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Offiziell wird der Renminbi durch einen Währungskorb determiniert, der nach den Währungen der wichtigsten Handelspartner gewichtet wird. Am 21. Juli 2005 wurde der Wechselkurs des bis dahin an die US-Währung gebundenen chinesischen Yuan (Renminbi) freigegeben. Die mäßige Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar von 10 Prozent und die beinahe Verdoppelung der Devisenreserven seit der Einführung des neuen Systems legen jedoch nahe, dass die chinesische Zentralbank noch immer im großen Stil interveniert, um den Renminbi nicht zu stark aufwerten zu lassen.
So übertrifft der Handelsbilanzüberschuss von 185 Milliarden US-Dollar der ersten neun Monate 2007 bereits jenen des gesamten Jahres 2006 (165 Mrd. US$). Auch der bilaterale Exportüberschuss mit den USA ist seit der Einführung des neuen Wechselkurssystems nicht kleiner, sondern größer geworden. Die kontrollierte Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Greenback wirkt sich auch auf den Wechselkurs Euro / US-Dollar aus. Seit dem 21.Juli 2005 hat der Euro gegenüber dem US-Dollar knapp 20 Prozent an Wert gewonnen. Da der Renminbi als Leitwährung für andere asiatischen Staaten gilt, ist bis dato eine Korrektur des US-Leistungsbilanzdefizits nur über den Euroraum möglich. Der ist jedoch nur für gut 15 Prozent des Defizits verantwortlich, während die asiatischen Schwellenländer knapp 40 Prozent verkörpern. Hier liegt auch der Ursprung der internationalen Kritik an der chinesischen Handelspolitik. Im Kern unterstellen die USA, dass China seine exportorientierte Wachstumsstrategie auf Kosten anderer durchführt. Denn für die Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizits müssen täglich rund 2,3 Milliarden an Kapital importiert werden. Eine unmittelbare Folge sollen auch der Abbau von Arbeitsplätzen in der US-Exportindustrie, speziell im Fertigungssektor, sein. China hält sein Finanzsystem, trotz der allgemein beeindruckenden Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, für noch nicht stabil genug, um es völlig zu liberalisieren. In der Vergangenheit litten die großen staatseigenen Banken unter faulen Krediten. Noch vor zehn Jahren war das Bankensystem quasi bankrott. Nur durch staatliche Interventionen konnte ein Kollaps des von den großen staatseigenen Banken dominierten Finanzsystems verhindert werden. Nach Schätzungen internationaler Investmentbanken kostete dieser Bailout etwa 500 Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2006 veröffentlichte die chinesische Banken-Regulierungsbehörde faule Kredite in Höhe von 8 Prozent an den gesamten ausstehenden Darlehnen. Inoffiziellen Schätzungen zufolge können sich diese aber bis auf 25 Prozent summieren. Das starke Kreditwachstum seit 2002 verringerte die relative Größe der uneinbringlichen Kredite. Im Rekordjahr 2003 betrug das Kreditwachstum 22 Prozent, halbierte sich in den darauf folgenden Jahren wieder, bevor es sich in 2006 wieder merklich erhöht und in den ersten sechs Jahresmonaten 17 Prozent betrug. Sollte sich die konjunkturelle Situation in China beispielsweise nach der Olympiade 2008 verschlechtern, werden die neu aufgenommenen Kredite von gestern und heute die potentiell neuen faulen Kredite von morgen sein. Das enorme Kreditwachstum ist unter anderem eine Folge der künstlich unterbewerteten Währung, da sich letztendlich durch die Zentralbankintervention auf dem Devisenmarkt die Geldbasis der Banken vergrößert. Die vergrößerte Geldbasis ermöglicht den Banken mehr Darlehnen zu vergeben. Auf der Nachfrageseite ist der reale Zinssatz ausschlaggebend, der durch die gestiegene Inflation (6,1% auf Jahresbasis) gesunken ist. Die Zentralbank hat fast vergeblich versucht das Geldmengenwachstum und die Inflation durch einen auf 13 Prozent erhöhten