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Zu verlockend präsentiert sich das Reich der Mitte auch den internationalen Versicherern, Banken und Finanzdienstleistern. Wer will bei so einem großen Kundenpotential schon zurückstehen? Tatsächlich kümmert sich ein zunehmend größerer Teil der Chinesen - primär im Speckgürtel der Ostküste - selbst um seine Sicherheit.
Doch rund 70 Prozent des Milliardenvolks lebt in Provinzen, in denen die Landwirtschaft dominierender Wirtschaftsfaktor ist, das Einkommensniveau kaum zum Leben reicht und die Menschen sich immer mehr Sorgen um die Zukunft machen. Chinas Sicherheitsnetz ist auf das Äußerste gespannt. Und die Assekuranzwirtschaft muss sich schnell modernisieren, denn die Zahl alter Menschen nimmt stetig zu. Im ersten Halbjahr 2007 stiegen die Prämien der chinesischen Versicherer um 20,7 Prozent auf 371,8 Milliarden Renminbi (34,2 Mrd. Euro; 1 Euro = 10.88 Renminbi / Yuan). Verantwortlich waren dafür drei Versicherungssparten: Immobilien-, Lebens- und Unfallversicherungen. Ähnlich wie im globalen Versicherungsmarkt, ist jener in China in Lebens- und Nicht-Lebensversicherungen geteilt. Lebens- und Krankenversicherungen, Rentensysteme und dazu gehörige Produkte, bilden die Gruppe der "Lebensversicherungen". Und die Assekuranzwirtschaft erfreut sich in diesem Bereich stark steigender Umsatzzahlen: 16,7 Prozent Plus auf 235 Milliarden Renminbi (21.6 Mrd. Euro) in den ersten sechs Jahresmonaten.Und im kommenden Jahr 2008 will das Riesenreich Korea überholen um zweitgrößter Versicherungsmarkt Asiens zu werden oder - nach den USA, Japan und Großbritannien - an die vierte Stelle weltweit zu rücken. Die Prämien der Lebensversicherer machen gut drei Viertel der gesamten Versicherungsumsatzes aus. Die Nicht-Lebensversicherungen teilen sich in Immobilien-, Unfall-, Haftpflicht- und Fahrzeugversicherungen auf. Dominiert wird dieser Sektor von der Pflichtversicherung für Fahrzeuge, deren Umsatz vergangenes Jahr 65 Prozent dieses Bereichs ausmachte (Immobilienversicherungen: +37,1% auf 108,4 Mrd. Renminbi; Unfallversicherungen: +17,7% auf 9,5 Mrd. Renminbi). Zuständige Behörde ist die 1998 eingesetzte "China Insurance Regulatory Commission" (CIRC, www.circ.gov.cn, in Englisch und Chinesisch). Deren Regeln für ausländische Unternehmen unterscheiden sich in den Bereichen "Leben / Nicht-Leben". Lebensversicherer dürfen nicht zu 100 Prozent auslandsinvestiert sein (Gründung einer eigenen"Wholly Foreign Owned Enterprise", WFOE ist daher nicht möglich); ihr Aktienanteil an Joint Ventures ist auf 50 Prozent limitiert. Einen Prozentpunkt mehr genehmigt des sozialistische Staat den Nicht-Lebensversicherern (51%) in Gemeinschaftsunternehmen, sie dürfen jedoch auch vollständig eigene Versicherungen etablieren (100% WFOE). Die CIRC hat die Bestimmungen für ausländische Investoren, die maximal 25 Prozent der Aktien eines chinesischen Versicherers erwerben wollen, definiert: - Ein einzelner Investor darf höchstens 20 Prozent erwerben; - er muss über mindestens 2 Milliarden US-Dollar Kapital verfügen; - er muss in den drei letzten Jahren profitabel gewirtschaftet haben; - eine internationale Ratingagentur muss den Bewerber in den letzten drei Jahren mindestens mit "A" bewertet haben; - er darf seine Aktien nicht vor Ablauf von drei Jahren nach Kapitalübertragung veräußern; - er darf seine Aktien nicht kreditfinanzieren und muss in einer "harten" Währung bezahlen; - der chinesische Versicherer benötigt eine Genehmigung der Behörde zum Verkauf seiner Aktien an einen ausländischen Partner. Will das ausländische Unternehmen mehr als 25 Prozent erwerben, so wird das Joint Venture als "Auslandsunternehmen" klassifiziert, wobei weitere Bestimmungen gelten: - der ausländische Versicherer muss über mehr als 5 Milliarden US-Dollar Kapital verfügen; - er muss in Assekuranzgewerbe seit mehr als 30 Jahren operieren und mindestens zwei Jahre in China geschäftlich aktiv sein. Zur Gründung einer Zweigstelle als Lebens- oder Nicht-Lebens-Versicherer muss das Unternehmen minimal 200 Millionen Renminbi (18,4 Mio. Euro) investieren, von Rückversicherern werden 300 Millionen Renminbi (27,6 Mio. Euro) verlangt. Seit 2004 dürfen Ausländer im ganzen Reich der Mitte ihren Geschäften nachgehen, zuvor war dies nur in 15 Städten erlaubt. Im ersten Halbjahr 2007 genehmigte die Aufsichtsbehörde