil nach Einschätzung der Verfasser auf 16 Prozent steigern. Weltweit dürfte sich der Umsatz der Sektoren Energieeffizienz, nachhaltige Wasserwirtschaft, nachhaltige Mobilität, Energieerzeugung, Rohstoff- und Materialeffizienz sowie Kreislaufwirtschaft von rund 1.000 Milliarden Euro (2005) bis 2020 auf 2.200 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. China will nach Vorgaben des elften Fünfjahresprogramms eine Verdopplung des Umsatzes auf etwa 110 Milliarden Euro bereits im Jahr 2010 erreichen. Zu dieser prognostizierten Dynamik wollen sowohl in- als auch ausländische Messeorganisatoren beitragen. Bislang ist jedoch die Anzahl lokaler Umwelttechnikanbieter (in engerem Sinne) eher gering. Um eine ausreichende Resonanz sicherzustellen, sind daher bislang Umweltmessen relativ breit aufgestellt. So waren auf der CIEPEC sowohl wassersparende Spülmaschinen und Luftreiniger für Haushalte wie auch Membranfiltertechnik oder energiesparende Baumaterialien zu sehen. ?Zu unspezifisch, zu breit gefächert? war denn auch aus den Reihen der zwölf deutschen Aussteller zu hören, die im Rahmen des deutschen Pavillons teilnahmen. Dennoch war die internationale Beteiligung sehr groß: Gut vertreten waren Italien, Japan, Korea aber auch die USA. Insgesamt kamen 35 Prozent der Aussteller aus dem Ausland. Der Bereich befindet sich erst am Anfang. Eine klare landesweite Leitmesse fehlt bisher, obwohl die alle zwei Jahre organisierte CIEPEC als die größte gilt.. Aber auch die ?China (Shanghai) Environmental Protection Exhibition? (EPTEE, ebenfalls alle zwei Jahre) hat einigen Einfluss. Um Ressourcen und Kompetenz zu bündeln, soll künftig alle zwei Jahre die ?CIEPEC & EPTEE? in Shanghai stattfinden. Damit wird die fachliche Expertise der ?State Environmental Protection Administration? (SEPA) - bislang CIEPEC-Sponsor - und der ?China Association of Environmental Protection Industry? - bislang CIEPEC-Organisator - mit dem professionellen Messemanagement der EPTEE, der Shanghai ZM Exhibition Service Co. Ltd., kombiniert. Erstmals wird die gemeinsame Veranstaltung im April 2008 auf der Intex Shanghai und Shanghai Mart stattfinden. Darüber hinaus wird in den ungeraden Jahren weiterhin die CIEPEC in Beijing veranstaltet werden. Inwieweit die ?CIEPEC & EPTEE? tatsächlich als die wichtigste Umweltmesse im Reich der Mitte angenommen werden wird, bleibt abzuwarten. Denn Branchenexperten beobachten auch einen Trend hin zur Integration der Thematik in Branchenveranstaltungen beziehungsweise hin zu etwas kleineren, dafür stärker auf einzelne Teilbereiche fokussierte Umweltmessen. In diese bringen zunehmend deutsche Messegesellschaften ihr Know-how ein. Als etabliert gilt die ?IFAT China?, die seit 2004 alle zwei Jahre von der Messe München gemeinsam mit der Shanghai New International Expo Centre Co. Ltd. (SNIEC) veranstaltet wird. Schwerpunkt dieser international gut besuchten Messe (2006 nahmen unter anderem 85 deutsche Unternehmen teil) ist trotz eines breiteren Themenspektrums der Bereich Wasserversorgung und Abwasserreinigung. Zwei weitere Messen mit deutscher Unterstützung gingen 2007 neu an den Start: So war die Leipziger Messe International erstmals Partner der ?China Beijing International Energy Saving and Environmental Protection Exhibition? im Juni 2007, auf der sich zwölf deutsche Firmen präsentierten. Die von der Beijing Development and Reform Commission veranstaltete Messe konzentriert sich vor allem auf Energieeinspartechnologien sowie Technologien zur Erhöhung der Energieeffizienz. Die nächste für Oktober 2008 geplante Veranstaltung wird die Leipziger Messe International mitorganisieren (www.lm-international.com). Ebenfalls zum ersten Mal hat die Nürnberger Messe gemeinsam mit dem China Green Food Development Center Anfang Juni 2007 die erste ?BioFach China? in Shanghai durchgeführt, die angesichts eines noch kleinen Bio-Marktes im Inland bislang vor allem für internationale Einkäufer interessant ist. 216 Aussteller, darunter drei aus Deutschland, präsentierten knapp 7.300 Fachbesuchern ihre Produkte.