Mindestreservesatzes für Banken und durch Anhebung des Zinssatzes auf derzeit 7,3 Prozent zu bekämpfen. Die neu entstandenen Kredite sorgen für eine hohe Liquidität im Finanzsystem, welche in die Aktien- und Immobilienmärkte fließt. Dort ist besonders gut zu beobachten, dass die Preise derzeit nur eine Richtung kennen. Sowohl die Immobilienmärkte in den Boomregionen, als auch die Börsen in Shanghai und Shenzen markierten bis Oktober immer neue Höchststände. Die Hauptursache für die Rallye an den Inlands-Aktienmarkt ist die überschüssige Liquidität, die aus Mangel an alternativen Investitionsmöglichkeiten in die Vermögensmärkte fließt. Die politische Führung in Beijing erklärte im August, dass es den Inlandschinesen zukünftig erlaubt werden soll, ihr Geld an der Hongkonger Börse zu investieren - Ein Fortschritt, auch wenn noch nicht klar ist, in welchem Umfang und wann dies exakt umgesetzt werden soll. Bisherige Versuche, dem Finanzsystem Liquidität zu entziehen, beruhten auf Instrumenten und Maßnahmen, die innerhalb dieses Systems wirken sollten ? durch die Erhöhung der Mindestreservesätze, Zinssätze, Ausgabe von Sterilisationsbonds und dem Börsengang ehemaliger Staatsunternehmen. Mit der neuen Entscheidung könnte erstmals Liquidität aus dem System fließen. Um die Finanzmärkte langfristig zu stabilisieren, wird kein Weg an der Flexibilisierung der Währung vorbei führen. Das haben die verantwortlichen chinesischen Politiker bereits erkannt. Eine Aufwertung würde aus realwirtschaftlicher Sicht das Wachstum dämpfen, speziell im Exportsektor. Bei einem prognostiziertem Wachstum von 11,5 Prozent für das Jahr 2007 ist dies wünschenswert. Eine, durch das Investitionswachstum getriebene, Überhitzung der Konjunktur, würde das Risiko von Überkapazitäten vergrößern - die Folge wären neue faule Kredite ! Außerdem könnte eine Aufwertung der Währung das Geldmengenwachstum verlangsamen und damit den Druck von den Vermögenspreisen nehmen. Der monetäre Aspekt der Aufwertung ist nicht zu unterschätzen, da seit den 80er Jahren Banken- und Währungskrisen vermehrt simultan eintraten. Die Hauptmerkmale dieser Finanzkrisen waren steigendes Kreditwachstum und steigende Vermögenspreise. Der Zusammenbruch eines der Vermögensmärkte führt bei den Geldinstituten zu Kreditausfällen. In einem schwachen Bankensystem führte dies zu einer ernsthaften Bankenkrise. Besonders in Schwellenländer ist viel spekulatives Geld angelegt, dass bei veränderten Rahmenbedingungen seinen Weg trotz der Kapitalkontrollen aus der Volkswirtschaft finden würde. Die heimische Währung würde unter starken Abwertungsdruck geraten, wodurch sowohl die Realwirtschaft als auch das Finanzsystem weiter geschwächt würden. Der chinesische Inlands-Aktienmarkt scheint trotz starker Fundamentaldaten überwertet zu sein. Der A-Shares, die in Shanghai und Shenzen in Yuan gehandelt werden und nur den Inlandschinesen vorbehalten sind, werden derzeit mit einem Kurs/Gewinn Verhältnis (KGV) von etwa 60 bewertet. Der DAX hat derzeit ein KGV von 13,5 für 2007. Seit Oktober 2006 hat sich der CSI 300 Index, der die 300 wichtigsten A-Aktien abbildet, fast vervierfacht. Auch basiert der Gewinnanstieg der börsennotierten chinesischen Unternehmen nur zu knapp 55 Prozent auf dem gewöhnlichen Geschäftsbetrieb. Der Rest wurde nach eine Studie von Morgan Stanley durch außerordentliche Investmenterträge erzielt. Das Risiko der chinesischen Wirtschaft ist ein Platzen der Blase auf den Vermögensmärkten bei gleichzeitig schwachen Finanzsystem. Daher ist eine Neubewertung der chinesischen Währung aus binnenwirtschaftlicher Sicht unabdingbar. Die sukzessive Aufwertung durch eine Vergrößerung des Fluktuationsbandes (bisher täglich 0,5 % zum Vortagskurs) und der vorsichtige Abbau der Kapitalkontrollen sollten daher als mittelfristiges Ziel gesteckt werden.