CIRC fünf inländischen und drei auslandsinvestierten Versicherern das Assekuranz-Engagement in China. Zum Stichtag 30. Juni 2007 waren 56 chinesische Versicherer, 8 Versicherungsgruppen und Holdings, 9 Asset Management Unternehmen, und 128 Zweigstellen von 45 ausländischen Versicherern aus 15 Ländern oder Regionen aktiv. Auch chinesische Versicherer wollen ins Ausland expandieren. Mitte Juli 2007 erhöhte die CIRC das Limit für Auslandsinvestitionen auf 5 Prozent, bezogen auf das gesamte Vermögen. Das Kapital aller chinesischer Versicherer wird mit 2.500 Milliarden Renminbi (etwa 230 Mrd. Euro) beziffert - bei einem jährlichen Zuwachs von 25 bis 30 Prozent. Schon vor drei Jahren, anno 2004, erlaubte der Staat einzelnen einheimischen Versicherern einen Teil ihrer harten Devisen an ausländischen Anleihemärkten zu investieren. Erst seit 2006 dürfen lokale Versicherer Devisen kaufen, um damit Aktien von einigen, in Hongkong gelisteten, chinesischen Unternehmen zu erwerben. Je lockerer die bislang strikten chinesischen Kapitalkontrollen werden, desto mehr Geld wird in die globalen Finanzmärkte fliessen - China wird sich von einem bedeutenden Kapitalimporteur zum Exporteur wandeln. Der Inlandsmarkt wird von lokalen Versicherern dominiert. Im Bereich "Leben" beträgt der Marktanteil chinesischer Unternehmen 97 Prozent, wobei die Top-Drei, "China Life", "Ping An" und "China Pacific Life", alleine 90 Prozent repräsentieren. Ein Grund für ihre Dominanz war die bis 2004 geltende regionale Beschänkung für ausländische Versicherer auf 15 Großstädte. In Guangzhou und Shanghai durfte auslandsinvestierte Unternehmen zuerst den Betrieb aufnehmen. Doch gerade hier war die Stadtbevölkerung bereits Versicherungskunde. Infolgedessen haben ausländische Anbieter die zweit- und drittklassigen Städte begutachtet, obwohl deren Verbraucher weniger verfügbares Einkommen haben, als in den beiden Boomstädten. Weniger, bedeutet aber auch, dass das Einkommen schnell steigt - für Auslandsversicherer ein langfristig interessanter Kundenkreis. "Bancassurance" - der Begriff steht für das gemeinsame Marketing von Versicherungen und Banken, wobei die Assekuranz meist die etablierten Vertriebskanäle der Geldinstitute für ihre Versicherungsprodukte nutzt. Dies kann auf dem Weg einer Mergers, Joint Ventures oder einer sonstigen Kooperation erfolgen, wobei die Liberalisierung der chinesischen Finanzbranche diesen profitablen Distributionsweg unterstützt. Im ersten Halbjahr 2007 generierten ausländische Lebensversicherer einen Umsatz von 4,28 Milliarden Renminbi (393 Mio. Euro), ein Zuwachs 38,8 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2006. Die "Bancassurance"-Verkaufszahlen explodierten um 87,1 Prozent auf 2,01 Milliarden Renminbi (185 Mrd. Euro). Mit ihren Erfahrungen haben es ausländische Anbieter leicht, auf dem Banken-Versicherungs-Vertriebsweg erfolgreich zu agieren. Zudem handelt es sich bei den meisten Angeboten um Investment-Produkte, dessen Profit neben einer grundlegenden Versicherungsleistung an die Entwicklung der Aktienmärkte gekoppelt ist. Das mittlerweile sprunghafte Verhalten (starke Verluste neben starken Gewinnphasen) der chinesischen Börsen stört die neuen Kunden offenbar wenig. Das Angebot einheimischer Versicherer scheint für die Kunden weniger attraktiv zu sein. Obwohl lokale Finanzdienstleister ihre Agenten quer durch das Reich der Mitte stationiert haben, sind deren Verkaufszahlen gering. Die Produktivität des Verkaufspersonals erreicht nur einen Bruchteil jener der ausländischen Versicherer. Loyalität zum Arbeitgeber ist eher ungewöhnlich und viele Verkäufer wechseln schon bald zum Konkurrenten. Einen Fehler machen ausländische Versicherer immer wieder: die beeindruckende Zahl von 1,3 Milliarden Einwohnern ist nicht gleichzusetzen mit dem Potential dieser Branche (für andere Investoren gilt dies entsprechend). Für etwa 870 Millionen Chinesen in bäuerlichen Gebieten, ohne Ersparnisse und Einkommen, sind Versicherungen eine unwichtige, eher unrealisierbare, Ausgabe. Einheimische Unternehmen sind im August 2007 mit neuen Produkten vorgeprescht und bieten den Bauern Versicherungen für ihr gebärfähiges Vieh an. Die Prämie beträgt in Westchina 60, in Zentralchina 40 Renminbi und wird von der Regierung subventioniert. Mit einem schnellen Industrie- und Handelswachstum ergeben sich auch