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Normalerweise erwartet man von einem 100-jährigen nicht mehr allzu viel Aktivität. Bei einem so renomierten wie der indischen Unternehmen Tata Steel liegen die Dinge allerdings etwas anders.
Tata Steel feierte am 26. August 2007 das Firmenjubiläum und bleibt voller Engagement. Geprägt wird das Handeln durch den Wunsch nach wirtschaftlicher Stärke, aber auch durch den Anspruch, die Entwicklung Indiens voranzutreiben: ?Diene der Gemeinschaft, in der du dich unternehmerisch bewegst!? ist ein Leitsatz der Philosophie von Tata Steel und weitaus mehr, als nur graue Theorie: Ein Geburtstag des Unternehmens ist deshalb immer auch ein bischen ein Geburtstag der Moderne in Indien! Tata Steel ist Indiens größter, privater, integrierter Eisen- und Stahlkonzern und er ist heute wirtschaftlich stärker als je zuvor: Anfang des Jahres übernahm das Unternehmen den niederländisch-britischen Stahlkonzern Corus und investierte dabei mit 8,7 Milliarden Euro mehr Geld im Ausland als jedes andere indische Unternehmen zuvor. Die erstaunliche Übernahme ist der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Reihe von Übernahmen. Zuvor hatte der Stahlkonzern bereits NatSteel aus Singapur und Millenium Steel PCL aus Thailand aufgekauft. Tata Steel wuchs damit zu einem der größten Stahlunternehmen der Welt und liegt, mit Corus Steel gemeinsam, heute auf dem sechsten Platz der Weltrangliste. Die Stahlproduktion soll von heute 25 Millionen Tonnen auf 50 Millionen Tonnen im Jahr 2015 steigen, was Tata Steel noch weiter nach vorn bringen dürfte. Das sind ehrgeizige Pläne, aber sie wirken keineswegs aus der Luft gegriffen. Schließlich ist Tata Steel Teil der Tata Group, des größten Mischkonzerns Indiens mit rund 96 Firmen unter einem Dach: Eine mächtige Organisation innerhalb der auch die Stahlproduktion optimale Entwicklungsbedingungen bekommt. Ursprünglich hieß Tata Steel mit seinen großen Werken in Jamshedpur und seinem Hauptsitz in Mumbai ?Tata Iron and Steel Company Ltd? (kurz: TISCO). Stahlproduktion ist eine der Wurzeln der Tata Group. Jamsetji Tata, der Gründer des heutigen Mischkonzerns, hatte drei grundlegende Ziele: Ein Wasserkraftwerk zu bauen, um Strom zu erzeugen, ein Eisen- und Stahlunternehmen, sowie eine Bildungsinstitution auf hohem Niveau. Alle Ziele wurden im Lauf der Zeit nicht nur erfüllt, sie wurden weit übertroffen. Ihre Kombination beweist mehr als nur privaten Ehrgeiz. Jamsetji Tata war Patriot und träumte bereits damals ? zur Zeit der englischen Kolonialherrschaft ? von Unabhängigkeit, deren Basis für ihn wirtschaftliche Stärke war. Die Entwicklung der Unternehmensgruppe war bereits damals eng verknüpft mit der Entwicklung Indiens. Bis heute ist es nicht nur wirtschaftlicher Erfolg allein, der die Tata Group und damit auch Tata Steel auszeichnet. Soziale und ökologische Projekte zum Wohle Indiens gehören in großem Umfang zu den Aktivitäten der Unternehmensgruppe und wirken weniger als Instrument einer ausgeklügelten Marketingstrategie, mehr als fester Bestandteil einer tiefgehenden Philosophie: ?Diene der Gemeinschaft, in der du dich unternehmerisch bewegst!? Tata Steel setzte diese Philosophie auch im Rahmen der 100-Jahr-Feier um; das Unternehmen, das bereits Wohlfahrts- und Entwicklungsprogramme in ca. 700 Dörfern der Bundesstaaten Jharkhand and Orissa betreut, initiierte zwei weitere Projekte, ein Wasser- und Land-Management-Programm in etwa 400 Dörfern, sowie ein Bildungsprojekt für Kinder von Stammesgemeinschaften und Familien ausgesuchter Kasten. Zusätzlich wurden zwei Projekte für die Stadt Jampshedpur realisiert: die weitere Entwicklung der River's-Meet Area als Oase für Erholungssuchende und das Centenary City Centre mit Supermärkten und Entertainment-Gelegenheiten. Soziales Engagement beweist Tata Steel auch im Umgang mit Mitarbeitern: In den Jahren von 1994 und 2005 musste Tata Steel etwa die Hälfte der 78.000 Mitarbeiter in Jamshedpur entlassen. Die Gehaltszahlungen an die Entlassenen sollen jedoch bis zum Rentenalter fortgeführt werden; zusätzlich wird ihnen eine kostenfreie medizinische Versorgung gewährt. Vielleicht sind solche Initiativen Gründe dafür, warum viele Inder Ratan Tata, den Vorsitzenden der Tata Group, mitunter feiern wie einen Popstar? Und warum die Medien die Übernahme von Corus durch Tata Steel damals feierten wie einen Sieg Indiens? Tata Steel scheint ? wie die gesamte Tata Group ? fest in der indischen Gesellschaft verankert zu sein. TISCO (heute Tata Steel) gilt als erstes Stahl produzierendes Unternehmen Indiens und daher auch als Symbol für Indiens eigenen Weg in die Industrialisierung. Anlässlich des Firmenjubiläums schrieb der berühmte Dichter und Filmsongtexter Javed Akhtar den Text einer Hymne, die nun als Komposition vorliegt. Im Text heißt es: ?Wir bewundern jene, die vor uns waren - es ist ihre Vision, die wir sehen und mit der wir entschlossen die Zukunft planen. Der Traum von heute ist die Zukunft von morgen. Wir bewundern die, die vor uns waren.? Für manch einen Europäer mag das pathetisch klingen. Aber betrachtet man den traditionellen Anspruch des Unternehmens, sich selbst und Indiens Gesellschaft stetig voranzutreiben, zweifelt man kaum noch an der Ernsthaftigkeit der Worte.