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Asien Kurier 5/2007 vom 1. November 2007
Laos

Kommunisten als ökologische Musterknaben

Von Horst Rudolf

Politiker und Diplomaten müssen ihre Hausaufgaben neu machen. Nicht nur, dass Entwicklungs-Diktaturen wie China und Vietnam inzwischen politisch berechenbarer sind, als unsere alten Verbündeten im Westen ? jetzt gibt es sogar kommunistische Kleinstaaten, an die umweltpolitische Preise vergeben werden.

Noch bevor sich der jüngste Parteikongress in Beijing die Bedeutung von nachhaltiger und ökologisch verträglicher Entwicklung im Oktober auf ihre Fahnen schrieb, versetzte das kleine und vor allem kommunistische Laos die interessierte Welt in Staunen, indem es zur Pilgerstätte für umweltverträglichen Staudammbau avancierte.

Nach vielen Jahren kontroverser und kämpferischer Kritik um das erste Großprojekt des Landes, den Nam-Theun-II-Staudamm, entwickelte sich dieses überraschend zum Modell eines Entwicklungs-Vorhabens, dem die Weltbank einen hohen Standard bei der Umweltverträglichkeit bescheinigte ? das gefürchtete ?Environmental Impact Assessment? (EIA) wurde am Ende kein Projektkiller, sondern im Gegenteil eine Erfolgsgeschichte.

Nicht, dass dies den Investoren oder der Regierung in den Schoss gefallen wäre, und natürlich wurden mehr als 6.000 Menschen aus dem Überflutungsgebiet übersiedelt ? doch im Gegensatz zum benachbarten ebenfalls wasserreichen Myanmar geschah dies vergleichsweise friedlich und schonend für die Beteiligten. 1.000 Megawatt sind kein Weltrekord, doch pro Kopf der gut 6 Millionen Einwohner auf einer Fläche, die etwa dem alten Westdeutschland entspricht, ist das weitaus mehr, als selbst die Chinesen mit ihrem Super-Damm in den Drei Schluchten produzieren.

Doch die Chinesen sind nicht einmal die größten Investoren in Laos. Das benachbarte Thailand hatte einen guten Riecher, als es ? auch aufgrund leidvoller Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Myanmar - nicht nur 1,3 Milliarden US-Dollar in das kleine Land investierte, sondern auch gleich sicherstellte, dass das Geld nicht in falsche Hände geriet.

Denn ganz diskret, aber umso wirksamer, operieren eine Anzahl hochqualifizierter thailändischer Berater in diversen Führungsetagen der laotischen Administration ? wie ein österreichischer Unternehmer berichtet, der als einer der ersten Pioniere die richtige Einschätzung für das wenig bekannte aber umso grössere Potential des Landes hatte.

Werner K. Kubesch hatte den ?Riecher? für das aufstrebende Laos wohl aufgrund seiner dreissigjährigen Erfahrung in der Region, nun liegt er mit seiner ?Euroasia-Group? vor allem in Laos im neuen ?Öko-Trend?, wenn auch nicht beim Staudamm-Bau, sondern bei nachhaltiger und umweltfreundlicher Forstwirtschaft.

Nicht, dass es ein Kinderspiel war, der Regierung klarzumachen, welche langfristigen Vorteile die Erteilung eines FSC-Zertifikats für nachhaltige Wald-Bewirtschaftung dem Land bietet. Doch genau dies ist ein Beispiel, mit dem wir unsere deutschsprachigen Leser auf das Land und sein enormes Potential hinweisen möchten. Unternehmer wie Kubesch sind bisher die große Ausnahme in Laos, aber vielleicht liegt gerade darin die besondere Chance ? die sich letztendlich auch finanziell auszahlt.

Nicht umsonst sind nach den Thailändern die Chinesen der zweitgrößte Investor im Land ? und im vergangenen Jahr bereits die Nummer 1 mit 45 Projekten im Wert von 462 Millionen US-Dollar ? davon ein Drittel in der Energieerzeugung. Eine gewisse Ironie liegt in der Tatsache, das die Chinesen anderen Kommunisten nicht über den Weg trauten, während die flexiblen und pragmatischen Thais damit weniger Probleme hatten ? oder auch österreichische Unternehmer.

Doch das Rennen hat erst begonnen. Während die Analysten noch diskutieren, ob die schläfrige Hauptstadt Vientiane weniger Einwohner hat als Bonn, oder doch 600.000, wenn man die Vororte mitzählt, schlagen die Thais erneut zu. Nachdem das enorme Wasserkraft-Potential Myanmars solange nicht nutzbar ist, wie die dortigen Generäle die Marktwirtschaft ruinieren, hat man mit den zuverlässigen Kommunisten in Laos bereits Verträge über 5.000 Megawatt für zukünftige Staudammprojekte vereinbart.

Angesichts der Tatsache, dass der Mekong selbst weitaus schwieriger zu stauen ist, gelten vor allem die vielen Zuflüsse in Laos unter Fachleuten als interessantes Investment. Natürlich wird es teurer, wenn man die mit Nam Theun eingeführten Standards respektiert, doch scheint die Regierung in Vientiane Geschmack am Öko-Erfolg gefunden zu haben.

 

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