für "Nicht-Lebensversicherungen" erhebliche Geschäftsmöglichkeiten. Anno 2005 betrug der Marktanteil ausländischer Anbieter in diesem Bereich gerademal 1,3 Prozent. Bei einem prognostizierten jährlichen Wachstum von 25 Prozent und mehr Freiheit beim Markteintritt, ist dieser Anteil erstaunlich gering. Was behindert ihr Wachstum? Ausländischen Anbietern ist der Verkauf von Pflichtversicherungen, also besonders die Kfz-Versicherung, verboten. Und bei kräftig steigenden Zulassungszahlen macht der obligatorische Kfz-Bereich 65 Prozent des Gesamtumsatzes dieses Branchensegments aus. Um ein Standbein in den lukrativen Pflichtversicherungsmarkt zu setzen, investierten ausländische Unternehmen weniger als 25 Prozent in Aktien inländischer Versicherer. Das nicht so ferne Ziel: bei einer weiteren Marktöffnung mehr Anteile zu erwerben, um schließlich einen erfolgversprechenden Start zu gewährleisten. Das Management der Nicht-Lebensversicherer fokussiert ihre Geschäftsanstrengungen auf die Metropolen wie Beijing, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen. Grund ist der Mangel an internationalen Brokern, einer der sonst üblichen Vertriebswege. Für die Gründung eines Maklerunternehmens ist ein registriertes Kapital von 5 Millionen Renminbi (460.000 Euro) vorgeschrieben. Vorteilhaft ist für ausländische Versicherer, dass zu ihrer besten Klientel die multinationalen Unternehmen (MNCs) gehören, mit denen sie - zuhause, wie in vielen Ländern - langfristig zusammenarbeiten. Auch die lokalen Versicherer gründen gerne Joint Ventures, wenn ihnen der ausländische Partner mit seinem Know-how Vorteile in diesem nicht leichten Marktsegment verspricht. Es bleibt abzuwarten, wie ausländische Versicherer den chinesischen Markt erobern können. Führend sind einheimische Anbieter denen die Regierung ständig mehr Spielraum einräumt. Vertriebskanäle und zahlreiche neue Märkte bieten neue Geschäftschancen. Ausländische Anbieter sollten sich spurten! Zum Vorteil für die chinesische Bevölkerung - der Wettbewerb von in- und ausländischen Versicherern generiert neue Produkte. Die Versicherungsbranche hat sich erfreulich geöffnet und damit ihre eigene Zukunft gesichert. Pflichtversicherungen Diese können nur bei einheimischen Versicherern gekauft werden. Die Bestimmungen variieren je nach Industriebranche. Zu dieser Gruppe gehören besonders: - Fahrzeughaftpflichtversicherungen - Sozialversicherungspakete - Betriebliche Unfallversicherungen - Bauarbeiter-Versicherungen Kfz-HaftpflichtVersicherungen Die Besitzer von 130 Millionen Autos, Motorrädern und Traktoren müssen ihre Fahrzeuge versichern. Doch nur 35 Prozent aller Fahrzeuge sind wirklich versichert ! Das Gesetz schreibt keine minimale Summe vor und die Versicherer sind zu risikoscheu, um eine unbegrenzte Deckung anzubieten. So ist in der Mehrzahl der lokalen Policen die Deckung auf 100.000 Renminbi festgelegt. In jüngsten Haftungsklagen berücksichtigten die Richter die individuelle Karriere, Einkommen und die Angehörigen, wobei oft ein Schadenersatz von 500.000 Renminbi entschieden wurde. Sozialversicherungspakete Dieses Versicherungspaket für Arbeitnehmer soll medizinische Behandlungen, Arbeitslosigkeit, Renten, Schwangerschaftszeiten decken und beinhaltet einen Fond zum Immobilienerwerb. Das Paket wird staatlich verwaltet. Unternehmer, die bei einem lokalen Arbeitsamt oder einer privater Agentur registriert sind, bezahlen einen nach Provinz und Stadt unterschiedlichen Beitrag. Nur Chinesen kommen in den Genuss dieser Leistung. Der Arbeitgeber ist für die Bezahlung der dem Staat geschuldeten Beiträge verantwortlich. Ausländische Unternehmen sollten sich vor der Einstellung lokaler Mitarbeiter über die Details bei einer privater Agentur informieren. Betriebliche Unfallversicherungen Die Prämien dieser seit 2004 obligatorische Versicherung sind von der Industrie und der Art der Arbeit abhängig. Sie entbindet den Arbeitgeber nicht von seiner Haftung gegenüber dem Arbeitnehmer in zivilrechtlicher Hinsicht. Bauarbeiter-Versicherungen Das chinesische Baurecht verlangt vom Arbeitgeber die Unfallversicherung seiner Mitarbeiter bei "gefährlichen" Arbeiten auf der Baustelle. Das Unternehmen kann eine eigene Haftpflichtversicherung oder eine Unfallversicherung für den Arbeitnehmer abschliessen. Die minimale Schadenersatzhöhe ist im Baurecht nicht festgelegt.