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Asien Kurier 4/2007 vom 1. Oktober 2007
Korea

Großes Geschäft mit Kleinststrukturen

Von Dr. Detlef Rehn (gtai)

Im koreanischen Nanotechnologiesektor konzentrieren sich die Aktivitäten auf die Forschung und Entwicklung sowie den Aufbau der dazu gehörigen Infrastruktur. Dennoch hat sich bereits ein umsatzträchtiger Nanotechnologiemarkt herausgebildet. Die Wachstumsprognosen für die kommenden Jahren sind sehr gut. Anwendungen für die Elektronikindustrie dominieren. Die Werkstoffindustrie ist ein anderer Schwerpunkt.

Die Nanotechnologie (NT) gilt in Korea als einer der Motoren für die zukünftige wirtschaftliche und industrielle Entwicklung. Dieser Bedeutung entsprechend fließen dem Sektor hohe finanzielle Mittel zu. Ein alle fünf Jahre aktualisierter Zehnjahresplan veranschlagt für den Zeitraum von 2006 bis 2015 Gesamtausgaben in Höhe von etwas mehr als 6.100 Milliarden Won (rund 4,8 Mrd. Euro). Ziel des seit Ende 2005 laufenden Plans ist es, Korea bis 2015 zu einer der drei wichtigsten Nanotechnologienationen der Welt zu machen.

Fast 70 Prozent der NT-Investitionen steuert der Staat bei. Dieser hohe Anteil erklärt sich daraus, dass aus Sicht der Regierung die Impulse zur Entwicklung der NT wesentlich vom öffentlichen Sektor ausgehen müssen; nur so sei das Risiko für die Unternehmen überschaubar. Dennoch wird auch die Privatwirtschaft in die Pflicht genommen, denn im Zehnjahresplan geht es nicht allein um Grundlagenforschung, sondern auch um die Entwicklung marktfähiger Produkte und Verfahren.Der private Sektor ist stark an der NT interessiert. Wie viele genau sich mit nanotechnologischen Fragestellungen befassen, ist allerdings nicht bekannt. Ende 2005 waren es nach Angaben des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie (MOST) 214 Firmen; davon sollen 32 große Unternehmen, 56 KMUs, sowie weitere 126 Venturefirmen sein.

Zu den im Nanosektor tätigen Großunternehmen gehören unter anderem Samsung Electronics, LG Electronics, Hynix, SK Chemical und Posco. Samsung arbeitet in seinem Advanced Institute of Technology (SAIT) unter anderem an Nano-Datenspeichersystemen und an Tera-Level-Speicherelementen. LG Electronics erforscht beispielsweise Display-Technologien auf der Basis von Kohlenstoff-Nanoröhrchen (CNT). Zu den wichtigen kleinen Unternehmen gehört Iljin Nanotech. Diese Firma gehört zu den führenden heimischen Anbietern von CNT.

Um die Bedürfnisse der Privatwirtschaft in Bezug auf die NT-Entwicklung besser koordinieren zu können, wurde Ende 2001 mit Unterstützung und Finanzierung des Ministeriums für Handel, Industrie und Energie (MOCIE) die National Technology Research Association (NTRA) gegründet. Sie hat etwa 70 Mitglieder. Der Vorsitz liegt bei LG Electronics. Arbeitsbereiche der NTRA sind die Elektronik und Informationstechnik, Werkstoffe, die Chemie und die Nano-Biotechnologie.

Die Kooperation zwischen Wissenschaft und Privatwirtschaft findet besonders in den nationalen NT-Zentren statt. Zwei von ihnen, das National Nanofab Center in Daejeon und das Korea Advanced Nanofab Center in Suwon (Provinz Gyeonggi), unterstehen dem MOST. Sie betreiben vor allem Grundlagenforschung, bieten ihre Ausrüstungen und Dienste aber auch privaten Unternehmen an. Für die unmittelbare industrienahe Forschung und Entwicklung sind drei Zentren zuständig, die dem MOCIE unterstellt sind und von ihm auch zum großen Teil finanziert werden. Das National Center for Nanomaterials Technology in Pohang (Provinz Northern Gyeongsang) befasst sich vor allem Nanowerkstoffen. Das National Center for Nanoprocess and Equipment in Gwangju (Provinz Northern Jeolla) arbeitet besonders an dünnfilmbezogenen Ausrüstungen und Prozessen. Das National Nano Printed Electronics Center befindet sich noch im Aufbau und soll Technologien, Ausrüstungen und Systeme entwickeln, die für das Bedrucken von Komponenten und Displays, unter anderem OLED, genutzt werden können.

Elektronik/Kommunikation ist nicht nur in Forschung und Entwicklung, sondern auch bei der NT-Industrialisierung der wichtigste Bereich. Grund hierfür ist die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der koreanischen Wirtschaft in diesem Bereich. Nach Angaben des Korea Institute of Science and Technology Information (KISTI) wurden mit nanotechnologischen Erzeugnissen im Jahr 2005 bereits mehr als 35.000 Milliarden Won umgesetzt. Über die Hälfte entfiel auf den Bereich Elektronik und Kommunikation. In den kommenden Jahren soll das Geschäft stark wachsen. Die Prognosen lauten für den Zeitraum von 2001 bis 2010 auf einen Zuwachs von 26,3 Prozent pro Jahr. Da die technologische und wirtschaftliche Entwicklung der Nanobranche in vielen Aspekten noch unsicher ist, sollten diese Angaben allerdings nur als ungefähre Beschreibung der Möglichkeiten verstanden werden.

Zu denen sich bereits im Markt befindlichen Produkten, gehören zum Beispiel Kohlenstoff-"Bucky Balls", die in Luftfiltern für Autos genutzt werden. Anbieter ist LG Household and Health Care Ltd. Ferner vermarktet Hyosung, ein führender koreanischer Produzent synthetischer Fasern, Nanofasern mit antibakteriellen Eigenschaften. Samsung verkauft eine Waschmaschine, die Nanosilberpartikel zur Entfernung von Bakterien bei niedrigen Waschtemperaturen nutzt. Zumindest im Ausland ist diese Maschine aber nicht unumstritten. In Schweden musste Samsung das Produkt aufgrund von Verbraucherprotesten wieder aus dem Markt nehmen, und auch in Deutschland gibt es ähnliche Forderungen.

Wichtigste heimische Spezialmesse ist die "Nano Korea". Sie fand in ihrer jüngsten Auflage Ende August auf dem KINTEX-Gelände in Goyang nordwestlich von Seoul statt. An der Messe nahmen 155 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und andere Institutionen aus sieben Ländern teil. Zu den 32 ausländischen Ausstellern zählten auch sechs aus Deutschland, die sich an einem Gemeinschaftsstand der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar präsentierten. Sie zeigten sich mit den Gesprächen und Kontakten auf der Messe zufrieden. Ein Unternehmen beispielsweise stellte Technologien zur NT-Behandlung von Stählen vor, an denen die koreanische Stahlindustrie großes Interesse hat.

Die nächste Nano Korea-Messe ist für den 27. bis 29. August 2008 angesetzt. Veranstaltungsort ist wieder das KINTEX-Gelände.





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