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Zu den wirtschaftlich bedeutensten Branchen gehört die Schuh- und Lederwarenindustrie. Die in diesem Segment angesiedelten Unternehmen erarbeiteten sich einen über Asien hinaus anerkannten Ruf als pünktlicher Lieferant von überwiegend im unteren Preissegment angesiedeltem Schuhwerk.
Als wichtigste Erzeugnisse gelten Sportschuhe, Damenschuhe, Leinenschuhe und Sandalen. Doch in jüngster Zeit hat das südostasiatische Land auch Märkte für höhere Schuhqualitäten ins Visier genommen. Anhaltend hohe Wachstumsraten von jährlich um die 17 Prozent sorgen für internationale Beachtung, mittlerweile liegt Vietnam in der Statistik der Herstellerländer von Schuh- und Lederwaren bereits auf dem vierten Platz. Schenkt man den Prognosen lokaler Brancheninsider Glauben, so wird sich der zu Jahresbeginn vollzogene Beitritt zur Welthandelsorganisation und die damit verbundene Aufhebung von bestehenden Quotenregelungen positiv auf die weitere Branchenentwicklung auswirken. Allerdings gibt es auch zurückhaltende Meinungen: Das vermeintlich ungebremste Wachstum stößt auf Widerstand, so sorgt ausgerechnet eine Anti-Dumping-Regelung der EU auf vietnamesische Lederschuhe für Mißstimmung. In der arbeitsintensiven Branche werden rund 500.000 Arbeitskräfte beschäftigt, wobei der Frauenanteil mit etwa 80 Prozent bemerkenswert hoch ist. Gut 400 Firmen sind mehrheitlich in privater Hand bzw. auslandsinvestierte Unternehmen. Produktionszentren sind die Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh City, sowie die angrenzenden Provinzen Binh Duong und Dong Nai. Nach Angabe der "Vietnam Leather and Footwear Association" (LEFASO) wurden Ende 2006 auf 750 Produktionslinien mit einer Gesamtkapazität von über 715 Millionen Paar etwa 600 Millionen Schuhepaare hergestellt. Fast die gesamte Produktion (579 Mio. Paar) ging in den Export nach Europa, Amerika, Japan und den ASEAN-Staaten; dies entspricht einer Steigerung von 20 Prozent auf 3,6 Milliarden US-Dollar gegenüber 2005. Nach Deutschland wurden rund 36 Millionen Paar Adidas-, Nike- , Fila- oder Reebok-Schuhe exportiert, womit Vietnam nach Italien an die zweite Stelle deutscher Schuhimportländer rückte. Im lokalen Markt wurden vergangenes Jahr nur rund 20 Millionen Schuhpaare verkauft, hier allerdings kämpft die Industrie mit geschmuggelter Billigware aus China. Obwohl etwa 60 Prozent der Rohmaterialien und Zusatzstoffe nach Vietnam eingeführt werden, zählt die Fußbekleidungsbranche dennoch zu den wichtigsten Industriezweigen. Zu den Importen gehören hochwertiges Leder (2006: 545 Mio. US$) oder italienische, chinesische und taiwanesische Produktionsanlagen (2006: 57 Mio. US$). Der lokale Zuliefermarkt beschränkt sich auf die Herstellung von Sohlen und anderen Kunststoffteilen. Die inländische Wertschöpfungskette soll, gegenwärtigen Planungen zufolge, bis zum Jahr 2010 deutlich ausgeweitet werden. Eine Herausforderung der besonderen Art sind die Anti-Dumping-Verfahren. Obwohl sich Deutschland mit Blick auf die negativen Folgen für europäische Schuhhändler, Verbraucher und vietnamesische Produzenten gegen eine entsprechende Regelung aussprach, verabschiedete die EU-Kommission letztes Jahr eine Anti-Dumpingregelung für in China und Vietnam produzierte Schuhe mit Lederoberteilen. Zunächst auf zwei Jahre befristet, gilt seit Oktober 2006 ein zehnprozentiger Strafzoll. Die EU hat sich explizit das Recht auf eine fünfjährige Verlängerung vorbehalten, falls Vietnam keine den gegenwärtigen staatlichen Subventionen abbaut. Als direkte Auswirkung dieser Regelung verzeichneten die Produzenten Auftragsverluste in beträchtlicher Höhe, was für die Beschäftigten Lohnkürzungen bzw. Kurzarbeit bedeutete. Zwischenzeitlich hat man sich auf die veränderten Bedingungen besser eingestellt, so dass trotz weiterhin negativer Rahmenbedingungen eine Abwanderung der internationalen Hersteller aus Vietnam als eher unwahrscheinlich gilt. Enger wird es für kleine Produzenten, die gezwungen sind, die höheren Exportkosten zu absorbieren. Doch auch für diese Betriebe sind die Zusatzkosten vertretbar, solange am Markt nachgefragte Qualitäten produziert werden. Hier sieht sich die Branche gegenüber dem Massenproduzenten China gut aufgestellt. Im ersten Halbjahr 2007 verzeichnete das Land am südchinesischen Meer trotz EU-Probleme einen Exportumsatz von 1,93 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Analysten prognostizieren für das Gesamtjahr 48,2 Prozent gegenüber 2006. Abgesehen von der Anlaufphase im Anschluss an die Anti-Dumping-Regelung, bewiesen Vietnams Fußbekleider Flexibilität im Umgang mit bestehenden und neuen Absatzmärkten. Ferner setzte sich der seit mehreren Jahren beobachtete Trend fort, wonach die USA Vietnams Kernindustrien als zentralen Handelspartner bevorzugt. Während der EU-Exportanteil von etwa 70 Prozent anno 2005 auf etwa 55 Prozent in 2006 zurückging, verzeichneten die USA die größten Zuwachsraten. Zeigen die Exportzahlen für Deutschland mit 339 Millionen US-Dollar im Jahr 2006 (2005: 310 Mio. US$) eine positive Tendenz, so dominierte die USA in diesen Zeitraum mit einen Zuwachs von über 30 Prozent auf 803 Millionen US-Dollar. Vietnam gilt in Sachen Schuhindustrie als verlängerte Werkbank. Ein Großteil der Produktion basiert auf Aufträgen der internationalen Schuh-Multis, welche an überwiegend koreanische oder taiwanesische Sub-Unternehmer vor Ort vergeben werden. Die Hersteller produzieren Qualitäten auf internationalem Niveau, allerdings fehlt es an Erfahrungen im Umgang mit ausländischen Partnern. Nichtsdestotrotz darf die vietnamesische Schuhindustrie in einem gewissen Maß mit Selbstvertrauen in die Zukunft blicken. Positive Wachstumsraten untermauern ihren Anspruch, als einer der global bedeutenden Produzenten auch weiterhin lohnende Aufträge an Land zu ziehen. Zuversichtlich stimmen die in Vietnam produzierten international vertretbaren Qualitäten, mit denen man sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile gegenüber die neuen Mitbewerber wie etwa Kambodscha oder Laos schafft. Die Schuhkarawane plant nicht weiter zu ziehen ? Vietnam wird alles daran setzen, dass dem so bleibt.